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Der Israelit · 1934-04-12 · Heft 15 (12.4.1934) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 15 (12.4.1934)
Date
1934-04-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 15 Der Israelit 12. April 1934 könne. Die Volkspartei beantrage daher zunächst Vertagung. Konservative und Liberale erklärensich mit der Vorlage des Vorstandes einverstanden, -die mit 3 gegen 6 Stimmen angenommen wird. Es ist mithin die Legislaturperiode für die Gemeindevertretung bis zum 31. Dezember 1936 verlängert. Aus dem Gemeindevorstand ist Herr L e w a n - d o w s k i, der Frankfurt verlassen hat, ausgeschieden. Vom Vorstandstisch wird ihm nachgerühmt, daß er in der kurzen Zeit seiner Tätigkeit sich mit voller Hingabe mit hervorragendem Geschick in der Bewältigung schwieriger Materien seiner Aufgabe gewidmet habe. An seine Stelle wird Herr Jakob Stern, Bing gewählt. Die Wahlen für die Synagogenvorstände ergeben folgendes Resultat: Börneplatz: Jakob Bickard und Dr. Ernst Freimann; Westendsynagoge: Moritz Baum und Alfred Mayer; Hauptsynagoge: Dr. Rheinstein und Dr. G. Simon. Durch den Tod von Naftali Fromm s. A. war im Rat des Preußischen Landesverbandes ein der Israelitischen Gemeinde zustehender Sitz vakant geworden. Die Volkspartei macht für den bisherigen stellvertretenden Delegierten, Herrn G o i t e i n , Anspruch auf den Sitz, der ihm nur vom Rat des Preußischen Landesverbandes verfassungsgemäß zuerkannt wurde, die Gemeindevertretung für den von ihr bereits gewählten Konservativen, Herrn Felix Meyer. Man beruft sich in der Aussprache auf gewisse Abmachungen zwischen den Parteien. Ohne daß die Rechtslage grundsätzlich und eindeutig geklärt ist, kommt man schließlich überein, es bei der Wahl des Herrn Felix Mayer zu belassen. Zugestimmt wird der Uebernahme der selbstschuldnerischen Bürgschaft der Gemeinde für das von ihr selbst der Bezirksdarlehenskasse gewährte Darlehen von RM. 5000.—. Es werden ferner RM. 3043.— für die Erneuerung der Kesselanlage des Israelitischen Krankenhauses, RM. 1350 für den Synagogenchor Börneplatz bewilligt. Frühjahrswerbung der N. S. Hago. Als Auftakt zur Propagandaaktion der NS Hago unier dem Motto „Die Tat der Gemeinschaft dient dem Aufbau" fand Freitag, den 30. Mär2, in der Frankfurter Festhalle eine Massenkundgebung für Handwerk, Handel und Gewerbe statt, bei der Gaupropagandaleiter Müller-Scheld sprach. Er sagte u. a.: „Der Egoismus des Einzelnen und der einzelnen Stände „müsse überwunden werden, denn nur wenn es allen gut gehe, werde es auch dem Einzelnen gut gehen. So gelte es zunächst, auch Sauberkeit und Ehrlichkeit wieder in der Wirtschaft zur Geltung zu bringen, denn die Wirtschaft sei ja nur Dienerin der Gesamtheit. So müsse es lauten: „Lieber einen Verlust ertragen, als ein unsauberer Krämer sein." Der Nationalsozialismus sei von Grund auf antisemitisch, aber es müsse auch gesagt werden: „Haut den Juden i n Euch tot, dann wird der Jude um Euch ohne Macht sein." Hier wird der Begriff „Jude" aus dem Soziologischen ins Metaphysisch-Ethische gewandelt und darunter etwa das verstanden, was die Bibel und die Theologie unter dem „bösen Trieb" begreifen. Der aber wohnt in jedes Menschen Brust, ob er Arier oder Nichtarier sei — und soll vom freien sittlichen Wollen überwunden werden. Sollten sich Arier und Nichtarier nicht eines Tages doch wieder auf der gemeinsamen Linie des Kampfes gegen den bösen Trieb im eigenen Innern treffen können? Verein Mekor Chajim. Der Verein hat mit Abschluß des Peßach-Programms die eigentliche Sommerlehrtätigkeit begonnen. Während sonst der Sommer eine Einschränkung der Lehrkurse mit sich gebracht hat, soll in diesem Jahre bei dem unverkennbaren Interesse, das die Tätigkeit auf geistigem Gebiet in den letzten Monaten zeitigte, das Progrämm sogar weiter ausgestaltet werden. Die Midrasch-Vorträge, die jeweils eine Stunde vor Nacht am Schabbos nachmittag stattfinden, beginnen wieder mit Schabbos snxn ynin 's- Die weitere Tätigkeit soll sich insbesondere auch den Wünschen der Jugend anpassen. Die Verwaltung hat zur regeren Ausgestaltung ihrer Beziehung zu jugendlichen Kreisen zwei neue Jugenddelegierte mit den Herren Albert Brinkmann und E. W o 1 f f kooptiert. Es ist vorgesehen, spezielle Kurse und Schiurim für Jugendliche einzurichten und die Verwaltung ist für Anregungen jeder Art dankbar. Insbesondere ist vorgesehen, einen neuen C h u m i s c h mit Raschi-Schiur zu eröffnen, wobei die Teilnehmer selbst mitlernen sollen. Interessenten werden gebeten, ihre Wünsche bezüglich Ausgestaltung des Schiurs und insbesondere auch wegen der Zeit der Verwaltung baldigst bekanntzugeben, um von vornherein eine ansprechende Beteiligung zu ermöglichen. Darüber hinaus erhofft die Verwaltung auch für weitere derartige Veranstaltungen durch Anregungen in die Lage versetzt zu sein, Bedürfnissen gerecht zu werden, die im bisherigen Programm noch nicht befriedigt werden konnten. Die in den Vorkriegszeiten so sehr beliebte Leihbibliothek des Vereins soll unseren Mitgliedern wieder zugänglich gemacht werden. Der Verein besitzt noch eine gut sortierte Auswahl wertvoller Bücher, die nunmehr geordnet werden. Naturgemäß fehlt der Bibliothek die inzwischen erschienene neuere Literatur und die Verwaltung appelliert an die Oeffentlichkeit, entbehrliche Bücher, Judaica usw. ihr für die Bibliothek zur Verfügung zu stellen. Ueber den Termin der Eröffnung der Bibliothek werden wir andieser Stelle noch weitere* Mitteilungen zu gegebener Zeit veröffentlichen. Aus der Arbeit der Agudistischen Frauenortsgruppe. Die Tätigkeit (unserer Gruppe während des Wintersemesters 1933*34 war wieder recht befriedigend. An den Montagabenden fanden gemeinsam mit der Jüdischen Fraueavereinigung E. V. regelmäßig anregende Vorträge» und fortlaufende Kurse statt. Folgende Herren I&sferenten durften wir in unserem Kreise begrüßen:3Rechtsanwalt Dr. Isaac Breuer, Studirendirektor Dr.fiM. Elias, Dr. S. Ehrmann, Studienrat Dr. Max Münk, Rektor Karl Ochsemann, Dr. med. Theodor Plaut, I; Jacob Rosenheim, Redakteur S. Schachnowitz, R&bb.-Ass. Dr. M. Schlesinger. Die Vorträge und Kufce fanden sehr großen Beifall bei den Zuhörerinnen unfl. sind beide Vereinigungen den Rednern von Herzin dankbar für die so wertvollen Abende.; Den Bedürfnissen der Zeit entsprechend, hat die Agudistische Frauenortsgruppe noch weiter praktische Kurse eingerichtet, die auch im Sommer fortgesetzt werden. Fünf Neuhebräische Sprachkurse (unter Beteiligung von je 8 Damen) unter Leitung von Herrn Pinchas Wollman, zwei englische Sprachkurse für Fortgeschrittene unter Leitung von Frau Helen Posen, für Anfängerinnen unter Leitung von Frau Lola Meyer. Drei Zuschneide-Nähkurse unter Leitung von Frau Loeb. Alle diese Kurse werden von den Teilnehmerinnen mit regster Anteilnahme besucht und erzielten bereits viel praktische Erfolge. Wenn wir das verflossene Halbjahr zusammenfassend überschauen, so erfüllt uns trotz all der hierbei erzielten erfreulichen Aufbauarbeit wehmütiger Schmerz bei dem ehrfurchtsvollen Gedenken an unseren von uns Allen so hoch verehrten Lehrer, Herrn Konrektor A. Hirschberg s. A., dessen Heimgang wir aufs tiefste bedauern. Seine tiefgründigen Erläuterungen der Pirke Owaus werden unseren Mitgliedern unverlierbares Gut bleiben und Alle werden sich des edlen Heimgegangenen stets in großer Dankbarkeit erinnern. Generalversammlung im Jüdischen Turnerbund. Die alljährliche Hauptversammlung des im Jahre 1926 gegründeten Jüdischen Turnerbundes hatte diesmal erhöhte Bedeutung. Die Umstellung im jüdischen Sportleben fordert von den Führern der jüdischen Turn- und Sportvereine neue Aufgaben in Bezug auf Ausgestaltung und Leistungsfähigkeit des Vereinslebens und Erfassung und Aufnahme der gesamten turn- und sporttreibenden jüdischen Jugend. — Wie aus dem Jahresbericht des JTB. hervorgeht, war ein reger Betrieb zu verzeichnen. Sämtliche Abteilungen, insbesondere die verschiedenen Jugendabteilun- . gen waren sehr stark besucht und konnten sich weiter ausdehnen. Die tüchtigen Lehrkräfte des Vereins haben bewiesen, daß sie den gesteigerten Anforderungen jederzeit gewachsen waren. Insbesondere wurde jedem einzelnen Mitglied beim Turnen und bei der Gymnastik besondere Sorgfalt gewidmet, so daß sich auch bei den schwächeren Kindern eine wesentlich gesteigerte Leistung zeigte. Für die Knaben wurde vor einigen Monaten eine Fußballmannschaft aufgestellt, die bereits in den Verbandsspielen der Arbeitsgemeinschaft jüdischer Turn- und Sportvereine für Südwestdeutschland mit Eifer und Erfog sich beteiligt. Zu Chanukäh wurde ein großes Kinderfest veranstaltet, an dem ca. 250 Kinder teilnahmen. Auch zu Purim wurde im Kreise der Mitglieder schöne Geselligkeit geboten. Wöchentlich fanden sich die Mitglieder im JTB-Heim zusammen. Die Mitgliedersahl beträgt zur Zeit 254 Personen. Dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß die gesteigerten Ausgaben infolge der Subvention der Israelitischen Gemeinde und weiterer Gönner besrittten werden konnten. Die neue Leitung des Bundes setzt sich wie folgt zusammen: Adolf Fiebermann, Vors., Dr. med. Ernst Freimann, stellv. Vors.; Hugo Herrmann, Kassierer; Karl Buchbinder, Sportwart; Ludwig Blumenthal, Schriftf.; Sitta Golde, Jugendführerin; Aron W. Eschwege, Jugendführer. An die jüdische Oeffentlichkeit ergeht der Ruf. die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend zu unterstützen, um sie bei der notwendigen Berufsumschichtung in die Lage zu versetzen, ihre Körperkräfte zu stählen, und die Jugend leistungsfähig zu machen für die großen Anforderungen, die ihr in der Zukunft gestellt werden. Frau Johanna Warschawski pj"57- Am 29. März abends verschied plötzlich und unerwartet im Alter von 60 Jahren in Mannheim, wo sie bei ihren Kindern die Feiertage zu verbringen gedachte, Frau Johanna Warschawski. — Mit der Verblichenen ist eine npnx von echter Frömmigkeit von dannen gegangen. Am Vorabend zu Peßach, da sie gerade damit beschäftigt war, sich für das Fest zu rüsten, wurde sie plötzlich in ein besseres Jenseits abberufen. Verhältnismäßig jung verwitwet — ihr Gatte ging ihr vor 20 Jahren in den Tod voraus — und mit sieben unmündigen Kindern zurückgeblieben hatte sie nebst dem Existenzkampf auch noch für die Erziehung der Kinder Sorge zu tragen. Mit großer Energie und viel Geschick ging sie an diese Aufgaben heran und verstand es, ihre Kinder zu tüchtigen Menschen und treuen Juden heranzuziehen. Ihren Lebensunterhalt bestritt sie redlich aus ihrem Berufe der synagogalen Kunststickerei, die sie als snpn ro^ba betrieb, und viele G'tteshäuser ziert ihrer Hände Arbeit. Ihren Wohltätigkeitssinn bekamen viele Arme zu spüren. Ihr jäher Heimgang läßt eine starke Lücke zurück. . rrniuri- Jüdischer Kulturbund Frankfurt a. M. Der Kulturbund Deutscher Juden erläßt einen Aufruf, in dem auf die Notwendigkeit einer Kulturbundsarbeit hingewiesen wird. Die behördliche Genehmigung für das künstlerisch und organisatorisch selbständige Schaffen ist erteilt. Wie in den schon bestehenden Kulturbundszentren die großen Städte, so soll Frankfurt der Ausgangspunkt für die Arbeit des Bezirks Rhein-Main werden. Die kleinen und kleinsten jüdischen Stadt- und Landgemeinden sollen aktiv und passiv mittun. Das Programm umfaßt: Musik, Theater, Vortrag, bildende Kunst, Zweck ist: Arbeitsbeschaffung für alle künstlerischen und kunsthandwerklichen Berufe. Fortbildung und Ausbildung jüdischer Musiker, darstellender und bildender Künstler, Z u s a m m e n a r b e i t alier im jüdisch-kulturellen Leben wirkenden und empfangenden Menschen. Mitgliederanmeldungen erfolgen beim Kulturbund Deutscher Juden Rhein-Main, Frankfurt a. M., Gärtnerweg 62, Tel. 52638. Jahresbeitrag Mk. 5.— (einmalige Einschreibegebühr Mk. 0.50) als Vorauszahlung auf die monatlich stattfindenden Kulturbundsveranstaltungen. Bankkonto Gebr. Sulzbach: für Kulturbund. Postscheckkonto Gebr. Sulzbach: Ffm. 1203 für Kultbund. Nur Mitglieder können Veranstaltungen des Kulturbundes Deutscher Juden besuch in. Jüdisches Lehrhaus. Der Frühjahrslehrgang wird am Sonntag, den 15. April um 17 Uhr im großen Saal der Frankfurtlo^e mit einer Rede von Prof. Dr. Martin Bub er üb-sr „Die Lehre und die Tat" eröffnet. Zur Einleitung spielt ein Kammerorchester eine Ouvertüre von Händel. Arbeitspläne und Eintrittskarten sind in den Buchhandlungen Cohn, Schillerstr. 14, Oppenheimer, Rückertstr. 57, Schatzki, Börsenstr. 2—4, Strauß, Biebergasse 13 . erhältlich. Erholungsheim für israelitische Frauen Baden-Baden. Am 18. März 1934 fand die Mitgliederversammlung und Verwaltungsausschuß-Sitzung des Vereins „Erholungsheim für israelitische Frauen Baden-Badsn E. V." in Frankfurt a. M. statt. Der Betrieb wurde im vergangenen Jahre aufrecht erhalten und zeigte außerordentlich günstige Erfolge. Die Notwendigkeit des Heims hat sich in dem vergangenen, für die deutsche Judenheit so schweren Jahr besonders bewährt. In der Versammlung kam der besondere Dank gegenüber den Leitern des Heims, Frau R. Cohn und. Frau Isaacsohn, sowie gegenüber den Damen und Herren, die sich allerorten für das Heim einsetzten, zum Ausdruck. Besonderen Dank wurde auch dem langjährigen Mitglied der Verwaltung, Herrn J. F. Goldschmidt, ausgesprochen. Die Verwaltung wuide im übrigen durch Herrn Joseph Dreifuß in Freiburg ergänzt. Im übrigen fand Wiederwahl des Verwaltungsausschusses statt. Meldungen für den gleich nach den Festtagen wieder beginnenden Betrieb sind an Frau R. Cohn, Frankfurt a. M., Pfingstweidstr. 4, zu richten. Spenden und Mitgliederanmeldungen nehmen die gesamten Mitglieder der Verwaltung, insbesondere in Frankfurt a. M. die Herren Rechtsanwalt Horovitz, Bankier Willy Dreyfus, prakt. Arzt Dr. med. Fromm, . Albert Mainz sowie Frau Max Wimpfheimer sowie die sonst oben Genannten an. Die Arbei'. des Vereins bedarf bei dem Wegfall mancher bisheriger Förderer der Unterstützung aller Kreise in allen Gebietsteilen des Reiches. Oberkantor Alter in Offenbach und Gießen. Man schreibt uns: Auf seiner Süddeutschland-Tournee sang Oberkantor J, Alter, Hannover in Gemeinschaft mit d ^.n Konzertsängern Hans Assenheim und Heinrich Bornstein (beide Frankfurt a. M.) in Offenb a c h und in Gießen. Die Begleitung der Konzerte lag in Händen von Dr. Willy S a 1 o m o n. Der künstlerische Erfolg dieser Abende war ein ungewöhnlicher. Im ersten Teil des Programms sangen die drei Solisten geistliche Arien. Der zweite Teil brachte ausschließlich hebräische Liturgiegesänge und jüdische Volkslieder. Hans Assenheim brachte einen bis jetzt nicht gehörten W'hogen baadenu von Meisel mit seinom prächtigen warmen Bariton stilgerecht zu Gehör. Heinrich Bornstein besitzt zweifellos für synagogale Gesänge und jüdische Volkslieder eine besondere Eignung, so daß er mit diesen durch seinen sonoren, tiefen Baß starken Eindruck bei den Zuhörern erweckte. " Alter sang unter anderem von seinen eigenen Kompositionen mit ungewöhnlicher Gestaltungskraft. Sein „Dudele" und als Höhepunkt „Der Koß" rührte die zahlreichen Hörer geradezu zu Tränen.

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