Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1933)
- Date
- 1933-11-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Seite 11 D er I s r a e l l t 9. November 1933 der Mischna durch, indem je zwei von uns einen Seöer übernahmen. Dann gingen wir zur anderen Anhöhe, wo der alte S ch a m m a i bestattet ist. Auch dort zündeten wir Wachslichter an und lernten Mischna. Die Anhöhen daneben sollen die Gräber der Schüler von Schammai sein. Wir gingen an noch weiteren unzähligen Grabhügeln vorbei, von denen man nicht weiß, welche Heiligen sie decken. Wir beteten überall und dankten G'tt, daß es uns beschieden war, Lese heilige Erde zu betreten. Den Sabbat verlebten, wir im Lehrhause von Rabbi Schimon den Jochi in Miron in Weihe und Heiligkeit. Den ganzen Sabbat hindurch lernten wir aus dem Sohar und die Nacht zum Sonntag durchwachten wir ganz und verharrten im Studium bis zum Morgen. Da warfen wir uns noch einmal auf die heiligen Gräber und verrichteten dann das Morgengebet in unvergleichlicher Gehobenheit. Auf dem Rückweg nach Safed hielten wir uns noch einmal am Grabe von Rabbi Jehuda, Sohn Jlois auf. Man erzählt, daß bei einem Ansturm der Türken auf die Stadt 30.000 Türken, die die heiligen Stätten zu vernichten drohten, an diesem Grabe ihren Tod gefunden hätten. Wir weilten noch bei den Gräbern anderer Tannaim und blieben dann, drei Tage in Safed. Von dort aus ging unser Rabbi in Begleitung eines Schülers nach Liberias, wo ihn der dortige Rabbiner, Rabbi Chajim A b u l e s j a, viele Ehrungen erwies. Nach neun Tagen kehrte er zu uns nach Safed zurück, um den Sabbat mit uns zu verleben. Am Sonntag kehrten wir nach Acca zurück. Möget Ihr alle, meine Freunde, einmal das Glück haben, so wie wir im heiligen Lande ZU weilen und an den heiligen Gräbern zu beten. — Der Bericht trägt das Datum von Montag, 12. Nissan 5502. nna—— Vermischtes. Berlin, 3. Nov. Von der Reichsvertretung der deutschen Juden wird uns geschrieben: Wir weisen darauf hin, daß die Reichsvertretung lediglich grundsätzliche Fragen bearbeitet und die Interessen der jüdischen Gesamtheit gegenüber amtlichen Stellen vertritt. Dagegen erfolgt die Beratung in Einzelfällen nach wie vor ausschließlich durch diejenigen Organisationen, die bisher dafür zuständig gewesen sind: also in Fragen der Wirtschaftshilfe durch die Wirtschaftsstellen, in Fragen der Wirtschaftspolitik durch Centralverein und Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, in Rechtsfragen durch den Central-Berein, in allen , mit Palästina zusammenhängenden Fragen durch das .Palästina-Amt und Palästina-Wirtschaftsberatungsstelle, in Fragen der Auswanderung nach anderen Ländern durch den Hilfsverein der deutschen Juden. Hamburg, 30. Okt. Der Verein Mekor Chajim e. V., der im Borjahre auf ein 70 jähriges Bestehen zurückblicken konnte, hielt am Sonntag dem 2. Marcheschwan seine statutengemäße alle 3 Jahre einzuberufende Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Bialoglowski, begrüßte die Anwesenden und freute sich, feststellen zu können, daß trotz aller Schwere der Zeit, der Mekor Chajm unverändert dasteht. Nachdem das Protokoll der letzten Generalversammlung genehmigt war, gedachte Herr Bialoglowski der in den letzten 3 Jahren leider Heimgegangenen Lehrer und Mitglieder des Vereins, zu deren Ehren sich die Anwesenden von ihren Plätzen erhoben. Dann erstattete der langjährige Schriftführer des Vereins, Herr B. I. I a c o b f o n, den Tätigkeitsbericht über die abgelaufenen 3 Jahre. In dieser Zeit ist es dem Mekor Chajim nicht nur-gelungen, feine Schiurim aufrecht zu erhalten, sondern er war auch besorgt um die Schuljugend, für die er einen täglichen Schiur einrichtete, der sich großer Beliebtheit auch in den Kreisen der Eltern erfreut. Zweimal war es dem Mekor Chajim in diesen drei Jahren vergönnt, einen Sijum zu feiern und durch Vorträge teils allein, besonders vor den Jomim tauwim, teils mit den anderen orthodoxen Bünden und Vereinen vor eine breite Oeffentlichkeit zu treten. Der Kassenbericht war weniger erfreulich, was in heutiger Zeit ja nicht Wunder nimmt. Bevor nun zu den Ersatz- und Neuwahlen in den Vorstand geschritten wurde, richtete der Vorsitzende, Herr Bialoglowski, herzliche Worte des Abschieds an den endgültig aus dem Vorstände scheidenden Herrn B. I. Jacobson. Der Vorstand hat beschlossen, Herrn Jacobson zum Ehrenmitglied zu ernennen und Herr Bialoglowski überreichte ihm eine in reinem Hebräisch verfaßte Adresse. Die alsdann vorgenommenen Wahlen ergaben die Wiederwahl der turnusgemäß ausscheidenden Mitglieder, während für Herrn Jacobson Herr Edgar Peine neu in den Vorstand gewählt wurde. Anschließend an die Generalversammlung hielt Herr Ignatz Schwarzs ch i l d einen sehr interessanten Vortrag über „Unbeachtete Gebetstellen", die manchen alten in Vergessenheit geratenen Minhag den Hörern wieder ins Gedächtnis zurückrief und manche wertvolle Anregung gab. Breslau, 1. Nov. Zu unserer Notiz in Nr. 43 vom 26. Oktober, daß nach dem Mitteilungsblatt des Vereins deutscher Ingenieure und des Deutschen Verbandes technisch wissenschaftlicher.Vereine sowohl in der Eisenacher Hauptversammlung wie auf der Münchener Bundestagung die Aufnahme des Arierparagraphen beschlossen und damit die Löschung der bisherigen jüdischen Mitglieder verfügt worden sei, wird uns von .eingeweihter Seite geschrieben, daß in dieser Form die Mitteilung! nicht zutrifft. Eine Bundestagung des Vereins deutscher Ingenieure in München hat nicht stattgesunden. Vielmehr fand am 1. Oktober in Eisenach eine außerordentliche Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure statt, in welcher eine Satzungsänderung beschlossen wurde, deren Schlußabsatz heißt: „Die neu eintretenden reichsdeutschen Mitglieder des Vereins müssen arischer Abstammung sein." Hiernach bleiben die bisherigen Mitglieder in dem Verein, falls sie nicht ihren Austritt erklären. Im Gegensatz zum Jng-enieurverein hat der Bund deutscher Architekten den Ausschluß seiner jüdischen Mitglieder beschlossen. Rabbiner Dr. Joseph Breuer in Fiume. (Nach einem Privatbriese.) Fiume. 5. Nov. Herr Rabbiner Dr Joseph Breuer, der mit seiner Familie Donnerstag mittag in Triest ankam, wurde dort von einer Abordnung der Fiumer Gemeinde feierlich empfangen. Auf der Fahrt von dort nach Fiume stiegen noch verschiedene Vertreter der umliegenden Gemeinden in den Wagen, um den Rabbiner zu begrüßen und ihn nach seinem neuen Domizil zu begleiten. In Fiume war wohl die ganze Gemeinde am Bahnhof. Man ging gleich zur Synagoge, an deren Eingang die Fiumer Jugend den Herrn Rabbiner mit großen Ovationen empfing. Daraus sprach■ ein Vorstandsvertreter das Treuegelöbnis der Gemeinde zur Thora und ZU ihrem neuen Lehrer aus. Nunmehr wurde die schöne, festlich geschmückte und beleuchtete Synagoge geöffnet und der Herr Rabbiner an die Kanzel geleitet, von wo er bei allgemeiner Stille und Aufmerksamkeit des gedrängt vollen G'tteshaufes feine Antrittspredigt hielt, die auf Jung und Alt größten Eindruck machte. Der G'ttesdienst am Sabbat morgen trug feierlichen Charakter und hatte eine überaus wirkungsvolle Predigt des neuen Rabbiners im Mittelpunkte. Daran schloß sich eine inn-Feier an, die bis zur Ankunft des neuen Rabbiners verschoben wurde. Der Nachmittag begann mit einem h a l a ch i s ch e n Vortrag unter regster aktiver Beteiligung aller Thoragelehrten der Stadt und schloß dann in gehobener Stimmung mit einem nnwo vr?v nach chassidischer Art. Nach Sllbbotousaang klang die Feier bis nach Mitternacht in einer schönen vdbv 'ibv, jan der 200 Gäste teilnahmen, nach. Der bisherige geistige Führer der Gemeinde, Dajan Wachberger, wurde vom Herrn Rabbiner in all seinen Würden bestätigt und wurde ihm der Dank für seine bisherige Tätigkeit ausgesprochen. Die chassidischen Kreise in Fiume haben durch ihre Vertreter bei den Feierlichkeiten ihre Befriedigung über die Wahl des Herrn Dr. B. geäußert und ihm ihr Vertrauen ausgesprochen. Für die neuerrichtete I e s ch i w a macht sich das größte Interesse in der Gemeinde bemerkbar. Am Sabbat wurden sowohl beim G'ttesdienste wie bei der Festtafel namhafte Summen für die Lehranstalt gespendet. In der eingerichteten Mensa sind die Bachurim aufs Beste untergebracht und versorgt. Personalien. Gießen, 5. Nov. Noch klafft die Wunde des Heimganges unseres verehrten Rabbiners. Dr. L. Hirschfeld trsr- und schon wieder hat uns ein ungemein harter Schicksalsschlag getroffen durch das plötzliche Hinscheiden unseres lieben i. Vorsitzenden der Israelitischen Religionsgesellschaft, Herrn Alfred Fröhlich, dessen Hinscheiden einen gewaltigen Verlust für unser Gemeindewesen bedeutet. In einer Sitzung der Landjudenschaft, in der die Neubesetzung des Rabbinats behandelt wurde, vertrat er in beredten Worten den Standpunkt der Israelitischen Religionsgesellschast und deren Interessen. Kaum hatte er seine Ausführungen beendigt, ereilte ihn zur größten Bestürzung aller Anwesenden der Tod. Was er unserer Religionsgesellschaft war, kann nur der bemessen, der in seiner Gemeinde lebte und sein Wirken mit offenen Augen zu beobachten und zu bemessen Gelegenheit hatte. Zum Lehrerberufe bestimmt, besuchte er die Präparandenschule in Burgpreppach und die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Diese Anstalt berief ihn vor mehreren Jahren in das Kuratorium: man schätzte dort seinen offenen Blick und war für seine Anregungen stets dankbar. Nachdem der Verblichene in mehreren Gemeinden segensreich gewirkt hatte, nahm er seinen Wohnsitz in Gießen. Hier erkannte man bald seine Umsicht, seinen Weitblick, seine organisatorische Fähigkeit und wählte ihn in den Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschaft und kurze Zeit darauf zu ihrem Führer. Allen stand sein goldenes Herz gleich nahe, mit Rat und Tat trat er für alles Gute und Edle ein, den Bedürftigen empfing er mit Freundlichkeit und Liebe. Er war ein würdiger Nachkomme unsres Stammvaters Bmaxdessen Name er trug, seine Türen waren weit geöffnet» um die edle Tugend der Gastlichkeit, die er in Gemeinschaft mit seiner tieftrauernden Gattin in reichstem Maße erfüllte. Er war ein liebevoller Gatte und treubesorgter Vater, der im sonnigen Familienglück seine erhabenste Freude saüd. Auch ein Freund des Friedens war er, sein Streben war, den Frieden zu erhalten, überall wo es galt, Gegensätze zu mildern und auszugleichen, aber nie bot er seine Hand einen Frieden zu schließen auf Kosten des o»«. Bei seiner ''-6 konnte man so recht den Verlust unsrer nbnp ermessen, eine riesige Beteiligung bei seiner Beisetzung. Herr Prov.-Rabbiner Dr. Cohn, Marburg entwarf ein getreues Bild des Verstorbenen. Sodann widmete der Jugendfreund uud frühere Kollege, Herr Bernhard Klein, dem Dahingeschiedenen Worte des Gedenkens, der Liebe und Freundschaft. Herr I. Joseph, 2. Vorsitzender der Israelitischen Religionsgesellschaft, dankte im Namen des Vorstandes und der Gemeinde. Herr E. Neumann, Lehrer und Kantor der Israelitischen Religionsgesellschast, brachte den Dank der Jugend in beredten Worten zum Ausdruck. So wird uns dieser edle, sonnige Mensch in ewigem Gedenken bleiben. rrs^n Frankfurter Vereinskalender. verein Mekor Chajim. Freitag abend nach Schul im Hörsaal: Mikro-Vortrag. Herr Jos. Bender. Samstag morgen nach Schul im Hörsaal -. Dinim, Herr R.A. Dr. E. Posen — nachmittags 3/4 Stunde vor Mincho im Vereinslokal Tehillim, Herr Rabbiner H. Meyer. — 4 Uhr im Bereinslokal (ebenso Sonntag morg. 8 Uhr) Gemoro, Herr I. Soffer. Sonntag und Mittwoch morgens nach Schul, via "n, Herr S. Schachnowitz. Sonntag 9 Uhr im Vereinslokal: ama« pn, Herrn R. 2t, Dr. Schlesinger. — nachm. 6 Uhr im Vereinslokale Vortrag des Herrn Rabb. Meyer über „Ungeschriebene Gesetze" (auch für Damen). Montag morgen nach Schul (auch Donnerstag): Mifchna- Mitglieüerlernen. — abends 7 Uhr im Vereinslokal(auch Mittwoch) Gemoro Herr Jakobowitz. Dienstag (auch Donnerstag) abends 7 Uhr Gmoro, Herr R.-A.Dr. E. Posen. Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mischna. Herr R.-A. Dr. E. Posen. — abends!/:$ Uhr im Bereinslokal, Gemoro, Herr I. Soffer. Jahrzeilsstiftungen. Sonntag, 12. November: Dr. Marcus Hirsch-Stiftung. Dienstag, 14. November: Avigdor Posen-Stiftung Agudas Jisroel-Orlsgruppe. Das Jaumi Sonntags, 11—12 Uhr, Montag bis Freitag 12 bis 1 Uhr, Samstag l2>/4 Uhr, Herr Sofer, im Vereinslokale des Mekor Chajim, Langestr. Liwjalh Chen. Samstag nach Mincho, 4^/4 Uhr, im Hörsaale Friedberger Anlage, Vortrag des Herrn S. S ch a ch n o w i tz. „I s m a e l in Thora und Geschichte und im heutigen Palästina." Jüdische Frauenvereinigung und Agudistische Feauen- Orksgruppe. Am Montag, den 13. November, abends 8.45 Uhr, wird Herr Studienrat Max Munk in seiner Wohnung, Sandweg 3, den Hirsch-Kurs fortsetzen. Gäste. Damen, herzlich willkommen. Beshamidrasch Ostendstraße. Sabbatmittag 12.30 Uhr Midrasch. Sabbatnachmittag 6.15 Uhr „En Iaakauw". 1I2 Stunde vor Nacht Vortrag. Jüdischer Turnerbund E. v. Winterprogramm 1933 Herren: Donnerstag, 8.30—10 Uhr Turnen (S. R. Hirsch-Schule), Tiergarten 8. Jugend: Sonntag, Fußballspiele. Montag, 6—6 Uhr Turnen S. R. Hirschschule, Tiergarten 8. Knaben: Montag: 6—8 Uhr Turnen, S. R. Hirsch- Schule, Tiergarten 8. Damen: Mittwoch: 8.30—10 Uhr Turnen u. Gymnastik Israel. Volksschule, Röderbcrgweg. Mädchen: Mittwoch, Gymnastik und Turnen. Abtlg. 1 (bis 8 Jahre) 2.30- 3.30 Uhr, S. N. Hirsch-Schule Tiergarten 8, 2lbtlg. 2 (8 bis 11 Jahre) 5,30—6.30 Uhr, Abtlg. 3 (über 11 Jahre) 6.30 bis 7.30 Uhr, Israel. Volksschule, Röderbergweg. Jüdische Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe: (Frankfurt a. M., Fahrgaffe 146, IIL, Tel. 26976, Postscheckkonto i „Jüdische Nothiife 1933" Frankfurt a. M. 29990.) Sprechstunden: für Juristen: Dienstag u. Mittwoch von 15—17 Uhr; für Lehrer: Montag und Donnerstag von 16—18 Uhr; für Künstler: Montag bis Freitag von 12 — 13 Uhr: für Ärzte: Montag und Donnerstag von 114/2—13 Uhr; für Kaufleute uub alle anderen Berufe: Montag bis Freitag von 15—18 Uhr. Gebetzeiten, mw «n nnw Freitag abend 4.20 Samstag 6.45 Samstag morg. 8.00 Samstag nad)m. 1.00 u. 4.00 Samstag abend 5.35 Wochengottesdienst: Morgens 6.45 Ngchniittags 4.15 Tefillinlegen am Morgen 6.45 Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S. S ch ach » nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag oes Israelit und Zermon <5. m. b. H.» Frankfurt a. M. — Druck Hermon Druckerei, Frankfurt a. M.