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Der Israelit · 1934-03-15 · Heft 11 (15.3.1934) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 11 (15.3.1934)
Date
1934-03-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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15. März 1934 Der Israelit Nr. 11 Seite 15 ken Tischen und frisch überzogenem Bettzeug; die Händler mieteten Bauernwagen und fuhren in die Nachbarorte, um das" Inventar für ihre Kramläden einzuhandeln, kurz, alles wurde in Ordnung gebracht, um den Wünschen der Gäste genügen zu können. Und die Erwartung täuschte nicht: die Gäste kamen in hellen Haufen. Schon gegen Mittag füllte sich der Ringplatz mit Wa gen und Fahrzeugen aller Art, in welchen die armen Edelleute der Umgebung von allen Seiten herbeikamen, als sie erfuhren, daß „der Herr" zurückkehrt, der ihnen Stütze und Spender war, und dessen Rückkunft sie deshalb beinahe noch sehnsüchtiger als die Juden erwarteten. Eine fingerdicke Staubschicht bedeckte die Wagen, deren trauriges Aussehen Zeugnis dafür ablegte, wie sehr ihre Herren herabgekommen waren und, seitdem der Fürst fort war, darben und hungern mußten. Auf dem Ringplatz angelangt, beeilten sich die „Herrschaften" durchaus nicht, . ihre Wagen zu verlassen, sie blieben sitzen und sahen sich um, wo sie sich einquartieren sollten. Aber die Juden ließen ihnen keine Zeit zu warten; aus den Läden, Schank- und Gasthäusern stürzten die Wirte mit ihren Weibern und Kindern heraus und luden die „gnädigen Herrschaften" mit lärmendem Geschrei ein, bei ihnen abzusteigen. (Fortsetzung folgt.) Jüdisches Theater oder Theater für Juden? Die seit einiger Zeit in der jüdischen Oeffentlichkeit und insbesondere in der jüdischen Presse geführte Diskussion darüber, welche Aufgaben sich das Theater . des Kulturbundes deutscher Juden grundsätzlich zu stellen habe, ob es ein Theater für Juden schlechthin sen oder, darüber hinaus, in der Gestaltung seines Spielplans und in seinen kulturellen Erziehungszielen eine besondere jüdische Note tragen solle, hat durch die Aufnahme von Ibsens „Wildente" in das Repertoire des Kulturbundtheaters neuen Auftrieb erfahren. Die schon vor und während der am 4. März stattgefundenen erfolgreichen Erstaufführung erhobene Frage, ob die Leitung des Kulturbundtheateirs bei der Wahl dieses Stückes nicht nur von rein literarischen, sondern auch von solchen Erwägungen ausgegangen sei, die einer Beziehung zwischen dem Inhalt des Stückes und der besonderen seelischen Situation der Zuschauer gegolten haben mochten, taucht auch hinter den Besprechungen a'uf, die die jüdische Presse der Erstaufführung widmet. In der „Jüdischen Rundschau" stellt Arthur Eloesser fest, daß es besonders im Drama keine jüdische Nationalliteratur gebe, auch nicht den Anfang dazu, solange Beer-Hofmann seine biblischen Schauspiele nicht im Theater des Kulturbundes aufführen lasse. Man müsse sich zunächst damit begnügen, daß jüdische Schauspieler für ein jüdisches Publikum spielen. Dagegen sucht Kurt Löwenstein in einem Nachwort zu Eloessers Besprechung die Vorgänge im Stück zu dem heutigen Erleben des deutschen Judentums in Bezehung zu setzen. Er schreibt: Diese Bildung eines Reiches der Phantastik, das Leben im luftleeren Raum, fern von der echten Wirklichkeit, das diese Menschen führen . . . muten uns seltsam bekannt an. Es gab eine jüdische Generation, die sich ein solches „Leben in der Retorte" aufbaute und an seine Realität glaubte, solange es irgend ging. Aus der Wirklichkeit flüchtete man sich in ein Reich, das man sich selbst schuf, das aber nur solange bestehen konnte, bis ein scharfer Wind von außen es , umwarf . . . Wir sehen hier, wie die allgemeine geistige Tendenz, die im Leben draußen zu spüren ist, ihre Wellen in den jüdischen Bezirk hinein entsendet. Wir Heutigen haben gelernt, daß das Leben in der abgeschlossenen Kammer, von der keine Töne nach draußen dringen, nicht möglich ist* und wir sind dabei, das Erbe dieser Phantastik einer vergangenen Generation zu überwinden. In der „Jüdisch-liberalen Zeitung" setzt Dr. Ludwig Davidsohn unter Hinweis auf die Ibsen-Premiere eine schon früher begonnene öffentliche Aussprache mit dem Leiter des Kulturbundes Dr. Kurt Singer fort und führt eine ganze Reihe von Stücken jüdischer Autoren oder jüdischen Inhalts an, die seiner Meinung nach für das Kulturbundtheater in Betracht kämen". Demgegenüber legt die Redaktion des Blattes in einem umfangreichen Artikel ihren Standpunkt in dieser Frage dar. In dem Artikel heißt es: Wir kennen keine „jüdische Kunst"; wir sehen, daß mit dem einen Wort „jüdisches Thema" siebenundzwanzig verschiedene Gattungen von Theaterstücken gemeint sein können, und wir wollen deshalb kein „Jüdisches Theater", sondern wir wollen — oder vielmehr wir müssen, weil die äußeren Verhältnisse dazu führten: das deutsche Theater für Juden. Kein Mensch kann diese Bemerkungen so verstehen, als seien wir nun etwa gegen jüdische Stücke. Themen, Autoren! 0 nein. Wir sind ausschließlich gegen die Einseitigkeit; die ist in Dingen der Kunst immer vom üebel. Wenn wir sagen, wir wollen das deutsche Theater für Juden, so mag daran erinnert werden, daß bis vor kurzem ja auch Stücke jüdischen Inhalts und von jüdischen Autoren in den allgemeinen .deutschen Theatarn gespielt worden sind ( und daß auch heute, nachdem man, der herrschenden Staatsidee folgend, zwar jüdische Themen und Verfasser verschwinden ließ, keineswegs alles „Nichtdeutsche" ausgemerzt wird, nicht Shakespeare, nicht Ibsen, nicht Moliere, nicht Puccini, Bizet oder Chopin! Niemand von uns wird erwarten, daß wir ausgesprochen judengegnerische Werke oder Autoren bringen; aber einseitig „jüdische" Kunstpflege würde den Kulturbund — entgegen seinem Namen — außerhalb der Kultur stellen. Wir hielten es für gut, unseren Lesern von dieser Auseinandersetzung Kenntnis zu geben, obwohl sie die gesetzestreuen Kreise nicht so unmittelbar berührt, wie jene Schicht, für die die Aussprache bestimmt ist. Zum 80. Geburtstag Oberrabbiner Immanuel Löws herausgegebene Festschrift erschienen. Als Sonderheft der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" ist soeben eine dem hervorragenden Orientalisten und Naturforscher Dr. Immanuel Low, Oberrabbiner in Szegedin und Mitglied des ungarischen Oberhauses, gewidmete wissenschaftliche Festgabe zu dem 80. Geburtstag, den der große Gelehrte und religiöse Führer der ungarischen Judenheit vor einigen Wochen beging, erschienen. Oberrabbiner Low hatte sich jede Ehrung verbeten und nur in das Erscheinen dre Festausgabe der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", zu deren Mitarbeitern er seit Jahrzehnten zählt, gewilligt. Angesehene Gelehrte dreier Erdteile, Juden und Nichtjuden, haben sich hier zur Ehrung Löws verbunden; neben fachgelehrten Beiträgen finden sich auch solche, aus denen der Laie Förderung und Belehrung ziehen kann. So behandelt Bernhard Heller die Stellung des Judentums zum Tierschutz unter neuen Gesichtspunkten. (2000 Jahre alte Bibel?) Wie das Institut „De Propaganda fide" mitteilt, hat ein arabischer Antiquitätenhändler in Istambul dem dortigen Staatsmuseum ein Bibelexemplar zum Kauf angeboten, das 64 große Pergamentblätter mit handschriftlichen Aufzeichnungen enthält. Nach dem Urteil von Experten soll diese Bibel etwa 2000 Jahre alt sein. Eine Kommission wurde mit dem Studium der Handschrift betraut. Kinderecke. Neumondssegen. Von Heinrich Einstädter. In alten Zeiten kam dem Neumondstage, dem (Enn EWl) fast die Bedeutung eines Feiertages zu. Das ist schon aus der Opferordnung für diesen Tag ersichtlich. Gewiß war auch der Umstand, daß der ganze Kalender und somit auch die Festsetzung der Feiertage vom Auftreten des Neumondes und von seiner feierlichen Weihe durch das Synhedrium abhängig war, eine Ursache für die Stellung, die dem Rausch hachäudesch zukam. Mit der Veröffentlichung der Kalenderregeln und dem Wegfall der Bestimmung des Monatsanfangs durch die oberste religiöse Behörde erhielt der Neumondstag den Charakter eines Halbfeiertages, der nicht nur beim Gebet, sondern auch mancherorts durch Arbeitsbeschränkung und festlichere Mahlzeiten ausgezeichnet wird. Schon die Verkündigung des Neumondstages am vorausgehenden Schabbos ist eine weihevolle Handlung. In älteren Zeiten, als die Kalender (nim^) noch nicht in jedermanns Händen waren, gebrauchte man eine Formel f/nn |T">D»]. die etwa lautete: „Unsre geehrten Rabbonim haben beschlossen, daß wir, damit groß und klein es wisse, vor dieser heiligen Gemeinde ausrufen, daß nach der Berechnung unsrer Weisen Rausch Chaudesch . . . am . . . sein wird." Diese Formel erfuhr im Laufe der Zeit, als die Kalender allgemein verbreitet worden waren, eine Aenderung, und die sie begleitenden Bitten erhielten dafür eine Bereicherung: die Bitte um eine baldige Erlösung nW$7TZ7 W die der Ankündigung vorausgeht, und die Bitte um einen glücklichen, frohen und gesegneten Verlauf des Monats mEHrr' die ihr folgt. In der Gegenwart bedarf es kaum mehr einer Ausrufung der Neumondstage, „damit groß und klein es wisse." Denn es läßt sich annehmen, daß die Leute, die die Synagoge* besuchen, darüber bereits unterrichtet sind. Es wird jedoch vom Vorbeter in feierlicher Weise, mit der Thorarolle im Arme, der Neumondstag angekündigt, #*7nn paiaO'und die schöne Sitte, die anschließenden Bitten in den Melodien vorzutragen, die den in den folgenden Monat fallenden Fest¬ oder Trauerzeiten nach altem Herkommen eigen sind, verleiht der Handlung eine erweiterte Bedeutung. In vielen Gemeinden betet man vor dem *q nwyipnoch leise einen VT« Dieses innige Gebet stammt von R a w , der es täglich nach den allgemeinen. Gebeten verrichtet hat. Es hat nur eine kleine Veränderung erfahren und eine Einleitung erhalten, die dem besonderen Zweck angemessen ist. Unter allen Monaten des Jahres ist der Monat Nissan ganz besonders ausgezeichnet. „Der Erste sei er euch unter den Monaten des Jahres," heißt es in der Thora. In ihm erlöste G'tt unsre Väter aus Aegypten, und in ihm sehen wir auch unsrer endgültigen Erlösung entgegen. Am ersten Tage des Monats Nissan stellte Mausche Rabbenu das Heiligtum in der Wüste auf, und die Fürsten, der Stämme brachten alsdann ihre Weihegaben. Auch wir fühlen im tiefsten Herzen die Bedeutung dieser Zeit, die am Anfang des Traktats Rausch haschono als eine der vier Jahresbeginne aufgeführt wird, und wir verweben unsre Beobachtungen der Vorgänge in der Natur mit den geschichtlichen Ereignissen einer großen Vergangenheit und mit dem belebenden G'ttvertrauen, das sich bei der Vertiefung in die Aus- ' führungen unsrer Weisen ergibt, die sie demniHP l^inngewidmet haben, der dem Beginn des Nissan vorausgeht oder mit ihm zusammenfällt. Wenn an diesem „guten Schabbos" der letzte der vier besonderen Thoraabschnitte verlesen wird, die die Festzeit einleiten, wenn hiermit das Neujahr der Feiertage herankommt und die in den ersten Monat fallende Tekufa, die Frühlings-Tagundnachtgleiche, das Ende der langen Winterzeit bezeichnet und die Wiedergeburt der Natur verkündet, wenn in unsrer ganzen Umgebung sich alles auf das Fest der Erlösung rüstet, da gewinnen auch wir Verständnis für die Bedeutung des Augenblicks, als in der Geburtsstunde des Volkes Israel der Schöpfer an den „Vater der Propheten" das Wort richtete: „Sieh die Gestalt dieses Neumonds!" Vier Neujahre, vier Zeitenwenden, vier Zeitabschnitte, vier Thoraabschnitte im Vorfrühling, vier Becher zum Seder, vier Reiche, die in unsre Geschichte eingegriffen haben, vier Meister, die das Gesicht des Propheten erblickt. — das alles, was der Paitan für ttnnn HatP zusammenstellte, erzeugt die richtige Stimmung zum Einzug des Ersten der Monate. Die Feier des riDS vertieft sie dann so, daß sie schließlich zur Lebensanschauung wird, zur Weltanschauung des g'ttvertrauenden Juden. Wer weiß es? 1. Wieviel nvnn? hat das größte Wort im Tan? Wieviel solcher Wörter gibt es und wo stehen sie? 2. Aus wieviel Buchstaben besteht das kleinste Wort im "i"311* Wieviel solcher Wörter gibt es und wo stehen sie? >mn irwaiK 'nrmn mjmn »anN yana mn maTi w nrra iipr akt rvmaj? mVia rrryai 'Dirnns pioa •ö">nnö nyaiKa mib mns DTim «Vi wwnb. d'qiss onaw rp-uw -wa rom rmxap ni^a \>y n^-iaVi nxiap trn •ni:am n^iai nanx d'b» bv2 D'aur rpj? nti "O s«n im naipa rninn nso bsn o^nns wpa (o'ötp iv nbv> n*w) •maa b»öi J. T a y e r.

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