Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1934)
- Date
- 1934-01-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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er Israelit Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a» M. 25. Januar 1934 9. Schefaat 5694 Nummer 4 Kindertragödien im heiligen Lande. Die Wochenschrift „Hajessod", die einzige religiöse Zeitschrift in Tel-Awiw, die Schöpfung eines unerschrockenen Idealisten «L Chabas, für den nach guter jüdischer Tradition sein kaufmännischer Beruf nur Mittel zu höheren Zwecken bedeutet, veröffentlicht aus einer der Kolonien •einen Brief, in dem es heißt: „Eines der Kinder aus Deutschland, Sohn religiöser Eltern, wurde einem Bauern zur Erziehung übergeben, Am ersten Freitag Abend ging der Junge, wie gewohnt, in die Synagoge. Als dies nachher seine Pflegemutter hörte, sagte sie, es sei nicht nötig, zu beten und verbot ihm den weiteren Synagogenbesuch. Ein Mädchen aus Deutschland, gleichfalls "Von einem alten Pädagogen. Wenn man die verhängnisvollen Rückwirkungen der deutschen Rassegesetzgebung auf die soziale und mehr noch auf die wirtschaftliche Lage der Juden in Deutschland feststellt und dabei schwere Befürchtungen über ihre unausbleiblichen Ausstrahlungen auf die gesamte außerdeutsche Welt nicht unterdrücken kann, so darf es von dem aufrechten Juden doch auch mit Genugtuung empfunden werden, nTlÜH nsnn bv ],3*1373'daß der JCrebsschaden der volkverwüstenden 'Mischehe mit einem Schlage ausgerottet worden ist. Das darf aber nicht dazu führen, nun auch auf jüdischer Seite die gegnerische Begründung der Rassengesetze' als richtig anzuerkennen und aus ihm die Notwendigkeiten für unser Verhalten zu entnehmen. Wenn dieser Tage im „Israelit" gefordert -wurde, es müsse in der jüdischen Schule der überaus wertvolle Wahrheitskern der erbbiologischen und eugenischen Forschung herausgeschält werden, so mag das richtig sein; es muß aber dabei das Mißverständnis vermieden bleiben, als ob die jüdische Lehre die den heutigen Rasse-Theorieen zu Grunde liegenden darwinistischen und entwicklungstheoretischen Hypothesen irgendwie als richtig anerkennen könne. Rein abstammungsgemäß, also biologisch betrachtet, entscheidet über die Zugehörigkeit zum jüdischen Stamm nicht eine lange Ahnenreihe reinrassiger Juden. Jeder von einer jüdischen Mutter Geborene ist Jude, selbst wenn der Vater nicht-gewesen sein sollte. Das Kind einer luchtjüdischen Mutter, mag auch der Vater Jude •sein, ist und bleibt Nichtjude. Eine zu nichts verbindende Eintrittserklärung vor irgend einem Rabbinat mit oder ohne vorhergehendem „Religionsunterricht" macht eine Nichtjüdin noch lange aus religiöser Familie, wurde in eine Bauernfamilie gegeben, die vollkommen unrituell lebt." Die Redaktion fügt hinzu, daß sich eine große Zahl von solchen Fällen feststellen läßt, „in denen Seelen gestohlen werden" (bmwn um)- Die Redaktion fragt, warum die Führer der religiösen Judenheit, die so gerne Aufrufe veröffentlichen, schweigen. Wir verweisen auf unsere wiederholten gleichartigen Veröffentlichungen. Es wäre vor allem dringend zu wünschen, daß das englische Hilfskomitee schleunigst für die Errichtung einer ausreichenden Anzahl religiöser Unterbringungsstätten sorge, statt die Aktion in Palästina selbst vorwiegend der unreligiösen Arbeiterschaft zu überlassen. Aus dem Inhalt: Hebräische Assimilation .... Seite 3 Emigranten und Flüchtlinge . . . Seite 3 Zur Auseinandersetzung in der evangelischen Kirche Seite 4 Der Reichsarbeitsminister für die nichtarischen Arbeitnehmer Seite 2 'Einteilung Palästinas in nationale Kantone? Seite 2 Hinter den Kulissen der Balfour-Deklaration Seite 7 Wirtschaftlicher Aufstieg in Palästina Seite 8 Arbeitskondikt in Haifa.....Seite 8 Eine jüdische Buchvereinigung . . Seite 5 nicht zur Jüdin. Dieses Grundgesetz der Abstammung lediglich von einer jüdischen Mutter scheidet die wahre jüdische Auffassung über die Zugehörigkeit zu unserem Volke von den in der deutschen Gesetzgebung augenblicklich verwirklichten Rassetheorien. (Nebenbei: die ganz besondere Bedeutung der jüdischen Ehegesetzgebung für den DirP die Reinerhaltung des jüdischen Stammes und des jüdischen Familienlebens, soll hier nicht betrachtet werden.*) Mit dieser *) Sie ist aber grade für die grundsätzliche Wertung der erbbiologischen und eugenischen Gedanken von entscheidender Bedeutung, nicht die bloße mütterliche Abstammung, die u. E. unter anderen Gesichtspunkten zu beurteilen ist. Red. Volkszugehörigkeit infolge Abstammung von einer jüdischen Mutter steht die Kontinuität des jüdischen Volkes von den Stammvätern Abraham, Isak und Jakob über seine lange staatliche Existenz in Palästina und die bald zwei Jahrtausende des Golus nicht in Widerspruch; trotzdem wertvollste Bestandteile des jüdischen Volkes in diesn langen Zeiten verloren gingen, ist von außen her nur ein verhältnismäßig kleiner Zuwachs anzunehmen. Daß in den schweren Zeiten blutigster Verfolgungen sehr viel fremdes Blut gewaltsam in den Volkskörper eingedrungen ist, ist nicht erwiesen. Viele Berichte, man halte sie für echt historisch oder nur legendarisch, zeugen dagegen. Ein Beispiel für viele:. In Köln verzeichnet für 1096 das unzweifelhaft echte Martyrologium die Jungfrau Abigail und zwei Gefährtinnen, die sich ins Wasser stürzten, um der Schande zu entgehen. Eher dürfte man meinen, die Golus- Verfolgungen hätten den jüdischen Volkskörper ganz aufreiben müssen. Nur das zähe Festhalten an seinen das rein Körperliche, Rassische überdauernden ideellen Werten hat das Volk vor dem Untergang bewahrt. Erst die Emanzipation brachte eine Lockerung dieser seelischen Bindungen an die altüberlieferte Jüdischkeit und führte zur Assimilation, die besonders in ihrer weitestgehenden Form, der Mischehe und ihren Begleiterscheinungen, den rassischen Untergang der authochtonen jüdischen Bevölkerung der Emanzipationsländer herbeizuführen droht. Zu weit haben die Assimilationserscheinungen um sich gegriffen; selbst völkisch-zionistische Gesinnung bewahrt nicht vor ihren Verheerungen; exempla trahunt. Daß nicht die rassische Zugehörigkeit; sondern vor allem die seelische Gemeinschaft das Judentum erhalten hat, zeigt sich auch in der Stellung der Proselyten; natürlich nur der aus reinster Ueberzeugung zum Judentum Uebergetretenen. Geschichtliche Beispiele mögen bev; sen: Schemaja und Abtalion, die Führer des Sac hedrins zur Zeit des Niedergangs des Hasmona< r~ hauses, die Vorgänger und Lehrer von Hillel ui: Schamm'ai, stammten von Nichtjuden, ja sogar von Judenfeinden. R. Akiba war der Sohn eines Ger; seine Großeltern von Vaterseite " waren Nichtjuden. Onkelos (Akylos), der Bibelübersetzer, war als Nichtjude geboren; zu seinen Nachkommen gehört R. Meir, der große Mischnalehrer. Der Bedeutung dieser Großen tut es keinen Abbruch, daß sie, erbbiologisch betrachtet, niemals hätten eine Ahnenprobe bestehen können. Die Liste solcher Proselyten ließe sich unschwer durch die Jahrhunderte hindurch ergänzen bis zu jenem Abraham, dem ehemaligen Prior der französischen Barfüßermönche, von dem alte Memorbücher erzählen, der zusammen mit anderen französischen Proselyten die Treue zum einzigen G'tte mit einem qualvollen Tode besiegelte; oder zu jenem anderen Abraham, dem polnischen Edelmanne, dessen Asche auf dem Wilnaer Friedhof ruht. Rassefremd war die adiabenische Königin Helene und ihr Sohn Monobaz, die den Tem- (Fortsetzung auf Seite 3.) Rassenbewußtsein und Judentum.