Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 52 Der Israelit 29. Dezember 1983 'n mv» „An jedem Tag nimmt man die Aschenhebe-Arznei verwenden zu können. Das dürfte doch für Juden vom Altar beim Morgenruf oder kurz vorher oder nach her, am s'i* um Mitternacht, an den Wallfahrtsfesten von der ersten Nachtwache an; ehe noch der Morgenruf erfolgt, ist der Vorhof schon gefüllt mit Jsroel." nirgends leichter fein als beim Hebräischen, und ist doch viel schwerer,- als man denkt. Dr. M. Elias, Frankfurt a. M. IS. Arbeikskonferenz desl. Pfleg fchafksbezirkes Schlesien. Erklärung: Nur kurz ist die Nacht. Schon um Mitternacht wird von der Asche vom Opferbrand des vorhergehenden Tages sine Handvoll neben den Altar niedergelegt. Sie reiht sich der Asche früherer Tage au, die Hingebung der Gegenwart fußt auf der der Vergangenheit. Am Alltag geschieht -dies beim Morgenruf: ganz früh erfolgt es an den Wallfahrtsfesten, damit die Opfer der Wallfahrer, die schon beim Morgenruf die Halle füllen, dargebracht werden können. Um Mitternacht geht es in der Nacht zum 2dem Ordnen und Entzünden des Altarfeuers voran, da der Hohepriester ' allein den Dienst zu verrichten hat. Frühzeitig mutz er beginnen. Die Feit der Vorbereitung ist beendet. Der Ernst und die Weihe des Tages bricht an. Bericht über Palästina. Die Chinuchverhältniffe haben sich in Palästina, seitdem ich -zum letzten Male dort war, seit 22 Jahren, wesentlich verändert und doch auch wieder kaum entwickelt. Sie haben sich wesentlich verändert insofern, als ein ausgebreitetes Schulwesen im Lande existiert. Vor 20 Jahren sah man neben den Chedarim an europäischen Schulen nur die der Alliance, der Engländer und der Mission. Heute gibt es ein ausgebreitetes Netz von autochthonen Schulen. Modern sind sie insofern, als sie rein baulich und organisatorisch nach dem Vorbild europäischer Schulen eingerichtet sind, auf europäische Allgemeinbildung Hinzielen und alle bereits mit hebräischen Lehrbüchern in allen Fächern ausgsstattet sind. Den Maststab europäischer, v. a. deutscher Schulverhältnisse darf man natürlich nicht anlegen. Es fehlt an methodisch oorge-bildeten und psychologisch geschulten Lehrern. Daher kommt es, daß wohl rein äußerlich Einrichtungen moderner europäischer Schulen übernommen wurden, aber die inneren Grundgedanken europäischer Schulreform außer Betracht geblieben sind. Es ist kein Zufall, daß jede höhere Schule dort „Gymnasium" heißt. Die Anhäufung eines großen Wissens gilt nach wie vor als das Merkmal einer guten Schule. Vielleicht die einzigen, die weniger den Kopf, als vielmehr die Menschen formen und neu formen möchten, sind die Arbeiter, die auch den Mut haben, neue Schultypen zu gründen. Diese Situation wirkt sich vor allem nachteilig in den mrsrachiftischen Schulen und auf dem Gebiete der religiösen Erziehung aus. Ein an der Führung beteiligter Schulmann sagte mir mit einem Rückblick auf die verflossenen 30 Jahre misrachiftifcher Schularbeit: „Eine Generation von guten Juden zu erziehen, ist uns leider nicht gelungen." Als Grund und Entschuldigung dafür gab er an: „weil das Leben dagegen arbeitet." Das mag berechtigt fein. Die Ereignisse der letzten Jahrzehnte, die Elemente, die da in das Land hereingeströmt, und die Kräfte, die da aus einer eisernen Notwendigkeit heraus herrschend geworden sind, mögen ein starkes Hindernis gebildet haben. Aber um so notwendiger wäre es, die besten Erzieher, das wirksamste Schulsystem und zielbewußteste Arbeit zu entfalten, um einer solchen Gefahr, wie es das heutige palästinensische Leben für die Jüdischkeii darstellt, zu begegnen. Diese drei Momente aber sind m. E. zu wenig beachtet worden. Lehrer gibt es genug, aber Erzieher sehr wenig. Der Typ des Maskil ist durchaus beherrschend unter ihnen. Tiefes Thorawiffen und wohl auch universelles Wissen sind vielfach unter ihnen zu finden. Aber den Weg zum Kopf und zu dem Herzen zu finden, ist den wenigsten gegeben. Dabei lasse ich ganz außer acht, daß von vielen Eltern mir gegenüber über den Mangel an Wärme, überzeugendem Elan für das Religiöse von Seiten der Lehrer und über die Disziplin bei den Schülern geklagt wurde. Ich führe auch diese Symptome auf den oben angedeuteten Mangel an Erzieherpersönlichkeiten zuzrück. Dazu kommt, daß das Jüdische nur neben, nicht mit dem Profanen in der Art von Tauro im derech erez unterrichtet wird, worüber auch die hebräische Unterichtssprache nicht hinwegtäuschen kann. (So kann es Vorkommen, daß auch in Palästina das eine oder andere Fach, wenn es nicht gerade limuüe kaudesch sind, in Misrachi-Schulen von nichtreligiösen Lehrern erteilt werden.) Auch das geht letzten Endes auf den oben erwähnten Umstand zurück, daß die Schule nicht als Vildungs-, sondern nur als Unterrichtsanstalt angesehen wird. So konnte es Vorkommen, daß mir ein frommer Vater auf die Frage, wie er fein Kind in die Schule eines nichtfrommen Direktors schicken könne, antwortete: die Schule sei ja nur zum Unterrichten da, erziehen müsse das Haus. Die misrachiftifchen Schulen find durch ihre Abhängigkeit von der Partei und durch deren Stellung im Zionismus in ihrer Erziehungsarbeit gehemmt. Die Verbindung des Misrachi mit dem Revisionismus macht die Sache nicht leichter. Der Wunsch nach zeitgemäßen, den Gegebenheiten Und reichen Möglichkeiten des Landes angepaßten religiös positiven Schulen ist allgemein. Schüler gibt es genug. Was fehlt, ist Geld für Räume, dann aber Lehrer, die gut Hebräisch können, nicht nur, um die Sprache als Verständigungsmittel zu handhaben, sondern um sie zum Instrument der Erziehung als Licht und Schwert und Zur Berufsnol des jüdischen Akademikers. Von Ernst Lewy in Berlin. Wie ich erst jetzt feststellen konnte, hat sich ein sinnentstellender Satzfehler in meinem Aufsatz „Gedanken zur Berufsnot des jüdischen Akademikers", vom 29. Juni ds. Js., singefchlichen. Es muß richtig heißen im sechsten Absatz: „Womit alle diese Maßnahmen (Numerus clausus ufw.) noch begründet wurden, ist zu bekannt, als daß an dieser Stelle -näher darauf eingegangen zu werden brauchte. Nur eines wollen wir in. diesem Zusammenhänge feststellen, nämlich, daß derartige Maßnahmen keineswegs eine Gefamibesierung der wirtschaftlichen Lage der Akademikerschaft werden bewirken können." — Im achten Absatz ist der Name Freyer aus dem Mai-Juniheft der Zeitschrift „Studentenwerk" von mir irrtümlicherweise genannt. Gemeint war der Aussatz von E s ch m a n n 0 betitelt „Berufsplanung" im gleichen Doppelheft, was an dieser Stelle mit verbindlichstem Dank an den Richtigsteller verzeichnet sei. Im klebrigen durchzieht das gesamte Doppelheft der einmütige Wille, diesem heiklen Problem energisch zu Leibe zu gehen. VERLAG DES ISRAELIT UND HERMOH G.M.B.H. FRANKFURT A. M., RECHNEIGRABEHSTRASSE 7. 3n unserem Verlage ist erschienen: Die Welt der Gebete ir^ann dVi? . Kommentar zu den Werktags- und Sabbatgebeten, nebst Uebersetzung von Rabbiner Dr. Elie kNunk . in Ansbach. 374 Seiten Groß-Oktav. preis in gediegenem Leinwandband Alk. 6.50 Das Buch ist durch alle besseren Buchhandlungen zu beziehen. Der Verlag liefert. direkt gegen Nachnahme oder Voreinzahlung des Betrages (zuzügl. 40 Pfg. Porto innerhalb Deutschlands) auf Postscheckkonto Frankfurt-M 19802. Auf Wunsch wird Abonnenten des „Israelit" im Einzelfall Zahlung in zwei Raten eingeräumt, wovon die erste mit Mk. 3.— zuzügl. Porto durch Nachnahme bei Lieferung eingezogen wird, die zweite nach 4 Wochen. Dann noch eines: Daß die Mittel für kulturelle, insbesondere wissenschaftlich-akademische Zwecke in Palästina auch weiterhin vollkommen unzureichend sind, dafür liegt mir eine Reihe maßgebender dortiger Stimmen vor. Trotzdem bemüht man sich anerkennenswerterweise umversitätsseils, die geringen zur Verfügung gestellten Mittel aus Deutschland vertriebenen und entlassenen jüdischen Hochschullehrern zuzuführen, aus einem Brief des Dir. Dr. Hugo Bergmann der Iewifh Library in Jerusalem vom Anfang Oktober ds. Js. an den Verfasser dieser Zeilen. Um irgendwelchen Mißdeutungen meiner im Aussatz vom 29. Juni gestellten Fragen nach dem Grunde der Nichtberufung dieser Gelehrter an palästinensische Hochschulen von vornherein zu begegnen, sei folgendes festgestellt: Mir hat nichts ferner gelegen, als irgendwie den Willen, deutsche Gelehrte nach dort zu berufen, sofern sie autz Deutschland vertrieben oder entlassen wurden, anzuzweiseln! Nur wollte ich daraus Hinweisen, und ich glaube, es ist kurz und klar geschehen, daß durch die ichw irrige finanzielle Lage des Staates den wissenschaftlichen Instituten zu geringe finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden, daß also den misenschaftlichen Institutionen und ihren Verwaltungen keinerlei Schuld zuzumessen sei, sie eben lediglich ohnmächtig gegen die schmierige Finanzlage des Staates feien. Für wistenschasttiche Zwecke stellen doch bekanntlich alle Staaten zu. geringe Mittel zur Verfügung, sollte es da verwundern, daß dies auch in Palästina der Fall ist? Am 29. Oktober fand im Gemeinüezimmer zu Waldenburg die 16. Arbeitskonferenz des i. Pflegfchaftsbegirtes Schlesien statt, die gut besucht war. Nach einer längeren eingehenden FamiUenberatung trug Kollege F a l k e n st e i n aus Kizzur Schulchan Aruch, Kap. zl und 28 die Vorschriften über Talmud Thora und über den Umgang mit heiligen Büchern vor. Hieraus hielt an Stelle des verhinderten Studienrat Herrn Dr. Speyer, Breslau, unser Konserenzmitglied, Rabb. Dr. Koppel, Hirschberg, einen Vortrag über „Einführung in die Neuhebräische Sprache, in wissenschaftlicher und methodischer Beziehung." Besonders interelsant waren die Ausführungen über die Entwicklung der Neuhebräifchen Spräche und Schrift/und die zahlreichen Winke für neuhebräische Kurse. Die Diskussion war sehr anregend. Kollege Wiefer forderte einheitliche Aussprache (sephardisch) für Religionsschule uno Synagoge. Die Anwesenden schlossen sich dem Wunsche nicht an. Auch zeigte Wiefer eine methodisch wertvolle Erweiterung der 7 Binjanim des hebräischen. Verbums auf 9, und zwar 3 Bedeutungstusten: Stal, Kawed u. Gorem zu je 3 Gruppen (aktiv, passiv, reflexiv.) Koll. Seitermann teilte mit, daß er feste Redensarten in den oberen Klassen einübe und dadurch große Fortschritte erziele. An der weiteren Debatte über sephardische Aussprache und Sprachverständnis beteiligten sich die Kollegen Brock, Dr. Koppel, Falkensrein und Franz Wieser. Nachdem der Obmann dem Referenten Dr. Koppel noch besonderen Dank für seine Vertretung ausgesprochen hatte, schloß er die Sitzung. Buchbesprechung. Erfolgreiche Erziehung. Von Johannes L i n d w o r s k y, S. I., P r a g. F r e i b u r g i. Vreisg. 19 3 3. Herder u. Co., Verlagsbuchhandlung. Mk. 1.—. Lindworsky, in Fachkreisen seit einigen Jahren rühmlichst bekannt durch seine „Experimentelle Psychologie" (Koesel und Pustet, Verlag, München) und durch seine „Theoretische Psychologie" (I. A. Barth, Verlag, Leipzig), hat sich mit diesem Merkchen aus das h e i l pädagogische Sondergebiet gewagt, und zwar mit größtem Geschick. Lindworsky verbindet, wie wohl bisher kaum ein Verfasser heilpädagogischer Werke, pädagogische Theorie mit praktisch - pädagogischer Erfahrung, er ist Heilpädagogiker und Heilpädagoge zugleich. Und vor allem das echte Vorbild eines Pädagogen, der con ainore, mit Liebe und Lust, feines Amtes gewaltet hat. Das Büchlein bringt ganz konkretes Material und wird, zumal in leichtfaßlicher und von Cordialttät durchdrungener Form, ln die eben nur ein solch tief und warm religiös empfindender Mensch wie Lindworsky seine Gedanken kleiden kann, neben Lehrern und Erziehern auch weitere Kreise von püderogisch Interessierten wie insbesondere Kandidaten und Praktikanten für heilpädagogische Praxis gewinnen und begeistern können. Wenn wir erwähnen, daß uns die starke Betonung des Berufsideals seitens des Vrfassers nur im theoretischen Bereich geblieben zu sein scheint, während wir erwartet hätten, daß Bersasser auch eine Verwirklichung dieses, d. h. eine Wegweisung zur Schaffung von Berufsmöglichkeiten, kurz skizziert hätte, so soll - das keineswegs eine Herabsetzung oder Verminderung der Gesamtbedeutung dieses Küchleins sein. Schon der berühmte Herbart sagt im § 305 seines „Umriß pädagogischer Vorlesungen": „Unbestimmtes Treiben ist immer da zu erwarten, wo nicht die Zucht für Beschäftigung und Zeiteinteilung gesorgt hat, usw." Ist Beschäftigungslosigkeit die Ursache des Zugangs zur Kriminalität bei sehr vielen in Anstalten eingelieserten junget Menschen, so auch heutzutage bei nicht wenigen bereits als „sozial positiv" Entlassenen! Ernst L e w y , Dominium Lad in Polen. An alle ehemaligen Kölner); In diesen Tagen sind 5 0 Jahre verflossen, daß das neue S e m i n a r g e b ä u d e in der St. Apern- Irahe 29 31 e i n g e w e i h t wurde. Unter dem Dreigestirn: Plato, Carleb ach und Gut sind eine große Anzahl Lehrer in diesem Gebäude unterrichtet und mn dort ins Amt entlassen worden, so daß wir Lehrer alle Ursache haben, unseres einstigen Heims in Dankbarkeit zu gedenken. Auch unseres sel. Schwarzs ch i l d sei dabei gedacht, ebenso der Herren, die noch heute am Seminar oder in anderen Stellen segensreich wirken. Möge das Haus auch unter anderem Namen noch lange entsprechend seiner Bestiinmung eine Pflanzstätte wahrer Religiosität sein. Die Zeitverhältnisse haben unsren Plan, zur 50-Iahrseier uns in Köln mal wieder zu ireffen, vereitelt. Aber unsere Gedanken weilen in diesen Tagen mit besten Wünschen bei unserer Alma mater in Köln. Allen Ehemaligen herzl. Grüße Euer Apt.