Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1934)
- Date
- 1934-01-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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? c Keren Hajischiiw-Blätter Herausgegeben von der Palästina-Centrale der Agudas Jisroel Frankfurt am Main. Der Keren Hajischuw ist das wirtschaftliche Instrument zum Auibau Erez Jisroels im Geiste jüdischer Tradition. Er ruft das jüdische Volk zur Mitarbeit auf, von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die überwiegende Mehrheit des jüdischen Volkes den wirtschaftlichen Aufbau in Erez Jisroel in einer Weise vornehmen will, daß das aufblühende Erez Jisroel zugleich ein religiöses Zentrum für das jüdische Volk wird. 10. Jahrgang der A. J. Blätter 11. Januar 1934 / 24. Tebet 5694 Nummer 1 Keren Hajischuw-Blätter. Einem Beschluß der Palästina-Konferenz zufolge, beginnen wir heute, im Rahmen der Agudas Jisroel-Blätter, mit der Herausgabe der periodisch erscheinenden Keren Hajischuw-Blätter. Sie dienen der Propagierung unserer Erez Jisroel-Arbeit und werden unseren Freunden und darüber hinaus dem Kreis derjenigen, die dem Aufbau Erez Jisroels unter der Herrschaft der Thora Verständnis entgegenbringen, willkommenes Informationsmaterial bieten. Neben den regelmäßigen Berichten über die Lage in Erez Jisroel werden die Keren Hajischuw-Blätter auch über die Leistungen des alten Jischuw unterrichten, werden feiner der Entwicklung und dem Aufbau der Poale Agudas Jisroel in Erez Jisroel besondere Aufmerksamkeit zuwenden und werden endlich fortlaufend über die von der Agudas Jisroel eingerichteten Hachscharastellen unseren Leserkreis auf dem laufenden halten. Wegen des Bezuges der Keren Hajischuw- Blätter in mehreren Exemplaren für die einzelnen Gruppen bitten wir unsere Vertrauensmänner, sich direkt mit uns ins Benehmen zu setzen. Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt a. M., Schumannstr. 12. Die Palästina-Konferenz der deutschen Agudas Jisroel. (Fortsetzung aus Nummer 1 des „Israelit") Hachschara. Ueber die bisherige Hachscharaarbeit der Palästina-Centrale hielt Dr. Siegfr. Oppenheimer, der Leiter der Hachschara-Abteilung, ein aufschlußreiches Referat mit den einschlägigen Berichten über die agudistischen Hachschara- Ausbildungsstätten im Elsaß, Holland, Jugoslavien, Deutschland und Lettland. Auf Grund der bisherigen Erfahrung faßt der Referent seine Ausführungen in folgenden Leitsätzen zusammen: I. Die agudistischen Hachscharoth sind nicht Sammelstellen junger Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen genötigt sind, sich nach einer neuen Existenz umzusehen. Sie sind vielmehr Vorbereitungsstätten derjenigen jungen Menschen, welche durch ihre eigene körperliche Arbeit den Aufhau eines nur vom reinen Thorageist erfüllten Jischuw in Erez Jisroel fördern wollen. Grundtendenz, die jeden Hachscharisten erfüllen muß, ist, seinerseits daran mitzuarbeiten, den Boden in Erez Jisroel und die jüdische Gemeinschaft in Erez Jisroel restlos unter die Herrschaft des in der mündlichen und schriftlichen Thora niedergelegten G'tteswillen zu stellen. II. Die Errichtung und Einrichtung der Hachscharoth hat nach einheitlichen Gesichtspunkten zu erfolgen, um das angestrebte Ziel zu erreichen und späterhin eine möglichste Homogenität der aus den Hachscharastätten hervorgegangenen Menschen bei der Arbeit in Erez Jisroel zu erzielen. III. Es ist Pflicht aller agudistischen Organisationen, soweit die äußeren Möglichkeiten es nur irgendwie zulassen, innerhalb ihres Landesgebietes Hachscharastätten zu errichten und ihren finanziellen Bestand zu sichern. Die geldliche Inanspruchnahme deutscher Instanzen seitens anderer Landesorganisationen ist nicht möglich. Hiegegen wird von Fall zu Fall versucht werden können, aus den im Ausland gesammelten und von der Zentralstelle für Hilfe und Aufbau verwalteten Geldern wie bisher, Zuschüsse für den Lebensunterhalt einzelner Muchschorim zu erlangen. Voraussetzung ist hierfür der Nachweis, daß weder der Betreffende selbst, noch seine Angehörigen, noch die hinter ihm stehende Organisation in der Lage sind, diese Gelder aufzubringen. ' IV. Die Hachscharoth sollen, ihrem Charakter entsprechend, einfach ausgestattet sein, um den Muchschor für seinen, späteren Beruf und die entsprechende anspruchslose Lebensweise zu erziehen. Die praktische Ausbildung soll durch theoretischen Unterricht ergänzt und möglichst vielseitig ausgestaltet werden. Die Anforderungen an körperlicher Arbeit sollen jedoch die Tatsache berücksichtigen, daß die jungen Leute aus anderen Berufen stammen, und sich ihrem neuen Beruf erst allmählich anpassen müssen. V. Dem Wesen einer agudistischen Hachscharah entspricht es, daß den religiösen Bedürfnissen durch entsprechende Einteilung der Arbeitszeit Rechnung getragen, und vor allem auch für die geistige Hachscharah gesorgt wird. VI. In die Hachschai-oth werden nur solche Agudisten als Muchschorim aufgenommen, die nach ihrer geistigen Vorbildung und der bisherigen Betätigung innerhalb der orthodoxen Jugendbewegung geeignet erscheinen, später in Erez Jisroel die Ziele der Aguda zu vertreten. VII. In jeder Hachscharah muß ein verantwortlicher, mit Vollmachten ausgestatteter Führer sein, dem die geistige Leitung der Hachscharah obliegt, und dessen Urteil auch bei der Beantragung der Zertifikate einzuholen ist. VIII. Die Pflicht, die Errichtung von Hachscharahstätten zu fördern und deren Bestand zu sichern, ruht auf jedem Agudisten, insbesondere auf den Vertrauensmännern der Palästina-Zentrale, deren Aufgabe es ist, durch Bereitstellung von Geldmitteln und Informierung der Orts- und Jugendmitglieder über das Wesen agudistischer Hachscharoth, das Interesse aller unserer Gesinnungsgenossen wachzurufen und ihre Mithilfe hierfür zu gewinnen. Schließlich teilt Herr Dr. Oppenheimer noch mit, daß unter dem Namen Noar Agudati im engsten Zusammenhang mit der Palästina-Zentrale der A. J. speziell für Hachscharaangelegenheiten eine Organisation der jungen Menschen aus Aguda und Esra gebildet worden sei, die die Absicht haben, sich für Erez Jisroel auszubilden. Die Bundesleitung des Noar Agudati setzt sich aus zwei Vertretern der Agudas Jisroel-Jugendorganisation, zwei Vertretern des Esra und einem Vertreter der Palästina-Zentrale zusammen. Bei ihr werden sich in Zukunft zunächst die Reflektanten für die Ausbildung in Hachscharastellen anzumelden haben. Noar Agudati. Die dem Noar Agudati zu Grunde liegende Ideologie wird durch den Bundesvorsitzenden des Noar Agudati, Herrn Manfred Lustig, in einem Referat ausgeführt, welches in folgenden Leitsätzen kurz zusammengefaßt ist. 1. Unser Agudisinus ist in erster Linie Weltanschauung und aktuelles, politisches Programm, während die Organisation für beide Dinge nur Mittel zum Zweck ist. 2. Wir sehen dursh die politische Umwälzung in Europa in Erez Jisroel das kommende Lebens- und Geisteszentrum der Gola. Die Zukunft der Thora in der Gola hängt also ab von der Zukunft der Thora in Erez Jisroel. 3. Im Gegensatz zum jüdischen Leben außerhalb von Erez Jisroel, das sich nur auf Haus, Synagoge und Lehrhaus erstreckt, ist das jüdische Leben in Erez Jisroel ein Volksleben. 4. Die Thora erhebt als totale Lebensreglerin Anspruch auf Gestaltung dieses gesamten Volkslebens. 5. Weil dieser Anspruch vom neuen Jischuw nicht anerkannt worden ist, versagte sich der alte Jischuw in heroischer Verneinung dem schaffenden Aufbau Erez Jisroels. Unsere jungen Menschen werden die materiellen und seelischen Voraussetzungen hierzu nicht besitzen. Das Vorhandensein von einzelnen religiösen Familien oder Kibbuzim im neuen Jischuw bedeutet nur eine fortwährende Bejahung des thorawidrigen Volkslebens in Wirtschaft, Recht, Politik, öffentlicher Meinung, Kunst, Vergnügen usw. Es führt dies entweder zur Zerstörung auch des privaten Thoralebens oder es droht die Gefahr einer neuen stillen Reform der totalen Thora in eine religiöse Familien- und Synagogenfeier der ethischen Gesinnung und der mystischen Erlebnisse. Erst recht nicht kann von diesen geschwächten Einzelzellen religiösen Lebens eine Wirkung auf den gesamten neuen Jischuw ausgehen. 6. Aus dieser Gefahr entsteht der Gedanke des dritten Jischuw, der auf dem Boden territorial geschlossenen Einzelsiedlung ein totales Volksleben der Thora aufbauen will. Erst dadurch kann auch die erobernde Kraft der Thora wirksam werden. 7. Der Stoßtrupp zur Erreichung dieses Zieles soll der Chaluzimbund Noar Agudati sein, der unter klarer Herausarbeitung und fortwährender Betonung dieser Idee und dieser Zielsetzung die religiösen Menschen bewegen will. Von entscheidender Bedeutung ist die Auswahl der Chaluzim. . Nur die besten Menschen kommen zunächst für das Werk des Jischuw Haschlischi in Frage. Schwächere Naturen, auch bei gutem Willen, werden in Palästina nur selbst gefährdet. Eine ausreichende geistige Hachschara (Jeschiwa) und die Erkenntnis und Durchführung der praktischen Hachschara, d. h. der Umstellung auf den schaffenden Beruf, ist die Arbeit, die hier in der Gola zu leisten ist. 8. Damit unsere Menschen nicht bloße Lohn-Arbeiter bleiben, sondern materiell und seelisch verwurzelt sind, muß vom Keren Hajischuw, an dessen Sammlungen sich auch die Jugendlichen beteiligen sollen, ausreichender Boden zur Verfügung gestellt werden können. 9. Außerdem muß zur Garantierung der Arbeitsmöglichkeiten und zur Erreichung einer genügenden Breite des Aufbaues der geschlossenen Thorasiedlung erreicht werden, daß unter planvoller Leitung der Palästina-Zentrale junge Familien mit Kapital sich in Erez Jisroel als Grundstock des Jischuw Haschlischi ansiedeln. Grundsätzlich soll die P. Z. nicht auf die Bewerbungen warten, die an sie herantreten, sondern sich die geeigneten Familien selbst werben, denn keinesfalls kann durch Menschen mit materiellen Zielen etwas erreicht werden, sondern nur von solchen Familien, die gewillt sind, aus Chibath haarez, aus Entflammtheit für die Thora, Opfer zu bringen; desgleichen kann ein gedeihliches Verhältnis zwischen Arbeiter und Besitzer nur auf diesem Boden erreicht werden.