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Der Israelit · 1934-04-26 · Heft 17 (26.4.1934) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 17 (26.4.1934)
Date
1934-04-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 4 Nr. 5 Der Israelit 26. April 1934 Es ist gleichgültig, wieviel Stoff, ob ein ganzer Perek Mischnajoth oder ein ganzes Blatt Gemara oder ein ganzes Kapitel des Tenach „erledigt" wird. Man scheue nicht, den Blick ins Weite schweifen zu lassen, um das Publikum im fremden Stoff heimisch zu machen, um ihm das Bewußtsein zu geben, aus diesem eröffnen sich die größten Perspektiven des Lebens. Denn erst dann fühlt der Hörer; elu diwre elokim chajim, das sind Worte des lebendigen G'ttes; dann erst kehrt in ihn die beglückende Freude ein, an dem Größten teilzuhaben, was Menschenmund sprechen und Menschenohr hören kann. Seine eigene Fragelust und aktive Teilnahme wird angeregt. Und das ist das beste Zeugnis jedes Schiurs, daß dem Hörer nicht nur das Herz aufgeht, sondern daß sein Mund sich auftut, daß er nicht nur empfangend, sondern gebend und mitdenkend die Probleme löst. Rambam und der Amhaarez. Der Schiur hat die Zauberkraft, den Einzelnen vergessen zu lassen, welche Lücken sein jüdisches Wissen hat, ihn mit dem schönen Bewußtsein zu erfüllen, daß er doch in der Tora kein Fremdling zu sein braucht. Wir beten ja allsabbatlich: „gib auch uns einen Teil an Deiner Lehre!" Diese Bitte wird durch den Schiur jedem erfüllt. Darum sei kein noch so Gelehrter zu stolz, den Schiur zu geben, kein noch so Ungelehrter zu schamhaft, an ihm teilzunehmen. Der Begriff des Amhaarez muß in unserer Mitte eine Umdeutung erfahren. Amhaarez ist der, der nicht an einem Schiur teilnimmt. Und das Recht zu solcher Wertung des Begriffs gibt uns ein köstliches Schreiben eines der Größten der Großen, des Rambam selbst, an den sich ein Unwissender, Mar Joseph ben Gaber gewandt hatte mit der Bitte, sein großes halachisches Werk doch ins Arabische zu übersetzen, III. (Schluß.) Die sieben Gruppen der Frommen. „Sieben "Klassen von Frommen werden dereinst vor G'tt stehen, den Abglanz Seiner Schechina schauen und der ganzen Welt leuchten, und ihr Antlitz gleicht der Sonne, dem Mond, dem Himmel, den Sternen, den Blitzen, den Lilien und dem Leuchter des Heiligtums. Der Sonnef wie es heißt r^die G'tt lieben, sie erstrahlen wie die Sonne, wenn sie in ihrer Macht aufgeht; dem Mond, wie es heißt: wer schaut dort hernieder so licht wie der Mond; dem Himmel und den Sternen, denn es heißt: die Einsichtigen, sie strahlen wie der Glanz des Himmels, und die, die viele zur Frömmigkeit führen, wie die Sterne immer und ewig; den Blitzen, denn es heißt: ihr Gesicht gleicht Flammen, wie die Blitze eilen sie herbei; den Lilien, wie es heißt: dem Sangmeister ein Sang für die, die den Lilien gleichen. Endlich dem Leuchter des Tempels, denn es heißt: und diese beiden sind wie Oellampen rechts und links vom Behälter. Die erste Gruppe sitzt unmittelbar neben dem König und schaut sein Angesicht, wie es heißt: es sitzen die Redlichen vor Deinem Angesicht. Die zweite Gruppe sitzt im Hause des Königs, wie es heißt: heil denen, die in Deinem Hause sitzen! Die dritte Gruppe weilt im Nebenzelt des Königs, wie es heißt: wer darf weilen in Deinem Zelte? damit er es verstehen könne. Rambam erwiderte ihm: „Aus Deinem Schreiben entnehme ich, daß Du Dich beklagst, ein Amhaarez zu sein, weil Du nur des Arabischen, nicht aber des Hebräischen kundig seiest und daher unsren Kommentar zur Mischnah zwar eifrig studierst, unsren Kodex Migchne Tora aber nicht zu lesen vermagst. Was Du zunächst wissen sollst, G'tt erhalte und vermehre Dein Heil, daß Du Dich keineswegs für einen Amhaarez zu halten h a st, Du bist unser geliebter Schüler, ein Jeder ist es, wer auch nur einen Vers oder eine Halacha zu lernen wünscht. Es ist auch kein Unterschied, ob man in der heiligen Sprache oder in der arabischen oder aramäischen lernt," es kommt nur darauf an, ob man es mit Verständnis tut, was bei Kommentaren und Kompendien, in weicher Sprache auch immer, von Wichtigkeit ist. Nur wer seine Geistesbildung überhaupt vernachlässigt, von dem heißt es: „das Wort G'ttes hat er verachtet," ebenso bezieht es sich auf denjenigen, welcher es unterläßt, weiter zu arbeiten, wenn er auch bereits ein großer Gelehrter ist, denn die Fortbildung in der Lehre ist das höchste Gebot. Im allgemeinen sage ich, daß Du Dich weder zu verachten, noch den Gedanken an Deine Vervollkommnung aufzugeben berechtigt bist. Große Gelehrte haben erst im vorgerückten Alter ihr Studium begonnen und sind doch geworden, was sie waren." Soweit der Rambam. Ist es nicht, als habe er seine Worte an unsre Gegenwart, an uns alle, die ihre Bildung aus fremden Quellen haben schöpfen müssen und nun zur jüdischen den Zugang suchen, gerichtet? Aus diesen Worten nehme jeder den freudigen Willen, wieder zum Heben alten Schiur zurückzukehren. Die vierte Gruppe im Vorhof des Königs, wie es heißt; heil dem, den Du erwählst und Dir näherst, daß er wohnen kann in Deinen Höfen! Die fünfte Gruppe weilt auf dem Berge des Königs, wie es heißt: wer darf thronen auf Deinem heiligen Berge? Die sechste Gruppe steigt den Berg hinan (lagert gewissermaßen am Abhang), wie es heißt: wer mag emporsteigen auf Deinen heiligen Berg? Die siebente Gruppe weilt im Umkreis des Königs, wie es heißt: wer kann standhalten an der Stätte Seiner Heiligkeit?" In sieben Möglichkeiten schaut die Agada die sittliche Vollendung und das vorbildliche Wirken der Frommen. Die erste Gruppe, die sonnengleich unendliches Licht und belebende Wärme in die Gesamtwelt erstrahlen läßt, in vollendeter G'ttesschau alle Geheimnisse ergründet und Blüte und Leben um sich schafft. Das sind die großen religiösen Genies, die Propheten und Sänger Israels, die fort und fort mit der leuchtenden Kraft ihrer Gedanken und Gebote alles Leben unseres Volkes, allen sittlichen Aufschwung der Menschheit bewirken. Die zweite Gruppe sind die Weisen und Denker, die zwar nur das Licht der Sonne reflektieren, aber es dadurch in Milde und Sanftheit uns wie Mondstrahlen weitergeben. Sie sind diejenigen, die uns an die Hand nehmen, uns den Weg weisen in den Palast des Königs, durch alle Konflikte und Kämpfe, durch alle Nacht und alles Dunkel der Zeit hindurch uns geleiten. Die dritte und vierte Gruppe, die dem Blau des Himmels und den Sternen gleichen, davon sind die einen die Meister der Lehre; die andern die Männer der Tat. Die einen,, die über unser Leben den Glanz des Himmels bringen durch die Geistigkeit, die sie ausstrahlen; die andern, die uns auf bestimmten Gebieten zur religiösen Tat wie die Sterne die Richtung weisen. Beide haben sie nicht die volle Ganzheit der beiden ersten Gruppen, sie sind nicht vollberechtigte Einwohner des königlichen Palastes, aber im Gezelt des Königs und in seinen Höfen, in den Vorräumen, ist ihre Ehrenstatt, weil sie uns bis in die Nähe des uns vorschwebenden Zieles heranführen. Die fünfte Gruppe umfaßt diejenigen, die nicht dauernd der Welt gedient, aber in Stunden der Not, im Ungewitter schwerer geschichtlicher Katastrophen uns blitzartig das Dunkel des Lebens erleuchtet, durch irgendeinen großen Gedanken oder durch eine segenspendende Tat einen Augenblick der Erhellung in die Angst des Lebens gebracht. Sie haben sich, wie die Alten sagen, ihre Ewigkeit in einer Stunde erworben und den Aufschwung genommen auf den hohen Berg, auf dem des Königs Palast weithin ragend thront. Und endlich die zwei letzten Gruppen, die uns in der Gegenwart am nächsten stehen: die einen, still blühend wie die Lilien, mit schöner Seele, mit sanfter Freundlichkeit in unserer Mitte; keine Führer, keine Former und Gestalter der Anderen, verkörpern sie dennoch in sich die Schönheit und Herrlichkeit frommer Demut. Dadurch laden sie uns immer wieder still zur Nachahmung, zum Versuch, auf den Berg G'ttes den Anstieg zu wagen. Die Letzten sind diejenigen, die dem Leuchter ' des Tempels gleichen. Sie sind von andern geformt, sie sind nur Gefäß des Heiligen, Das Oel, das ihre Flamme nährt, ist von anderer Hand in sie gegossen. Aber sie dienen nur heiligen Zwecken. Sie geben nichts Eigenes, aber dafür 'auch kein Fremdes, und sind so wertvolle, dienende Glieder des Ganzen. Auch sie gehören zu den Zaddikim, sie finden ihre feste Stätte im Umkreis des Königs. Nicht alle können Führer sein, nicht allen sind die ungeheuren Kräfte des Geistes und der Seele gegeben, die jüdische und menschliche Welt dauernd oder zeitweilig zu beeinflussen und zu gestalten. Aber auch diejenigen, die, nur der Lilie gleich, in sich aufnehmend* und empfangend, die Würde des G'tteskindes in sich fragen; auch diejenigen, die von hartem Metall erst die Formung von außen empfangen haben und stets der Betreuung und erneuten Belehrung durch andere bedürfen, sie alle gehören mit zu der auserwählten Schar, die dereinst die Schechina begrüßen werden. (Aus: Sifri dewarim 10, Midrasch Thillim 11, wajikra rabba 30.) Den unbelehrbaren ins Stammbuch. Die Frösche« Ein großer Teich war zugefroren; Die Fröschlein, in der Tiefe verloren, Durften nicht ferner quaken noch springen, Versprachen sich aber im halben Traum, Fänden sie nur da oben Raum, Wie Nächtigallen wollten sie singen. Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz, Nun ruderten sie und landeten stolz Und saßen am Ufer weit und breit Und — quakten wie vor alter Zeit. W. v, Goethe.

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