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Der Israelit · 1933-12-07 · Heft 49 (7.12.1933) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 49 (7.12.1933)
Date
1933-12-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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7. Dezember 1933 19. Ristem 5694 Frankfurt a. M., den Nr. 49 Begründet von Dr. Lehmann tn Mainz« m Abonnement ab 3ult 1929: Deutschland 1450 Mark monatlich; Ausland: Vierteltcchrpreise (en sprechend dem deutsche« Inlandspreis zuzüglich Konen des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1.89 Dollar; England 8 sh.; Frankreich 23 Fr.; Belgien Betga6. Holland3.30 fl.; Italien 18 Lire; Iugo lavien 55 Din.; Litauen 7.50 Lit.: Rumänien ISO Lei: Polen 4 deutsche Eold uark zum Tageskurs oder? Zlow: Schweiz 8 Nr.; Tschecho-Elowake» 85 Kronen; Ungarn nenqü 5; Dänemark, Norwegen u. «Schweden 6 Kror en. Einzelnummer 39 Pfennige. Im Falle von Streiks und höherer Gewalt keine > Verpflichtung zur Rückzahlung von Abonnementsgebühren. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 89 Goldpf. für die stebengesp alten« Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textsette 8.— Mk., vorletzte Textsette 869 Mk.; Thiflregebühr in Höhe etnes dopp. Fernbriefportos. Rabatt «ach Tarif. Bei laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inseratenannahme durch de» Verlag des Israelit G. m. o. H., Ftankfurt a. M, Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoneen-Exped. d. In» und Auslands. Alleinige Jnseraienann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendstratze 83 Tel. 45866. Platzoorfchr, ohne Verbinoiichk, Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Verlag des Israelit und Hermon G.m.b.H., Frankfurt (Main) Nr. 19893.—Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.I96V8.—Postsparkaffenaurt Buoapekt Nr 18434.— Posts checkkoncr, Varschau Nc. 19>757. — Paktscheckamc Zürich Nr. V1U 7354. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34889 — Po>r>weckamt Prag Nr. 78.»8Ü — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sqmtl- Filialen Der Gerichtsstand für «lle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a, M._ Am die Heimat des Judentums? Von Rabb. Simon Schwab in Schenhaufen. in. Die Not und Bangigkeit unsrer Tage, die drohende Sorge um Existenz und Weiterbestehen läßt uns heute auf so viel kompliziertes, Umwegiges, verfeinertes und verbildetes leichten Herzens verzichten, läßt uns einfache, unumwundene, ungeschminkte, urwüchsige primitive Lösungen und Formulierungen suchen, die das quälende Dunkel unsrer chaotischen Selbstzerrissenheit wohltuend zu durchschlagen vermögen. wir wollen einmal das Judentum und seine Bestimmung so herrlich primitiv und ungeschlacht kennzeichnen, mit jener todesmutigen Naivität, die unsre Großeltern vor hundert Jahren noch beseelte, wir wollen das Judentum erkennen, wie es sich selbst seit Jahrtausenden gelebt und gefühlt hat (vor jener letzten Assimilationsepoche), nicht als Philosophie oder Symbolreligion, nicht als „reiner Rlonotheismns", als „Prophetismus", auch nicht als Rasse und „zersetzendes Ferment", Sondern vielmehr als Konkrete geschichtliche Gegebenheit von handgreiflicher, nachprüfbarer Realität, kurz umrissene, großartig feststehende Begriffe geben düs wahre, das historisch und schicksalsmäßig echte Wesen des Judentums wieder, von seiner Geburtsstunde bis in die Gegenwart hinein: Der einzige G'tt und Schöpfer, der Gesetzgeber der Ratur ist König über die Rlenschenwelt. Cr hat Seiik Volk als vorbildliche heilige Ration erwählt, um Seinen geoffenbarten souveränen willen als Thoragesetz in die Tat umzusetzen. Jeder Jude ist somit durch Geburt Untertan und hörig seinem König, der jüdische Staat und seine politischen und kulturellen Zellen nur nach dem souveränen willen G'tt-Königs denkbar und praktisch möglich. Jede Uebertretung der Thora ist ■‘^errai an König, Gesetz und Ration, ist somit verzechen, Revolte, Todsünde, gegen den Gesetzgeber, cer Sein Volk zu fürchtendem und liebendem Gehör-! nn aufruft. Jeder Cinzeljude ist Soldat in der Arnee des Herrn der Heerscharen, er hat seine Pflicht?-i tun, und anständig und brav seinen ihm durch Be- _-afung und Schicksal übertragenen Posten auszufül- •>n, — sonst nichts! Ts wird von jedem Juden durch 'MS von ihm mit eiserner Pflichtstrenge geforderte Leben der Tat und des Lernens, erwartet und ihm verheißen, daß das liebende Sichhmemvecsenken in die Gedankenwelt der g'ttlichen Offenbarung ein leidenschaftliches Band des Cntflammtseins windet vom Individuum zu G'tt-König, dem väterlich liebenden Lenker der einzelnenkleinen und großen Geschicke. G'tt als Gesetzgeber des Tinzellndividuums wie als Souverän des jüdischen Staates und seiner Zellen, ist Schöpfer des Lebens und Schöpfer der Geschichte, sowie Gestalter der Politik, an der auch Sein Volk, soweit es Seinem Thorawillen treu bleibt, als reales Staatsgebilde vornehmen Anteil hat. Go lautet das trutzig starke, kindlich klare Pflichtprinzip des historisch begriffenen Judentums als n^ro ro^aa als G'ttes Volk, als Ration der Thora. Keine Konfession, kein Glaube, keine sonstige Bekenntnisgemeinschaft kennt solche Realitäten wie einen staatenbildenden G'tteswillen, der den ausschließlichen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Riachtfaktor im Leben einer Ration darstellt. Selbst Unterschiede zwischen „liberal" und „orthodox" sind völlig abwegig, denn sie betreffen ja Temperament, Auffassungsart, Interpretation und Intensität eines bestimmten Glaubens, niemals aber geschichtlich politische Realitäten. Bisher galt deshalb die Orthodoxie (seit über 100 Jahren) als bekenntnistreue Gemeinschaft der praktischen und theoretischen Bewährung gegenüber G'tt und Thora, als Religionsauffassung des überindividuellen Gehorsams gegen das cwiggültige Offenbarungsgesetz, einer kulturell und weltanschaulich festgelegten Ueberzeugungsgemeinschuft, — aber galt keinesfalls als Volkstum, Rationalität, sie war kein reales geschichtliches Gebilde voller Aktualität als G'ttes große Ration. Selbst die agndiflische Gedankenwelt hat bisher nur schüchterne Versuche in dieser Richtung unternommen. Der palastinozentrische zionistische Jude ist Nationaljude, im beglückenden Hochgefühl einer handfesten positiv geschichtlichen Auffassung, als selbstbewußter volksteil eines Judentums, das zumindestens sich selber im Lichte politischer Weltgeltung begreift. Cr entscheidet sich auch gegen oder für die Orthodoxie als Religion (siehe wisrachi) und verfährt somit tu gleicher Art wie andere zeitgenössische Staatsbürger ihr Problem: Staat und Kirche zur Lösung bringen. Die Orthodoxie als reiureligiösc Glaubensgemeinschaft ohne realpoliltsche Kraft ist gegen diese nationalistische Denkweise in der Praxis völlig hilflos, was erreicht wird, ist meist nur fruchtlose weltanschauliche Diskussion, die nichts als Unbegrdifen, Gegnerschaft, Verständnislosigkeit auf der anderen Seite hervorbringt und die ^fronten nicht klärt. So wird es auch der Weltorthodoxie menrals gelingen, die drei historischen Cntstehungsfaktoren des Golus zu überwinden, wenn nicht bald die bessere Selbstbesinnung allgemeingüttig sich durchsetzt im Bewußtsein der organisierten und Nichtorganisierten orthodox-jüdischen Klassen. Seit dem Ideenkampf mit dem pseudojüdischen Liberalismus und dem heidnischen Individualismus des vergangenen. Jahrhunderts, ist für große wertvolle Teile der Orthodoxie (vornehmlich im westen) das Thorajudentum — meist gegen bessere Ueberzcugung — zur Konfession zusammcngeschmolzen. Um es nochmals klar zu formulieren: Rur einer Orthodoxie, als g'ttliche Ration, die ihrem souveränen König, dem Dreimalheiligen, die bedingungslose heroische Treue und Gefolgschaft bi? in den Tod wahrt, als einem über das Religiöse Hinauswelsenden politischen Begriff also, kann das geschichtliche werk gelingen, Crez Iisroel und damit das jüdische (profane) „Rationalvolk" für Thora, Gcsetzcstreue und die g'ttliche Kultur des Lernens und Redens zu c r - ober n und zu kultivieren, und gleichzeitig durch planmäßiges werben, 2lufklären und Erziehen zur Gesetzestreue, den letzten schäbigen Rest des prinzipiellen Gottlosen- und Leugnertums aus dem heiligen Lande-zu bannen. Rur der Orthodoxie, als dem politischen Wesensgebilde des Judentums als G'ttesnatton, wird cs gelingen, die jüdische und nichtjüdische Oeffenttichkeit — vornehmlich die Klandatarmacht zur realpolitischen achtungsvollen 2lnerkennung der Thora zu gewinnen. Selbst über den U m w c g der orthodoxen gleichberechtigten Sondergemetnden, die beileibe kein Ideal, aber ein trauriges Richtanders-köirnen für den gesetzestrenen Teil der palästinensischen Iudenheit darstellen. Rur der Orthodoxie endlich als der selbstbewußten Kcrntruppc des Thoraoolkes, könnte das hohe Werk möglich werden, im Interesse und'im stillschweigenden 2luftrag der Gesamtjudenheit und seiner zukünftigen Geschichte, mit der islamitischen Welt auf dem Verhandlungswege einen politischen Freundschäftsbuttd einzulcitcn, der von der Grundtatsache ansgeht, daß zwei als politische Wesensgebilde anftretende Partner unter sich vereinbaren, die gegenseitigen friedlichen und freundnachbarlichcn Beziehungen in jeder weise zu fördern. Da der eine Partner, das jüdische Volk, ans jede außcrjüdischen Machtbefugnisse deshalb feierlich Verzicht leisten kann, da er ja eine g'tt gegebene Politik vertritt, die ohne Klessias jede Anneklion von Besitz im Gcwalttvcgc .oder wider den willen der nichtjüdischen palästinensischen Einwohnerschaft als verbrecherischen verrat an der jüdischen Ration verurteilt. Klan mißverstehe uns nicht. Die realpolitische Iwrmgebnng des jüdischen G'ttes- und Volksbewußtseins ist niemals Zurückdrängnng der rein seelischsittlichen Komponenten der jüdischen Gcdankenspbäre, jener Innigkeit und Cntrücktheit der allgemein inen schlichen, tiefsten und dunkelsten Cmpfindungswclt. Die Politik der Thora ist nicht Gegensatz zu Kabala, Rlussar und Chassidismus, nicht Widerspruch', zu jüdischer klystik, Philosophie und Ägada oder gar zu halachisch-talmudrscher Sachlichkeit. Sie ist vielmebr

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