Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1934)
- Date
- 1934-02-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 Nr. 8 Der Israelit 22. Februar 1934 Für Religion und Hebräisch werden 6 Wochenstunden gefordert, das sind 2 Stunden mehr, als die offiziellen Schulen haben. Für Fremdsprachen kommen mindestens 3 Wochenstunden in Frage, so daß wir schon ein Plus von 5 Ueberstunden haben. Setzen wir für den Werkunterricht noch 2 Stunden fest, so kommen wir auf 7 Ueberstunden. Hat also das 5. Schuljahr normal 30, das 6., 7., 8. je 32 Wochenstunden, so kommen wir auf 37 bezw. 39 Wochenstunden. Das ist für Großstadtkinder im 11. bis 14. Lebensjahr sowohl in physischer wie psychischer Hinsicht eine zu große Belastung. Wir können nicht alles zugleich erstreben. Gewiß stimmen wir alle darin überein, daß die hebräischen Stunden vermehrt werden sollen, wo dies nicht schon geschehen ist, aber wir können nicht Tupnen, Sport- und Werkunterricht auf der einen Seite, Neuhebräisch und eine Fremdsprache auf der anderen Seite pflegen. Hier heißt es, sich für das eine oder andere entscheiden. Da wo man mit der späteren Auswanderung der Volksschüler mit großer Wahrscheinlichkeit zu rechnen hat, ist die Pflege der Sprachen vorzuziehen, in den anderen Fällen die Möglichkeiten manueller Vor- und Ausbildung. Den einzelnen Anleitungen der Richtlinien zu den verschiedenen Fächern können wir fast überall mit Befriedigung zustimmen. Es wird wie immer auf die Lehrerpersönlichkeit ankommen, die den Stoff meistert und der Jugend übermittelt. Groß ist der Umfang des Wissens, das die Richtlinien von dem Lehrer fordern. Wichtiger ist, daß er mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele das Jüdische pflegt, in welcher Stunde es ihm auch gegeben ist. Wenn Robert Hirschfeld mit unseren Gegnern spöttisch fragt: Wie soll man jüdisch turnen, oder Raumlehre oder Naturkunde treiben? So will ich ihm darauf antworten, daß er und seine Freunde vom wahren Geist der jüdischen Schule noch kaum einen Hauch verspürt zu haben scheinen. Besonders die Naturkunde-Stunde gibt uns Gelegenheit, jüdische Weltanschauung zu erarbeiten. Da werden wir unser Augenmerk darauf richten, daß der Unterricht sowohl im Einklang mit unserem positivjüdischen Denken steht, als auch daß wir geeigneten Fall wahrnehmen, unsere Schüler „das heilige Staunen" vor G'ttes Allmacht und Weisheit erleben zu lassen, sie zur Ehrfurcht und Liebe, zum Schöpfer und Meister der Welt, wie auch zur Demut und Bescheidenheit zu erziehen. Ja auch der jüdische Turnlehrer kann seinerseits für jüdische Geisteshaltung sorgen, indem er darauf achtet, daß nicht im Turnen und Sport Esow's Geist die Herrschaft an sich reißt. Die Makkabäer haben nicht das Schwert aus Lust am Kriegsspiel, aus Ueberheblichkeit, aus dem Wahn nach Rekordleistung gezogen, sondern um den unjüdischen Geist zu vertreiben, und jüdische Sitte, Zucht und Pflichtenerfüllung wieder Allgemeingut der Juden werden zu lassen. Die jüdische Schule wird in der Ausschaltung heidnischer, modern-kostümierter Ideengänge und in der Erziehung zur Weltanschauung der Thora in jeder Stunde „mit jüdischem Geiste durchtränkt sein." Das ist eben das Neue, das Freudig-zu-Begrüßende, daß die Schule von einem sich selbst begreifenden jüdischen Geiste durchdrungen sein soll und daß das Jüdische im Mittelpunkt des ganzen Unterrichts zu stehen hat. Hirschfeld meint, „daß seit vielen Jahren jeder jüdische Lehrer, der an einer jüdischen Volksschule gestanden hat, und dem sein Judentum religiöse Herzenssache gewesen ist, seinen Unterricht nicht viel anders gestaltet hat, als die Richtlinien ihn fordern." Auch Studiendirektor Elias vertritt im „Israelit" einen ähnlichen Standpunkt. Ich muß beiden Herren widersprechen. (Schluß folgt.) Religiöse Atrophie. Von Lippmann Kurzweil in Kopenhagen. (Schluß.) Als weiteres Ergebnis unserer Besprechung für den praktischen Unterricht dürfte folgendes zu verzeichnen sein. Um das religiöse Gefühl zu stärken, wir nennen es Liebe zur Mizwoh wecken, sollte zweiwöchentlich oder monatlich eine der alltäglichen Mizwaus besprochen werden. Zu diesem Zwecke legen sich die Schüler ein Heft an, das auf der letzten Seite ein Inhaltsverzeichnis mit Seitenangabe trägt. Wir behandeln beispielsweise „Mesusoh". Als Ueberschrift wählen wir das hebräische Wort mit der deutschen Uebersetzung. Nächste Zeile: 5. Taurohbuch (D'-m), Kapitel 6, 4 und Kapitel 11, 13. Es folgen alsdann verschiedene Zeichnungen von Mesusaus. (Metall, Holz, Zelluloid,) Daran anschließend werden Vorschriften über diese Mizwoh gesammelt und notiert. Gesammelt.' durch Schule, Eltern und Befragen von Bekanteh. Diese Sammelarbeit bewirkt, daß sich die Schüler gegenseitig erkundigen, welche und wieviel ott ein jeder von ihnen notiert hat, was von großer erzieherischer Wichtigkeit ist. Zum Schluß werden Erklärungen auf Fragen gegeben, die mit der betr. Mizwoh im Zusammenhang stehen. Etwa, weshalb sich am Türpfosten der Synagoge keine Mesusoh befindet. Nach gleichem Schema verfährt man mit anderen ms»- Treibt man dies etwa nur drei Jahre lang mit einer Klasse, so hat man vielleicht 50 nisa derart durchgenommen, daß man sie zumindest schätzen und lieben gelernt hat. Welch schöne Leistung für unsere Tauroh-im-Derech-Erez-Schulen! Zu bemerken sei noch, daß während der Zeit eine ms» besprochen wird, eine Tafel, die den Gegenstand der ms» mit den charakteristischsten Punkten zeigt, im Klassenzimer hängt, so daß die dafür bestimmte Zeit im Zeichen der behandelten ms» steht. Diese Methode läßt schwerlich eine religiöse Atrophie aufkommen, weil sie den Krankheitsherd, den wir in unserer Untersuchung kennenlernten, völlig beseitigt. Die wenigen Beispiele zeigen schon, wie wichtig es ist, sich dem Gegenstand unserer Behandlung mehr zu widmen, manche Ueberraschungen und Mühe könnten uns erspart bleiben. Und noch mehr: haben wir unsere Schuldigkeit getan, wenn wir diese Probleme stillschweigend, verzeihend oder gar mit einem Achselzucken umgehen? Hebräische Buchstabenbilder von N. Adler. in eleganter Leinenmappe, 30 Lithographien auf Elfenbeinkarton mit erläuternder Broschüre über die Renaissance des hebräischen Leseunterrichts im Lichte moderner Methodik. Preis: 3.— Mk. im Selbstverlag des Herausgebers: Ansbach (Bayern), Merckstr. 4. Hierüber einige Rezensionen des In- und Auslandes: Der Israelit schreibt: Die anschaulichste aller Methoden. Wie elektrisiert sprang ich auf, als ich die Bilder erblickte. Ein Faß! Das ist ja ein „Phe", wie es leibt und lebt; daneben ein salonfähiger, inA Jugendstil gehaltener Leuchter mit Licht; das ist ja ein wahrhaftes Lamed. Hei! Wie werden sich meine kleinen Buben freuen, in ihrer Tephillo Fäßchen aufsuchen zu dürfen, große und kleine für Wein und Bier! Und mit . dem Licht will ich auch dem Schwächsten ein Lämpchen anzünden, das bald hell leuchten soll. Aus der Fülle des Guten möchte ich nur Einiges hervorgehoben haben: einen kostbaren Säbel, ein schön modelliertes Tintenfaß, zwei Zangen, ein stolzes Schiff, einen modernen Tisch. Die blühende Phantasie unserer Kleinen geizt gerade danach, bei dem trockenen Lesegeschäft eine Anregung zu erhalten. Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung: Auf 7 und 23 Tafeln werden die hebräischen Schriftzeichen durch Bilder veranschaulicht. Für kleinere Schüler und für den Privatunterricht ist diese Methode gut. Die Blätter für Erziehung und Unterricht des Hamburger Israelitischen Familienblattes brachten über diese ersten hebräischen Buchstabenbilcfer einen großen Leitartikel, in dem dieselben aufs wärmste als „Altneuland" empfohlen werden. Die Laubhütte schreibt: , Das Lamed tritt aus dem Bilde gleich als Leuchter entgegen. Auch zwei Eier, die in einem flüchtig skizzierten Neste nebeneinander liegen, deuten sehr schön das Zere an. Das Faß-mit und ohne Spundloch als F und P ist leicht faßlich, auch die beiden Zangen als Zade und Schluß-Zade, ebenso das reizende Schiff als Schin und Sin mit der markanten Fahne rechts oder links ist sehr originell und der Phantasie des Kindergemüts angepaßt. Die Buchstabenbilder eignen sich auch als Geschenk für die Rinderst ub e. Zum Schluß sei noch das reizende Häuschen erwähnt mit Riegel, Dach und Wetterfahne, es faßt gleich als Gruppenbild 4 Bilder in sich: H, R, D und W. Mögen diese Buchstabenbilder viele Freunde finden! Das Centraal Blad voor Israelieten in Nederland schreibt: Overigenz achten we deze leerwyze een proeve van ernstig en doordacht werken. We wenschen nitgever en schryver veel succes. Die Universite St. Joseph- Beyrouth, Faculte Orientale: Cette publication interesse aussi specialement nos cours de paleographie semitique. Serai une devoir, non-seülement de la presenter ä mes auditeurs, mais encore de la leur recommander. Es ist auch ein Leichtes, die Namen der Buchstabenbilder von Adler in die entsprechenden Bezeichnungen der englischen Sprache zu übersetzen, so daß dieselben nicht nur in deutsch-israelitischen, sondern auch in englisch-israelitischen Schulen und Häusern mit dem besten Erfolg verwendet werden können. Wieviel Lungenkraft' und Stimme kann um wenig Geld eingespart werden! Wahre Freude der Jugend, unmittelbares Interesse lösen sie beim Lernen der „schwarzen Gesellschaft" der trockenen Buchstaben immer und überall aus. Der billige Pr'eis konnte nur durch Verzicht auf Gewinn und den buchhändlerischen Vertrieb festgesetzt werden. Bticherbesprechuitig- Die akademischen Berufe. Ratgeber iür Abiturienten schweizerischer Mittelschulen. Von Priv.- Doz. Ernst Probst. Schweizer Spiegel-Verlag, Zürich, 193 4. „Ratgeber für Abiturienten schweizerischer Mittelschulen", so heißt es auf dem Titelblatt. Wir können gstrost sagen: auch Ratgeber für jüdische Abiturienten im Deutschen Reich oder solche, die in der Schweiz absolvieren wollen. Einige inhaltliche und sprachliche Beanstandungen hoffe ich in der Rezension der Jüdischen Schulzeitung zu bringen. Der Kürze der Zeit bis zu den diesjährigen Osterferien wegen möchte ich an dieser Stelle wärmstens die Anschaffung dieses geschmackvoll gedruckten und ausgestatteten Buches für alle jüdischen Lehrerbibliotheken, darüber hinaus aber allen jüdischen Abiturienten im Deutschen Reich empfehlen. Die ausgezeichneten Universitäten, die ausgezeichnete Eidgenössische Technische Hochschule sowie die Handelshochschule in St. Gallen halten ihre Tore für alle jüdischen Abiturienten und Studenten aus dem Deutschen Reiche offen! Ernst L e w y , Dominium Lad in Polen. Whitaker Almanack. 1934. Verlag: London E. C. 4: 12. Warwick Lane, Paternoster Raw. Preis 6 Schilling, etwa 4 Reichsmark. 1075 Seiten. Gerade heute, wo die Blicke der jüdischen Jugend auf unseren höheren Lehranstalten auf Großbritannien gelenkt werden, kommt diesem Werk besondere Bedeutung für den jüdischen Pädagogen zu. Er findet dort interessante Statistiken über die Schul- und Erziehungsverhältnisse in Großbritannien, den englischen Mandatgebieten und Kolonien. Knappe und eindeutigs * Erklärungen machen diese Statistiken dem Neuling und Laien verständlich und regen zu intensiver Beschäftigung mit den Schul- und'.'Bildungsverhältnissen des Britischen Imperiums an. Genaüe Statistiken über die Zahl der Juden in den einzelnen Gebieten des Britischen Imperiums, einige Angaben über jüdisches Leben in London, in England finden sich bei näherem Studium verstreut. Palästina ist natürlich besonders abgehandelt, die gelassene, von Sentimentalität und verlogenen Romantizismen freie, nüchterne Behandlungsweise wirkt auf jeden ehrlichen und vernünftigen Juden wohltuend. Hoffen wir, daß auch begeisterte Zionisten diese Ausführungen zur Kenntnis nehmen mögen. Möchten sie erkennen, wie lächerlich winzig und unbedeutend dieses Palästina im Verhältnis zu den vielen anderen noch der Kolonisierüng und Besiedelung harrenden Gebieten des gewaltigen und großartigen Britischen Imperiums ist. Das Britische Imperium umfaßt etwa vierhundert Millionen Menschen, während die Juden der ganzen Welt fünfzehn Millionen Seelen sind! Annähernd der dreißigste Teil! Die Kolonialstatistiken der Welt, die ebenfalls mit besonderer Genauigkeit aufgestellt und gedruckt sind, werden mit einem Schlage die gewaltigen Besitzungen der anderen Großmächte vor ihren Augen erstehen lassen und sie zu der Erkenntnis bringen müssen: die .Welt ist unermeßlich, Platz ist genug, Platz ist für jeden Menschen, nutzen wir davon, versteifen wir uns nicht auf das winzige Palästina! Ernst L e w y , Dominium Lad in Polen. Ehemalige Kölner! An das „Kölner Lehrerseminar" zu Händen des Herrn Studiendirektor Gut. Sehr geehrter Herr Studiendirektor! Wie ich von dem Vorsitzenden der Ehemaligen Kölner gehört habe, sind 50 Jahre dahingegangen, seitdem unser Seminar in der St. Apernstr. besteht. Das ist ein Grund, dem Herrn. Direktor, dem Lehrerkollegium wie auch den Förderern der Anstalt meine herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Möge G'ttes reichster Segen auch für die Zukunft auf dem Lehrhause ruhen, damit viele Jünglinge und Männer, erfüllt von dem hohen Geiste ihrer Lehrer und Führer hinausgehen, die ihre höchste Ehre darin sehen, ihre ganze Kraft für das echte, unverfälschte Judentum als Führer der Jugend und der ihnen anvertrauten Gemeinde hinzugeben. Möchte unser Seminar auch aus dem jetzt wieder entbrannten Kampfe im deutsch-jüdischen Schulwesen als Sieger hervorgehen. Gern trage ich mein Scherflein zur .Kampfführung bei und sende Ihnen 10.-^-<Mk. von unserer Chewra- Kadischah und 10.— Mk. vonmir. . Mit herzlicher Begrüßung und hochachtungsvoller Treue F. Vorstehender. Brief ging der Leitung unseres Seminars - von einem unserer ältesten Ehemaligen zu. Wollen ' wir uns . dieses schöne :Beispiel nicht zum Muster nehmen?; Ich weiß, »die Zeiten, sind schwer, aber etwas wird jeder , Ehemalige', für Erhaltung unserer alten Bildungsstätte übrig haben. 50 Jahre 'dient-unser schönes Jgbäude seinem edlen Zweck, es kaffn und-soll ihm-noch; lange Jahre dienen. In dieser Hoffnung < allen. Ehemaligenherzl. Gruß Euer A p t, Hannover, Sallstr. 44.