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Der Israelit · 1933-09-28 · Heft 39 (28.9.1933) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 39 (28.9.1933)
Date
1933-09-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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Nr. 39 Seite 11 28. September 1933 Korrespondenzen * Nachrichten. Palästina. warum nicht Safed? T e l - A w i ro , 10. Sept. Der große Auswandererstrom nimmt seinen Weg nach Tel-Awiw, Haifa, teilweise auch nach Jerusalem. Selbst die kleinen und kleinsten Kolonien profitieren von der Einwanderung. Nach Safed, der Perle des palästinensischen Nordens jedoch, verirrt sich kaum eine Menschenseele. Das schlimmste aber ist, daß diese alte, fast älteste .jüdische Gemeinde Palästinas, ihrem Untergang entgegengeht, wenn sich nicht bald ein frischer Zustrom neuer Olim einfindet. Die Jugend verläßt, oft schweren Herzens, den Ort, um sich an anderen Plätzen nach Arbeit umzusehen. Wir sehen untätig zu, wie uns Juden, Safed, der wichtigste Stützpunkt im Norden, dicht an der syrischen Grenze, verloren geht. Welches sind nun die Ursachen, weshalb Safed, lange Zeit die größte jüdische Gemeinde Palästinas, sich noch immer im Märchenschlaf befindet, während sich an anderen Plätzen die Massen in bald gefährlicher Dichtheit zusammenballen? Ja, wollte man nach Ursachen suchen, es ließen sich wohl kaum welche finden. Es fehlen nur die Prinzen, die die schönste Prinzessin aus ihrem Jahrhunderte währendem Schlafe erwecken wollen. Dis blühendsten Ortschaften des Landes, wie Tel-Awiw, Hadar Hakarmel, der Har Kamel u. v. a. mehr, wurden zunächst nur-von einigen solchen Prinzen-Pionieren zum Leben erweckt. Sandwüsten und Sandberge wurden in blühende Städte und Kolonien verwandelt. Der Karmelberg war vor nahezu zehn Jahren noch ein Trümmerhaufen, wo nichts anderes als kahle Felsen zu sehen waren und heute! blühende Kolonien, der einzig herrliche „Hadar Hakarmel" mit seinen bald zwanzigtausenö jüdischen Einwohnern, bevölkern heute den Berg von seinem Fuße bis zum höchsten Gipfel. Nur Einzelne waren es, die zuerst den Mut hatten, die Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Um wieviel leichter ist dieses Wagnis in Safed. Hier ist immerhin schon eine bewohnte Stadt vorhanden, die nur erweitert und modernisiert werden soll. Ich möchte nur einiges über die Vorzüge sagen, die Safed anderen Teilen des Landes voraus hat. Zunächst herrscht dort das gesundeste Klima des Landes und wird im Sommer von vielen Erholungssuchenden ausgesucht. In diesem Sommer sind zeitweise absolut keine Zimmer aufzutreiben. Insbesondere für deutsche Einwanderer ist Safed klimatisch besonders geeignet. Während im Sommer die Temperatur lange nicht so hoch wie in anderen Teilen des Landes ist, bringt der späte Nachmittag schon eine äußerst wohltuende Abkühlung. Der Winter erinnert ganz an das deutsche milde Winterklima, die Temperatur sinkt zuweilen bis auf zwei Grad unter Null, allerdings nur während der Nacht, am Tage steigt das Thermometer wieder bis zehn oder fünfzehn Grade Wärme. Dis Naturschönheiten Safeds und seiner Umgebung sind unvergleichlich schön. Safed ist die höchst gelegene Stadt Palästinas. Die Stadt selbst ist terrassenförmig in den Bergen eingebaut. Aber auch wirtschaftlich kann Safed ganz besondere Vorteile bieten. Zunächst ist Boden heute noch sehr billig zu haben. Es befinden sich in unmittelbarer Nähe Safeds 6000 Dunam fruchtbarer, mit ausreichenden Wasserquellen versehener Voden, in jüdischem Besitz, dieser Boden wird in einzelnen größeren Parzellen abgegeben. Die Besitzer dieses Bodens sind keine Spekulanten, sondern haben sich einzig und allein die Wiederbelebung Safeds zum Ziel gesetzt. Der Dunam Boden wird daher mit ca. L. P. 1,750 RM. 23 — abgegeben, während in anderen Gegenden heute schon fast der zehnfache Betrag gezahlt wird. Der Boden eignet sich insbesondere für Oelanpslanzungen (Oliven), Weintrauben, Gemüse, Obst, besonders solcher Obstsorten, die bisher im Lande des heißen Klimas wegen nicht angepflanzt werden konnten, wie z. V. Birnen, Pflaumen, Kirschen, Aepfel u. a. Diese Obstsorten werden vom Ausland eingeführt und zu sehr hohen Preisen umgesetzt. Ganz besonders rentabel kann sich hier die Milchwirtschaft, Vieh und Hühnerzucht entwickeln. Für die Herstel- 2er Is r ne 1 i t_ , lung von Trockenmilch bietet sich die beste Gelegenheit und würden große Aufträge vom Jnlande erteilt werden. Die Lage dieses 6000 Dunam betragenden Terrains ist äußerst günstig, direkt an der Hauptchaussee Safed—Akko—Haifa, gelegen. Der Verkehr mit Haifa wird durch mehrere Autobus-Linien aufrecht erhalten. Fahrtdauer Safed— Haifa nur zwei Stunden. Dis Entfernung der fraglichen Siedlung bis Safed beträgt per Auto fünf Minuten, zu Fuß etwa zwanzig Minuten. Der Boden war vor den Unruhen 1929 zum großen Teil schon bebaut, ist jedoch damals von den Ansiedlern verlassen worden, die auch nicht wieder zurückgekehrt sind. Es wäre nun ratsam, daß sich zunächst einzelne Gruppen von etwa fünfzig Ansiedlern dort niederlassen. Unter diesen müssen aber immer einige Familien sein, die unbedingt etwas von der Landwirtschaft verstehen. Bei diesem Projekt ist Olim, die wirklich arbeiten wollen und nur geringes Kapital haben, die beste und vielleicht einzige Gelegenheit gegeben, zu eigenem Haus und Hof zu kommen. Aber auch Einwanderern mit Kapital, die ihr Geld in Fabrikunternehmungen investieren wollen, wäre Safed sehr zu empfehlen. Die Terrains zur Anlegung solcher Fabriken kosten nur einen Bruchteil derjenigen von Tel-Awiw, Haifa usw. Die Arbeitslöhne sind auch bedeutend niedriger, als diejenigen Haifas und Tel-Awiws, so daß die Konkurrenz mit den bisherigen Fabriken sehr leicht aufzunehmen wäre. Safed bietet den weiteren Vorteil, daß es nur etwa sine Stunde von der syrischen Grenze entfernt liegt, so daß von hieraus der syrische Markt, der heute für Palästina schon eine große Rolle spielt, besonders vorteilhaft zu bearbeiten wäre. Es ergeht daher an alle diejenigen, die sich neben der Pionierarbeit auch eine gute Existenz schaffen wollen, der Ruf: „Helfet jüdischen besonders heiligen Boden dem jüdischen Volke zu erhalten. Rettet die jüdische Stadt Safed!" (Schreiber dieser Zeiten ist bereit, Interessenten und Gesellschaften, die diesem Projekt ernstlich näher treten wollen, ausführliche Auskünfte zu erteilen. .Angabe des verfügbaren Kapitals ist anzugeben; Rückporto in Form eines internationalen Antwortscheines ist beizufügen.) M. L. Der Sabbatprozeß in Tel-Awiw. Tel-Awiw, 24. Sept. Wie bereits bekannt gegeben, haben an einem Sabbat kurz vor den Feiertagen mehrere junge Leute des „Schomre Schabbos-Verbandes" unter Leitung von Rabbiner B e e r m a n n in der Nähe der großen Synagoge etwas laut gegen die öffentliche Sabbaten tw e i h ü n g durch die Autochauffeure demonstriert. Polizei nahm sehr zugunsten der Sabbatentweiher Partei, und es kam sogar zu Tätlichkeiten und kleinen Mißhandlungen. Nun standen sieben junge Leute vor dem Polizeigericht, denen Störung des öffentlichen Verkehrs und Widersetzlichkeit gegen die Polizei vorgeworsen .wurde. Zwei Angeklagte, Herr Rabbiner B e e r m a n n und Herr S ch e i n f e l d wurden zu je 6 Pfund, die anderen zu je 1 Pfund Geldstrafe verurteilt und hatten eine Berpslichtting zu unterschreiben, daß sie sich künftig von politischen Demonstrationen sernhalten. Zu bemerken ist leider, daß zwei jüdische Polizeioffiziere, Schiff und Gofer, die Haupttreiber jener Attacke gegen die jungen Leute waren, die weiter nichts wollten, als daß die Autos am Sabbat wenigstens nicht den Weg an der Schul vorbei nehmen, und auch als Hauptbelastungszeugen vor Gericht auftraten. Es verlautet, daß die Verurteilten die Geldstrafe nicht entrichten und statt dessen lieber Gefängnis auf sich nehmen, um damit die öffentliche Meinung gegen die skandalösen Sabbatschändungen im Zentrum der jüdischen Stadt mobil zu machen. Der Zaffacr Vasen geschlossen. Tel-Awiw. 20. Sept. Die zeitweilige Schließung des Jaffaer Hafens brachte erheblichen Schaden Tel-Awiwer Kanfleuten, die ihre in Hais a abgeladenen Waren mit großen Kosten erst nach Tel-Awiw transportieren mußten. Fast grotesk mutet die Begründung der Schließung mit dem Mangel an Beamten und Arbeitern an, während lausende arbeitende Hände vor den Toren des Landes warten und zur Arbeit nicht herangeholt werden. Von der Intervention der Kaufleute von Jaffa und Tel-Awiw erhofft man sofortige Aufhebung der Sperre. Ein Zwischenfall. Jerusalem, 24. Sept. In die M e a h S ch e a r i m - I e s ch i w a drangen während einer Gedächtnisfeier für den Chofez Chajim zwei jugendliche Agudisten, Leib Blau und Simon B r o n st e i n , ein und unterbrachen durch laute Ruse den Oberrabbiner K u k in seiner Trauerrede. Die Ruhestörer wurden von allwesenden jüdischen Polizisten auf die nahegelegene Wachstube gebracht und später gegen Sicherstellung entlassen. Von 6.30 Uhr bis 9.15 Uhr abends wurden Gedenkreden gehalten, in denen das Wirken des großen Gelehrten gewürdigt wurde. Namens des Oberrabbiners der sephardischen Gemeinde von Jerusalem, Jakob Meir, sprach Rabbi Joseph Levy. Die Agudath Israel veröffentlichte später eine Erklärung, in der sie mitteilt, daß auf Beschluß des L o k a l k o m i t e e s der Organisation die beiden jungen Leute, die die Störung verursacht hatten, aus der „ A g u d a s Israel" ausgeschlossen wurden. Zu einem neuerlichen Zusaiilmenstoß zwischen beiden Parteien kam es, als die Leitung der Meah Schearim- Jeschiwa die Tore der Anstalt am Tage einer von der Agudas Jisrvei geplanten Gedächtnisversammlung geschlossen hielt. Einige junge Leute versuchten, die Tore zu erbrechen. Polizei griff ein und erließ an das Zentralkomitee der Agudas Jisroel die Warnung, daß dieses für etwa angerichteten Schaden verantwortlich gemacht werden würde. Es wurden Plakate angeschlagen, in denen-mitgeteiit' r.'"-de, daß Oberrabbiner Duschinsky auf ärztliche Anordnung an der geplanten Versammlung nicht teilnehmen werde. Die Meah Schearim-Jeschiwa blieb an dem Tage, an dem die Gedächtnisfeier der Agudath Israel stattfinden sollte, von morgens bis abends geschloffen. Ausgabe weiterer Tausend Einwandcrungszertifikate von der nächsten palästkna-Eimvaiidermlgsgttote. Jerusalem, 18. Sept. Die Palästina-Regierung hat der Jewish Agency weitere tausend Einwanderungszertifikate von der nächsten Arbeitereinwanderungsquote zu sofortiger Verteilung an Palästina-Einwanderer aller Länder zur Verfügung gestellt. Die Ausgabe der neuen Zertifikate ist im Hinblick auf den in Palästina augenblicklich herrschenden Mangel an Arbeitskräften erfolgt. Von der noch nicht festgelegten Quote für das nächste Halbjahr wurden bereits im vorigen Monat tausend Zertifikate für Einwanderer aus Deutschland ausgegeben. High Commifsioner Sir Arthur Wauchope hat eineu einmonatigen Urlaub angetreten: der neue Chefsekretär Hall wird den High Eommissioner während dieser Zeit vertreten. Beginn des Prozesses gegen die Mörder von tiabalal. Haifa, 24. Sept. Vor dein Haifaer Geschworenengericht wurde der Prozeß gegen Ahmed Galiani, Mohamed KHTil Jssa, Ahiyad Mohamed Khader, Ibrahim Ahnrad K h a l i l und Mustafa Ali, die beschuldigt sind, am 22. Dezember 1932 eine Bombe in das Hans des jüdischen Kolonisten Josef I a c o b i in Nahalal geworfen und dadurch den Kolonisten und seinen 9jährigcn Sohn David ermordet zu haben, eröffnet. Staatsanwalt E l - liott rekapitulierte die Ergebnisse der polizeilichen Untersuchung, bei der der Angeklagte Mustafa Ali aus Saffourieh ein Geständnis abgelegt hatte. Sodamr wurden die Witwe des Ermordeten, eine Aerztiu des Hadassah-Spitals in Haifa, der stellvertretende Leiter des Jerusalemer Kriminalbüros Riggs und der jüdische Polizeünspektor Kleinmann einvernommen, der ein Gutachen über die an der Mordstelle gefundenen Bombensplitter abgab. Nach dem Urteil des Sachverständigen lassen diese Splitter erkennen, daß die Bombe in der Werkstatt der in Haifa ansässigen Angeklagten Achmed Galiani und Mohamed Khalil Jssa hergestellt worden ist. Die Einvernahme der von der Anklagebehörde geführten Zeugen wird fünf Tage in Anspruch nehmen. i.:

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