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Der Israelit · 1933-12-29 · Heft 52 (29.12.1933) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 52 (29.12.1933)
Date
1933-12-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Rahabs Lied. Von Sanon. VIII. Rah ab atmete auf. Durch bas versprechen, das sie ihm gegeben hatte, hoffte sie ihn wenigstens davon zurückzuhalten, daß er Kinder ihrer Gippe für den Moloch verlangte. Denn sie wußte, wenn morgen bei dem dritten Umzüge wieder kein freiwilliges Opfer dem Moloch gebracht wurde, dann würde Anok das Recht, haben, von jedem, dem er wemg wohl wollte, fein Kind anzufordern. Sie ahnte nicht, wie ergrimmt und enttäuscht Anok von ihr gegangen war, wie er auf Rache sann. An die Kinder dachte er gar nicht in diesem Augenblick, Rahab selbst wollte er irgendwie tödlich treffen. Um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen, über- , gab. er sein Roß dem Sklaven und ging durch die Stadt, zu Fuß zum Königspalast, UM dort von dem fluchtartigen verschwinden der Gesandten aus Ai und Gibcon zu erzählen. Cr kam an einer Schenke vorüber, deren Vorhänge aus syrischem Purpur weit zurückgeschlagen waren. Da tönte an sein Ohr das Wort „Rahab". Cr trat näher und lauschte. - Drinnen saß eine bunte Gesellschaft, erregt und angeheitert. Das' große Wort führte der Mann, /der am Abend die fremden Handwerker zu Rahab ge- - leitet hatte. Das erzählte er eben, und prahlte , auch mit dem großen Trinkgeld, das er vdn den Fremden erhalten hatte. Mi?. . Auch gab er zum Besten, was ihm die Fremden " von einem mächtigen Volk berichtet hatten, das der Acgypter Herr geworden wäre. „Gl", fiel ihm ein anderer ins Mort, „ich kenne die Männerauch, das sind wohl dieselben, Mit denen ich mich heute früh unterhalten habe.-was sagten sie Dir," wurde er von allen Seiten gefragt., . Anok aber wartetedie Antwort gar nicht ab. Etwas stimmte nicht an der Sache.. Rahab chatte ihm die Gäste doch, als dumm und anspruchslos ge- Fchildert., Solch arme Burschen konnten' .unmöglich .ein so. füMich es Trinkgeld geben. . Aber halt, Rahab hatte'doch, auch erzählt, daß .sie nichts' verzehrte,Hab ten. Sollten sie am, Cnde gar dem - fagenumwobe-. . .neu Volk zugehören? Sollten, sie am Tnde gar Späher fein? Cr übsrlegte. Sollte er nicht stehenden Fußes gleich zu Rahab zurückgehen? Cs wäre das Beste. Aber großer Mut war nicht Anoks Sache, Am Cnde würde er den Beiden unterliegen, und Aufsehen wollte er noch nicht erregen. So beschloß er denn seinen weg zum König fortzusetzen,, um sich dort mit seiner"großen'. Wackssamkeit für Jerichos Wohl zu brüsten. Der König konnte die Gäste Rahabs in aller Stille holen lassen/ , p * ' ' " 4- - pflichtgemäß war Rahab in einen kleinen Verschlag geschlichen^ um ihre Gaste zu' belauschen. Dä hörte ste Laute in einer fremden Sprache und doch ihr so wohlvertraut,' denn es klang fast so, wie die Mundart, in der sie als Kind ihre ersten Worte gesprochen und in der sie' sich noch heute mit ihren Litern unterhielt. Sie wurde stutzig und horchte näher hin, da hörte ste Bruchstücke eines Gespräches. . „Ich denke, PiRechas,! unsere Aufgabe ist gelöst .. . . Hast Du Kaleb, vor, 40 Iahten mehr erkundet . . Rein, solch bange Fürcht hatte ich nicht wahrgenommen . . . Wenn das unser großer Mose erlebt hätte ... ich denke, wir werden morgen ostwärts ziehen und wir werden unserem Volke berichten, daß Jericho zittert ..." . Da konnte . Rahab mcht, länger an sich halten und trat plötzlich in die Kammer ihrer Gäste. „Ihr seid nicht schlichte Handwerker. Ich habe Cuer Gespräch gehört. Was wollt Ihr hier?" „Wenn Du Rahab, uns belauscht hast, weißt Du es ja. Wir sind in Deiner Haud." „Nicht, .wenn Ihr offen seid." „So höre," sprach PiRechas und dann begann er ihr in gedrängter Kürze die Geschichte des Volkes Israel zu erzählen, von der Verheißung des Allmächtigen, von Seiner Offenbarung. Crschüttert hörte Rahab zu. Jetzt begriff ste vieles. „Cin Volk von Zauberern seid ihr. .Aber trotzdem, Jericho ist ein heißer Boden. Morgen in aller Frühe fliehet. Ihr habt wahrlich genug gesehen und erlebt. Rnd nochmals sage ich Luch, Ihr seid gute Menschen, ich kann Cuch nicht verraten." Und dann überkam'.Rahab das Bewußtsein ihres fürchterlichen Lebens und sie brach in bittere Tränen aus. In hervorgestoßenen Worten erzählte sie ihren Gästen von dein Jammer ihres Lebens in Jericho, plötzlich schlug sie sich gegen die Stirne. „Aber um Astaroths Willen was habe ich da angerichtet? ,Ich habe Anok von. Tucherzählt. Und er, der -das Gras wachsen hört, wird Euch gewiß auf die Spur kommen. Wer weiß, ob er nicht wiederkommt. Schnell, schnell, hier ist eine Leiter, klettert hinauf und verberget Tuch gut unter den Reisern. Ich will mich unterdessen besinnen, wie ich Cuch retten kann. Die Tore sind geschlossen. Ihr könnt Jericho vor dem Morgengrauen nicht verlassen. Schnell, schnell." .. Schön hätte Kaleb den Weg auf das Dach durch eine schmale Lücke gefunden. „Und Du?" fragte Rahab den PiRechas. „Ich," antwortete dieser, „ich fürchte nichts. Ich bin ein Bote des Ewigen und feines Volkes. Mich werden auch Jerichos Krieger nicht zwingen." Da erklangen drei leichte Hamerschläge. „Rette Dich," stieß'Rahab hervor. „Cs sind des Königs Boten." ix. Als ste das Tor geöffnet hatte, standen zwei Schergen vor ihr. „Rahab, Kn Namen des Königs!" Rahab verneigte sich. „Der König hat gehört, daß zwei Fremde bei Dir eingekehrt sind. Cs sind Spione. Wir sind gekommen, sie zu holen. Zeige uns ihr Gemach." Mit eiserner Energie: bezwang sich Rahab, um ihre Erlegung .nicht zu. werraten.' " „Ach,", rief sie aus» -„jjetzt erst verstehe ich, warum -diese Schurken, sich so rasch aus dem Staube gemacht haben. Kaum hatte es zu dunkeln begonnen, dä sind sie davon. Ich habe sie gerade noch durch das Tor wischen sehen, ehe es geschlossen wurde." „Hast Du wenigstens gesehen, in welcher Richtung sie gezogen?" „Tinen großen Vorsprung können sie nicht haben. Sie schienen sehr müde zu fein. Ich sah ihnen nach, sie zogen auf die ,Iordanfurt zu." „Du weißt also sicher, daß sie nicht mehr in ihrem Gemach sind?" '' „Bitte, wenn Ihr Cuch überzeugen wollt. Aber ich fürchte, Ihr verliert viel Zeit." „Rahab hat recht," sagte der eine der Schergen. „Komm Kamerad, an der Straßenecke warten unsere Pferde. Wir werden sie schon einholen. Gute Rächt, Rahab." „Gute Nacht, ihr tapferen Männer." Gespannt blickte Rahab ihnen nach. Sie hörte, wie sie im Galopp zum Tore ritten und wie nach kur? zem Gespräch mit dem Torwart dieser das Tor öffnete, es aber klirrend wieder schloß. Sie hatte einen Augenblick gehofft, daß die Tore geöffnet bleiben würden. Als sie in dieser kleinen Hoffnung sich getäuscht sah, faßte sie einen großen Entschluß. Sie eilte hinauf, -aber wie war sie erstaunt, als sie PiRechas im Zimmer antraf. Aber ich habe Dich doch gebeten, verbirg Dich. Tue es mir zu Liebe. Ich glaube nicht an Deine Zaubermacht. Ich habe getan, was ich konnte. Schnell hinauf aufs Dach. In wenigen Minuten bin ich bei Tuch. Ich will nur die Spuren Eurer Anwesenheit, aus .diesem Gemach entfernen.. Geh!" Rach kurzer Zeit' erschien sie im wallenden Gewände, um das in vielen Windungen eine rote Schnur gewickelt war. Zuerst sagte sie leise zu ihren Gästen, die sich unter den Reisigbündeln versteckt hatten: „Grollet nicht, ich werde jetzt ein Lied zu Astaroth singen. Die leise zu sagenden Worte werde ich mit solchen tauschen, die nur für Cuch bestimmt sind." Dann begann sie laut und vernehmlich zu singen das Schntzlied der 'Astaroth, in das ste nach dem Ritus des Götzendienstes leise Gebete eingestreut hatte. Und sie Hub an: „Schlafet ruhig, ihr Frauen Jerichos, Astaroth schützt euch." Dann leise: „Wir zittern und zagen vor Cuch, das Land ist Cuer, alles fürchtet sich vor Cuch." Dann laut: „Du neugeborene Astaroth. Du schreitest über die Fluten." Dann leise: „Jetzt weiß ich, daß Ihr es seid, für die Cuer G'tt das Meer gespalten. Wir hörten davon und glaubten es nicht." Dann laut: „Astaroth, wie wandelst Du stolz über die Berge." Dann wieder leise: „Fliehet in die Berge und harret dort drei Tage, ehe Ihr zu den Türen zurückkehret." Und nun im hellsten Ton: „wir danken, Astaroth, was Du uns Gutes getan, rette uns!" Leise: „Rettet mich, wenn Ihr zurückkehrt, rettet mich und die Meinen." Da konnte PiRechas nicht an sich halten und flüsterte: „Rahab, fliehe mit uns." Darauf Rahab: „Ich kann nicht, mich halten heilige Pflichten für meine Litern und meine Sippe." Dann fuhr ste fort zu singen: „Astaroth, Dein rotes Band knüpfe ich an die Firste Deines Hauses. Männer und Frauen Jerichos, höret, Astaroth, rotes Baud wehet um mein Haus." Dabei hgtc sie die Windungen der Schnur entknotet; von ihrem Gewand gelöst und mit starken Knoten an den Giebel befestigt und frei flatterte das Band im leisen Säuseln des Westwindes. In freien Falten floß das Gewand um Rahab; einem Schemen gleich, trat sie in die Mitte des Daches und fang den Schlußvers: „Männer und Frauen Jerichos, rotes Band Astaroths weht um ihr Haus. Bleibet ihm ferne, damit sie nicht zürne. Bleibet ihm ferne, daß Astaroth Cuch gnädig fei." Dann leise: „An dieser roten Schnur lasset Cuch hinab; die Gruppen der Berge sehet Ihr im fahlen Morgenlicht. Ihnen eilet zu. Guten Weg. Denket Rahabs!" „Rahab, heilig Wort, daß wir Dich retten wollen. Laß dieses rote Band um Dein Haus flattern, wenn Du hörst, daß wir naben. Was in Deinem Hause wollt, soll uns unverletzlich fern. Dank Rahab." Sie waren verschwunden. Rahab sang ihnen noch das Schutzlied nach.: „Licht und rechten Pfad allen Wanderern Dank Dir Astaroth!" Dann begab sie sich mit wogendem puls in ihr Gemach. . Drei Tage später aber standen PiRechas und Kaleb vor Iosua und sprachen: „voll Furcht sind Äe Bewohner des Landes. Der Herr hat es in unsere Hand gegeben." (Fortsetzung folgt.)

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