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Der Israelit · 1933-09-28 · Heft 39 (28.9.1933) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 39 (28.9.1933)
Date
1933-09-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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28. September 1933 Der Israelit Nr. 39 Seite 13 Personalien. Provinzialrabbiner Dr. Leo Hirschfeld Gießen, 25. Sept. Roch kurz vor Jcchresausgang wurde die Israelitische R e l i g i o ns g e siellsch a ft in Gießen, und mit ihr das gesetzestreue Judentum in Deutschland, von einem schweren ungeahnten Schlag betroffen. Rabbiner Dr. Hirfchseld, der Mann, den wir immer in voller Rührigkeit und glühendem Elfer für G'tt und seine Thora zu sehen gewöhnt waren, ist nach kurzer schwerer Krankheit aus dem Leben geschieden. Eine Gemeinde trauert um ihren Führer und Meister, der sie bald vierzig Jahre durch alle Fährnisse und Wandlungen, an mancherlei Klippen vorbei geführt, der ihr Generationen ausgerüstet hat, daß sie die treue Hut weiter wahren. Die Feststimmung wurde für eine jüdische Gemeinde in stille Trauer verwandelt, mochte sie noch so sehr dagegen ankämpfen. Mußten doch unwillkürlich die Beter zu dem Platze hinaufschauen, wo ihr Rabbiner voriges Jahr noch um diese Zeit in geweihter Stunde zu ihmn sprach. Noch kurz vor Festeingang hatte sich sein Tag gesenkt, war sene Neiilohstunde gekommen, hatte er mit dem letzten Schma seine Seele ausgehaucht. Und am Nachmittage des zweiten Rofch hafchono stand die Gemeinde draußen und nahm stummen, stillen Abschieds wie es das Fest gebietet, von ihrem Lehrer und Führern Ein Fest ging zu Ende, ein Sabbat begann, Schabbos Schuwah! Ein Begnadeter mit fabbatlich gestimmter Seele ist in den ewigen Sabbat eingekehrt , na® iVia® rn'i>- Rabbiner Dr. Hirschfeld kam, nach gründlichen jüdischen und profanen Studien, im Jahre 1895, kaum ein Dreißiger, als rabbinischer Führer der orthodoxen Gemeinde Israelitische Religionsgesellschaft nach Gießen. Die Gemeinde als solche war erst vor kurzem gegründet worden. Sie war aus großen schweren Kämpfen um das nwimn rvniw, den letzten Nest aus dem religiösen Zusammenbruch einer Resormperiode, hervorgegangen. Der junge Rabbiner fand so gut wie Neuland, das noch eine Fülle von Kampf und Arbeit zu seiner Bebauung und Ausweitung erfordert«. Mit welcher Wucht, Energie und welchem Elan der tätige, kraftstrotzende Mann diesen Kampf und diese Arbeit ausnahm, wissen nur diejenigen einzuschätzen, die jenen neuesten Abschnitt der jüdischen Geschichte Oberhessens miterlebt haben. Ein Enkel von Rabbi Schlome Pleßner von dem er stets mit Stolz sprach, war ihm dieser große Ahn stets Leuchte und Vorbild in seiner rabbinischen Amtswirksamkeit. Die meisten Landgemeinden Oberhessens schlossen sich dem orthodoxen Rabbinate an, das von der damaligen, den Juden stets wohlwollenden Darmstädter Regierung zu einem Großherzoglichen Provinzial-Rabbinat mit genau gleichen Rechten wie das sog. liberale Rabbinat erhoben wurde. In diesen Gemeinden, mit denen der Rabbiner gleich zu Anfang in engen Kontakt trat, blieben die religiösen Institutionen unter der Oberaufsicht Hirschfelds im besten Stande. Manche Kleingemeinde bekam, mit Hilfe der „Freien Bereinigung", eine mp» neuerrichtet oder instand gesetzt. Besuche des Rabbiners, mit der Predigt und der Religionsschulprüfung, gestalteten sich für die Landgemeinde immer zu einem hohen Feste. In Gießen selbst, wo die Religionsgesellschaft sich schon vorher das eigene herrliche G'tteshaus in der Steinstraße errichtet hatte, wurde mit Hilfe des bewährten Lehrers Herrn Klein, der Religionsunterricht noch ausgebaut und alle Mittel ergriffen, um, oft unter Schwierigkeiten, und auf einigem Boden, das religiöse und geistige Leben zu heben. Konnte Rabbiner Dr. Hirschfeld in den letzten Jahren auch nicht mehr so oft in die Landgemeinden seines Bezirkes kommen, so sammelte er doch fast wöchentlich die Lehrer seines Rabbinatsbezirkes in seinem Hause bei Schiurim, Fortbildungskursen, Aussprachen und blieb so mittels der Lehrer, die in Oberhessen fast durchwegs noch treu und gewissenhaft zur Tradition halten, auch mit den Gemeinden in enger Fühlung. Eine kernige imposante Erscheinung, auch schon nach außen durch Kleidung und würdevolle, fast feierliche Haltung mmn maa hervorkehrend, genoß Rabbiner Dr. Hirschfelü große Verehrung weit über seine Gemeinde hinaus, ja auch in nichtjüdischen Kreisen. Ein Meister des Wortes, liebte er es, den Gedankenbau mit einer blumigen poetischen Sprache zu umkleiden, die oft große Wirkungen erzielte. Er konnte von der Kanzel seine Donnerstimme erheben, wenn es galt, seinen Gemeinden ins Gewissen zu reden, Fehler zu rügen, Uebel abzustellen; er konnte aber auch weiche poetisch verklärte Töne anschlagen, wenn er als Mensch zu dem Menschen sprach, wenn er bei festlichen Anlässen oder bei Familienfeierlichkeiten, zu denen der Rabbiner als Freund herangezogen wurde, sich mit Geist und Humor als liebenswürdiger Gesellschafter bewährte. Ein tiefveranlagtes Gemüt und vortrefflicher Kenner der althebräischen Literatur, versuchte er sich oft selber in poetischen Schöpfungen. Seine nach Reim und Rhythmus ins Deutsche übertragenen navim*v»»t fanden guten Anklang. Lange Jahre arbeitete er an einem Werke, einer lexikalischen Zusammenstellung aller Namen in der Bibel unter Anführung aller einschlägigen Stellen in der gesamten rabbinischen und midraschistisrhen Literatur, die nun abgeschlossen und vollkommen druckfertig da liegt. Man darf hoffen, daß sich bald ein Verleger für dieses für die jüdische Wissenschaft wertvolle Nachschlagewerk findet. In seinem gastlichen Hause, das er in langer glücklicher Che mit einer kongenialen Gattin, einer Frankfurterin, Tochter von Moses S. Schwab W teilte, fanden Schüler, Freunde, die Lehrer des Bezirkes stets freundliche Ausnahme, Arme und Hilfsbedürftige, besonders auswärtige Thoragelehrte, Rat und Hilfe. Eine schwere Lücke ist mit seinem Heimgange dem gesetzestreuen Judentum geschlagen. Möge seine Gemeinde und seine Familie, drei Töchter, von denen zwei ihre eigenen Heime an der Seite bewährter Männer im Geiste des Vaters führen, trösten. Möge der Heimgegangene Führer an den heiligen Tagen ein f'>» seiner Gemeinde und seiner Gemeinschaft in schwerer Zeit fein. .Tawn* ‘V-,- V Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld Die Trauerfeier in der Synagoge. Die Trauer und die Wehmut, die bei der Bestattung am Festtage keine Worte finden konnte, kam am Sonntag nachmittag in einer Trauerfeier in der Synagoge spontan und dennoch überaus würdig zum Ausdrucke. In dem vollgefüllten hellbeleuchteten G'tteshause sah man neben der gesamten Gemeinde auch viele auswärtige Gäste. Alle orthodoxe Rabbiner Hessens, sowie sämtliche Lehrer des Rabbinatsbezirkes waren anwesend. Auch der Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschuft in Frankfurt a. M. war offiziell vertreten. Von der I e s ch i w a h kam Herr Rabbiner- Dr. Joseph Breuer. Auf den Galerien standen die Frauen der Gemeinde Kopf an Kopf. Die Feier wurde eröffnet mit dem stimmungsvollen Vortrag eines Gebetsstückes durch den Kantor der Gemeinde, Herrn Reu m ann, worauf der Ehrenvorsitzende der Gemeinde, Herr Hofrat Jacob Grünewald, die Kanzel bestieg, um in schlichten, herzlichen Worten den Dank der Gemeinde an den Führer zum Ausdruck zu bringen und weitere Treue zu geloben, in dem Sinne, daß die Gemeinde entschlossen sei, in seinem Geiste die Traditionen des Judentums weiterhin treu zu hüten. Den ersten Hesped hielt Herr Rabbiner Dr. C o h n, Marburg. In grohangelegter Rede entwarf er in Anknüpfung an alte Textworte ein Charakterbild des Menschen und des Lehrers Hirfchseld, der wie ein Vater zu seiner Gemeinde und zu jedem einzelnen ihrer Mitglieder stand, der als treuer Wächter den ihm anvertrauten Weinberg hütete und bearbeitete und sich immer wieder mit neuer Kraft an die Arbeit machte, auch wenn die Frucht einmal der Mühe nicht entsprach. Redner schilderte, wie kraftvoll der erste Rabbiner diese Gemeinde auch nach außen hin zur Geltung brachte, wie er sich die Fortbildung der Lehrer seines Bezirkes angelegen sein ließ, xnd schloß wirkungsvoll mit der Wiedergabe der letzten Worte Dr. Hirschfelds auf seinem Krankenbette: .noiva n»®?n» nV’nna nviv m® i>a „Hat das Jahr in Armut und Trauer begonnen, so wird es in seinem Verlaufe Glück und Segen bringen." Das nehme die verwaiste Gemeinde als letzten Segen des Heimgegangenen Rabbi. Herr Rabbiner Dr. M e r z b a ch , Darmstadt, sprach für den orthodoxen Hessischen Landesverband, sowie für den Orthodoxen R a b b i n e r v e r b a n d. In feingeistlger Rede kehrte er die sühnende Bedeutung der crp'ix nw» auf Grund eines Wortes aus der Tagesselicho über den Tod Gedaljas hervor und wußte eindringliche Worte einzuflechten über die jüdische -und geistige Verpflichtung, die die Gemeinde am Grabe ihres Führers für die Zukunft überninnnt. Herr Redakteur S ch a ch n o w i tz, Frankfurt a. M., der die letzten Grüße der Freien Vereinigung für ü i e In t e r e s s e n d e s - o r t h o d o x e n Judentums und des Frankfurter M e k o r Eha j i m überbrachte, schilderte Dr. Hirfchseld, mit dem er in den ersten Jahren seiner rabbinischen Wirksamkeit in Hessen ein Stück Weges Zusammengehen und kämpfen durfte, als einen dertwd» nss »n» m* Er zeichnete dann in! gehobenen Worten insbesondere auch die literarische Tätigkeit Hirschfelds. Herr Lehrer Klein, der treue Mit- ' arbeiter Hirschfelds in fast einem Menschenalter, sprach in bewegten Worten von der Lehrweise seines Rabbiners und brachte den Dank der Lehrer im Raübinatsbezirke zum Ausdruck. Herr Rechtsanwalt Dr. Rosenthal dankte für die Jugend, für die früheren und späteren Schülergenerationen. Mit »"»« und dem Minchohgebet, in festfeierlicher Weise von Herrn Kantor Neumann vorgetragen, fand die in ihrer Schlichtheit und Herzlichkeit überaus würdige und eindrucksvolle Feier ihr Ende. Dr. Lyrus Adler 70 Jahre all. Newyork, 24. Sept. Der Vorsitzende des American I e w i s h Committee und Rektor des Jüdisch-Theologischen Seminars, Dr. Eyrus Adler, feierte dieser Tage in einer kalifornischen Sommerfrische, wo er seinen Urlaub verbrachte, seinen 70. Geburtstag. Dr. Adler ist durch seine ausgedehnte kulturelle und soziale Arbeit in der jüdischen Oessentlichkeit aller Länder bekannt. Er gilt als eine Autorität aus dem Gebiet der Erziehung. Bereits im Alter von 21 Jahren wurde er Lehrer an der Johns Hopkins Universität. Biele Jahre hindurch war er Mitglied des Erziehungsausschusses von Philadelphia. Er hat eine Anzahl von Büchern und Artikeln über Archäologie und amerikanisch-jüdische Geschichte geschrieben und war einer der bedeutendsten Mitarbeiter an der Jewish Encyclopaedia und der von der Jewish Publication Society of America herausgegebenen englischen Bibelübersetzung. Viele Jahre hindurch bekleidete er Stellungen an der Smithsonian Institution und am Nationalmuseum der Vereinigten Staaten in Washington. Er hat wiederholt jüdische Gemeinden und Siedlungen in Europa, Afrika und Asien, darunter auch Palästina, besucht und ist Borsitzender des provisorischen Komitees der amerikanischen Mitglieder des Administrative Committee der Jewish Agency. Er ist ferner Präsident des Dropsie College und war 20 Jahre lang Vorsitzender der jüdisch-historischen Gesellschaft Amerikas. Dr. Adler gehört dem konservativen Flügel der amerikanischen Judenheit an. Diese Richtung hält die Mitte zwischen strengster Orthodoxie und radikaler Reform. Die Andächtigen in der Synagoge — Dr. Adler ist einer der Gründer der United Synagogue of American — sollen seiner Meinung nach mehr Gebetsgemeinde als bloße Zuhörerschaft sein. Würzburg. 24. Sept. Zum Nachfolger des zum Direktor des Rabbinerseminars in Amsterdam ernannten Seminarrabbiners Dr. Neubauer wurde Herr Rabbiner Dr. Unna aus Frankfurt a. M., ein Urenkel des Stifters der Lehrerbildungsanstalt, des alten Würzburger Raws S. B. Bamberger, ernannt. Dem jungen Rabbiner geht der Ruf eines hervorragenden Talmudisten voraus. An Stelle des wegen Wegzuges nach Erez Jisroel für ein Jahr beurlaubten Herrn Seminarstuüienrats Dr. Bernhard Bamberger wurde Herr Dr. Guttmann aus Frankfurt a. M. zum Verweser für diese Zeit beauftragt. Gerolzhofen, 24. Sept. Am 1. September waren 25 Jahre verflossen, seit Herr Reiter hier als Lehrer, Kantor und Schachet amtiert. Wiewohl derselbe mit Rücksicht auf die Zeit von jeglicher Ehrung abzusehen bat, ließ es sich die Gemeinde doch nicht nehmen, den Jubilar entsprechend zu feiern. Zu Roschhaschono wurde das G'tteshaus und der Platz des Jubilars mit Blattgrün sinnig dekoriert. Nach dem Einheben würdigte Herr Vorsteher Brodma n n m dankbarer Anerkennung die erspießliche und segensreiche Tätigkeit des Beamten in Schule, Synagoge und Gemeinde, worauf Herr Lehrer Reiter den Gefühlen der Verbundenheit mit Vorstand und Gemeinde Ausdruck gab und für das wertvolle Geschenk, das letztere in Gemeinschaft Mit dem Frauenverein, überreichen ließ, und alle Aufmerksamkeiten dankte. Auch das zuständige Rabbinat in Schweinfurt sandte dem Jubilar Glückwünsche nebst Dank und Anerkennung für gewissenhafte, erfolgreiche Leistungen unter Beifügung eines gediegenen Andenkens. vverdorf.Vopfingen, 20. Sept. In seltener Jugendfrische konnte Herr Oberlehrer Erlebacher am 18. September seinen 6 0. Geburtstag feiern. Schon am Vorabend versammelten sich die Herren des Israelitischen Vorsteheramts -im Hause des Jublars und überreichten ihm unter anerkennenden Worten ein schönes Geschenk. Herr Oberlehrer Erlebacher drückte in seiner Ansprache seine Freude und seinen Dank aus. Auch die einzelnen Gemeindemitglieder ließen es sich nicht nehmen, dem unermüdlich für das Wohl der Gemeinde und Jugend schaffenden Lehrer und Führer durch Besuche und Geschenke ihre Verehrung zum Ausdruck zu bringen. Die Woche. Hesped auf den Chofez Lhajim Vst* In dem überfüllten G'tteshause an der Friedbergeranlage hielt Herr Gemeinderabbiner Horovitz am tm "’b'a zwischen Mincho und Maariw einen von innerer Wärme durchglühten Hesped auf den Heimgegangenen wa iir», der seines tiefen Eindrucks auf die Zuhörer nicht verfehlte. An Hand üero'^ra mi»®, der acht symbolischen Gewänder, mit denen der Hohepriester geschmückt war, schilderte der Redner die hervorstechendsten Cha-

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