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Der Israelit · 1934-02-01 · Heft 5 (1.2.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 5 (1.2.1934)
Date
1934-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt ä. M. 1. Februar 1934 16. Schebat 5694 Nummer 5 deutscher Juden. W a s h i n g t o n , 25. Jan. Das State Department (Außenministerium) :gibt bekannt, daß ■■ an die Konsuln der Vereinigten Staaten in Deutschland die Weisung ergangen ist, Ansuchen um Einreiseerlaubnis in die Vereinigten Staaten mit größerem Entgegenkommen als bisher zu behandeln. Gleichzeitig hat das Department für Einwanderung und Arbeit die Zusendung von Formularen für den von den Einwanderungsanwärtern zu unterzeichnenden Revers, daß sie den gesetzlichen Bestimmungen betreffend Nichtinanspruchnahme der öffentlichen Fürsorge entsprechen werden, verfügt. Die Anordnungen der amerikanischen Regierung werden als bedeutsamer Schritt zur Erleichterung der Einwanderung von Juden aus Deutschland nach Amerika beurteilt. Obwohl keine Milderung der gesetzlichen Einwanderungsvorschriften erfolgt und Neueinwanderer nur auf Grund der allgemeinen Einwanderungsquote, zugelassen werden, besteht doch die Möglichkeit, daß bis zu 25.000 Personen aus Deutschland die Erlaubnis zur Einwanderung in die Vereinigten Staaten erhalten können, da die deutsche Einwanderungsquote seit 1930 nur zu 10 Proz. ausgenützt wurde. Die jüdische Schule marschiert. Von Studiendirektor Dr. Elias in Frankfurt a. M. Es gibt in der ganzen Welt kein Volk, das sich in unserer Lage befindet. Unsere Ahnen haben das wohl gewußt. Erst in den letzten hundert Jahren ist dieses Bewußtsein immer schwächer geworden. In dieser Zeit erlebten TvirdenSiegeszugeinerallesgleichmachenden Weltanschauung und Erziehung, die alle Unterschiede zwischen uns und den anderen Völlern als unwesentlich ansah und alle trennenden Zäune aus der Kraft gemeinsamer Interessen,und individualistischer Kult u r zu überrennen suchte. Mitleidig sah man auf die jüdische Schule. ... Noch lebt mir in schmerzlicher Erinnerung <las geringschätzige Achselzucken, mit dem der deutsche Durchschnittsjude von Lehrern und Schülern der „jüdischen Schulen" sprach. Frankfurt war vielleicht der einzige Ort, wo das weniger der Fall war, was wohl auf das Oeffentlichkeitsrecht der .hiesigen Anstalten, wenn auch nicht nur darauf zurückzuführen war. Anderwärts hielt man jüdische Schulen nicht für salonfähig, eher für lästig. Noch klingt mir in den Ohren eine Auseinandersetzung mit dem bekannten Murnauer Mäzen James Löb, in deren Verlauf er erklärte, daß „jüdische Schulen in dem Deutschland des 2 0. Jahrhunderts überflüssig und schädlich" sind. Das Gaukelspiel ist zerflattert. Jenes 20. Jahrhundert hat nicht länger als 33 Jahre gedauert. Wie eine, tiefe Glockenstimme geht heute allenthalben von Mund zu Mund der Ruf: „Schaffet jüdische Schulen!" Die „Reichsvertretung der deutschen Juden", in deren Mitte mehr als einer der früheren Gegner der jüdischen Schule wirkt, setzt sich dan- Aus dem Inhalt: Aufgaben des Emigrantenhilfswerks Seite 2 Misrachi und Jewish Agency Seite 3 u. 10 Um die Zukunft des thoratreuen Judentums in Palästina Seite 6 Vom geistigen Ringen unserer Jugend Seite 7 Wird die englische Judenheit dem ■ Zusammenbruch der deutsch- ■■ . i jüdischen Kulturstätten tatenlos zusehen? ....... Seite 7 Kündigung nichtarischer Angestellter S. 8 Rabbinertagung in Polen u. Litauen S. 10 Faschistenparteien in Polen u. England S. 10 kenswerter Weise heute ernst für sie ein. Und sie läßt keinen Zweifel darüber, daß es ihr nicht nur um von jüdischen Kindern besuchte, sondern auch von jüdischem Geist erfüllte Schulen zu tun sei. Freilich, jüdischem Geist, wie sie ihn versteht. Um ihn zu sichern, hat die Reichsvertretung nun die kürzlich hier abgedruckten „Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen" herausgegeben. Sie haben eine gute Presse gehabt. Die „Jüdische Rundschau" erblickt in ihrem Erscheinen das Signal für „neue Wege der jüdischen Schule", auf die alle Schulen festgelegt werden müssen, und die C. V.-Zeitung stellt freudig fest, daß sie „einem längst bestehenden Bedürfnis an den jüdischen Schulen Rechnung tragen/' Grund genug, diese Richtlinien zu beleuchten. So viel sei jetzt schon gesagt, so leid es mir tut, es aussprechen zu müssen: So sehr ich die Richtlinien als Symptom des Bemühens und als Zeichen guten Willens anerkennen möchte, vom pädagogischen und jüdischen Standpunkt aus muß ich sie ablehnen. An Wertvollem enthalten sie nichts Neues, vieles dagegen, was überholt oder bedenklich oder beides ist. Doch das betrifft schon den Inhalt, und davon möchte ich erst später sprechen. I. Die Frage läßt sich doch nicht unterdrücken: War es jetzt nötig und ist es jetzt mögliche mit neuen Richtlinien für die jüdischen Schulen herauszukommen? Sind die Verhältnisse heute schon so fest, so durchsichtig, daß wir an ein ihnen angepaßtes Reformschulprogramm denken müßten, denken dürften? Man bedenke doch: Die deutsche Schule steht vor grundlegenden Veränderungen. Soweit Richtlinien für sie vorhanden sind, sind sie im Effekt, was den Geist des Unterrichts und Erziehungs¬ und Lehrziele anbetrifft, längst überholt und kaum mehr von Bedeutung. Dennoch sind sie offiziell nicht außer Kraft gesetzt, auch die darauf gegründeten Lehrbücher sind noch da. Man beläßt beides, weil man über kurz oder lang das gesamte Schulwesen neu organisieren will. In einer solchen Stunde muß die Veröffentlichung von jüdischen Richtlinien, die auf der einen Seite die staatlichen voraussetzen und sie auf der andern Seite ignorieren, zum mindesten als ein Schlag ins Wasser angesehen werden. Aber selbst angenommen, daß wir die Richtlinien, Pläne und Bücher, die jetzt in den allgemeinen Volksschulen gelten, auch weiterhin behalten, wissen wir denn, wie weit die jüdischen Schulen frei sein werden? Nehmen wir selbst den günstigsten Fall an, daß wir in der Frage des äußeren und inneren Aufbaus Freiheit erhalten, dann sehe ich nicht ein, warum wir sie nicht ganz und nur nach dem Bedürfnis der deutschen Juden lösen sollen? Aber soweit sind wir noch lange nicht. Wir wissen noch nicht einmal, wie die rechtliche, gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Stellung der Juden nach dem zu erwartenden Judengesetz sich .gestalten wird, und da wollen wir heute schon wissen, welche Schule wir brauchen? Aus all diesen Erwägungen heraus bedauere ich den Erlaß, der Richtlinien als übereilt und betrachte sie, wenn nicht als schädlich, zum mindesten als unzeitgemäß. IL Ein Blick auf die Richtlinien im Ganzen und gar im Einzelnen bestätigt dieses Urteil. Ich will gar nicht von den Wendungen und Formulierungen .sprechen, die mich stören. Daß gewisse Dinge (Fortsetzung au! Seite 3.)

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