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Der Israelit · 1934-02-08 · Heft 6 (8.2.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 6 (8.2.1934)
Date
1934-02-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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- / . ' ,'.1't IfDer l sra HL Uk\ Ein Centraiorgan int das orthodoxe Judentum / Begründet von Di mmx Frankfurt a. M- 8. Februar 1934 23. Schebat 5694 Nummer 6 Der Reichsminister des Innern gegen ungesetzliche Ausdehnung des Arierparagraphen. Berlin, 6. Februar. Der Reichsminister des Innern Dr. Fr ick hat an die obersten Reichsbehördenj die Reichsstatthalter und die Landesregierungen ein Schreiben gerichtet, worin er feststellt, daß die deutsche Arier-Gesetzgebung aus völkischen und staatspolitischen Gründen notwendig sei. Anderseits habe sich die Reichsreigerung selbst gewisse Grenzen gesteckt, deren Einhaltung gleichfalls erforderlich sei. 'Die deutsche Arier- Gesetzgebung würde im In- und Ausland richtiger beurteilt werden, wenn diese Grenzen überall beachtet würden. Insbesondere sei es nicht angebrächt, ja sogar bedenklich, wenn die Grundsätze des sogenannten Arier-Paragraphen im Reichsgesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, der vielfach als Vorbild wirkte, auf Gebiete ausgedehnt würden, für die sie überhaupt nicht bestimmt seien. Dies gelte insbesondere/ wie die nationalsozialistische Regierung immer wieder erk lar t habe, von der freien Wirtschalt, Minister Frick bittet, Uebergriffen auf diesem Gebiete mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten und die unterstellten Behörden nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß sie ihren Maßnahmen und Entscheidungen nur die geltenden G e setze zugrunde zu legen hätten. Ebenso, wie die Behörden gegebenenfalls ohne Verzug ihre Amtshandlungen durchzuführen hätten( sei es anderseits geboten,, daß durch Gesetz odör Verordnimg nicht erlaubte Einwirkungen ' aüf:;. wirtschaftliche Unternehmungen, Verbände usw. unterlassen werden. Eine Aufhebung, Aenderung öder Ausdehnung geltender Reichsgesetze stehe nach Maßgabe des Ermächtigungsgesetzes nur der Reichsregierung selbst ZU, nicht aber den diese Gesetze ausführenden Organen, diese hätten vielmehr „die Gesetze solange anzuwenden, als sie in Geltung sind und dürfen sich mit ihnen auch dann nicht in Widerspruch setzen, wenn sie vielleicht na- Aus dem Inhalt: Deutsch-jüdische Einwanderung nach Amerika.......Seite 2 Niederlassungsmöglichkeiten in Abessinien...... - Seite 2 Was Holland für die deutschen Auswanderer tat......Seite 4 Londoner Tagung des - Emigrantenhilfswerks .... Seite 5 Konflikt in der judischen Gemeinde zu Amsterdam.......Seite 6 Vom Arlosoroffprozeß ..... Seite 7 Verzweifelte Lage in Ostgalizien . Seite 7 Was die Sidrah spricht . . . Seite 4 Kinderecke..........Seite 10 tionalsozialistischen Auffassungen nicht voll zu entsprechen scheinen." Der preußische Innenminister hat den nachgeordneten Behörden, den Gemeinden und Gemeindeverbänden diese Stellungnahme des Reichsinnenministers zur genauesten Beachtung empfohlen. Berüfsumschichfung und jüdische Soziälethik. Von Rabbiner M. Findling in Elbcrieli .. . . " 1 ■, : : ■ Die Ereignisse des letzten Jahres haben einen 'großen Teil unserer Jugend gezwungen,; eine Berufsumschichtung vorzunehmen, oder sich ernstlich mit diesem Gedanken zu befassen. Auch der herannahende Schluß des Schuljahres wird viele junge Menschen . dem, Ernst des Lebens zuführen und die Eltern beschäftigen sich mit dem quälenden Gedanken, welchen Beruf sie ihre Kinder erlernen, lassen sollen. Die Entscheidung; ist sehr schwer, denn einerseits sind die akademischen Berufe dem jungen Juden fast gänzlich verschlossen, und andererseits bietet der Handel kein genügend zukunftsreiches Betätigungsfeld mehr. Es, bleibt. der Jugend .wenig, anderes übrig, als sich dem Handwerk und der Landwirtschaft zuzuwenden, um so mehr, als es der, Wunsch eines großen Teils der Jugend ist, in diesen Berufen in Erez-Jisroel später tätig: zu sein. Für die meisten Eltern und für so man-1 chen Jugendlichen bringt diese Umstellung auf den Arbeiter- und Bauernberuf schwere innere Kämpfe mit sich. Man kann sich nicht so leicht von der durch die Verhältnisse schon längst überholten, „gut bürgerlichen" Anschauung frei machen, der zufolge diese Berufe minder geachtet, und die gesellschaftliche Stellung des Arbeiters, Handwerkers und Jauern daher eine viel niedrigere seien, als die d«-?s Kaufmanns oder die des Akademikers. In den' heutigen, für uns so enischeic enden Momenten, ist es unsere Pflicht, vor G'tt und unserem eigenen Gewissen offen zu gestehen, daß auch wir in diese unethischen und darum unjüdischen Gedankengänge verstrickt waren, unjüdisch deswegen, weil sich die jüdische Ethik und das jüdische G'ttesgesetz mit aller Schärfe dagegen wenden, daß man Menschen ihres Berufes oder ihrer Armut wegen minder achtet. Alle sind wir im gleichen D^S Wpbti erschaffen und sollen in jedem Menschen die gleiche „G'ttes-Ebenbildlichkeit" achten und schätzen. Wir taten es leider nicht, sondern im Gegensatz zum erdeingesessenen Bauernvolk, das wir einst waren, nahmen wir eine ganz unnatürliche und darum falsche wirtschaftliche Entwicklung. Unter Vernachlässigung der Bauern- und Handarbeiterberufe, warfen wir uns hauptsächlich auf den Handel und die Berufe der Geisteswissenschaften. Allerdings war diese Einstellung beeinflußt durch die jahrhundertlange gewaltsame Fernhaltung der Juden von jenen Berufen seitens der Zünfte. Daß der natürr liehe Hang zum Bauern- und Handarbeiterberuf auch heute noch trotz der langen Unterbrechung, in uns vorhanden ist, beweist die bewunderungswerte Umstellung unserer Jugend zu diesen Berufen, und damit in Zusammenhang stehend,, der wirtschaftliche Wiederaufbau Palästinas. Jüdische Hände und jüdischer Schweiß haben in kurzer Zeit aus einer öden Wüste ein aufblühendes Land geschaffen. (Das darf uns freilich niemals hindern, das g'ttentwürdigende Verhalten vieler chaluzischer Kreise in "»"X auf das Schärfste zu geißeln.) Dieses aufblühende Land ist die beste Antwort auf alle jene Einwände, daß wir, unserer Mentalität nach, für Handarbeit nicht mehr geeignet seien und daß eine Umstellung nicht erfolgreich sein könne. Um der Erhaltung unseres Volkes willen, ist es Pflicht der jüdischen Organisationen, für eine schnelle und erfolgreiche Berufsumschichtung Sorge zu tragen.' Es muß sich um eine Berufumschichtung schlechthin handeln, die ganz unabhängig ist von einer Uebersiedlung nach "»"tf, denn auch für die Massen des Volkes, die nun einmal, realpolitisch gesehen, rp^an IV hier im Golus wohnen müssen, muß eine natürliche und gesunde Lebensbasis gefunden werden. In den nachfolgenden Ausführungen wollen wir uns jedoch nicht mit den praktischen Fragen der Berufsumschichtung befassen, die den zuständigen Organisationen überlassen werden müssen. Vielmehr wollen wir unseren Blick zurückwerfen auf jene Zeit, da. wir alle in v/^ wohnend, noch eine natürliche wirtschaftspolitische Einstellung hatten, und wollen den Wor- (Fortsetzung auf Seite 3.) i f l 'P. •ii 'i'i n ii i ifi. j 'i .,

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