Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1933)
- Date
- 1933-09-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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20. September 1933 cu N!., ben 29. Ellul 569 Nr. 38 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. VV-VSr^ 48 Abonnenrent ab Juli 1938: Deutschland ILO Mark monatlich: Ausland: Bierteltahrpretse (en sprechend dem deutschen Inlandspreis ruzuqlich Konen des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1.80 Dollar; England 8 sh.; Frankreich 33 Fr.; Belgien Belgaö. Holland 3fl.; Italien 18 Lire; Jugo laoien 53 Din»; Litauen 7.50 s«.; Rumänien 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder? Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowaket 23 Kronen; Ungarn 'Nengö 3; Dänemark, Norwegen u. Ecdweden 6 Kroren. Einzelnummer 30 Pfennige. Im Falle von Streiks und höherer Gewalt keine Verpflichtung zur Rückzahlung von Abonnementsgebühren. . Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp alten« Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Famtltenanzetgen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 3.— Mk., vorletzte Textsette 3.50 Mk>; Ehiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inserataufttägen tartfm. Preiserhöhung jeden. Vorbehalt. Inseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M.» Rechneigrabenstrabe 7, Tel. Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In» und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendckrahe 83 Tel. 45866. Platzoorschr. ohne Berbtndlichk. ' Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Verlag des Israelit und Hermon G.m.b.H., Frankfurt (Main) Nr. 19803.—Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79605.—Postsparkaflenamt Budapest Nr 18434. — Postscheckkonto Vorschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. Vül 7251. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34869 — Postscheckamt Prag Nr. 79.060 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. . an m Dem Andenken des llhofez Chajim yu Noch kurz vor Rosch Haschono wird das Thorajuöentum der Welt von einem harten Schlag getroffen: Rabbi Iisroel 211 eit Hakohen aus Radnn, der Chofez Lhajim, ist ab berufen worden. Der greise, weise Rabbis öer wie aus einer glorreichen Zeit der Großen, Gerechten und Heiligen in unsere Generation hineinragte, dieser niv' pnS' an dem wir im Wanken der Zeit unseren Halt und unsere Stütze sahen, der große Lehrer, dem wir alle zu Füßen saßen, ob wir in Ost oder West, in Rord oder Süd aus dem Born der ewigen Kraft schöpften, er ist nicht mehr, ist uns gcnonimen zu einer Stunde, da wir ihn am nötigsten brauchen! Cr hatte längst das Heldenalter überschritten und näherte sich den H u Ndert. Als Reunziger überstand er noch schwere Krankheiten. Die Ratur schien vor ihm Halt zu machen, der Todesengel hatte, um ein Bild der Weisen zu gebrauchen, keine Gewalt über den Mann, dessen Mund nicht still e st a n d i m L e h r e n u n d i m B e t e n. Cr selbst klammerte sich mit eiserner Gewalt ans Leben, — nicht des Lebens wegen, das mit seinen irdischen Gütern und Genüssen keine Bedeutung für ihn hatte, nur um sein Volk zu halten, zu heben, zu stützen, es durch die fürchterlichen Erschütterungen zum guten Ende, zur Erlösung hinüberzuführen. *pV '181 .nn Unser Zeitalter war. seiner nicht würdig. Cr hat das ersehnte Ziel erreicht, wir aber weinen und harren weiter. Heute aber entringt sich unserer Brust die ergreifende Klage der Sclicho: rvn',nn ns D^rrn pan Tiaj;1? amaa □rr’wra nan D^xa nax rmax 'ivix- Ja, von der letzten Erlösung sprach der große Rabbi, der Weltweise von Radun, in den letzten Jahren unablässig, sie füllte ihn ganz aus. Israels Leiden haben einen Grad erreicht, daß er nun kommen kann, der Moschia chder Tränenkelch ist so übervoll, daß das Heil erblühen m u ß. Und er wartete seiner, des Erlösers, wie man eines Freundes wartet, der sein Kommen angemeldet hat, dessen Schritte man schon hört. Cr bereitete sich, dieser Hohepriester, schon auf den heiligen Dienst vor. G'tt hat ihn vorher zu Seinem Dienste hinübergecusen, uns bleibt das Harren! Cs ist unter dein überwältigenden Eindruck des ersten Schmerzes, nicht möglich, in geordneten Gedankengängen und Sätzen diesen Größten der Großen unserer Zeit zu beweinen, mit einfachen Worten zu sagen, was der Chofez Lhajim als Gaon, als Mussarlehrer, als Heiliger uns. und allen kommenden Generationen gewesen ist, und welche goldenen Wege er von Jugend auf wandelte, um die Höhe eines alten Weisen in einer thora- und geistesarmen Zeit zu erklimmen; es soll noch in den nächsten Wochen zu sagen versucht werden. Wehen Herzens treten wir in das hohe Fest. Gemildert kann diese Trauer nur werden durch die Hoffnung, daß im Heimgegangenen Thofez Lhajim, der lange über ein gewöhnliches Menschenalter, gleich seinem Ahn Aron, mit dem Opferfeuer des Geistes und des Herzens, versöhnend gestanden hat zwischen G'tt und seinem Volke, Israel in seiner Gesamtheit in schicksalsschwerer Zeit ein -wt f^a vor dein Richterthrone G'ttes erstanden sein wird. D,T>vn» nrvp jnrpaa ü’p'nx 0’7n> ein Schicksalsblatt unserer Geschichte. Der unglücklich glückliche Rabbi A m n o n war won den Schauern des jüdischen Gesamterlebens erfaßt, als er in letzter Stunde aus seinen brennenden Wunden heraus sein letztes Gebet, das Schicksalsgebet seines Volkes, in die Weihe des Festes hineinschrie. Darum berühren uns die Worte und Sätze wie Ueberschriften einzelner Kapitel unserer Geschichte, um uns nacheinander die jüdischen Sorgen und Aengste aller Zeiten nacherleben zu lassen. . Rabbi Amnons brechendes Auge steht in die Zeiten zurück, wie sich sein geliebter Strom, der den Kreuzfahrern den Weg ins heilige Land weist, rot färbt vom unschuldig vergossenen jüdischen Blute; er steht weiter hinaus, wie stch die feierlichen Prozessionen durch die Straßen« von Kordova und Sevilla zu dev Stätte bewegen, wo dem im Festrausche schwelgenden Volke ein Feuer für die „jüdischen Ketzer" angezündet wird, — und er weint: o’aa 'ai tvxa ’a Kriegsscharen ziehen verheerend durch die Lande, Völker stürzen sich gleich entfesselten Raubtieren aufeinander. Wo,! wann? Immer und überall. Und Israel zieht in seine Gemächer, schließt die Türen hinter sich und zittert: ,/ N'na 'ai aana Und erlebten wir es nicht selbst in vier entsetzlichen Jahren, daß wir in heiliger Stunde an heiliger Stätte aana 'a beteten und an ö e n S o h n i m Felde dachten, npn ’a sagten und von der von Amtswegen uns spärlich zugeteilten Brotkarte zu sprechen glaubten! apa ’a ist wieder Gebet der S t u n d e, zunächst für unsere Brüder in Rußland. Eine jüdische Millionenbevölkerung, früher Geisteselite unseres Volkes, hungert und verhungert, ist so zermürbt, daß sie nicht, mehr die innere Kraft besitzt, Hilferufe auszustoßen. Hören wir, bei allen eigenen Sorgen, den erstickten Verzweiflungsschrei im Herzen jener Unglücklichsten der Unglücklichen, wenn wir dieses Jahr mit dem Mainzer Rabbi beten asna •>»? Auch uns traf es hart genug, und selten quollen unsere Gebete am Tage des Gedenkens so sehr aus übervollem Herzen wie dieses Jahr. Cr dachte auch au uns und betete für uns, der große Rabbi Änmon: 'ai mr 'a „wer wird ruhen und wer wird sich in Bewegung setzen?" In unzähligen Familien fehlt am Festabend der Sohn oder die Tochter, die voriges Jahr noch im Lichterglanze den heißen Segen von Vater und Mutter empfangen durften, yia*» 'ar Entwurzelt, dem Loden entrissen, den ihre Väter und Vätersväter seit Generationen mit ihrem Geiste und ihrem Tun befruchtet hatten, gehen unserer viele um Brot in fremdem Lande; suchen neu ihre Existenz auf dem schwanken Boden karger menschlicher Hilfe aufzubauen; denken wehen Herzens an die Heimat, an die Gemeinde, an das vertraute heimatliche G'ttesbaus, wo sie „ihren Platz" in jedem Sinne hatten und ihre Gebete an der Stätte ihres Iugendglückes im Chore, i h'r e r Gemeinde 'emporschicken konnten. Unzählige rüsten. Ihre Festgebcte sind zugleich Abschiedsgebete von der Synagoge, von der Heimat; andere Menschen, andere Worte, andere Lieder, an- /