Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1934)
- Date
- 1934-05-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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rcieli Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a- M. 17. Mai 1934 3. Siwan 5694 Nummer 20 Eine furchtbare Wasserkatastrophe in Ijberias. Von , einer furchtbaren Katastrophe wurde Tiberias, die heilige Stadt in Galiläa, heimgesucht, die nach bisheriger Schätzung etwa 30 Menschenopfer, unter ihnen zehn Juden, gekostet hat. Es ist seit dem großen Erdbeben im nahen Safed im Jahre 1837 das größte Unglück, von dem der Galil betroffen wurde. Das Unheil kam zuerst am Montag nachmittag sozusagen ganz aus heiterem Himmel. Ganz plötzlich hatte sich der Himmel verdüstert und es entlud sich ein Wolkenbruch, der in wenigen Minuten die ganze untere Stadt in ein Meer verwandelte und die alten Häuser unter furchtbarem Krachen zum Einsturz brachte. Das Wasser kam zur gleichen Zeit von oben und auch vom überflutenden Tiberiassee herangestürzt, und schon sah man mitten in der Verwirrung Leichen aus den eingestürzten Häusern in den See spülen. Als nach einer furchtbaren Nacht, in der die Menschen unter freiem Himmel kampierten, am " Dienstag morgen die Wolken sich verzogen und die; Wasserströme nach und nach abflössen, ging man am Dienstag mittag zur Bestattung der Leichen, so weit man sie bergen konnte. Noch hielt das Weinen und Jammern um die Toten auf dem Friedhof an, als sich der Himmel wieder mit verdächtigen Wolken bedeckte und völliges Dunkel eintrat. Eine unbeschreibliche Panik brach aus, die Menschen, noch die Schrecken des gestrigen Tages vor Augen, liefen kopflos durcheinander, und ein orkanartiger Sturm fegte, der Straßen und See zu einer einzigen Flut machte. Auch das zweite Unglück kostete mehrere Opfer. Von der ITA. wird uns noch auf telefonischen Anruf berichtet: Die Zahl der Todesopfer, die die Ueberschwemmungskatastrophe in Tiberias gefordert hat, hatte sich bis zum 15.* Mai. nachmittags auf 29 erhöht. Zehn von den Toten sind Juden. Zahlreiche Vermißte konnten bisher noch nicht 'aufgefunden werden, und man befürchtet, daß noch mehrere Personen in den Fluten umgekommen sind. Die Rettungsarbeiten werden unter der Leitung des Distriktsgouverneurs Major Keith Roach forgefühi-t. Viele Einwohner von Tiberias haben in den benachbarten jüdischen Kolonien Zuflucht gefunden. Die Flut hatte so rasch eingesetzt, daß ein großer Teil der Bevölkerung sich nicht mehr in Sicherheit bringen konnte. Da die meisten Häuser der Altstadt keinen Zementunterbau haben, wurden sie vollkommen unterwaschen. Die gesamte Habe, vieler hunderte Einwohner wurde von den reißenden Fluten fortgespült. Polizei und Militär sucht unter den Trümmern eingestürzter Häuser nach Toten und Verletzten. Der Umfang des angerichteten Sachschadens konnte noch nicht festgestellt werden. Er ist jedenfalls sehr groß. Die Schätzungen bewegen sich um 30.000 Pfund. Im Schweitzer- Hospial' wurden 78 Verletzte behandelt, 27 Schwerverletzte wurden in den Abteilungen aufgenommen. Unter den von der Katastrophe Betroffenen herrscht unbeschreibliche Not. Die Lebensmittelversorgung wurde durch Zufuhr auf Lastkraftwagen aus Jerusalem und Tel Awiw organisiert. Tiberias liegt am Westufer des Kinereths e e s, 208 m u. d. Meeresspiegel. Unter den etwa 9000 Einwohnern der Stadt sind gut 8000 Juden. Es ist die Stadt der T a na i m und der M i s c h n a und heute noch Stützpunkt des alten Jischuw. Von den heiligen Gräbern vor der Stadt ist das von Rabbi Meir baal Haneß am meisten in der gesamten jüdischen Welt bekannt, das glücklicherweise verschont geblieben ist. Im Lehrhause bei diesem Grabe sollen nach neueren Berichten viele Obdachlose Aufnahme gefunden haben. Aus dem Inhalt: Zur Frage der elektrischen Betäubung Seite 2 Nichtarier in der Wirtschaft .... Seite 2 Birobidschan jüdische Republik . . Seie 2 Die neue Einwanderungsschedule für Palästina Seite 3 Verfassungssorgeri in Oesterreich . Seite 3 Spannungen im Heiligen Lande . . Seie 4 Zu den Mahnungen des Reichsministers Dr. Goebbels.....Seite 7 und 8 Der Arlosoroffprozeß.......Seite 10 Die agudistischen Palästinavorträge im Frankfurter Saalbau .... Seite 14 Beilagen: „Aus Welt und Leben" „Gola und Geullah". Vom Warten und Werden. Eine Betrachtung zum Schwuausfeste. Fest der Wochen, Fest der Erstlinge oder Fest des Gesetzes — wir haben die Wahl, unser Fest so oder so zu nennen. In der Thora ist mjnntP an neben trwan an genannt. Und aus Sinaihöhen kommt das große Leuchten über den Tag, der, nach dem klaren Berichte in M. II, Kjap. 19, Geburtstag der Thora ist. Daß in den Festkapiteln der Thorabücher nicht vom „Feste der, Thora" gesprochen wird, versteht der igläubige Jude, wenn er an jedem Tage im Kreislaufe des Jahres mit dem Segensspruch, der ihn morgens vom Lager zur Pflicht ruft, mit dem Gebete, das ihn in den Schlaf wiegt, mit jeder Mizwohtat, die ihm tagsüber die Verbundenheit mit G'tt und Seiner Thora sichert, ein Fest feiert. Sollten wir etwa Mutter Thora, sollte Mutter Thora uns nur an einem oder zwei Tagen im Jahre ein Fest feiern? Fest der „Wochen" ist aber gleichbedeutend mit Fest der Erfüllung, die dem Hoffen und Sehnen der zwischen Mizrajim und Sinai liegenden Wochen geworden war. Mit B i k k u r i m wird des Landes Segen und des Bodens reicher Ertrag G'tt geweiht, alles irdische Sein und Tun der Sinailehre unterstellt. Mithin sind Schwuaüs und Bikkurim nur eine Umschreibung von Thorafest, eine Verankerung von Sinn und Seele (myiaw) wie von Arbeit und Genuß (D",mD'»l im Sinaiboden. So oder so, es bleibt ein Fest der Thora, Die Sadduzäer, die mit einem heute kaum verständlichen Eifer darauf aus waren, Omerschneiden und Omerzählen vom ersten Pessachtage, und somit Schewuaus:vom sechsten Siwan (der auch schließlich für sie, die angeblichen Anhänger des nackten Wortes, Tag der Gesetzgebung war) zu trennen, wollten damit letzten Endes nichts anderes, als die Loslösung der Bikkurim vom Sinai, des Genußlebens von der Thora. Es war eine Los-von- Sinai-Bewegung, der alle Kraft und alle Mittel dienen mußten. Für sie war der Boden nur Boden und die Frucht nur Frucht der Arbeit und des Menschenschweißes, deren Genuß keine Schranke gesetzt ist. Es führte kein Weg von Feld und Acker nach oberen Gefilden. Es waren die gleichen, die lehrten: K^N d"?U; *7fiX' es gäbe nur eine Welt, denen gegenüber wir bekennen mußten: i,Gesegnet G'tt, von einer Welt zur ander n." •ü^nsrn un ohwn ]o tj *|na (Fortsetzung aui Seite 3.)