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Der Israelit · 1934-02-15 · Heft 7 (15.2.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 7 (15.2.1934)
Date
1934-02-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 7 Der Israelit 15. Februar 1934 sage von vornherein bagatellisierte, sie kaum zu Protokoll nahm und in der öffentlichen Untersuchungsverhandlung ganz verschwieg, so daß erst nach Monaten der Verteidiger Stavskys, Horace Samuel, sie aus den Akten ausgraben und an die Oeffentlichkeit bringen mußte. Die Araber haben das Geständnis widerrufen und behaupten jetzt, Stavsky und Rosenblatt hätten sie im Gefängnis bestochen, die Schuld auf sich zu nehmen. Was ist daran wahr? Es konnte von der Verteidigung in den letzten Vernehmungen festgestellt werden, daß Polizei und Untersuchungsrichter von Anfang an den Arabern zu verstehen gaben, daß sie ihr Geständnis nicht ernst nahmen. So hätte Kommissar S h i t r e e t die Araber gleich nach ihrem Geständnis darauf aufmerksam gemacht, daß sie bei Aufrechterhaltung ihrer Aussage trotz ihrer Jugend zum Tode durch den Strang verurteilt werden, und so den Widerruf des Geständnisses, wie Rechtsanwalt Samuel betonte, mindestens erleichtert, wenn nicht direkt heraufbeschworen. Wir wollen uns bis zur Klärung der Angelegenheit über Wert oder Unwert jener Selbstanklage des Urteiles enthalten. Aber wenig schön und brüderlich wirkt es, wenn das Arbeiterorgan in Palästina, „Dawar", sich beeilt, in einer Sonderausgabe die Version der Bestechung durch die revisionistische Partei zu verbreiten. Aus dem Vorgehen des Verteidigers und des Gerichtes gegen die Verbreiter dieser Darstellung im „Dawar" ist zu ersehen, daß sie den Tatsachen nicht entspricht. Um so unverständlicher ist es, daß eine jüdische Partei und ihr Organ auch schon die schwache Hoffnung, der Mord •könnte von nichtjüdischer Hand ausgeführt sein, von vornherein zu vernichten sucht. Sogar mit einer neuen Anklage gegen jüdische Brüder, denen man neben Mordbegünstigung aus Parteipolitik auch noch Bestechung und falsche Zeugenschaft zutraut. Die wiederholten Schlägereien zwischen Linkszionisten und Revisionisten in Polen, der gleiche Bruderkampf in Tel-Awiw und in den Kolonien, wo die eine Partei so etwas wie Numerus clausus für die andere in den Arbeitsstätten wünscht, zeigen, wie weit die Dinge gediehen sind. In den Mordprozeß Arlosoroff sollte aber der Parteihader nicht eingreifen, damit die volle Wahrheit an den Tag kommt. Und führten wirklich welche Spuren nach einer nichtjüdischen Straße, so sollten alle jüdischen Kreise •und Parteien das gleiche Interesse daran haben, diese Spuren nicht zu verwischen. Unsere neue Erzählung, Mit dieser Nummer beginnen wir mit dem Abdruck der Erzählung „In Todesgefahr" aus der Feder von L. L e v a n d o. L. Levando galt früher als einer der besten, wenn nicht der beste jüdische Erzähler in russischer Sprache und vortrefflichste Schilderer des jüdischen Lebens im Rayon, wo die Juden, in. Massen zusammengepfercht, zwischen der Gunst und Laune der hohen Beamten und polnischen Adeligen ihren kleinen Tag in Sorge und Freude dahinlebten, gehoben von einem religiösen Gefühl, das sie über alles Schwere hinaus- und hinauftrug. Die Erzählung, die im vorigen Jahrhundert spielt, hat in der guten Uebersetzung von M. Samuel! heute •noch über ihren dokumentarischen Wert hinaus ihre starken poetischen Reize und wird sicherlich in , hohem Maße das Interesse unserer Leser finden. Die Sidra spricht zu uns ... „Sprich zu Israels Söhnen, daß sie für mich eine Hebe nehmen; von Jedermann, den sein Herz zur Spende bewegt, sollt ihr meine Hebe annehmen." (Sidrah Kap. 25, Satz 2.) Aitneue Wege zur Verständigung mit den Arabern. Im landwirtschaftlichen Organe Palästinas •»KJfiOia wie im Jerusalemer "j,*jn weist ein Freund und guter Kenner des Arabertums, Herr Margulis-Kluriski, neue Wege zu einer jüdischen arabischen Verständigung, die gar nicht so neu wären, wenn man es von je her verstanden hätte, mit Takt und Vernunft, frei von Dünkel und Leidenschaft, an das Problem — vielleicht das wichtigste aller Palästinaprobleme — heranzugehen. Die Propaganda. für die „jüdische Arbeit" und die „jüdische Produktion" hätte unter dem Gesichtspunkte der jüdischen Selbsterhaltung in Palästina ohne ihre lärmende Begleitmusik wohl ihre Berechtigung, hätte keinem geschadet und auch ihr Gutes gehabt. In der geräuschvollen Art aber, wie diese Agitation auf der Straße betrieben wurde, sah sie schon oft genug wie „Boykott" aus und mußte bei den' Arabern das Gefühl erwecken, als sei das ganze Unternehmen ausschließlich gegen -sie gerichtet. Der Einfluß der arabischen Presse auf die Massen im Lande und in allen arabischen Ländern ist unbegrenzt. Und es gibt kein Organ in arabischer Sprache, das die Araber aufklärte über die ihnen tagtäglich in Sachen der Juden aufgetischten faustdicken Lügen, den Fellachen die Augen öffnete über den Segen, den die Juden ins Land gebracht, obwohl doch dieses durch eine einfache Gegenüberstellung der Wieder kommt Trauerkunde aus dem heiligen Lande. Rabbi Mosche Kliers, der Oberrabbiner von Tiberias, ist nach kurzer Krankheit abberufen worden. Nach Rabbi Chajim Sonnenfeld und Rabbi Elije Klatzkin geht mit ihm einer der bedeutendsten rabbinischen Führer des heiligen Landes, einer der niBinrPlöHP im edelsten Sinne des Wortes dahin. Rabbi Mosche Kliers war ein Sohn Erez Jisroels, noch aus der Zeit und Umgebung der Gaonim Diskin, Salant und Sonnenfeld und ganz in diese Reihe gehörend. Mit einem tiefen talmudischen Werke erwarb er sich den Platz unter den ersten Thoraautoritäten der Welt. Aber Rabbi Kliers gehörte nicht zu der Zunft der Stubengelehrten, die sich in ihre „vier Ellen Es fällt auf, daß hier nicht die Rede vom Geben, sondern vom Nehmen ist. Wer Wohltätigkeit übt, nimmt, empfängt mehr als er spendet. Vielleicht auch so gemeint: man nehme schon, bevor noch die Not an unsere Türe klopft oder das Heiligtum seinen Tribut fordert und lege es beiseite, dann fällt das Geben ungleich leichter, da man es nicht mehr aus eigener Tasche gibt, sondern G'tt weiht, was G'ttes ist, dem Armen spendet, was ihm längst gehörte. Daher auch die unvergleichliche Institution des M a a s s e r vom Einkommen in unseren Tagen. Das Maasserbuch ist kein Armenbuch, sondern ein Buch der eigenen seelischen Entlastung. Man hebt von dem Segen, den uns G'tt zugedacht, das ab, was nicht uns gehörte, und die Mittel liegen bereit, bevor noch .für ihre Verwendung Gelegenheit ist. Ist diese da. so erhält der Arme das, was schon seiner wartete. Und der Spender nimmt, nimmt aus dem Bereitliegenden, ohne sich wehzutun; nimmt auch in einem anderen höheren Sinne, denn er ist durch das Gefühl, Not gelindert zu haben, reich beschenkt. Vielleicht ist das auch der tiefere Sinn der Thoravorschrift in M. 5 fam) 'in ]nn ]na „Geben und geben sollst du ihm, daß es dein Herz nicht verdrieße, wenn du ihm gibst." Einmal geben unpersönlich, unbestimmt, beim Abheben des Maasser, dann nocheinmal geben, beim Abführen des Maasser an die richtige Stelle. Auf diese Weise l^b stxb kann ein Herzensverdruß beim Spenden gar nicht aufkommen. * Nach einem Kommentar ist in diesem zweiten Satz der Sidrah das ganze Wesen der jüdischen Lage der Palästinaaraber mit der der Bauern unc Arbeiter in den anderen arabischen Ländern sa kinderleicht wäre. In allen Ländern der Welt! wissen die Juden in eigenen Zeitungen in der! Sprache des Landes mit ihren Widersachern zij reden, Angriffe abzuwehren und das Volk aufzuklären. In Palästina, wo das am meisten nottäte, ni e h t. In keiner jüdischen Schule wird Arabisch gelernt, wenigstens nicht sc, daß der Zögling später imstande wäre, arabisch zu sprechen, zu lesen oder zu s.chreiben. Gesellschaftliche Beziehungen zwischen Juden und Arabern bestehen nicht. Ein eiserner Vorhang scheidet zwischen den beiden Volksstämmen, die, abgesehen von den rassischen und kulturellen Verwandtschaft, doch hart im Räume so eng aufeinander angewiesen sind. Warum sucht man nicht das brachliegende arabische Kapital für den jüdischen Aufbau und die jüdische Wirtschaft zu gewinnen, so daß daraus Segen für beide Teile erwachse? Wir sind an der eingetretenen Entfremdung nicht ganz unschuldig, so müssen auch die ersten Schritte zur Annäherung von uns getan werden. Es mag sein, daß' mancher Posten in dieser Rechnung ohne den Wirt aufgestellt ist, denn zum Friedenhalten gehören immer zwei: der t riedliche und der Nachbar. Zweifelsohne wurde aber von jüdischer Seite darin viel gefehlt, und die Gruppe um Smilanski zeigt uns den Weg,! auf dem wenigstens der Versuch gemacht wer-l den müßte, die Fehler wieder gut zu machen.! der Halacha" zurückziehen. Er konnte auch Kämpfer sein, wenn es galt, das Heiligste auf heiligem Boden vor Verunglimpfung zu verteidigen. Der Oberrabbiner von Tiberias kannte kein Nachgeben und kein Paktieren. Man biß auf Granit, wollte man in seiner Gemeinde oder in seinem Bereiche etwas durchführen, was gegen seinen Willen oder nach seiner Auffassung gegen die Interessen und den Geist des alten Jischuw gerichtet war. Eine Säule des alten Ji- § schuw, fühlte er sich verantwortlich für diesen in § der alten heiligen Stadt Tiberias, die von jeher! neben Jerusalem und Hebron in Judäa und Sai fed in Galiläa ein Hauptstützpunkt des alten Jischuw war. Um so höher ist es anzuschlagen, daß er sich vom ersten Tage an in Hoffnung und Wohltätigkeit, die eigentlich mehr• Rechttätigkeit, np*nt ist, für alle Zeiten gekennzeichnet: ( ">b inp"l/ für mich, 'öipV „für meinen Namen", wie hinzugefügt wird. Man habe beim Spenden keine Nebenabsichten, etwa die, an erster Stelle auf der Liste .zu figurieren, zu brillieren mit seiner Großtat, damit sie die Zeitungen in die Welt hinausposaunen, oder etwa in der heute so beliebten Form der rauschenden Wohltätigkeitsfeste zu spenden, wobei vom großen Amüsement nur eine ganz kleine Münze für die eigentliche Wohltätigkeit abfällt. Sondern ">b inj?1!, es muß gespendet werden, im Gedanken an Mich, der Ich Vater aller Menschen und erst recht „Vater und Annehmer der Waisen und Witwen", der Armen .und* Gedrückten bin, der Ich mit dem Rufer „Kinder, seid ihr dem Ewigem, eurem G'tte" euch alle zu einer Brudergemeinde gemacht habe. Sodann bedenket, daß es nur eine nnnn eine kleine Hebe, ein winziger Obolus ist im Vergleich 1 zu dem, was ich euch gegeben habe. ''in'Hpn ■■»' wer 1 kann eine Mesusah anmachen, ohne daß ich ihm erst I ein Haus gegeben, wer Schaufäden anbringen, ohne- B vorher von mir ein Gewand erhalten zu haben, -wei 1 Almosen austeilen, wenn ich ihm nicht erst die Miti tel dafür geschenkt hätte, so lehrt Midrasch in An- I knüpfung an die g'ttliche Auseinandersetzung mil § Hiob. Was G'tt uns schenkt und was wir ihm sehen- 1 ken, beleuchten die Agadaweisen an folgendem sin- § nigen Beispiele: Von uns, vom Volke insgesamt ver- ■ langt er nur ein Omer der ersten Gersteähren, dem i Volke aber gibt er je ein Omer Manna für den Kopf | vierzig Jahre lang tagtäglich ... •,. | „Von Jedermann, den das Herz zur Spende I getrieben hat." Auf das Herz kommt es an, nichi I auf die Größe der Gabe. Die Kupfermünze des Armer: wiegt im Tempelschatz so viel oder noch mehr ah Rabbi Mosche Kliers V'XT, der Oberrabbiner von Tiberias.

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