Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1933)
- Date
- 1933-12-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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21. Dezember 1933 D e r Israelit Nr. 51 Seite 7 gen vernommen worden, von denen einer, der Polizeiinfpcktor G (Jj t f f, ausfagte, die Deuwustrauteu hätten feindselige Rufe gegen die Regierung und gegen die Einschränkung der Einwanderung ausgestoßen. Agudistische Siedlung in Afar Saba. I e r u s a l e m, 18. Dez. Jni Zentrum der jüdischen Kolonie Kfar Saba erwarb der Keren Hajischuw (agudistischrr Aufbausond) einen kleinen Bodcirkoinpler, auf welchem über zwanzig lange Ägudisten, meist Deutsche, die aus Hachscharahstütten in Deutschland und Polen ausgebildet wurden, bereits zu arbeiten begonnen haben. Personalien. Marburg, 20. Dez. Herr Prooinzialrabbiner Dr. Cohn ist in den Ruhestand getreten. Herr Dr. Cohn, als vornehmer Mensch und erfolgreicher Lehrer unter den Amtskollegen wie in seinen Gemeinden gleich verehrt und beliebt, hatte in seiner langen rabbinischen Wirksamkeit, oft auf schwierigem Boden, ungemein viel geleistet und auch viel zu nr-u-nni mwn pirn. erreicht. Er scheute keine Mühe noch Kraft, die religiösen Institutionen in seinen Gemeinden, insbesondere Schulen, Religionsunterricht /nrpn und früher Schechita auf denkbar möglicher Höhe zu erhalten. Sein Gesundheitszustand zwingt ihn, die Bürden und Würden des Rabbineramtes abzulegen. Möge es ihm beschieden sein, in der „Ruhezeit" sich bei ungetrübter Gesundheit im Kreise seiner Familie sich für mm und l-iw zu betätigen. -N2v D'-itPsn arw ir? Bad kiffingen, 13. Dez. In DU)'tna feiert Frau Jettchen B a d) a v a ch arn 28. ds. Mts. gesund und frisch an Körper und Geist ihren 9 9. Geburtstag. Frau B. versieht noch heute ihren Haushalt, fastet noch die wichtigen Tage und versäumt keine Tefilloh. Vermischtes. Berlin, 20. Dez. Wie aus Berlin gemeldet wird, hat der Deutsche Organisationsausschuß für die Olympischen Spiele 1936 folgendes Telegramm ' an das Amerikanische Olympiakomitee gerichtet: „Unter Bezugnahme aus den Beschluß der AAAU erklären wir feierlichst, daß die von der Deutschen Regierung und vom Olympia-Ausschuß in Wien eittgegangene Verpflichtung betreffend die Teilnahme deutscher Juden an den Olympischen Spielen, wie sie von Garland und S h e r i l l als befrieügiend anerkannt wurden, strikte eingehalten wird, und daß seit der Wiener Sitzung weder die Regierung noch der Olympia- Ausschuß irgendeine Anweisung oder Verordnung herausgegeben haben, welche deutsche jüdische Sportler diskriminiert. Wir vertrauen darauf, daß unsre amerikanischen Kollegen im Internationalen Olympischen Komitee ihren in Wien eingenommenen Standpunkt beibehalten werden." Köln a. Rh., 18. Dez. In diesen Tagen sind 50 Jahre verflossen, daß das neue Seminargebäude in der St. Apornstraße 29/31 eingeweiht wurde. Unter dem Dreigestirn: Plato, Carlebach und Gut sind eine große Anzahl Lehrer in diesem Gebäude unterrichtet und von dort ins Amt entlassen worden, so daß wir Lehrer alle Ursache haben, unseres einstigen Heims in Dankbarkeit zu gedenken. Auch unseres sel. Schwarzs ch i l d sei dabei gedacht, ebenso der Herren, die noch heute am Seminar oder in anderen Stellen segensreich wirken. Möge das Haus auch unter anderem Namen noch lange entsprechend seiner Bestimmung eine Pflanzstätte wahrer Religiosität sein. Die Zectoerhältnisse haben unseren Plan, zur 50-Jahrfeier uns in Köln mal wieder zu treffen, vereitelt. Aber unsere Gedanken weilen in diesen Tagen mit besten Wünschen bei unserer Alma mater in Köln." Allen Ehemaligen herzl. Grüß? Apt. Köln, 15. Dez. Die private jüdische Volksschule M or i j a h hat seit etwa zwei Monaten für die Schüler und Schülerinnen der Oberklasse zwei Sprachkurse eingerichtet, in denen Neuheüräisch und Englisch gelehrt wird. Beide Kurse, von denen besonders der hebräische mit Rücksicht aus die Zeitverhältnisse großen Anklang gefunden hat, sollen vom 1. April 1934 ab zu einem ständigen Teil des Lehrplans erweitert werden. Jüdische Volksschulen, die ein gleiches Interesse haben, werden gebeten, sich zwecks Mejnungs- und ErfählNNgSaustauschs an die Volksschule Morljah, Köln, Sk. Apernstraße 29—31 zu wenden. Königsberg,- 18. Dez. Aus einer alten, nicht mehr, benutzten Synagoge, die jetzt zum Verkauf bezw. Um-! bau gelaugt, ist ei» O r a u n Hakaudej ch mit Ausbau sowie ein A l m e m o r verfügbar. Die Stücke sollen an Interessenten kostenlos abgegeben werden, so daß nur die Frachtkosten entstehen würden. Meldungen sind an Rabb. Dr. Ochs, Königsberg i. Pr., erbeten. Die Woche. Palästina-Konferenz der Agudas Jisroel. Da die Nachfrage nach Gastkarten zur Teilnahme an der Konferenz sehr groß ist, liegt es im Interesse der Reflektanten, rechtzeitig für Gastkarten zu sorgen. Diese sind im Büro der Palästina-Zentrale, Frankfurt a. M., Schwanenstr. 12, erhältlich. Die auswärtigen Besucher werden daraus aufmerksam gemacht, daß die Reichsbahndirektion Festrückfahrkarten mit einer Ermäßigung von 33l/s Proz. für ganz Deutschland ausgibt, die bis zum 2. Januar' einschl. Gültigkeit haben die Rückrei,e kann aber auch vorher angetreten werden. Der Beginn der Tagung ist pünktlich Montag, den 25. Dezember, morgens 9 Uhr im Hörsaal der Israelitischen Religionsgesellschast, Frankfurt a. M., Friedbergeranlage 6. David 3. Weil Im Alter von 85 Jahren schlummerte David I. Weil in der Nacht zu Dienstag in die Ewigkeit hinüber. D. I. Weil, der in ganz jungen Jahren nach Frankfurt tarn und sich hier ein Haus gründete, war der Typus des byz> wie er vielleicht dem Begründer unserer Gemeinde vorgeschwebt hat. Ein Mann, der so ganz verwurzelt war in nrr->' und miss gab er ein Beispiel dafür ab, wie man auch im Geschäftsleben bei anstrengender Tätigkeit von früh bis spät ein pifna msm bis ins Kleinste und Feinste fein kann. Ein Stück glorreicher Geschichte unserer Gemeinde verkörperte D. I. Weil. Er hat sie im Aufblühen tätig miterlebt, er hat sie in ihrer Glanzzeit als die Heimat seiner Seele empfunden. Mit dem Sängerwort fn •’b D-nmxa wnvv iVa "i, betrat er nach bis in sein hohes Alter hinein das G'tteshaus, weilte er im Lehrhause bei allen ihm zusagenden Schiurim und Vorträgen unö suchte so dein Geiste d i e Nahrung nachträglich zuzusühren, die ihm, wie er oft mit Bedauern sagte, in der ersten Jugend versagt blieb. Wie er unermüdlich, unter einem vuiv' ohnegleichen, seinem Geschäfte Vorstand und vorbildlich für die Seinen sorgte, so war er auch bei seiner Tätigkeit für die Gemeinschaft stets von einem Eifer und einer Liebe beseelt, die ihm große Achtung und Bewunderung einbrachten. In der Bruderschaft ">~on p-n luirfte er ein Menschenalter als der Tätigsten einer, zuletzt als Senior, fo lange bis Alter und Krankheit ihn daran verhinderten. Söhne und Töchter, die er mit Hilfe der gleichstrebenüen Gattin in Liebe zur Thora erzogen und auf die und deren Häuser er von seiner Opferkraft in der Uebung der G'ttesfurcht und Wohltat übertragen hat, Schwiegersöhne als geachtete n-nn ’ia und Enkel, die in ihrem jüdischen Wachstum sich an der würdigen Gestalt des Großvaters emporrankten, bildeten den wohlverdienten Lohn seines Alters. Möge sein mar ihnen allen und auch uns beistehen. -rrassn Ehanukah-Aufführungen in der Samson Raphael Hirsch- Schule. Im vollen Rampenlicht standen aber bald darauf die vier Handwerker, kleine liebe lustige Burchen, die etwas gelernt haben und nun für „die Ausreise nach Erez" gerüstet sind. Ihre Zertifikate wurden ihnen gleich vom Publikum mit kräftigem Handschlag erteilt. Was uns aber darauf Die Perlen des Judentums brachten, war eine Ueberraschnng im höchsten Grade. Aus einer altbekannten, etwas abgebrauchten Nummer hat hier die Regie, das sei in allem Ernste konstatiert, ein Ausstattungsstück, eine religiöse Revue gemacht, die Herz und Auge in gleichem Maße erfreute. Ein resoluter Chochom sucht mit guter Stimmkraft und rednerischer Gewandtheit den skeptischen Roscho von der Schönheit und Poesie der jüdischen Feste zu überzeugen, und er tut es in gutem Anschauungsuntericht, durch Vorführung von Gestalten, die die Feste symbolisieren. Prinzessin Sabbat steht strahlend auf der Bühne und zündet die Sabbatlichter an. Der lustige P u r i m hopst mit dem Schalk im Nacken heran. Ein allerliebstes P e f f a ch d ä m ch e n schenkt die vier Becher ein, und lapidare Worte entströmen dein Munde der 6 ch w u a u s b o t i n im leichten Frühlingsgewande, mit den Vundestafeln in den Armen. Ernst und getragen sprechen Rösch Ha sch o n o und Jom Kippur aus lieblichem Munde, voll hüpfender Freude führt uns die S u k k o h g e st a l t zum Simchas Thora hin. Und zu guterletzt findet sich die ganze Schar nach dem klang- und würdevollen „Entzünden" durch einen kleinen Chafan, unter den Klängen des „Moaus Zur" zu einem C h a n u k a h r e i g e n zusammen. In Wort und Kostüm, in Licht und Lied, und vor allem in kleinen Tänzchen, die sich zwischen Fest und Fest symbolisch einschoben, rollte sich das Ganze ab, „lieblich anzusehen und eine Lust für die Augen." Nach einer längeren Panse, in der ein gutes Büfett für Auffrischung der Geister sorgte, folgte als letzte Rum: mer der Clou des Abends: die h e b r ä i f ch e Auf - f ü h r u n g in e h r e r e r B i l d e r aus der D a - n i e l s g e s ch i ch t e. Diese kleine „Habimah", von zwei Mädchen mit einem hebräischen Liede eingeleitet, wurde mit rauschendem Jubel begrüßt. Wie sicher die jungen Darsteller den hebräischen Text in sephardischer Aussprache beherrschten, ja mit welcher Liebe und Einfühlung sie die fremden und liebvertrauten Worte sprachen, erregte allgemeine Bewunderung. Szenerie und Ausstattung, die realistische Ausmachung, — all dies ein Meisterstück des Herrn Nathan I e i d e l, — gaben einen geradezu blendenden Hintergrund für die vortreffliche Aufführung, die von Bild zu Bild an Kraft und Schwung gewann. Herr Studienrai Joseph Kaufmann, der mit gutem Humor die Verbindung zwischen den einzelnen Nummern aufrecht erhielt, sprach znletztden Dank aus an die Kinder, die Darsteller und alle, die sich seit Tagen und Wochen für die Veranstaltung unter Opferung von Zeit und Kraft verdient gemacht haben. Wir schließen uns dem Danke an und dehnen ihn auch auf diejenigen aus, von denen er bescheidenerweise nicht sprach, auf den Herrn Direktor, die Lehrer und Lehrerinnen, die uns an diesem Abend eine Probe von den Leistungen der lebendigen Schule geboten haben, der lebendigen jüdischen Schule. In einer Zeit trüber Sorgen, die auch an unseren Kindern nicht spurlos vorübergehen, hat sich unsere Schule entschlossen, ein Fest der Kinder für Kinder und Eltern zu veranstalten. Nur so kann die Veranstaltung genannt werden, wenn man den Kunsteifer der jungen Darsteller, die Aufopferung der Lehrer und Leiter und die freudige Stimmung im Publikum zusammenfassettd auf die kürzeste Formel bringen will. Die Erstaufführung am Montag abend wie die Wiederholungen am Dienstag und Mittwoch gingen vor überfülltem Haufe vor sich. Es ist uns nicht möglich, die Namen der großen Spielerschar alle zu nennen und einzelne Leistungen, wie sie es verdient hätten, besonders hervorzuheben. Es fei nur gesagt, daß jeder zu seinem Teile dazu beitrug, daß uns in einer herrlichen Symphonie von Farben und Formen, Tönen und Tänzchen eine Angen- und Ohrenmeide erlesenster Art geboten wurde und daß so fast bis zur Mitternachtsstunde in einer ehrlichen, ungetrübten Freude Bühne und Publikum verbunden blieben. Die Sache begann mit dem harmonischen Klavier!: st ü ck eines Schülers, und schon standen zwei kleine Schauspielerinnen auf dem Podium und erklärten in guten, wie man uns sagt, selbstgezimmerten Versen Zweck und Bedeutung des Abends. Der Vorhang ging auf und zeigte eine liebe kleine Königin mit schwerer Sorge um ihr Kindchen, von wegen des wohlbekannten „bösen Zwergleins". Daß ihre Freundinnen, die kleinen Hofdämchen, Rat und Hilfe wußten und sich schließlich das Ganze in Wohlgefallen und einem schönen Tänzchen auflöste, ließ sich schon ahnen. Raritntensammter traten auf und zeigten alle möglichen antiken Dinge aus uralten Zeiten, wie etwa Kostüme aus Evas Kleiderschrank, den bedenklich zusammengeschrumpften Haifisch, der Jonas verschlungen hatte, das Schleuderinstrument, mit dem David den Goliath zur Strecke gebracht hatte. Und hier griff der liebe Zufall noch ins Spiel ein und ließ durch' einen auf dem Programme nicht vorgesehenen Lichtdefekt auch, und sogar am deutlichsten, die ägyptische F i n ft e r n i s aus der Raritätenkammer hervorsteigen. Der Zufall ist van Chanukah im 3. T. B. Sonntag mittag hatte der I. T. B. 200 Kinder in der großen Turnhalle der S. N. Hirsch-Schule als seine Chanukahgäste zu begrüßen. Ein paar allerliebste Tänzchen, aufgeführt von kleinen Mädchen und einstudiert von Frl. Sitta Golde, entzückten die kleinen wie die großen Gäste. Herr Turnlehrer Moritz Reich führte seine Elitetruppe in ihren besten Nummern vor. Ein Sängerchor unter Leitung des Herrn Dr. Ehrenre i ch verschönte das Fest mit einigen vortrefflichen Chorstücken. Einer der Turnerschar zündete die Lichter an, worauf der brausende Gesang des „Moaus Zur" folgte, und Herr Adolf F i e b e r m a n n hielt.eine kurze Ansprache. Im übrigen gaben sich die Kinder selbst ein Fest, indem sie sich bei Kakao und Kuchen gütlich taten und die Freude so laut und lebhaft durch den Saal rauschen liehen, daß auch die älteren Gäste mitgerissen waren und die Veranstalter keine große Mühe hatten, erst durch viele Attraktionen die Stimmung zu wecken. Das gemütliche Beisammensein dieser kleinen Turngemeinde hat wieder einmal gezeigt, daß die Leistungen des I. T. B. voll zu werten find und daß es geradezu Pflicht ist, in der heutigen harten Zeit die Kinder in den Verein zu schicken, wo sie bei voller körperlicher Ertüchtigung immer noch in der Erkenntnis erzogen werden, daß'im gesunden Körper vor allem ein gesunder Geist, eiu guter gesunder jüdischer Geist wohnen muß. Wir verweisen bei dieser Gelegenheit noch einmal auf die letzten Aufrufe des I. T. B. verein 2Nekor Chajim. Der am Sonntag nachmittag fällige Vortrag findet diefesmal am Dienstag (2. Weihnachtstag) nachmittags 6 Uhr im Vereinslokal Hans Handwe'rkftr. 18 statt. Es spricht Herr Rabb.-Ass. Dr. M. Schlesinger über „Tag und Jahr im jüdischen Kalender". Agudlstische Lchülecgemeinschaft. (% S. <5.) Am Schabbos und am Sonntag sprechen Herr Ch. I. Jakobowitz und Herr Rabb.-Ass. Dr. Schief l n - ger im Heim Schwanenstr. 13 pk. Wir laden unsere jeher ein guter Schauspieler und wurde dementsprechend Mitglieder und Freunde zu diesen Veranstaltungen ein. auch herzlich applaudiert. 'Näheres siehe unter Vereinskalender.