Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1933)
- Date
- 1933-11-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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30. November 1933 Der I s r cOe l t t Nr. 48 Seite 7 Personalien. Rabbiner Dr. Hoffmann 60 Jahre alt. Breslau, 28. Nov. Herr Rabbiner Dr. H offmann, Breslau, erreichte vor kurzem das 60. Lebensjahr. Herr Dr. Hoffmann, der früher in Randegg amtierte, dann das Lanürabbinat in Emden bekleidete und feit 12 Jahren in Breslau wirkt, hatte sich an seinem Geburtstage durch Abwesenheit von Breslau jeder Feier entzogen. Der Gemeindevorstand und verschiedene Körperschaften ließen es sich nicht nehmen, am darauffolgenden Sabbat ihre Glückwünsche auch offiziell zum Ausdruck zu bringen. Wir wünschen dem Jubilar, der in selten bescheidener, selbstloser Weise seine Arbeitskraft in den Dienst des gesetzestreuen Judentums, der jüdischen Schule und der Sozialen Institutionen stellt, noch viele Jahrzehnte segensreichen Schaffens. .V'yiw Bad Homburg, 26. Nov. Herr Oberkantor und Lehrer M. H e r z beging ain 1. Kislew seinen 6 0. Geburtstag. Der Jubilar, der seine Ausbildung auf dem Kölner Lehrerseminar erhielt, seine Staatsexanrina in Würzburg ablegte und einer der ersten Schüler der V r e ue r'sch e n .-nnn in Frankfurt a. M. war, hat es in den vielen Jahren seines Wirkens bestens verstanden, als Förderer und Mehrer jüdischen Gedankenguts zu walten. Festhalten am Ueberlieferten und das freudige Ja zu den Erfordernissen der jüdischen Gegenwart sind es, die gerade in dieser Zeit die tiefe Verbundenheit zwischen ihm und der Gemeinde wohltuend zum Ausdruck kommen lassen tzanan, 27: Nov. Herr Isaak Heß I, Hüttengesüß (Kr. Hanau), begeht am 1. Dezember seinen 7 4. Geburtstag. Herr Heß ist seit vielen Jahren erster Vorsteher und Ehrenvorbeter der Gemeinde und hält durch seine tiefe Frömmigkeit und Tatkraft die kleine Gemeinde in Jüdischkeit aufrecht. Wir wünschen ihm weiteres Wirken in frischer'Gesundheit. &~snaF- Harburg (Schwaben), 24. Nov. Aus dem alten, idyllisch gelegenen mm ma dahier wurde Siegfried Stein zur letzten Ruhe gebettet. In ihm lebte Geist und Art unserer einst blühenden nVnp weiter, mit ihren prachtvollen jüdischen Vereinen, der kinderreichen jüdischen Volksschule, der einzig schönen altjüdischen Synagoge, die 80 „Ständer" zählte und heute noch das Bild großer Vergangenheit widerspiegelt. Nach Verfall der Gemeinde suchte Herr Stein im Verein mit seinem verewigten Schwager H i l l e r noch aufrecht zu erhalten, was hier möglich gewesen. Seine klangvolle Stimme und sein beachtliches jüdisches Wissen befähigten ihn zum rechten, echten mjm* Jeden;n:a kannte er. Sein schlichtes, friedliches Wesen, seine Redlichkeit im Geschästsleben, fein feines, taktvolles Auftreten sicherten ihm Freunde und Verehrer weit und breit. Vom Elternhause her hatte er den jüdischen Geist in altsrommer Prägung in sich ausgenommen. Ein jüngerer Bruder, Rabbiner Dr. Stein b"t, in Memel, ging ihm im Tode voran. Am Grabe schilderte 'der Schwager des Verewigten, Herr Moses Herz, Hall, Leben und Wirken des teuren Verwandten. Sein Bild bleibt in ehrenvollem Gedenken bei jedermann dahier. CreglingLn, 21. Nov. Am 7. Dezember ds. Js. begeht Herr Oberlehrer a, D. Jos. Preßburger, Creglingen (Württemberg) seinen 7 5. Geburtstag. Herr Oberlehrer Preßburger kann aus eine lange arbeits- und segensreiche Tätigkeit zurückblicken. Er wirkte als Elementar- und Religionslehrer über 50 Jahre (von 1877 bis 1929) ununterbrochen in vorbildlicher Treue und Anhänglichkeit an der hiesigen israelitischen Gemeinde. Ganze Generationen blicken zu ihm in Dankbarkeit und Verehrung als ihrem Lehrer und Erzieher auf. Fast sämtlichen württembergischen jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen stellte er mährend seiner hiesigen Wirksamkeit an führender Stelle seine unermüdliche Arbeitskraft zur Verfügung. Mit besonderer Liebe wandte sich seine Schaffenskraft der hiesigen -Gemeinde zu, war er doch jahrzehntelang Vorsitzender des israelitischen Vorsteheramtes und in der Chewroh Kadischoh stets an erster Stelle und beispielgebend tätig. Möge es dem allseits beliebten Jubilar vergönnt sein, sich inr Kreise seiner Familie noch vieler ungetrübter Jahre der Frische und Gesundheit zu erfreuen. Rotterdam, 27. Nov. Die niederländische „Agudas Jisroel" und insbesondere die Ortsgruppen Rotterdam und Haag betrauern den erschütternden Heimgang einer ihrer besten führenden Persönlichkeiten: Frau A. Gaza n - H a u s d o r f f ist im jugendlichen Alter von 29 Jahren ein Opfer ihres mütterlichen Berufes geworden. Im Elternhaus im Geiste der jüdischen Tradition erzogen, hat die Heimgegangene junge Frau, man könnte sagen von frühester Jugend an, nicht nur persönlich als mustergültig treue Jüdin gelebt, sondern ihre hervorragende Begabung auch in den Dienst der jüdischen Gesamtheitsaufgaben gestellt. In der Jugendvereinianng „Thauras Chajim"-Rotterdam war sie eine beliebte Kursusleiterin, zugleich die Schöpferin der Thauras Chajim- Lager, deren Organisation sie ihre ganze Kraft widmete. In den Jugendgruppen war sie als Sekretärin und als belebende geistige Kraft für die ganze südholländische Aguda-Iugend tätig. Sie leitete die jährlichen Simchas Tauroh-Aktionen und propagierte unermüdlich das Beth Jacob-Werk, wo immer sie dazu Gelegenheit fand. Auch nach ihrer Heirat blieb sie trotz der ihr obliegenden häuslichen Pflichten der agudistifchen Arbeit in weitem Umfange treu. An ihrem neuen Wohnsitz organisierte sie sofort eine Frauengruppe zur Pflege des jüdischen Wissens. Nun ist dieses kostbare Leben frühzeitig zu Ende gegangen. Bei der Bestattung gaben die Herren Oberrabbiner van Gelder, More L e v i s s o n , More Vredenburg und Aromen dem Schmerze der ganzen jüdischen Gemeinschaft und der Agudas Jisroel-Organifation im besonderen bewegten Ausdruck. -rraüjm Vermischtes. Berlin, 27. Nov. Das P a t e n s ch a f t s k o m i t e e für das Schnlwerk der Adaß Jisroel veranstaltet am Sonntag, den 3. Dezember, abends 8 Uhr in der Aula Siegmundshof 11 wieder einen Vortragsabend zugunsten seines Fürsorgewerks. Die bekannte Rezitatorin Frau Edith Herrnstadt-Oettingen wird „Klänge jüdischer Seele", ernste und heitere Vers- und Prosadichtung aus der Bibel von Psrez. Stefan Zweig. Thekla Skorra, Gronemann u. a. zu Gehör bringen. Eintrittskarten zum Preise von Mk. 1.— sind im Büro, Siecnnundshof 11, Tel. Tiergarten, C. 9. 6913 und an der Abendkasse erhältlich. Tel-Arviw, 18. Nov. Auf die Stelle des zurückgetretenen Dr. Hausner wurde Ministerialrat Lukasiewicz zum polnischen Konsul in Tel-Awiw ernannt. Die Nachrichten der jüdischen Presse .über die Bestimmung des ehciu. Sejmabgeordneken Farbstein;u»rn Konsul in Tel-Awiw waren also nur fromme Wünsche. Jerusalem. 22. Nov. Die „United Preß" meldet: D"r Großmustr Hajamin el Hussein! ist von seiner Reise nach Indien und dem Irak zurückqekehrt. um seinen Plan d-'r Errichtung einer arabischen Universität zu verwirklichen. Die Reise des Großmustr diente der Sarnmluna der k'"r die Gründung der Universität erforderlichen Gelder. Mit Hinsicht aus die gespannte Lage zwischen Inden und Arabern dürste die Errichtung einer arabischen Hochschule in Jerusalem von dem jüdischen Teil der Bevölkerung mit Erbitterung ausgenommen werden. (Wir wüßten nicht, warum die iüd'rsche Bevölkerung gegen die Errichtung einer arabischen Universität sein sollte: in religiöser Hinsicht wird sie sicherlich weniger Anstoß erregen als die hebräische. Red.). Die Woche. Schüleeanmeldunaen in der Samson Raphael Hirsch- Schule. Die Anmeldungen von Schülern und Schülerinnen in der S. R. Hirsch-Schule erfolgt von Montag, den 4. Dezember bis einschl. Freitag, den 8. Dezember von 9—10 Uhr vormittags. Israelitische Volksschule. Die Anmeldung für die Neuaufnahme znm Schuljahr 1934 findet vom 4. bis 8. Dezember von 11—13 Uhr im Amtszimmer dos Schulgebäudes, Nödsrbergwog 29, statt. Der Werkunterricht an den Schulen der Synagogengemeinde „Israelitische Rettgionsgesellschaft". Der Werkunterricht an der Samson Raphael- Hirsch-Schule und an der „Israelitischen Volksschule" hat eine zeitgemäße Ausgestaltung erfahren. Darüber hinaus ist durck eine neu geschaffene Einrichtung in Anlehnung an diese Schulen die Möglichkeit der E r l e.r n u n g der neuhebräischenSvrache gegeben. Geflügel. unter Aufsicht der I. R. <§. Es wird erneut darauf hinaewiesen, daß sämtliches unserer Aufsicht entstammende Geflügel mit einer Plombe versehen ist, die die Buchstaben iiw /»"tbs »"■>»träft. SffJtt dieser Plombe f e st verbunden ist ein Zettel, der Tag und Stunde der Schlachtung angibt. Die Stunden sind ab Mitternacht fortlaufend von i bis 24 gezählt. Iran Geheimral Dr. Rosenbaum Am 6. Kislew fand mit dem Heiingang von Frau Geheimrat Dr. Rosenbaum ein tatenreiches Leben seinen Abschluß. Es war ein Leben, das sich nur wenig in der Oeffentlichkeit abspielte, und das doch einst für alle Eingeweihten den stabilen und gediegenen Hintergrund für die in aller Oeffentlichkeit sich vollziehende gesegnete Tätigkeit ihres Gatten b»r bildete. Mit.welcher Hingabe die jetzt im 83. Lebensjahre Heimgegangene es einst verstanden hat, den bei dem oft übermäßig beschäftigten Gatten Hilfesuchenden beizustehen und, so weit es irgend in ihren Kräften stand, zu helfen, das wird noch in Erinnerung von vielen stehen. Mit besonderen Gaben des Geistes ausgestattet, auf der Höhe der Bildung ihrer Zeit stehend,, war sie eine der echtesten Vertreterinnen jüdischer Frauen, wie sie Rabbiner Hirsch b"u ersehnte, die während ihres ganzen Lebens mit unbedingter Gewissenhaftigkeit und Pünktlichkeit ihre Pflichten bis hinab zur kleinsten Mizwoh versah. Ein Großteil ihrer Liebe gehörte der Gemeinde, in der sie lebte, deren Aufblühen und Entwicklung sie mit intensiver Teilnahme verfolgte, und nicht selten benutzte sie ihre besondere gesellsch östliche Gewandtheit, um für diese ihre Ideale zu werben. Sie hatte das Glück, einen großen Kreis von Kindern, Enkeln und Urenkeln um sich versammelt zu sehen, die sich alle für ihre Ideale und Ziele einsetzen. «rr-asan Synagogalkonzerl. Es sei ausdrücklich darauf aufmerksam geinacht, daß sowohl das Konzert am Sonntag, den 3. Dezember in der Frankfurt-Loge als auch der Vortrag am Samstag, den 2. Dezember in der Aula der Samson Raphael Hirsch- Schule pünktlich um 8 Uhr beginnen. Die Saaldiener der Frankfurt-Loge sind angewiesen, zu spät Konimenden erst nach der zweiten Bortragsnummer Einlaß zu gewähren. Restliche Eintrittskarten zum Konzert sind noch an der Abendkasse erhältlich. Für den Vortrag ist der Eintritt frei. Ramniermnsikabend in der Frankfurkloge. In ihrem diesjährigen Zyklus veranstaltete die Gesellschaft für jüdische Volksbildung am letzten Samstag im dichtbejetzten großen Saale der Loge wiedermn einen Kammermusikabend. Die Pianistin Heida Hermanns spielte mit souveräner Technik und guter geistiger Auffassungsgabe Präludium und Fuge in Es-Dur von Bach, die A-Dur-Sonate von Franz Schubert und die Phantasie in F-Moll von Chopin. Die Solistin des Abends, die bekannte Konzertsängerin Ruth 51 i s ch Arndt, erntete reichen Beifall. Sie wurde von Lilly Schwarz- Mayerhofer am Flügel anschmiegsam begleitet. A. K. Lebhafte Tätigkeit im Jüdischen Turnerbund. In verstärkter Forin hat der Turnbetrieb i,n Jüdischen Turnerbund im Winterhalbjahr eingesetzt. Die Kurse für .Knaben und Mädchen, Damen und Herren sind unter der Leitung bewährter Lehrkräfte gut besucht. Auch die Fußball-Abteilung der Schüler hat großes Interesse gefunden. Der Jugend unserer Gemeinschaft ist Turnen und Sport, Stärkung für Körper und Seele in Notzeit. Die körperliche Ertüchtigung, neben dem Schulbestich und der Vorbereitung für den Berns, ist heute nötiger denn je. Dem Berufstätigen bietet sie Entspannung von der Sorge des Tages und Spannkraft für die Last der Arbeit. Die Treue zur jüdischen Tradition gewährleistet ein einheitliches geschlossenes Milieu und ein im Rahmen des Judentums sich nbspielendes Vereinsleben auch außerhalb der Turnstunden, im Heim und bei den Wanderungen. Anschrkst des Bundes: Adolf Fiebermam,, RÜckettstraße 47. Alkersjubilacin. Am 30. Noventber begeht Frau Cornelia W o l f - gang geb. Emden, Corneliusstr. 9, in voller Frische ihren 7 6. Geburtstag. Frau Wvlfgaug betätigt sich beispielgebend aus dem Gebiete der jüdischen Nächstenliebe. Möge es ihr vergönnt sein, noch lange Jahre bei voller Gesundheit in gleicher Weise zu wirken. Für die Hachscharaskellen. Die Palästina-Centrale der Agudas Jisroelj Schwanenstraße 12, bittet Besitzer von Seforim um Ueberlassung von 6 Exemplaren ü»snt nvi»», 6 Exemplaren nv’j»a ivivund 6 Exemplaren '"vi ov vmn für unsere Hachscharastellen. Berichtigung. Zn der Besprechung des hebräischen Lehrbuches von Georg Herlitz muh ergänzend hinzugefügt werden, daß das Buch von Dr. Georg Herlitz heransgegeben wurde und im Verlag K s d e m , Berlin-Eharlottenburg, Dahlmannstraße 8, erschienen ist. Der Lloyd T r i e st i n o, Frankfurt a. M., Kaiserstraße 20, teilt uns mit, daß in der nächsten Zeit folgende Dampfer von Triest und Genua nach Jaffa und Haifa, fahren werden: Triest 6. 12. Dainpfer „Martha Washington" direkt. Reisedauer: 5 Tage. Genua 7. 12. Dainpfer „Teuere" über Alexandrien. Reisedauer: 8 Tage. Triest 13. 12. Dampfer „Carnaro", direkt. Reisedauer: 5 Tage. Genua 16. 12. Dampfer „Esperia", über Alexandrien. Reisedauer: 5 Tage. Triest 20. 12. Dampfer „Martha Washington", direkt. Reisedauer: 5 Tage. Geuua 21. 12. Dampfer „Vienna", über Alexandrien. Reisedauer: 8 Tage. Triest 23. 12. Dampfer „Gange", über Alexandrien. Reisedauer: 5 Tage. Noch vor Chanukkah erscheinen die ersten fünf Bände der neu begründeten „Bücherei des Schocken- Verlags ". Die Bücherei soll allmählich aus dem fast unübersehbaren und häufig unzugänglichem jüdischen Schrifttum aller Zeiten und Länder das darbieteu, was den suchenden Leser unserer Tage unmittelbar anzusprechen vermag. Der erste Band „Die Tröstung Israels" enthält den mit dem großen Trostkapitel beginnenden Mittelteil des Buches Jesaja hebräisch, mit der Kolon um Kolon gegenübergestellten Uebersetzung von Bnber-Nosenzweig. Der zweite Band enthält 21 Gedichte Jehuda Halevis unter dem Titel „Zionslieder", mit der Uebersetzung und den Anmerkungen von Franz Nosenzweig. Die weiteren