Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1933)
- Date
- 1933-11-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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23. November 1933 5. Kislew 5694 Frankfurt a. M., den Nr. 47 fK2fj]| Eil Centralorgan Nr das ortiiodBxe jndeatini mSSt a ^J§§g8Sg&s£sB&B§ 1 II Dearündet nnit In li 1 ä Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. < VffiikSS Abonnement ab Juli 1939: Deutschland ILO Mark monatlich: Ausland: Vierteljahrvrrife (emsprechrnv dem deutschen Inlandspreis znznqttch Konen des Ttreifhand-Berianves) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1.80 Dollar; England 8 sh.; Frankreich W Fr.; Belgien BelgaS. Holland 3fl.; Italien 18 Lire; Jugolavien 88 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien 150 Lei; Polen 4 deutsche Gold nark zum Tageskurs oder? Zloty: Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowaket 25 Kronen; Ungarn Nengö 5; Dänemark, Norwegen «. Schweden 5 Kronen. Einzelnummer 30 Pfennige. Im Falle von Streiks und höherer Gewalt keine Verpflichtung zur Rückzahlung von Abonnementsgebühren. Der Israelit erscheint jedcu Donnerstag. Inserate 50 Doldpf. für die siebengespalten« Nonpareille-Zeile^ Abonnenten zahlen hei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf, Die 75 MM breite Reklamezeiler letzte Textseite 3.— Mk>, vorletzte Textsette 350 Mk.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufende« Insorataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. Z., Frankfurt a. M., Rechnetgrabenstrake 7, Tel. Hansa 31084 sow. durch sämtl. Annoncen-Erped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Teschäftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendstraße 83 Tel. 48866. Platzvorfchr. ohne Berbindltchk. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Verlag des Israelit und Hermon G.m.b.Z«, Frankfurt (Main) Nr. 19803.—Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79606.—Poftsparkassenamt Budapest Nr. 18424. — Postscheckkonto Warschau Nr. ISO737. — Postscheckamt Zürich Nr. VIll 7231. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34869 — Postscheckamt Prag Nr. 79.060 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. WF- Vor geschloffenen Türen! In einer alten Mussarerzählung wird von dem simplen Dorfmann berichtet, der sich eine vom Rabbiner in der Stadt gehörte Mahnung, m a n müsse in i t d e m R e b e n m e n s ch e n Mitleid haben, so sehr zu Herzen nahm, daß er fortan das Wort immer ,im Munde führte. Als einmal nachts ein müder und halberfrorener Wanderer Einlaß flehend an feine Türe klopfte, wiederholte der Gute immer und immer wieder, man muss e Mitleid haben. Aber er öffnete nicht die Türe. Denn, so dachte er, lasse ich den Armen -ins Haus, so hörte ja sein Leid und somit auch mein Mitleid auf; man muffe doch aber Mitleid haben... Das Mitleid der Welt mit uns Juden erinnert sehr stark an jenes gute Herz hinter den geschloffenen Türen des Dorfhauses. In Zeitungen und Versammlungen, zuweilen auch in den Parlamenten, zeigen die Völker rührend viel Mitleid mit den Hunderten und Tausenden, die, vom Hunger gejagt oder von anderen Röten getrieben, über die Grenze gehen und verzweifelt an die Pforten ihrer Länder pochen. Geöffnet wird ni ch t, die wirte sorgen dafür, daß das M i t- 1 ci 6 n i ch t a u sg,e h t. Wenn man die Schwierigkeiten in Petracht zieht, die die Grenzbehörden der meisten Länder neuerdings den jüdischen Emigranten machen, wenn man die armen Menschen sieht, wie sie die Konsulate belagern und von Amt zu Amt laufen, im Hangen und Bangen um das Visum oder, das Zertifikat, erhalten angesichts dieses wartenden Elends all jene schönen Redensarten in der Presse und den Parlamenten der Welt von dem Mitleid mit den Heimatlosen ihren eigenen Wert, den eines Bekenntnisses zum Mitleide, das praktisch zu nichts verpflichtet. . Wie groß erst die Enttäuschung, wenn wir von dieser Anklage auch das stolze Albion nicht ausnehmen können, das große England, das von Tromwell bis Balfour eine Linie der Toleranz und strikten Gerechtigkeit einhielt; und doppelt schmerzlich zu erleben, daß uns . auch die Türe zu unserer historischen Hoimat in E r e z Israel -immer mehr und mehr verriegelt, daß der Spalt, durch den bisher noch die Mnschen ohne Raum in den Raum ohne Menschen irgendwie durchschlüpfen konnten, immer enger und enger wird. Ts wäre an der Zeit, daß darüber von jüdischer Seite ein offenes Wort gesprochen wird. Die 85QV. Zertifikate für das nächste Halbjahr, ungefähr das viertel von der angeforderten Zahl, wurden von der jüdischen Deffentlichkeit als Schlag Verlag des israeBil und Hermon G.m.b.H. Soeben erschien Licht aus dem Westen Erzählung aus der Zeit der Ghettodämmerung von 8. Schachnowitz. Preis broschiert RM. 3.—, in gediegenem Leinwandband RM. 4.—. Die Buchausgabe des bei seinem Erscheinen im „Israelit“ mit außergewöhnlichem Interesse begrüßten historischen Meisterromanes des Autors liegt nunmehr vor. Sie sollte in keinem jüdischen Hause, in keiner Jugend- : Vereins- oder Schulbibliothek, fehlen» denn . sie führt Jung und Alt in eine det wichtigen Epochen der jüdischen Geschichte ein und ist geeignet Verehrilag und Bewunderung für die großen Meister der jüdischen Lehre in die Herzen den kommenden Generation zu pflanzen. Den Verlag des Werkes für die Länder Österreich, Tschechoslovakei, Ungarn, Jugo- T slavien und Rumänien haben wir. der Agudas Jisroel Jugendgruppe in Bratislava übertragen. Bestellungen aus diesen fünf Ländern sind daher ausschließlich an " die Agudas Jisroel Jugendgruppe, Bratislava, Postfach 140, zu richten. In allen übrigen Ländern nehmen alle besseren Buchhandlungen Bestellungen entgegen. Der Verlag liefert direkt gegen Voreinsendung des Betrages oder gegen Nachnahme. Verlag des Israeli! und Hermen G.m.b.H. Frankfurt am Main RechneigrabenstrasseL Postscheckkonto Nr. 19 8 0 2 ins Gesicht empfunden. Dieser Ungerechtigkeit in Ziffern folgen aber, nicht zuletzt als Auswirkung der letzten Unruhen, gewissermaßen als Belohnung der Unruhestifter, Maßnahmen, die eine in Zahlen nicht zu fassende Schmach und Entrechtung darstellen: Die verschärften Verordnungen gegen die Einwanderung von Touristen, und auch gegen solche Touristen, die stch bereits im Lande aufhalten und dort eine ausreichende Existenz gesunden 1)6b e n. Man erlebt schon in den Straßen von Jerusalem und Tel-Awiw regelrechte polizelrazz i a s — nach bekannten Mustern — auf Juden, die über die gegebene Zeit Im Lande blieben. Cs regnet Gefängnisstrafen und Ausweisungsbefehle. Daß solches Vorgehen mit den Traditionen Englands und dem Geiste des Mandats nicht in Einklang zu bringen fei, ist leider im Unterhause zu London, bei allen Liedern von Mitleid und Erbarmen, noch nicht ln wirksamer Form gesagt worden. Das Mandat setzt als selbstverständlich voraus, daß so viele Juden zum Aufbau des nationalen Heimes zugelassen werden, wie die Aufnahmefähigkeit des Landes es rechtfertigt. Daß das Häuflein Zertifikate in gar keinem Verhältnis zu der Aufnahmefähigkeit des Landes steht, daß das Land geradezu nach den Menschen schreit, die nicht hmüberkönnen, ist zur Genüge bekannt, warum sind die vielen Menschen, die doch von vornherein die Absicht hatten» sich im Lande dauernd niederzulassen, nur mit einem Touristenvisum dahingegangen? Gewiß nicht, um die Einwanderungsbehörden zu ärgern oder den Gesetzen ein Schnippchen zu schlagen. Einzig deswegen, weil man sie von Amt zu Amt hetzte, ihnen tausend Schwierigkeiten in den weg legte, bis sie auf der hoffnungslosen Jagd nach dem Dauervisum das einfachste Mittel ergriffen, um zunächst einmal hinüberzufahreu und vielleicht dort den Beweis zu erbringen, daß sie als Menschen besser und wertvoller sind, als die Papierfetzen, in deren Besitz sie nicht gelangen konnten. Sie haben den Beweis ihrer Rützlichkeit und zugleich damit der Aufnahmefähigkeit des Landes über die amtliche Schätzung hinaus geliefert: durch die sichere Existenz, die sie sich dort verschafft haben. Damit ist zur Evidenz nachgewiesen, daß die festgesetzte Zertifikatenzahl den Bedarf an Menschen keineswegs deckt, wäre es nicht großzügig'von den englischen Behörden, ihren Irrtum einzugesteben und ihn damit zu korrigieren, daß man die Touristen, die einmal den weg ins Land gefunden haben, über die Dnote hinaus bei ihrer Arbeit und ihrem Brote läßt, statt sie zurück in die Heimat zu schicken, die zumeist ifür sie Elend und Heimlosigkeit bedeutet?!