Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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29. Dezember 1933 Nr. 52 Frankfurt a. M., den it zeMsm Der Isrcie Ein Centralorgan för das orthodoxe Judentum //HEB arm nrwT ®r ftpftwnnn In <7T?nfnx li V « Gegründet otm Dr. Lehmann ln Mainz. wm-1 a&. Abonnement ab Juli 1923: Deutschland ILO Mark Monatlich. Aus Land: Viertel» tabrvreise (eu sprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1.50 Dollar; England 8 sh.; Frankreich W Fr.: Belgien Belga6 Holland3.50fl.; Italien 18 Lire; Iugoilavien 56 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien 150 Lei; Polen 4 deutsche Toldnark zum Tageskurs oder 7:Zloty: Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowakei 38 Kronen; Ungarn -vengö 8; Dänemark, Norwegen u. Schweden 6 Kronen. Einzelnummer 30 Pfennige. , Im Falle von Streiks und höherer Gewalt keine ^Verpflichtung zur Rückzahlung von Abonnementsgebühren. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Jnferure 5ü iSolöpi. für Die ftcbengafpaltene Nonpareille-Zeile. 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Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Dem Jtoar Agudati zum Gruß. DA FiDTVÄ" 'tjtä Vb Ttic wrcht. wollen, daß Iischuw Lrez Iisroel für sie nicht programmpunkt fei, und dies mit Recht. Aber das, was zu Beginn, bis vor einem Jahrzehnt nur ehrliches programmatisches Bekenntnis war, ist seitdem mehr und mehr zum Gegenstand tätigen wollens und zürn heißgefühlten Ziel ernsten Gtrebens geworden, versuche, Fehlschläge, Kritik an der Palästina-Zentrale — es war alles zusammen ein Brodeln, das nach festen Formen and Ergebnissen drängte. In den grundsätzlichen Ankündigungen des „Roar Agudati" scheint sich nun ein neuer bildungsfähiger Keim ans Licht zu ringen. Ls ist -eine zarte Pflanze, die liebevoll gehegt Und gepflegt fein will. Sie braucht mehr als die Sonne unserer Sympathie, sie braucht den fruchtbaren Regen opferfreudiger Hilfe und Mitarbeit. Jüdische Klallarbeit ist kein Urwald. Zucht und Kritik sind nicht zu entbehren. Sie sollen liebevoll sein, um die Wnchskraft nicht zu hemmen, sondern in der besten Richtung zn fördern, und so Find sie sicher erhofft und erwünscht. Manches Wort des programmatischen Artikels, mancher zwischen den Zeilen durchblitzende Gedanke, das unverhohlene Spiel mit Andeutungen» die um wohlbekannte Begriffe wie Lrstarrungslösung und Auflockerung kreisen, das alles gäbe wohl Anlaß zu Bemerkungen äußernden vor zwo! Wochen bereits verösfentlichten. j R'lcht aus Lust an Klemlichkeitskrümerei, sondern' rvei^ bei so Hohen und heiligen Dingen nichts so geringfügig ist, 'daß es nicht verdiente, ernstlich besprochen zu werden. Rur in ehrlichem Für und Wider, durch zielgleiche Diskussion kann der praktischen Arbeit der Boden bereitet werden. Das alles muß die nächste Zukunft bringen, dem Werke zuliebe. Unumgänglich erscheint es aber jetzt schon, eines zu betonen. ' Die im „Rvaü' Agudati" zu leistende Palästina-Arbeit der Agudas Iisroel wird nicht die agudistische Iudenheit in der Welt palästinozentrisch umschichten und fixieren zu wollen; d. h. die Tatsache bleibt anerkannt, daß das Golus von jeder Gruppe der zerstreuten Iudenheit die Lösung der jeweiligen Aufgaben fordert nach Maßgabe der jeweiligen staatlichen und örtlichen Gegebenheiten: und Bedingungen. Dieser Grundsatz der territorialen Differenzierung in der Bearbeitung unserer Aufgaben war ja auch schon bisher einer der weisesten Grundsätze ügudistischer Politik. Rur grobes Mißverstehen des Golus. kann seine zeitliche Berechtigung und Notwendigkeit in Zweifel ziehen. Diesem Grundsatz wird. auch der „Roar Agudati" seine Anerkennung nicht versagen wollen. Was für die Begründung eines orthodoxen Iischuw in Palästina tunlich und deutschen Verhältnisse zugeschnittenen Methoden der notwendig ist, kann in anderen Ländern untunlich Arbeit und Erziehung pflegen müssen, und darum verboten sein. Die Anerkennung, dieses! Rach der ganzen Art,, in der der versuch des Grundsatzes stellt eine um so heiklere 2lufgabe dar, „Roar Agudati" (mit Recht) unternommen als die Arbeit für den dritten Iischuw (zu mindestens im Anfang für viele Jahre) sich größtenteils nicht in Palästina, sondern in anderen Ländern abspieien wird. Ls wird ein besonderer Takt dazu gehören, Vertag des Israelit und Hermon G. m. b. H. Vor kurzem erschien Licht aus dem Westen Erzählung aus der Zeit der Ghettodämmerung von < S- S c h a chno wi t z. Preis broschiert RM. 3.—in gediegenem Leinwandband RM. 4.—. Die Buchausgabe des bei seinem Erscheinen im „Israelit“ mit außergewöhnlichem Interesse begrüßten historischen Meisterromanes des Autors liegt nunmehr vor. Sie sollte in . keinem jüdischen Hause, in keiner Jugendvereins- oder Schulbibliothek fehlen, denn sie führt Jung und Alt in eine der wichtigen Epochen der jüdischen Geschichte ein und ist geeignet Verehrung und Bewunderung für die großen Meister der jüdischen Lehre in die Herzen der kommenden Generation zu pflanzen. daß beispielsweise die in Deutschland für den dritten Iischuw sich rüstenden Kreise selber Mitwirken und peinlich darauf bedacht bleiben, daß die für ihre Rüstung notwendigen Maßnahmen und Methoden nicht durch verfehlte Propaganda Wellen schlagen in die Kreise, die auf ein Leben in Deutschland abgestellt bleiben (sie werden zahlenmäßig so schnell wohl nicht gering sein) und darum ihre eigenen, aus die wird, wäre es ein Unsinn, 1 seine Fundierung auf das sefardische Iwrith zu kritisieren. 2lber die Unvermeidbarkelt des Sefardischen als Verkehrssprache im heutigen Palästina darf nicht darüber hinweg täuschen, daß sich damit für einen taurohtreuen Iischuw ein Problem eröffnet. Wird der dritte Iischuw auch sefacöisch — beten? auch die Tauroh scsardisiercn, d. h. vcrlandcssprachlichen? Haben mindestens zwei Jahrtausende jüdischer Vergangenheit ohne Grund ihre Jüdischkeit in zwei Idiomen ausgelebt? Ls ist bekannt, daß das Hebräische als moderne Verkehrssprache an vielen Wörtern des klassischen, hebräisch (also unserer Tauroh- und Tefillosprache) eine größere oder kleinere, aber jedenfalls nicht unwesentliche Sinnänderung vorgenommen hat. Wird durch eine sprachliche Rivellierung beider Bezirke der klassische wortsinn das Leben erobern oder nicht vielmehr totsicher der moderne Sinn der Alltagssprachc die teuren, unersetzlichen Sprachgüter des heiligen Bezirkes verflachen? Unter der Pression der wirtschaftlichen und politischen Atmosphäre leidet leicht das Verständnis für subtile Lrziehungsprobleme. Daß -die Hegung des Kaudesch-Bezirkes unseres Lebens durch ein eigenes Idiom für die taurohgemäßc Erziehung und Festigung von eminenter Bedeutung ist, übersieht man leicht m der Begeisterung des Gründungseifers. 2lber Uebersehen schafft Wahrheiten nicht aus der Welt. Je eher der „Roar Agudati" sich ernüchtert und die Rotwendigkcit anerkennt, auch und gerade!m dritten Iischuw alle Mittel anzuwenden, schwachen Menschen, die wir nun einmal auch dort sind, die Crkämpfung und Behaltuug der Jüdischkeit zu erleichtern, desto besser für ihn. Er und seine Freunde werden jedenfalls nicht darum hemmkommen, sich um dieses Problem für Palästina rechtzeitig und ausgiebig Sorgen zu machen. Aber schier unverantwortlich wäre es, wenn er etwa aus der au sich verständlichen Absicht, sich eine 2lrt Rückendeckung für feine Arbeit und Ziele in Palästina zu schaffen, nun auch die Iudenheit anderer Länder zu einer Schwächung der heilsamen Schranke zwischen Ehaul und Kaudesch animierte und ihre Tau roh- und Tefillo- Arbeit dadurch belastete. Und darum wird es — nicht geschehen.; Möge, dem „Roar Agudati" das> seltene Glück zuteil werden, das wunderbare Feuer seiner Jugend mit der alten bcrbsüßcn Wahrheit unserer Golus« bestimmuug treu zu vermählen! . . .