Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1934)
- Date
- 1934-01-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2450807-2450808--80102-2537895- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4. Januar 1934 , Der I s r a e Ii t Nr. 1 Seite 5 in ,allen Teilen befriedigt und man fühlte ,sjch in den nationaljüdischen Parteien nach den ersteh großen Erwartungen ein wenig enttäuscht, daß er die eigenen jüdischen Wahllisten nicht anerkannte. Er kann dafür seine guten Gründe gehabt haben, und die Tatsache, daß in den Regierungslisten auch mehrere jüdische Namen figurieren, beweist doch, daß jene Ablehnung nicht eine ScKmalerung des jüdischen Rechtes ah sich bedeutete. Wie'dem auch sei, ein Mann, dessen Namen für die vielgeprüfte rumänische Judenheit eine Hoffnung bedeutete, fiel durch Mörderhand; Das Um die Zukunft der Auf der Jahreskoriferenz der englischen zionistischen Föderation, die am 26. Dezember nach dreitägiger Dauer geschlossen wurde, führte Dr. Chaim Weizmänn ü. a. folgendes aus: Obwohl die Lage der deutschen Juden in ein stabiles Stadium zü treten beginnt, könne über Art und Weise einer endgültigen Stabilisierung der Verhältnisse nichts vorausgesagt werden. Im Augenblick kommt noch immer eine große Anzahl deutscher Juden nach Palästina. So besteht ein Drittel der Chaluzim-Immigration aus Deutschen. Im Durchschnitt werden zur Zeit etwa 1000 deutsche Juden, einschließlich Touristen und Kapitalisten, im Monat in Palästina einreisen. Ein großer Teil der deutschen Juden lebe im Augenblick noch von seinen Ersparnissen, jedoch gehen diese langsam zu Ende und schon heute leiden viele deutsche Juden große Entbehrungen. Es ist anzunehmen, daß jährlich etwa 15.000 bis 20.000 jüdische Menschen aus Deutschland auswandern und die Hälfte davon sich nach Palästina wenden wird; wenn der Central British Fund und andere zentrale jüdische Körperschaften jährlich 150.000 Pfund zur Verfügung stellen werden, wäre es möglich, jährlich etwa 6000 ' jüdische Einwanderer in Palästina aufzunehmen. Ein großer Teil der Gelder wird evtl. zurückgezahlt werden können. Die für die Siedlung der deutschen Juden aufgewendeten Summen haben rekonstruktive Zwecke und sind nicht bloß zur Hilfeleistung gegeben. Könnte man für Palästina im Laufe der kommenden drei Jahre eine Million Pfund jährlich beschaffen, so verpflichtet sich der Redner, zu beweisen, daß das Land in der Lage ist, im Laufe der genannten Zeit nicht weniger als 35.000 Juden aufzunehmen. Von dieser Summe von einer Million Pfund brauchten ^B——1 der unvergeßliche katholische Freund des .gesetzestreuen Judentums und glühende Verehrer Samson Raphael Hirschs, wird eingehend behandelt, eingehender als Hirsch selbst, den der Verfasser als „einen Ideologen der jüdischen Orthodoxie in Deutschland" bezeichnet und offenbar — das ist recht schade — nur aus ein paar Weigl'schen Zitaten kennt. Dann kommt Max Naumann, das Reformjudentum und endlich eine ziemlich ausführliche Geschichte des Zionismus, von dem der Verfasser anerkennt, daß ihm als einmaligem Phänomen „mit rationalistischen Maßstäben allein nicht beizukommen ist". In der Tat: es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten. Mit kräftigen Argumenten wird von Ringer Achad haams Standpunkt bekämpft, der die Möglichkeit der Golusbegriffe „deutscher Jude", „polnischer Jude", „französischer Jude" leugnete — das alte Wort von der „Schönheit (irrtümlich „Weisheit") Japhets in den Zelten Sems" hält er ihm entgegen und K 1 a t z k i n s Einseitigkeiten weist er zurück mit der Feststellung, daß die jüdische Geschichte nun einmal seit Jahrtausenden auf der Koexistenz, dem Dualismus von Palästina und Diaspora aufgebaut sei. Ringer schließt seine fesselnde gründliche Darstellung mit Leo Baecks wahrem Worte: „Es mußte ein vergebliches Unternehmen werden, das jüdische Dasein entweder in den Begriff der bloßen Nation oder in den der reinen Glaubensgenossenschäft hineinfügen zu wollen. Das Judentum ist süi generis und deshälb bloß durch sein Dasein zu erklären; es ist ein Einmaliges der Menschheitsgeschichte , geblieben, ein Wort des Weltschöpfers, das tiicht mehr wiederholt ward." erwachte Recht in Rumänien ist nicht gemordet. Titulescu und andere Parteifreunde Ducäs beschuldigen die liberale Regierung, daß sie das Leben des Mannes, der berufen war, die Geschicke des neuen - Rumäniens zu lenken, nicht genügend geschützt hätte. Hoffen wir, daß mit den neuen Schutzmaßnahmen, die nun ergriffen werden müssen, auch die Frucht der letzten Wahlen, die deutlich dargetan haben, daß der überaus größte Teil des .rumänischen Volkes sich für leine Politik des Friedens und des' Rechtes bekennt, für Rumänien und auch Rumäniens Juden .sichergestellt wird. deutschen Judenheit, bloß 200.000 Pfund als verloren angesehen zu werden, während bei den übrigen 800.000 Pfund, die investiert würden, mit einer Rückzahlung gerechnet werden könnte. Das augenblicklich schwierigste Problem sei, nachdem die Frage der Versorgung der jüdischen Kinder aus Deutschland und das Chaluz-Problem gelöst sind (?], die Einordnung der deutschen Einwanderer aus dem Mittelstand. Für diese ist Pa-; lästina ein fremdes Land. Obwohl sie an sich ein : erwünschtes Element sind, besitzen sie doch j nicht die Fähigkeit, sich dem Lande anzupassen, wie dies der polnische und russische Jude kann. : Bis zur Gewöhnung dieser Menschen an" die Bedingungen des Landes ist gewöhnlich das mitgebrachte Kapital verbraucht, und dann wird ihre Lage außerordentlich schwierig. Sie haben an sich Aussichten in der Industrie und in den Orangenplantagen, aber bevor derartige Betriebe lebensfähig sind, vergeht eine gewisse Zeit. Es müß daher zunächst an eine Zwischenlösung gedacht werden. Ein Mittelstandseinwanderer kann für 400 Pfund ein Haus und ein Dunam Land erwerben. Er behält also noch 600 Pfund, nachdem er ein Dach über dem Kopf hat. Es sind Verträge abgeschlossen, um auf diese Weise 400 Familien Boden zu sichern. Auch für industrielle Möglichkeiten wird gesorgt werden. Es ist vor allem notwendig, hauptsächlich durch den Jüdischen Natiohalfonds zur Vermeidung einer unerwünschten Bodenpreissteigerung mehr Land zu bekommen. Aeußerst wichtig ist die Frage der Kreditbeschaffung: kleiner Kredite für Menschen mit Fachkenntnissen und größerer Kredite für Kapitalisten. Auch an die Gründung einer Industriebank muß gedacht werden. Zur Zeit versuche man phantastische Vergleiche zwischen Palästina und Angola zu kon- Jakob Wassermann. In Altaussee ist der bekannte Romanschriftsteller und Dramatiker Jakob Wassermann plötzlich einem Herzschlage erlegen. Wassermann, der zu den führenden Meistern der neudeutschen Erzählungsliteratur gehörte, entstammte einer religiösen jüdischen Familie in Bayern. Seinen Weg als Deutscher und Jude hat er in einem vielgelesenen autobiographischen Buche beschrieben und damit die erschütternde Tragödie des modernen Juden der Assimilation im 19. und 20. Jahrhundert überhaupt gezeichnet. Nach Jahrzehnten rein deutschen und hochkünstlerischen Schaffens, die ihn zur Höhe des Ruhmes hinaufführten, ist, durch den Hammerschlag der neuen, harten Zeit geweckt, sein jüdisches Gefühl erwacht, glaubt er sich von Stimmen aus alten verklungenen Welten angerufen, und er wird, wie manch anderer, zum ehrlichen Bekenner. Ein Ankläger, der aber auch eigene Schuld nicht vergißt. Von seinen „Juden aus Zirndorf", in denen er sich noch von Juden und Judenschicksal so weit distanziert, bis zu seinen letzten Prosaschriften über jüdische Fragen liegt ein weiter Weg. Es war Wassermann leider nicht beschieden, den Weg zu Ende zu gehen, bis zu dem Ziele, wo das volle jüdische Glück den g'ttbegnadeten Dichter vielleicht gezeigt hätte, daß auch sein Leidensweg als Jude nicht ganz umsonst und nutzlos war. Er ist mit seinen 61 Jahren zu früh von uns gegangen. struieren. Selbst bei der Annahme*, daß Angola .existiert und für eine Ansiedlung in Frage käme, müßte es nach der Meinung des Redners viel Zeit erfordern, .bis. das Land in der Lage wäre, zehntausend Juden, jährlich aufzunehmen. Man vergißt bei den phantastischen Ugandatheorien, die man im Gegensatz zu Palästina aufstellt, daß sich die Lage seit dem alten Ugandaplan grundlegend geändert hat. Damals hat Uganda existiert und Palästina nicht. Heute aber existiert Palästina und nicht Uganda. Der Redner könne an keine geistige Kraft glauben, die in der Lage wäre, Juden als Pioniere nach Angola zu führen. Der nächste Redner Harry Sacher erklärte, daß die Judenfrage in Deutschland in den Hintergrund getreten sei. Er schätzt die voraussichtliche Emigration der deutschen Juden auf höchstens 2000 Menschen im.Jahr. Allerdings würde die Zahl der deutschen Juden infolge des Geburtenrückgangs und der Auswanderung bis. zu einer ^Viertel Million sinken. Obwohl er glaube, daß das deutsche Judentum verarmen wird, wird doch seine Lage im Vergleich zu der Lage der Juden in anderen Ländern, wie Polen, Rumänien usw., eine verhältnismäßig günstige sein. E s i s t falsch, den deutschen Jude i.v: Aussichten auf ausländische Hilfe zu machen. Die deutsch-jüdischen Anstalten müssen ihre Ausgaben bis zu einem Mindestmaß senken. Es bedeute einen-Irrtum, die deutschen Juden zu einer großen Auswanderung nach Palästina zu ermutigen. Diese Auswanderung erscheint auch gegenüber den Juden anderer Länder als ungerechtfertigt, deren große Notlage eine gleiche Behandlung verdient. Es sei eine große Gefahr für die Zionistische Organisation, schloß Harry Sacher, sich zuviel mit dem deutsch-jüdischen Problem zu befassen. Die Aufgabe der zionistischen Arbeit muß Zionismus und Palästina sein. Das ist der fundamentale Grundsatz der zionistischen Bewegung, die sich auch durch außerordentliche Ereignisse hierin nicht beirren lassen darf. Professor Dr. Selig Brodetzky wandte sich gegen die Beschuldigung, die Zionisten hätten aus der Lage der deutschen Juden für ihre Zwecke Kapital geschlagen. Bei einem Umriß der augenblicklichen politischen Lage in Palästina, den der Redner gab, behandelte er auch besonders das Problem der illegal Eingewanderten. Er könne, so erklärte er, kein Verbrechen darin erblicken, wenn einer, der als Tourist einwandert, sich nachher entschließt, im Lande zu bleiben. Die Palästina-Regierung hat diese Art von Einwanderern immer anerkannt, und tut es auch jetzt noch. Er appellierte an die Regierung, die jüdische Einwanderung ausschließlich nach der Aufnahmefähigkeit des Landes zu regeln und nur die Aufnahmefähigkeit als richtunggebend zu betrachten. (Siehe hierzu Leitartikel und Wochenrundschau. Red.). Die Palästina-Konferenz der deutschen Agudas JisroeL (Fortsetzung von Seite 1.) Der Sprecher dieser Jugend, der Leiter des Noar Agudati, Fredi Lustig, in dem sich diese Jugend zusammen gefunden hat und weiter zusammenfinden wird, hat dies immer stark betont, als ein Gelöbnis, und wir sind gewiß, daß die Leitung der Agudas Jisroel und der Palästina- Zentrale ihr Ansehen und ihren Einfluß in den Dienst dieser großen Aufgabe stellen werden, „das Herz der Alten den Jungen zuzuwenden" und das Herz der Jungen zu diesen ihren Alten, vor denen diese Jugend in Respekt und Ehrerbietung steht. Dies scheint uns das wichtigste innere Ergebnis der Tagung, daß Männer, deren pädagogische Bedeutung alle Welt würdigt — von einigen blinden Parteifanatikern abgesehen sich so gatiz und freudig vor den alten Jischuw stellen; Man-