Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1933)
- Date
- 1933-11-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 48 Der Israelit 30. November 1933 DIE PAROLE FÜR SIE: & STEINWEG 9 Strümpfe. Handschuhe, Tricotagen, Modewaren Strickmoden, Blusen, Kurzwaren stets preiswert Me Maßnahmen bedingten Stockung der Bautätigkeit und der ganzen 'Aufbauarbeit sprach, ging der Vertretet' der A g u d a s i e uu I , Rabbi Mosche B l a u, indem er ai! die Feststellungen seiner Vorredner bestätigte, auch auf die ethische und politische Seite der Sache ein und zeichnete die Schmach, die durch diese unterschiedliche Behandlung dem jüdischen Volke in seiner eigenen Heimat angetan wird. Der Führer der La n d w i r t e v e r e i n i g u n g , Herr 3 o it o w i 1$ f i, konnte an Beispielen in der S a - r o n e b e n e dartun, wie sehr die, jüdische Kolonisation den Wohlstand der arabischen.Umgebung fördere. Herr L c w i n als Vertreter aus Haifa führte eine Reihe von Ramen an, die als Touristen ins Land gekommen sind und heute in gehobener Stellung an dem 'Ausbau hervorragenden Anteil nehmen, war er doch selbst, der heute Lrotgeber vieler Araber und Juden und Vorsitzender der Haifaer Gemeinde ist, einmal als Tourist über die Grenze gekommen. And die Antwort des High Lommifsioner? Die Genugtuung, daß es den 'Arabern aus Transjordanien an der Grenze nicht besser gehe; also gleiches Recht im Regativen. Tine Zusage, die, auch wenn sie nicht am gleichen Tage vom englischen Minister der Kolonien im Unterhaus dementiert worden wäre, schon deswegen wie Hohn anmutet, weil gewiß nicht viel Gesellschaftsreisende und „Kapitalisten" über die Altenbybrücke bei Jericho INS Land strömen. Die Beduinen haben aber freien Eintritt. Der wurde ihnen noch einmal von London aus in aller Form bestätigt und garantiert. Man darf erwarten, daß bald eine „Verständigung" zwischen London und Jerusalem zustande kommt ... Hoffentlich in dem Sinne, daß eine Gleichstellung von Juden und Ä r a b e r it im p o - s i t i v e n erfolgt. Ben G u r i o n erklärte in einer Pressekonferenz, die jüdische Politik gehe nicht auf eine A'tajorisicrung der Araber hinaus, die gewiß ebenfalls 'Anspruch ans ihren Heimatboden haben, wenn er aber trotzdem als unerläßlieh erklärt, daß die jüdischen Unternehmungen hundertprozentig jüdische 'Arbeiter beschäftigen und entsprechende Z w a n g s v o r s ch r i f t e n in dieser Richtung verlangt, so müssen wir sagen, daß solche Pläne und schon die 'Aeußcrung derselben nur zur Verschärfung der Lage beitragen könnten. Zwangsvorschriften über das moralische Postulat des yay yns *»m hinaus find auf alle Fälle a b z n! e h n e n. Die Araber müssen einsehen lernen, daß der Jude mit der Inanspruchnahme seines historischen Anrechtes auf Erez Iisroel ihn nicht nur nicht verdrängt, sondern ihm sogar reichen Segen bringt. Und England darf den Prozeß der Verständigung, der sieh trotz allem und allem, durch hundert Rotwendigkeiten gefördert, anbabnt, nicht mit unerhörten Gesetzen stören, die die Juden entmutigen und die Araber aufstacheln, gegen ihre e i g e n e n I n t e r e s s e n in die Schlingen des nationalen Hetzmerkes zu gehen. Wochenrundschau. Deutsch-jüdische Kpektral-Aualyse. während die geistige Front des Uationalsozialismus in ihrer grundsätzlich fundierten Einstellung gegen die Juden sich aus der ganzen Linie — von der Tagespolitik bis zu den höchsten Höhen der Wissenschaft — immer mehr konsolidiert und, von der religiösen Auseinandersetzung in der evangelischen Kirche abgesehen, eine imponierende Geschlossenheit zeigt, kann man das Gleiche von der deutschen Indenbeit in diesen Tagen gerade nicht behaupten. Nicht nur daß in organisatorischer Hinsicht die verunglückte „Reichsvertretung" mit ihrem Verzicht auf jedwede Repräsentation des h i st o r i - s ch e n Judentums, bei keiner der formell in ihr vertretenen Gruppen irgendwelche Autorität genießt, auch geistig zeichnen sich neue Fronten von MLNlligfacher Avancierung ab, die für die Zukunft gesteigerte Zersplitterung verheißen. Sieht man von der alten, in der Weltauffassung des biblisch-rabb'imschen Judentums verwurzelten Orthodoxie ab, der es eigentlich heute erst recht ganz allein zukäme, die geistige Führung zu übernehmen, so bietet sich uns ein kunstgerechtes Sieben- Farbe n - S p e k t r u m jüdisch-politischer Richtungen dar, bedauerlicher Weise samt und sonders mehr an der Umwelt orientiert als an den waßstäben der religiösen Ueberlieferung. von U a u m a n n und seinen „nationaldeutschen" Iudaeogermanen beginnend, der am liebsten arisches Blut in seine Adern füllen lassen möchte, führt der Weg über den „Deutschen Vortrupp" des Herrn Dr. Joachim S ch o e p s zur „ E r n e u e r u n g s b e w e g U N g " Dr. Bruno Woldas, des mannhaften ultraliberalen Kämpen, dem der „Lentralverein") ebenso wie die „Reichsvertretung", zu zionistenfreundlich ist und der darum die Zeit gekommen glaubt, dem deutsch.j ü d i s che n Wesen eine neue gesicherte Heimstätte im nationalsozialistischen Deutschland schaffen zu können und zu müssen. Das Beginnen wäre an sich berechtigt und sympathisch — könnte nur ans die geringste Gegenliebe, ja auch nur ans Verständnis in den geistig führenden Kreisen des neuen Deutschland für diese gefühlsmäßigen nationalen Synthesen gerechnet werden, wir empfehlen den Herren woyöa, Grätz Marcus und peyser einen kleinen, aber von eiskalter Logik beherrschten Artikel zur Lektüre, den vorige Woche in den „Leipziger Reuesten Rachrichten" ein nationalsozialistischer Stadtverordneter veröffentlichte und der nur als Beispiel für eine weitverbreitete Auffassung zu werten ist. Da heißt es: „Ohne Haß und ohne Pogromhetze wird das neue Deutschland, das dem deutschen Volke und den nationalen Minderheiten im Deutschen Reiche die Entfaltung ihrer völkischen Kräfte gewährleistet, eine Lösung der Judensrage finden, deren Hochziel in einer möglich st vollständigen Ausscheidung des Judentums aus dem Reichsoerband und seiner organisierten Rückführung in ein ihm zuzuweisendes Land der Erde erblickt werden muß. Dann mag das Judentum beweisen, üb es zur Entfaltung aller -jener Eigenschaften fähig ist, die zur Bildung einer staatlichen Volksgemeinschaft innerhalb des Menschengeschlechts notwendig sind. Dem jüdischen Hang zum Nomadisieren und dem getarnten oder offenen Eindringen des Judentums in die deutsche Volksgemeinschaft mit all ihren Lebensäußerungen gebietet das neue Deutschland Einhalt." Ruit ist es zwar klar, daß nur die krasseste historische Ungerechtigkeit den aus ihrem Lande vertriebenen Juden „Hang zum Nomadisieren" vorwerfen, daß die „vollständige Ansscheidung des Judentums aus dem Reichsverband" und seine „organisierte Rückführung" in ein anderes Territorium . ein utopischer Wunsch ist, an dessen Realisierung der Verfasser selbst wohl nicht glaubt. Aber was soll solchen Anschauun-- gen gegenüber die predigt von einer „im Irrationalen fundierten" deutsch-jüdischen Synthese, die ja doch als unehrlich, als neue „Tarnung" von der anderen Seite schroff abgelehnt wirb? Da scheinen uns — um das Spektrum weiter zu besichtigen — der Reichst) u n d jüdischer Frontsoldaten und der T e n t r a t v e r e i n mit ihrer zwar offen antizionistischen, aber doch die natürliche Solidarität der gemeinsam angegriffenen Iudenheit stärker wahrenden Taktik nicht nur sittlicher, sondern auch klüger zu handeln. Der schärfste Judengegner, soweit er politisches Urteil besitzt, wird innerlich nicht bezweifeln, daß in detr Herzen der in diesen verbänden zufammengefaßten deutschen Juden, die aus tausendjähriger Schicksalsgemeinschaft erwachsene natürliche Liebe zu deutscher Kultur und Aus einem chafstdifcheu Hesped auf den Lubliner Raw V'XT. Einen ergreifenden Hesped hielt in Wien der Sabagorer Rebbe, Rabbi Mordechai Schoko m Friedman n. Aus der Fülle der Gedanken feien hier einige wiedergegeben: Einmal heißt es in den Psalmen (46) h im ia^ „Gehet hin und sehet die Werke G'ttes, während wir an anderer Stelle (Pf. 66) lesen 'isi irmi iaV Es gibt Wunder, die man tiefer, Angehender sehen MUß luv von firn), andere Wunder aber, die sich schon dem bloßen Auge aufdrängen (im). Die Wunderwerke, die G'kk durch den von ihm begnadeten Rabbi Meiir entstehen ließ, waren van zweierlei Art: Man sah sie mit bloßem Auge, aber man mußte sie auch tiefer begreifen. Vielleicht begriffen wir sie aber nicht in ihrem tiefsten Kern und Wesen und ihrer inneren Bedeutung zur Genüge. Darum kam das große Verhängnis, — nicht über ihn, der im Lichte der Schechinah ein i’san ns ist, sondern über uns, die mir ihn verloren haben, daß wir tiefer schauen und begreifen. Nun liegt es an uns, fein Werk in Lublin, das wir wohl nur äußerlich sahen, ganz zu verstehen und zu erhalten. Hieß es doch in der „Lehre des Rabbi Meiir" •man nr isn aiv n;n- So könnte noch Segen aus dem Heimgang Rabbi Meiirs für sein großes Werk sntstehsn. * * Im Talmud heißt es: vm maa fiuwi fhaio mpn iva cnrr bv msrm nnsn b'z „Die Tränen, die wir über den Heimgang eines rechtschaffenen Mannes fließen lassen, werden von G'tt gezählt und in seiner Schatzkammer ausgenommen." „Rechtschaffen" wäre zu wenig, vielleicht kommt i-nva von mwa. und damit würde hier das Wort den Mann bezeichnen, der ynva, die Fähigkeit hat, all die hohen Ideen. Gedanken und Pläne auch in der Praxis bis zuletzt durchzuführen, also den Gaon nicht nur der Lehre, sondern auch der Tat. Das war unser Rabbi Meiir. Was aber nur in der Idee, im Reiche des Geistes, sozusagen im Weltenplane G'ttes existiert, ohne in der Welt in Erscheinung zu treten, ruht gleichsam i'm maa, in der Schatzkammer G'ttes. So war es mit dem Sabbat, bevor er Israel gegeben war Oiav nam ->m maa 'b rtaiw srvoan») Auch die Kunst, Thora in der Weise in Polen zu verbreiten, lag in der Schatzkammer G'ttes so lange, bis der begnadete Sendbote sie auf thorageweihtem Boden in Lublin den Menschen vermittelt hatte. Darum fließen alle Tränen um diesen vnrr, d. h. um diesen Künstler im Sinne von mpa in jene g'ttliche Schatzkammer zurück, aus der die Idee herausgeholt wurde. Tränenvergießen kann nur den Zweck und die Bedeutung haben, die Lehren und dis Taten des großen Mannes auf uns einwirken und den Vorsatz in uns entstehen zu lassen, seine großen Werke fortzusetzen und auszubauen. Kleines Feuilleton. Von der Fülle der neuerschienenen hebräischen Lehrbücher hebt sich der in fünf Heften herausgegebene Lehrstoff Dr. M. Goldmann (Verlag S e f a t h e n u, Berlin) ab. durch eine gründliche Einstihrung in die hebräische Grammatik, der sich die (Uebungen), gut gewählt und im sanften methodischen Aufbau, anschließen. Die Hefte nennen sich schlechthin „Hebräisch" — nnasr Hebräisch in 45 Stunden will der Verlag I. R e z n i c o w , Breslau, vermitteln, und zwar durch Tabellen, die sehr unsprechend wirken. Daß wir diese Eilkurft nicht sehr hoch einschätzen, haben wir bereits wiederholt zum Ausdruck gebracht. Will man aber schon nach diesem Notbehelf zum Zwecke einer Palästinareise greifen, so eignen sich diese Tabellen (je 9 Tabellen kosten Mk. —.80) durch ihre hübsche Aufmachung und die der Einprägsamkeit dienenden Illustrationen vielleicht noch am besten. Als Grundlage für das weitere Studium der hebräischen Sprache empfiehlt der Verlag die Tabellen, und als solche können auch wir sie empfehlen.' Wocheukalender vom 2. - 9. Dez. 1933 14. - 21. Kislew 5694 l ’Öl’ tp Samstag 14 m Sonnrag i3 15 v' Montag Dez. 4 16 a Dienstag 5 li-vs 17 »3 Mittwoch 6 18 ao Donnerstag 7 19 aa Freitag 8 20 na Samstag 9 21 na