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Der Israelit · 1933-10-26 · Heft 43 (26.10.1933) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 43 (26.10.1933)
Date
1933-10-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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26. Oktober 1933 Nr. 43 IX* b£lt 6. Marcheswan 5694 «[]]] Ein Cenfralorjan lür das orthodoxe Judentum (((KÄ W B 58 Dearündet non Nr. Pphmrrrm In Maknr, lll & Gegründet von Dr. Lehmann in Mainz- Abonnement ab Juli 1939: Deutschland 1.39 Mark Monatlich; Ausland: Bierreliahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Korten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1.80 Dollar; England 8 sh.; Frankreich 28 Fr.; Belgien BelgaS. Holland 3fl.; Italien 18 Lire; Jugo lavien 88 Din.; Litauen 7.80 Lit.; Numanier« 180 Lei; Pole« 4 deutsche Gold «ark zum Tageskurs oder 7 Zloty'Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Elowakei 28 Kronen; Ungarn Nenqö 8; Dänemark, Norwegen u. Schweden 8 Kronen. Einzelnummer 30 Pfennige. Im Falle von Streiks und höherer Gewalt keine Verpflichtung zur Rückzahlung von Abonnementsgebühren. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 80 Goldps. für die flebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 10 Pf. Die 73 mm breite Reklamezeile: letzte Tertseite 3.— Mk., vorletzte Tertseite 380 Mk.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fornbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inssrataufträgen tartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inseratenannabme durch den Verlag des Israelit D. m. b. H., Frankfurt a. M., Rechneiarabenstratze 7. Tel. Hansa 21082 sow. durch sämtl. Annoncen-Erped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Oftendürahe 83 Tel. 48388. Platzoorschr. ohne Verbindlich Franks. indlichj. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Verlag des Israelit und Hsrmon G.m.b.H., Frankfurt (Main) Nr. 19803.—Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79606.—Poflsparlafsenamt Budapest Nr. 18434.—Postscheckkonto Barschau Nr. 190737. — Postscheckamt Zürich Nr. V1U 7351. — Postscheckamt Amsterdam Nr.31869 — Postscheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest nnv ihre sämtl. Filiale» Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten fich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. scheu Iudenpolitik in Deutschland zu Um die Zukunft der deutschen Zudeuheit. In der nächsten Woche tritt in London eine vom „Board-of Deputies" einberufene Konferenz von Vertretern der großen jüdischen Hilfsorganisationen zusammen, die ganz und gar der ernsten Beratung über die gegenwärtige Bot und das künftige Schicksal der deutschen Iudenheit unter dem Gesichtspunkt der praktischen Hilfe gewidmet sein soll. Man darf es mit besonderer Genugtuung begrüßen, daß hier endlich einmal der versuch unternommen wird, unter bewußter Ausschaltung aller politischen Demonstrationen, insbesondere unter völliger Ablehnung aller Tendenzen, die nach „Weltkongreß", Boykottpropaganda oder kämpferischer Einstellung überhaupt schmecken, die jüdisch-menschliche Hilfeleistung für die aus ihrer Bahn geworfenen deutschen Juden zu koordinieren und vernünftig zu organisieren. Wan kann es verstehen, daß in dem Programm der Konferenz Palästina als einziges Land, das für die nächste Zukunft einer nennenswerten Zahl von Juden Riederlassungs- und Cxlstenzmöglichkeit zu gewähren vermag, eine große Rolle spielt, und daß darum auch von den bisher in England zugunsten der deutschen Juden gesammelten Geldern der Löwenanteil für palästinensische Zwecke Verwendung gefunden hat. Dennoch möchten wir vor dem gefahrvollen Irrtum warnen, nun alles auf die eine Karte „Palästina" zu setzen und das eigentliche Problem, vor demwir stehn, — unter mancherlei verschiedenartigen Einflüssen.von außen — zu bagatellisieren, das Problem nämlich der Zukunft der deutschen Iudenheit in Deutschlan d. wenn nicht nur eine der deutschen Regierung ungehörige führende Persönlichkeit wie der Rechtsjustizkommissar Dr. Frank, in feiner Rürnberger Rede erklärt chat, die „Tragödie des jüdischen Volkes fei r e ch t l i ch durch Förderung, der „Errichtung des jüdischen Reiches in Palästina" zu lösen, sondern sogar einer der s ch ärfsten Antisemiten wie der bekannte Dr. Johann von L e e r s neuerdings, um über das Iudenproblem hinwegzukommen, die jüdische Großsiedlung in Palästina propagiert — so dürfen solche Ratschläge, die vor G'tt und ihrem Gewissen verantwortlichen jüdischen Führer in keiner weise beeinflussen, wir wissen besser als alle Outsiders mit welch ungch e u rer politischen und wirtschaftlichen Problematik die jüdische Erez Isroel-Sieölung belastet ist, und daß eine wirkliche Lösung der deutschen Iudenfrage durch Auswanderung nach dem heiligen Lande in absehbarer Zeit nicht erwartet werden kann. Sowohl die ökonomische Fassungskraft des Landes als die politischen widerstände von arabischer und englischer Seite setzen dieser Auswanderung Grenzen, über die man zwar auf antisemitischer Seite in leicht erkennbarer Absicht gern.hinwegsteht, die aber der jüdische Realpolitiker nur unter Lebensgefahr für die ihm anvcrtranten Inicrcsscu aus dem Auge verlieren kann. Cs bleibt demnach vorläufig dabei, daß an eine Massen-Abwanderung der Juden aus Deutschland nicht zu denken ist, daß also den deutschen und ausländischen Juden sowohl wie der deutschen Politik eine schließliche Klärung der deutschen Iudenfrage und eine irgendwie geartete Sicherung der jüdischen Existenz i n D e u t s ch l a n d selbst nicht erspart bleiben wird. Das sollte man in London nicht vergessen, aber — wir sprechen das bewußt grade in diese in Augenblicke aus — auch nicht in B e r l i n. wenn die nationalsozialistische Regierung Deutschlands — wie ihre ausländischen Feinde ihr unterstellen — die Absicht hätte, die wirtschaftliche, rechtliche, moralische und damit schließlich auch die physische Existenz der Juden in Deutschland — von Religion und Kultur gar nicht zu reden — systematisch bis zur Vernichtung zu unterhöhlen, so könnten und würden wir uns jedes Wort der Diskussion über diese Dinge sparen, und cs wäre für diejenigen, die nicht auswandern können, würdiger, schweigend unterzngehen. Aber kein objektiver Beurteiler kann vorerst zu einem solchen Ergebnis kommen, wenn er gewisse authentische Indizien und Aeußerungen ins Auge faßt, aus denen zum m inde st c n hervorgeht, daß inan mit der IN et ho de zur endgültigen Bereinigung der Iudenfrage in Deutschland vor der ganzen K u l t u r w e l t zu bestehen und diese Frage daher zwar ohne Sentimentalität, aber nach menschlich zu rechtfertigende n Prinzipien zu lösen wünscht. Ist diese Voraussetzung aber richtig, dann wäre gerade jetzt, in dem Augenblicke, in dem Deutschland durch seine ebenso mutigen wie ehrlichen Bekenntnisse in der Abrüstungsfrage verlorene Sympathien in der großen Welt zurückzugewinnen beginnt, der richtige psychole^ische Moment gekommen, um dieses Werben um Verständnis in der Welt draußen d u r ch einen autoritären Ent sch l u ß zur Liquidation der heute von hun.d ert vcrsch red e n c n Insta n z e n betrieb e neu chaoti . beende n. Riemand wird erwarten, daß Deutschland dabei eine grundsätzliche Umkehr vollzieht; aber wenn Roichsministcr Dr. Goebbels dieser Tage die Aufrichtigkeit der ans Herz greifenden Friedenserklärung des Reichskanzlers in ihrem Gegensatz zu früheren literarischen Aeußerungen damit rechtfertigte, daß er für die nationalsozialistische Partei — unbeschadet aller Prinzipientrcue — mit Recht die C n tw i ck l u n g sf ä h igkeit als ehrende Eigenschaft in 2lnspruch nahm, so darf dies wohl auch für die endgültige Stellungnahme des s i e g r e i ch e n Rational sozialismus (im Gegensatz zum kämpfenden) zur Iudenfrage in Deutschland gelten. Reichsjustizkommissar Dr. Frank hat in der oben zitierten Rede wörtlich erklärt: „Es ist der feste Wille der Reichsinstanz, daß in der Weiterverfolgung der Auseinandersetzung mit den Juden eine gewisse Beendigung jetzt einzutreten hat. Darüber hinaus ist es der Wunsch der Neichsinstcmz, festzustellen, und vor allem der Welt gegenüber festzustellen, baß im Rahmen der deutschen Gesetze der in Deutschland lebende Jude ungehindert seinem G e me rbe nachgehen kann. Es ist nicht wahr, wenn die Welt behauptet, wir verfolgen den Juden, wir drangsalieren ihn, wir töten, wir schlachten ihn. Jeder Ausländer kann sich davon überzeugen, daß die Inden in Deutschland nicht oogelfrei sind, sondern den Schutz der Gesetze genießen wie die anderen Bewohner, sofern sie sich dieses Schutzes allerdings als würdig erweisen." 2lus mehreren Erlassen, insbesondere im Bereiche des Roichsjustiz- und des Reichswittschastsministeriums, die in der letzten Zeit ergangen sind, ergibt sich deutlich, daß diese Erklärung Dr. Franks durchaus ernst gemeint war und daß man an den höchsten Stellen in der Tat mit der Verhinderung der wirtschaftlichen Betätigung der Inden nicht einverstanden ist. Aber dennoch bleibt grade auf diesem Gebiete noch unendlich viel zur Durchsetzung der Staatsautorität zu tun übrig, wenn die Juden in Deutschland nicht langsam Hungers sterben sollen. Der stille und offene Boykott gegen die Juden steht in Stadt und Land in voller Blüte. Soli der Wille der Regierung, daß die Juden „ungehindert" ihrem Gewerbe nachgehn können, Wirklichkeit werden, dann wäre vor allem die absolute wirtschaftliche Gleichberechtigung nichtarischer Firmen und Vertreter bei staatlichen und kommunalen Lieferungen zu verfügen und zu kontrollieren, denn nur durch eine solche, erzieherisch wirkende Maßregel könnte auch in der Masse des Volkes die Vorstellung wieder verschwinden, der wirtschaftliche Ruin der Juden sei die Vorbedingung für das Gedeihen des deutschen Volkes, wovon soll die kommende Generation der deutschen Juden leben,

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