Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1933)
- Date
- 1933-09-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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28. September 1933 Frankfurt a. M., den -8.'swmm Nr. 39 Eia Cenfralorgan für das crffiodoxe Mnfam KlSSto ffieorflnÄPf DflTt 5if Itt QRrthfi 11 I * m Gegründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Bterteljahryreise <rn'sprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüqlich Konen des Streifband-Versandes) Deutsch-Lsterreich: Schilling 6.—; Amerika 1.60 Dollar; England 6 sh.; Frankreich 35 Fr.; Belgien Belgaö. Holland 3fl.; Italien 18 Lire; Iugolavien SS Din.; Litauen 7^0 Lit.; Rumänien ISO Lei; Polen 4 deutsche Gold «ark zum Tageskurs oder? Zloty; Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowakei 26 Kronen; Ungarr «enao 5; Dänemark, Norwegen u. Srbweden 6 Kroren. Einzelnummer 30 Pfennige. Im Falle von Streiks und höherer Gewalt keine , Verpflichtung zur Rückzahlung von Abonnementsgebühren. Der Israelit erscheint jeden Donnersrag. Inserate 50 Goldpf. für die flebengespalten» Nonpareille-Zeile. 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Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Der Ehofez Chajim ypXT* cpvizw Dma1? onnriD v'n'^ai d '»na ü'dV» fvpn ^Niap nnvnb awaai a^na o1? *]^m obijnw nman bD bm Könige sterben und hinterlassen ihre Kronen ihren Söhnen. Magnaten sterben und ihre Reichtümer gehen an ihre Kinder über. Schmuel Aakohen nahm alle Schätze der Welt mit sich hin. Die Größe unserer Großen besteht in ihrer Einzigkeit und Einmaligkeit. Cs hat zu jeder Zeit Autoritäten der Thora, große Lehrer und Führer, gegeben. Aber da jeder sein Eigenes hatte, so war der eine kein Ersatz für den andern, wenn dieser andere gegangen war. in man K'aa. Sein Eigenwert war nicht wieder einzubringen. Anderswo war die Mauer noch gut gestützt, aber die Lücke, die geschlagen wurde, blieb ungeschlossen. Um wieviel tiefer und erschütternder ist die Trauer in der jüdischen Welt, wenn uns in einer Zeit, da unsere Mauer nach außen und innen so spärlich und schwach geschützt und gestützt ist, ein Fürst und Führer vonr Formate des Ehofez Chajim verläßt! Dieser Große in seinem stillen polnischlitauischen Erdenwinkel gehörte zu den Männern, die G'tt vielleicht nur alle paar Jahrhunderte einmal zur Erde schickt, daß diese der Größe und des Glanzes früherer großer Zeiten einen Hauch verspürt. Ein Lote großer Vergangenheit, ragte dieser Riese an Geist mit seinem schwachen schmächtigen 'Körper in unsere Generation hinein, und man wußte, er war nicht von d i e s e r, Erde, von dieser Zeit. Nicht etwa, daß der Mann, dessen Name und dessen Devise Lust am Leben pan toar, unsere Welt und unsere Zeit nicht verstanden hätte und dem Leben abgekehrt gewesen wäre! Er war in einem gewissen Sinne der modernste N a b b i, den wir besaßen. Cr ging mit, und nichts von den Dingen und Erscheinungen der letzten Jahre entging seinem Sehevauge. In seinen Gleichnissen, mit denen er tiefste Wahrheit auf die kürzeste und einfachste Formel bringt, operiert er mit Telefon und Teleskop, mit Rundfunk und mit Radium. Cr weiß und kennt das alles. Aber er legt Maßstäbe an die Dinge, die von einem anderen Stern kommen, aus den Tiefen menschlichen Erlebens, aus den Untergründen des Weltgeschehens, aus großen Zeiten, die der Vermählung mit dem Kosmos, dem Cnssof näher standen als unsere arme, hastende und vielgeplagte Zeit. Wann, woher und auf welchem Wege kam dieser Große zu uns? Es läßt sich dies nicht mit genauer Bestimmtheit sagen. So wenig wie wir den Gang Rabbi Israel Meir Hakohen der Ehofez Chajim des Kometen bestimmen können. Man weiß nicht, wann und wo und wie die p r o p h e t c n eines Tages, oft von der Herde oder von der Pflugschar her, plötzlich auftauchten, um, an keines Amtes gleichgestellte Ühr gebunden, mit der Fackel ihres Geistes so m die Dinge und in die Menschenherzen hineinzuleuchten, daß alles ins richtige Licht gerückt war. Rabbi Israel.Meier, das Waisenkind' aus dem Städtchen Settel, war ein später Nachfahre jener Erkorenen, deren Weg zur Höhe nicht genau zu markieren ist. In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erschien ein kleines Werk unter dem Namen „Ehofez Chajim", dessen Verfasser anonym blieb. Was war denn das für eine „neue" Lehre, die so alt war, wie die Thora selbst; was waren denn das für Binsenwahrheiten und Selbstverständlichkeiten, die aber zuletzt keiner mehr beachtete, eben weil sie so selbstverständlich waren? Wer war denn der Tliaim, der den Mut zu dieser Einfachheit, zu diesem „Heilverfahren an der Seele" mit den primitivsten Mitleln hatte? Bald daraus folgten dem ersten werke zwei andere unter dem Tiiel nmaw und bmw’ runö' letzteres Werk speziell für die jüdischen Soldaten bestimmt, ihnen die Grenzen ihrer religiösen Verpflichtung zeigend. Ein Rabbi, so wird im Talmud erzählt, ging wie ein Hausierer durch die Straßen und rief: „wer kauft den Balsam des Lebens, wer kauft?" .Alle Welt kam, und er gab ihnen das Rezept, das einfachste und allbekannte, aus dem Psalm 54, wo deutlich zu lesen ist: '131 D”npsnn w'X.n „wer da Wohlgefallen hat am Leben und wünscht, seine Tage im Glück zu verbringen, der h ü t e seine Zunge vorBösem und s e i n e L l p p e n vor Falschheit usw." Wieder hatte ein Haufiercrrabbi seinen Ruf "n 'in jnö in die jüdischen Gassen hinausgestoßen, seinen Lebensbalsam feilgeboten. Alle Welt griff danach, aber keiner wußte, w c r dieser Lebensktknstler von Hausierer und Rabbi war. Auf der staubigen Landstraße fährt von Städtchen zu Städtchen ein kleiner Buchhändler mit seinem. Wägelchen. In der Stadt angekommen, pflanzt er stch mit seinem Bücherfland in der Vorhalle der Synagoge auf, und die Menschen kommen, sehen sich den Kram an, feilschen und kaufen. Es waren nur Mussarbücher zu haben, vorab die M o r a l b ü ch e r jenes a n o n y in e n M u s s a r l e h r e r s, die inzwischen zu einem Dutzend angewachsen waren. „Was kostet das Werk?" fragen die Leute. „Könnt Ihr zahlen?" erwidert der Lüchecinann, „Rein? Da habt Ihr, eines, noch eines und noch mehr dazu. Aber sammelt die Menschen, die Freunde, die Jungen und die Alten, und lernt daraus!" Bald füllen sich die Lehrhäufer mit Menschen aus der geistig niederen Schicht, Handwerkern, Lastträgern, Fuhrleuten, die pan lernen. Der kleine Buchhändler schmunzelt. Aber den Zusammenhang zwischen dem fahrenden Händler und den altneuen einfach-tiefen Weisheiten und Wahrheiten in dem Bucke almt nock keiner . , .