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Der Israelit · 1933-09-20 · Heft 38 (20.9.1933) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 38 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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/ R^irfflföHöi Erziehung und Lehre Pädagogische Beilage ztttn „Israelit“ Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands [Hü“ —nrwii“ ^lZIZIZkHlsL °Q“ süLia Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprenvlingen (Kreis Offenbach) Bund gefeheskreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Allen unfern Mitgliedern und Freunden beste v"N12° Wünsche. Frankfurt a. M., a^xan ma aa». Der Vorstand i. A. M u n k, Vorsitzender. Verein gesetzeskreuer jüdischer Lehrer im Freiskaake Hessen. Zum Jahreswechsel entbiete allen Kollegen herzlichst :N21V NL>^N1 N2'7)2' Höchst i. O. Der Vorsitzende. Hermann Kahn Ehemalige Kölner! Euch allen die besten v"N'O'Wünsche für Beruf u. Familie! Euer Apt, Hannover, Sellstr. 44. Das Erlebnis der Jomim nauroim. Don Nathan Adler in Nürnberg. •mun sm ns npnsi nVsm nawm Nunquam retrorsum (Niemals zurück!) lautet etile Devise der vorwärts stürmenden, drängenden Zeit. Die Geschichte berichtet von einem Volk, das zum Zeichen seines Entschlusses nie wieder zurückgehen zu wollen, hinter sich seine Schiffe verbrannte. Wir Juden aber stellen an die Spitze unserer Besinnung von jeher das Wort von der Rückkehr zu unserem G'tt. Mitten in das frisch pulsierende Leben und Treiben der Gegenwart pflanzenwir die Standarde mit der Aufschrift: „Zurück!" Wir wenden das innere Auge zum Anfang alles Geschehens, zurück zu unseren Vorfahren, zur Geschichte unseres Volkes im Lande der Väter, zurück zu unserem der uns an der Sinaihöhe zum Volte seines Geistes und seiner Pflicht berief. Diese Rückkehr stellt hohe Anforderungen an unsere Willensenergie, an die unsterblichen Kräfte unserer Seele, an die unüberwindlichen Eigenschaften unseres Herzens. Immer waren und sind gewaltige Gegenkräfte am Werk, die uns den Rückweg zu unserem G'tt mit Marmorblöcken zu versperren suchen. Aber die Jomim mauroim verleihen uns die titanische Macht, alles Trennende zu vermeiden, jede Kluft zu Überdrücken, der Ni-cibere darf sich erheben und der Hohe beiugt sich in Demut alle sind von dem unnennbaren Gefühl durchdrungen: Wir wollen den Weg zu unserem G'tt ebnend, auf gerader Bahn zurückfinden zum König der Heerl-, scharen. Es wandelt die Jugend trotz des verlockenden Lebensrufes von Kraft und Schönheit, nach Genus; und, Besiitz der Welt Arm in Arm mit dem bedächtigen, erfahrenen Alter zur G'tteshöhe und G'ttesnähe. Die Blüte unseres Volkes weiß cs, daß ihr Dasein und ihre Zu-- tunst mit starken Wurzeln fm heiligen Grund der Vergangenheit verankert ist, daß sie nur auf unserer geschichtlichen, ethischen Grundlage gedeihen kann. Darum erhebt die Jugend das glanzvolle Auge zu der von G'tt gebotenen Autorität ihrer Eltern und Großeltern um einzustiinmen in das vom Sehcrblick Abrahams geprägte Wort: -mumi ayam nsi Niemand darf sprechen: Ach, der Weg ist mir zu weit. Ich kann mich in dem uferlosen, unergründlichen Gebiet des Glaubens und der Lehre nicht mehr zurechifmdcu. pnaai"ya8r8 Gerade dem weitab Irrenden, dem trotzig in sich Verschlossenen tönt die liebende, erbarmungsvolle Stimme des ewigen Vaters: „Mein Friedonsgruß den Fernen und den Nahen!" Wozu die 'Weisen Israels bemerken: Den Fernen zuerst und dann den Nahen.?rnws “pKi „Kann ich zurückkehren in der kurzen Spanne Zeit von den vielen Jahren dos Irrtums und der G'tt'- entfremdung?" So spricht der Zweifel in manchem Herzen. Dein G'tt kürzt für dich den Weg zu sich ab, pr reicht dir väterlich und freundlich seine stets bereite Hand zur Führung deines Geistes und Herzens. „Aber meine Existenz, mein Erwerb, meine Stellung kann die Fesseln des G'tteswortes im Strom modernen Lebens nicht vertragen!" So und ähnlich lautet der letzte Grund unserer glaubensfreinden Brüder und Schwestern gegen die erlösende Tat der Rückkehr. Ein Prophetenwort aus längst entschwundenen tausendjährigen Leiten entwaffnet auch diesen Einwand. Einst holte Jirmija aus dem Heiligtum die kristallene Flasche mit dem Himmelsbrot heraus und sprach zu dem verzweifelnden Volk Israel: Seht! Das ist das Andenken aus der viezigvjährigen Wüstenwanderung für eure Geschlechter. Der Talmud ermahnt jeden im Erwerbsleben stehenden jüdischen Mann täglich sich mit Gebet in die Parschas Hainau zu versenken und bürgt ihm dann dafür, daß ihn G'tt gnädig in das Buch der Parnoßo einfchreiben wird. Ja, Parnoßo und Heilung, Chalkolo und Genesung gingen schon immer Hand, in Hand mit der riawo. Denn so spricht der Ruach hakaudesch aus dem Prophetenmund: ('pin on^> 'w'avn fwi>n) innoa-, sp» rrin ’D 'a k>8 naimi iaV Aus dem Werk des Wormser Gaon. Jizchok ben Meir Ballin b~u betitelt: pnx’ m'Kn Ueber die Kraft der Rückkehr belehrt uns der folgende Midrasch, den das Sefer Hakordanzim von dem Philosophen Mordechai Nathan am Eingang von naiernn ayw bringt: nany i-mniv naan soa ay nyan«? naiamn nVvn qani’ 'a a»K sxa piysa ypainwn nk>yr?a tb~i lrnn ian«i --jyVx 'i 7? Vtfaty lpoai fl?xa dt 7wya tssV mapi mm iöd inns D'axl>a bv mna cu'asVa rrVian DD sxai r6y -mm bv nnava a20*> ibmnm i-Di mm bv rnava aao^ 17021 •>vo dt n©yna mp i’m edt nDyva o'naip vm mn: D'an'-a 01? Kxm nVy -!?8aty DD 8XD1 IJ'37) ni>y •D’^S7VV bv NN2Da ISoV lVmn.il 1,70-1 '«"Vd? bv nava a2oV ibrnnni ipcmi ’yaa dt nwyna n'saip i'm D'VsaK Dl’ NDyoa D'KTlp 1'NI nimv .airna DD 18X01 'v'anV nVy N'D» t=iv nxai 'V'vb r\bv 'Düi’j bv naiaxya a2oV i^nnm ip02i 'v'an fa nvyaa a2aV iV'nnni ipaai 'D'D Di' nvyva omaip i'ni D’asVa nVy -pp pa bnavi bv npbn fv'b rnapn f'vpaa Tm py ’axVai avn 'anVai D’sm 'anöm D'inVai ornavi annis DD treni ninpl, t'j'nnm aiaan Koaa ND» thk tb -vi 'anl-vi am ’asböi npnx .naiDv bv rnnaDa naD^> iS'nam ipDDi iVa’i :'yav dt nvyva •Tp!>8 '~i ny ^>8->D' naiv nvnaD,7iaan nva ny nya« naiDvnD Am Schluffe seiner Mussar-Betrachtungen spricht derselbe jüdische Philosoph: -naiDva f'i-8aa i>8PD' fmi .naiDvn bv wx Dbia D'8'ain ba f'^8ra tdi fnli>a tiioa nalDN mwyV i>8iD' rfivD mmn n'van naa-, i»K nniaDni tjsV ’.ma iD8 nWpm naaan 8a' ’a nrni n»8:D ~xapi inmi iniaty an TpV« 'i aDi 'iai TpVx '1 “t? naDi ’wi 'faai- -N»D 1'p^8 '1 -f2'2N 1D8 D'vyn ^av Segen, wenn über uns der Schofarton die innere Stimme zur Umkehr bei uns erweckt, sodaß mapn auf die uns erweckenden äußeren Stimmen verzichten kann. — nimm! Einen endlosen Zug der Heimkehrenden erschaut das Prophetenaugc, Pilger mit Tränen in den Augen, mit Gebeten auf den Lippen. Gebete an Stelle der rrnaap, Tränen als D’aoa auf der Brandstätte des Herzens. Nur Opfer können uns G'tt nahebrmgen. Opfergedanken durchziehen unsere Gebete in den ergreifenden Lauten der Techinaus und Selichaus. Um mit dem Bilde des Midrasch zu reden: Heilige Asche liegt auf Mvrijas Höhe. Aber aus den Gedärmen des Widders, den Abraham anstatt seines Einzigen opferte, spannte David die Saiten über sein Harfenspiel und aus dem wolligen Fell des Widders gerbte Elia seinen haarigen Mantel. Wer Davids Psalmen liest, der empfindet, wie dieser Diener G'ttos mit Zepter und Krone bis ins innerste Mark vor der Größe und Furchtbarkeit G'ttes erschauert, wie er vonder Gnade und Milde seines Schöpfers auf die Knie voll Andacht gezwungen wird. Fürwahr, König David ist mit Herz und Sinn in das innerste Wesen der 2lkeda eingedruugen. Elia aber formte die Llkeda-Eedanken schon als Hülle seiner irdischen Gestalt. Darum wurde er der Feuerprophet, der nie sündigte, über den Tod und Grab ihre Macht verloren. —■ •npaxi vODv nvv nara 'ib anaal lieber den Wert und die Bedeutung der Zedoko ist in Israels Kreisen niemals der Sinn erloschen, das 2luge nie geblendet gewesen. Im Talmud d<ana 8aa, fol. 10 wird ausführlich darüber gesprochen, welche Stelle jedermann zur Lektüre empfohlen werden kann. Dort wird berichtet: Der römische Feldherr Turnus Rufus fragte R. Akiba: „Wenn euer G'tt die Armen liebt, warum ernährt er sie nicht selbst?" Der jüdische LLeiseantwortete: „Um uns vor dem Gericht im Gehinom zu retten." Darauf erwiderte der Römer: „Im Gegeuteil! Durch die Unterstützung der Armen müßt ihr erst recht dem G'ttesgericht Verfällen. Ich wlll es dir an cincim Beispiel klar machen. Denke dir, ein König zürnt über einen ungetreuen Diener, läßt ihn ins Echängnis bringen und bestimmt, daß der Gefangene weder Speise noch Trank erhalten dürfe. Wenn nun jemand dem Eingekerkerten trotz des Verbotes des Königs Speise und Trank reichen würde, müßte der König über den seinem Befehl Zuwiderhandelnden nicht zürnen, weil er den untreuen Diener nicht mehr strafen kann? Dieser Knecht seid ihr; denn so ist in eurer Schrift geschrieben: „Wir sind die Kinder Israel Knechte." — „Run will ich dir ein Gleichnis erzählen", sprach R. Akiba zum stolzen Römer. „Ein König zürnte einst über seinen ausgearteten Sohn, ließ ihn einkerkern und beftiimnte, daß niemand demselben Speise noch Trank geben dürfe. Ein mitleidiger Mensch versorgte aber demungeachtet den Königssohn mit Speise und Trank. Als der König dies vernahm, war er in seinem Vaterherzen gerührt von dieser Menschlichkeit. Statt über den seinein Befehle Entgegcnhandelnden zu zürnen, sandte er ihm ein königliches Gelschenk. Wir sind nicht Knechte, sondern Kinder G'ttes. Das ist der grundlegende Unterschied zwischen deiner und meiner Erzählung. In unserer heiligen Schrift steht auch der Satz: „Kinder eures G'ttes seid ihr." Der Römer sprach hierauf: ,,Jetzt verstehe ich den Sinn eurer Schrift. Wenn ihr die Gebote eures G'ttes erfüllt, dann seid ihr Kinder eures himmlischen Vaters. Bewahret ihr aber die g'ttlichen Vorschriften nicht, dann sinkt ihr wie jetzt zur Stufe der Knechte herab." „Auch jetzt verhalten wir uns zu unserem G'tt nicht wie die Knechte zu ihrem Horrn"! sprach R. Akiba zum Schlüsse: , denn der Prophet Jesaja sagt: „Brich dein Hungrigen dein Brot, bedrängte Arme nimm in deinem Hause auf, wenn du einen Nackten siehst, bedeckte ihn. -— Dann wird wie der Morgen dein Licht anbrcchcn und deine Heilung rasch anfsprici^ ßen, deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen- und die Herrlichkeit des Ewigen dich aufuehmeu." — Der Talmud aber meint: R. Akiba hat gut gesprochen und die römische Auffassung über den Sinn von Zedoko glänzend widerlegt. Ilber etwas Ükeues hat R. Akiba nicht gebracht. Denn schon hat König David im 61. Psalm gesagt: >imxr fa nasi non D'pbs '22b abrn a»’ Die Menschengewalt kann nur dann vor der 2lllinacht bestehen, wenn sie Liebe und Treue bewahrt. — Mit diesem erhebenden Akkord von nbov naivv und np-is dürfen wir im Herzen beruhigt vor G'ttes Richterthron treten und es wird uns gelingen pm ma in D'amn ma zu wandeln. •npaxa rrasn miaa npnx .’aaan npixa -man vovaa p’x Unser Vater und König wird nnscrcrB itte Erhörnng gewähren: m’i an yn mp. Über jüdische Erziehung. Vortrag, gehalten in der Elternvereinigung der Samson Raphael Hirsch-Schule von Studienrat Dr. 2N. Lange in Acankfurt a. 2R. (Schluß.) Ueber das Verständnis der gesetzlichen Teile der Tauro, so wichtig es ist, ist wenig zu sagen. Gerade hier ist wie nirgends sonst Samson Raphael Hirsch unser Leiter, hei der Besprechung der Einzclbestiunnungen genau so wie bei den Erklärungen der Mizwaus. Alan übersetzt nicht mehr wörtlich nach seinem Kommentar, aber wir wandeln in seinen Fußtapfen. Daß bei den Eriklärungen die Fassungskraft der Kinder berücksichtigt werden muh, bedarf keiner Frage. Daß im Leben das Erreichte hinter dem Erstrebten oft genug zurückblcibt, hat jeder von uns schon an sich selbst erfahren. Mein Vortrag macht eine Ausnahme. Das Gesprochene übertraf das Erstrebte um vieles. Nicht an Qualität, sondern an Quantität. Meine bisherigen Ausführungen erstreckten sich ja nur über dc-r Chumischunterricht. Doch gibt es noch eine ganze Menge anderer Dinge, die iu der Schule gelehrt werden, oder gelehrt werden sollten. Ich möchte über diese Dinge nicht so ausführlich sprechen, doch seien mir über einige von ihnen ein paar kurze Bemerkungen gestattet. Tesillo: Wir müssen aus nahciicgcnden Gründen die Tefillo den Kindern in einem Illter in die Hand geben, in denen weder der Inhalt noch die Sprache der Fassungskraft der Kinder entspricht. Daraus ergeben sich mannigfache Schwierigkeiten. Es ist bei dem Unterricht keinesfalls nötig, daß ein Kind die vielen Svnoinima eines Gebetes im Einzelnen kennt, wenn also bcfspielsweisü ein Kind weiß, daß die Worte w man nnavi a'v »msTim maaa nial-ai nemp naxani ni>nn naiaai nl>i-ni nxa .ai-vaai Lob G'ttes bedeuten, so genügt das vollkommen, mehr braucht man vom Kinde nicht zu verlangen and man braucht sich nicht darüber aufzurcgcn, wenn der größere Teil dieser Synonyma von dem Kinde nicht gewußt wird. -&;rr

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