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Der Israelit · 1933-12-29 · Heft 52 (29.12.1933) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 52 (29.12.1933)
Date
1933-12-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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o IM]“! MMI“ üüüL JÜJU— Mio io 0 H m 51M- MM1äHE MDM) I I I Erziehung und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit“ Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands S]o|oTIHTIöl5|5in " UM I I Verantwortliche Schriftleitung: U. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbacd) Die Mischnah als Lehrstoff im Religionsunternchk. Bon Rabbiner Dr. Michalski in Karlsruhe. (Schluß.) j'iioi-s Gehorsam wartend, erscheint er nur als „Beamter", des Winks seines Herren gewärtig. Jede eigene Regung, 'jede Willkür verwirkt ihn: die Gunst seines himmlischen Auftraggebers. Jede Ueberhöbung läßt ihn des Amtes unwürdig erscheinen. Er verliert es dann sofort, er wird abgesetzt. Schon der Name der Halte, in der er sieben Tage wartet, soll ihn vor Hochmut schützen. Er ist iiur kommissarisch beauftragt er ist nicht unentbehrlich. Er ist jeder Zeit absetzbar, wie die Minister und Beamten eines Königs, die sehr oft wechseln. Bringt er doch täglich Vio nvrr als Mahlopser, das jeder andere Priester nur ain Tage seiner Einweihung und Einweisung bringt. Für ihn ist jeder Tag ein Tag der Einführung, an dem er neu geschenkt sein Amt erhält. Unwürdige Hohepriester haben zur Zeit des zweiten Tempels den König bestochen und das Amt sich erkauft. Sie haben den 2-v nicht überlebt, jeden anderen, der unwürdig, hat das gleiche Geschick ereilt. Darf doch der Hohepriester nicht lange betend im Allerheiligsten weilen, um das Volk nicht zu erschrecken; es könnte sonst fürchten, er sei, weil unmündig, vom Tode ereilt worden?) Ein Freudenmahl hat er seinen Freunden bereitet, wenn er wohlbehalten die Schwelle des Allerheiltgsten hat verlassen dürfen?') Diese Gedanken weckt der Name-) der Halle in ihm, sein Ende sieht er vor sich, wenn er nicht gehorsam im Dienst. Aus dem trauten Kreise seines Hauses wird er dorthin gebracht, um ganz losgelöst von allem Alltäglichen zu fein. •6 prpnm/ Sein Nachfolger wird schon bestimmt, der Rivale steht bereit. Dies vermehrt das Bewußtsein der eigenen Unwürdigkeit. Dies vermehrt das Streben nach Vollkommenheit. Es ist ein i!? ji?n eine Hilfsmaßnahme zu seinem Besten. 12 In ihm könnte vielleicht Untauglichkeit liegen. Wenngleich er vom Haus, von der Gattin räumlich getrennt ist, muß doch sein Sorgen und Bangen um Sühne mitfühlendem Herzen entspringen, das der Alleinstehende nicht kennt, der nicht ein Haus, eine Gattin fein eigen nennt. 'n nie?» „Alle sieben Tage hindurch muß er das Blut sprengen, (vom täglichen Opfer), das Räucherwerk darbringen, die Lampen reinigen und den" Kopf und den Fuß (des Opfers) herauflegen. An allen anderen Tagen aber braucht er nur, wenn er will, zu opfern, denn der Hohepriester kann ' als erster opfern und seinen Teil nehmen." Erklärung: Die vorbersitende Einfühlung ist zunächst negativ. Sie entfernt durch jn» iiv „Weichen vom Bösen" im Denken und Fühlen jede Hemmung. Sie ebnet den Weg. Sie sucht jede Unreinheit der Vergangenheit zu sühnen. Zwar nicht alle sieben Tage hindurch, doch den größten Teil derselben, nur den vierten Tag und den rav ausgenommen, besprengt man ihn gegen 'Abend mit der Asche der sühnenden, roten Kuh. Jeder blutwarme, tiergleiche Eigenwille fei vernichtet. Angesammelt ist die Asche, anknüpfend an die erste, die ,i-y 1221 ,iew selbst bereitet hat?) Außer diesen beiden Tagen mahnt ihn jeder Tag durch diese Besprengung, sich aus der Unreinheit zur Vollendung des physisch-organischen Schöpfungswillens des dritten und des G'ttlich-Geistigen des siebenten Schöpfungstages") durchzuringen und aufzuschwingen. Es könnte jeder Tag der 3. oder 7. seit seiner Unreinheit sein, die er sich zuaezogen. Am Berge Sinai ward das Opferblut zur Hälfte auf den Altar, zur Hälfte zum Volk hin gesprengt worden. Jeder Tropfen Blut dem Altar geweiht, wird dem Volk als Kraft und Leben zugeführt.") N'12N Di Blut des Bundes auf Gegenseitigkeit ist es gewesen. Auch hieran erinnert die Sprengung. Mit lebendig quellendem Wasser ist die Asche gemischt, zum ') sav V, 1. Daselbst VJJ, 4. ") wk>e»in' :rri'2p rr^'v ein neu geprägtes Wort Nvi'xiv 4) 'n '*» ov 'm "y dp I'nr? nirrvn .^2» vLy rrnr>) Vergl. Kommentar TV b. M. S. 278. ") Vergl. Kommentar II b. M. S. 326. Leben führend, 01 nun v'v 10122 *) Für dieses Blut tritt das Wasser ein. „Alle" sieben Tage hindurch bringt er in positiver Vorbereitung der Tat das 212 nvr-Streben nach dem wahren Guten zum symbolischen Ausdruck. Er sprengt das Blut an den Altar, gibt dem Blutstropfen seines Lebens die hingebungsvolle Richtung zum Altar. In gesteigertem Maße deutet er dies im Räucherwerk vollkommenster Hingabe an. Er reinigt dann die den Abschluß bildenden zwei Lichter des Leuchters von jeder trübenden Asche und gibt ihnen das Oel, das ihr Leuchten bedingt".) Nur auf dem Gehorsam der Tat erstrahlt geläutert, erklärend und verklärend des Geistes Leuchten, es durchgeistigt die Tat. Der Kopf birgt die Sinne des Geistes und der Sinnlichkeit. Nach ihnen richtet sich der FuhZ, der den Körper trügt. Sie bringt der Hohepriester zum Feuer des Altars. Körper und Geist unterstellt er dem Feuer des Gesetzes. Nur seiner Leistung entspricht sein Genuß. Auch dieser gibt Kraft ihm zum Dienste, in dem er vorbildlich sein soll. In prcesterlicher Gesinnung ist der Genuß des Opferfleisches geboten. Sieben Tage der Vorbereitung geben dem Hohenpriester heiligende Weihe. Sieben Tage der Vorbereitung nach dem o"i-Feste, vom 3. bis zum 9. 'ivn gehen dem a-n voran. Ein jeder gleiche dem Hohenpriester, er nütze die Tage der Vorbereitung, das Böse meidend, das Gute übend! Sieben Jahrzehnte des Lebens der Vorbereitung harre der Mensch in der Vorhalle dieser Welt") des Tages der Sühne. Er nutze die Tage der Vorbereitung! '> nuv». Man teilte ihm Gelehrte von den Gelehrten des Gerichtshofes zu, sie lesen ihm die Tagesordnung vor und sprechen dann zu ihm: „Mein Herr, Hoherpriester, lies du es nun mit deinem Mund, vielleicht hast du es wieder vergessen, oder vielleicht hast du es noch nicht begriffen. Am Vortage des 2"1' des Morgens ließ man? ihn an der östlichen Pforte stehen und führt vor ihm stiere, Widder und Lämmer vorüber, damit er bekannt und bewandert im Dienste fei." . Erklärung: Er fühle sich vvr Gericht gestellt. Richter mahnen ihn zum Gehorsam. Das G'tteswort befiehlt ihm, was er auszuführen hat. Auch die Reihenfolge der Dienstanweisung darf keine Blenderung erfahren. Nicht beleidige es ihn, daß es ihm vorgetragen, aufgetragen wird. „Mein Herr," so reden sie ihn an in ehrerbietiger Weise. Er selbst liest es dann und prägt es sich ein. Unbedingter Gehorsaw banne jeden Eigenwillen. Die Richter wollen zunächst krasse Unwissenheit bei dem Hohenpriester voraussetzen. „Vielleicht hast du es nur vergessen," so nehmen sie zunächst an. Erst dann tragen sie der offenbaren Mögichkeit Rechnung: „Vielleicht hast du es nicht gelernt und nicht begriffen." Daher die scheinbar umgekehrte Wortfolge. Am Vortagedes Morgens wird die Theorie durch die Praxis ergänzt. Am Osttor, beim Eingang des Volkes, stehe er; nur als Beauftragter und Vertreter des Volkes erscheine er, nicht verdankt er sein Amt der eigenen Würdigkeit. An nicht erschlaffenden Arbeitseifer gemahnen ihn die vorbei geführten Stiere, an ein vorbildliches Voranschreiten die Widder, an Ergebenheit in die Führung und Leitung durch den himmlischen Hirten die Schafe, Vorbildlichkeit im Tun und Leiden stehe als Ziel ihm vor Augen?") Bekannt sei er mit dem Dienst, jede Unkenntnis und Unwissenheit sei beseitigt. Bewandert sei er in ihm, jede Vergeßlichkeit sei ausgeschlossen. ", nivv „Alle sieben Tage entzieht man ihm nicht Speise und Trank. Am Vortage des 2-v> zur Dämmerstunde läßt man ihn nicht viel essen, weil das Essen das Schlafen herbeiführt." Erklärung: Speise und Trank schließt nicht weihende Vorbereitung aus, gibt Kraft zum Dienst und wird hierdurch geadelt. Nur der Schlaf kann zur Sinnlichkeit, zur Unreinheit leicht führen. Ausgeschaltet ist im Schlaf die beherrschende Zügelung der physischen Triebe. Speisen, die sie wecken und erregen, seien ganz gemieden, andere im Uebermah. 'n nie?» „Es haben ihn dann die Gelehrten des Gerichts den Gelehrten der Priesterschaft übergeben. Sie führen ihn hinauf in den Saal des Hauses Awtiuos H nhyn Turan oVwV '2lv» 11 i'»n wv 'iy -Mil im?» 8) II. 2 ov ’aVtPiv "y- 1 ") IV, 21 ni2K ’piB. '") Eine Ansicht lehrt, daß auch die Böcke an ihm vorbei geführt werden, die an Israels Sünden gemahnen, die ihm nicht bekannt und von ihm nicht beseitigt werden können. Nach der Auffassung unserer n-vv könnte darum ihr Anblick lähmend wirken. (n-> -nr) und lassen ihn schwören, um sich dann zu verabschieden und fortzugehen. Sie sprachen zu ihm: „Mein Herr, Hoherpriester, wir sind die vom Gericht Beauftragten, und du bist dieser Beauftragter und auch der des Gerichts, wir taffen dich schwören bei dem, der Seinen Namen ruhen läßt aus diesem Haus, daß du nicht eine Sache änderst von allem, was wir dir gesagt haben; er wendet sich ab und weint, und sie wenden sich ab und weinen." Erklärung: Die Gelehrten des Gerichtes führen ihn hinaus. In die entgegengesetzt gelegene Halle wird er geführt. Auf dem Weg hat er Zeit, über den Ernst und die Verantwortung seines Ganges nachzudenken?') In die Halle der Familie Awtiuos wird er geführt, die das die Hingebung vollendeten Gehorsams andeutet. Zuvor wird er vereidigt von den Gelehrten des Go-- richts. Erst dann empfehlen sie sich, um fortzugehen. Erst dann übergeben sie ihn den Gelehrten der Priesterschaft, die ihn die Darbringung des Räucherwerks lehren, Die Einleitungsworte der Vereidigung durch die Gelehrten des Gerichtes enthalten Entschuldigung und Mahnung zugleich. „Wir sind die Beauftragten des Gerichts,' wir müssen auf höhere Weisung dich vereidigen, vor dem Gericht mußt du dich verantworten. Du wirst von UNS beauftragt, doch bist du UNS nicht untergeordnet, du bist gleich uns Beauftragter des Gerichts. Auch du mußt auftragsgemäß handeln. Wertlos und hinfällig ist jede eigenmächtige Aenderung. Sie entspricht nicht dem Willen deiner Auftraggeber. Du bist nur ausführeudes Organ. Nicht eigene Gedanken darfst du in den Eid hineinlegen. Im Sinne, nach Wunsch und Auffassung des Gerichtshofes leistest du ihn. Wir vereidigen dich bei dem, der Seinen Namen wohnen läßt in diesem Haus. Sein Name, Seine Wallung heischt Anerkennung und Gehorsam. Nicht angebliche Anstandsregcln, nicht irrwegige Rücksichten aus menschliche, körperliche Behaglichkeit dürfen dich von der gebotenen Rauchentwicklung des Räucherwerks im Allerheiligsten zurückstellen. Jedwede Aenderung, auch in edelster Absicht, ist Ungehorsam, ist Eidesbruch, ist Auftragsverletzung. Nicht ins Gesicht hinein fließen die Tränen, nicht geheuchelt, nicht gekünstelt sind sie. Abgewandt von einander, weinen beide Teile, Ausdruck tiefen Ernstes find die Tränen?") Beweinenswert sind die Zeiten, die diese Vorsorge erfordern, die diese Befürchtungen möglich erscheinen lassen, trotzdem falsche Verdächtigung Strafe nach sich zieht. - nur „War er ein Gelehrtr lernte er selbst, wenn nicht, lernten die Gelehrten ihm vor, ist er des Lesens kundig, liest er selbst, wenn nicht, lesen sie ihm vor; Aus Jjauw, Esro und der Chronik. Secharjoh Sohn Kwutals sagt, oftmals habe ich ihm aus Daniel vorgelesen." Erklärung: Den Schlaf der Nacht gilt es zu verscheuchen. Eigenes Forschen oder zumindest Aufmerken auf den Bortrag oder die Vorlesung eines Anderen bannt die Möglichkeit der unbewachten Verunreinigung. Die Bestrafung jeder Schwäche bei Jjauw, die Tatkraft des energischen Eintretens bei Esro, Lohn und Strafe in der Chronik und Daniel werden ihm mahnend und warnend ins Bewußtsein' gerufen. Auch andere der ®ipn '202 können diese Wirkung erzielen.") a niv» „Wenn er einschlafen will, so schnallen die Jungmannen der Priester mit dem Zeigefinger und sprechen zu ihm: „Mein Herr Hoherpriester, stehe auf und kühle dich einmal ans dem Marmorbaden ab," so beschäftigen sie ihn, bis die Zeit des Schlachtens des Opfers herankommt. Erklärung: Vermag die geistige Anregung nicht, ihn des Schlafes Herr werden zu lassen, so muß körperliche Bewegung nachhelsen. Die Jugend mit ihrer Frische und ihrem Eifer, vor der er sich schämen muß, setzt die Finger, die Organe der Tat, in Bewegung oder zum Pfiff an den Mund'"), um zur durchgreifenden Bekämpfung der Müdigkeit aufzurufen. Diese halbe Nacht muß er sich beherrschen können wenn er der Bequemlichkeit und Behaglichkeit entsagt. Er berührt stehend den Boden im Kuß'"), seiner irdischen Vergänglichkeit gedenkend. Psalmen werden ihm vorgesnngen, die auf den himmlischen Bauherrn verweisen.'") “) v"' 'ai. allein das Räucherwerk zusammenznstellen verstand'-'), '-') Vgl. III, 11. sar nrnt. 1:i) 1310 inp 'iy. ") 017 0-281 '»y* ") 0v 'v!>vii' 'T- '") 'er nissn "y-

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