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Der Israelit · 1933-09-14 · Heft 37 (14.9.1933) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 37 (14.9.1933)
Date
1933-09-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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14. September 1933 Der Jöraeltt Nr. 37 Seite 11 ß Sprechsaal. »Line Demonstration". In einer Zeit ernster wirtschaftlicher Nöte, tiefster seelischer Depression und äußerer Zerrissenheit begrüßt das deutsche Judentum die Tage der Vorbereitung zu seinen hohen Herbstfeiertagen. Man muß vielleicht auf Jahrhunderte zurückgehen, um ein ähnliches Bild des Verfassungszustandes einer Minorität zu finden, wie es dem denkenden deutschen Juden und den mitfühlenden Juden des Auslandes vor die Seele tritt. Die Verbundenheit aller Juden hat sich noch niemals so stark gezeigt wie in der Gegenwart. Nicht als ob andere Völker und Nationen mit der ihnen zustehenden politischen Macht das verletzte Recht des deutschen Juden erkämpfen und durch Maßnahmen in den inneren Aufbau des neuen Deutschland und seines dritten Reiches eingreifen wollten — hier wie dort wird man sich eines solchen Eingriffs zu erwehren wissen und um dessen Unterlassung höflichst bitten. Der in seiner Vergangenheit wurzelnde Jude weiß es aus seiner Geschichte am besten, daß das Judentum nicht untergeht. Die Stürme einer neuen Zeit sind oft, leider nur zu oft über Israels Haupt hereingebrochen, haben es gebeugt und gedemütigt, zu Boden geworfen und seines Einflusses in das Getriebe des Weltenrades beraubt, aber es nicht aus seinem Boden, dem jüdischen Boden Ms deutschem Grunde zu entwurzeln vermocht. Mit Wehmut und tiefem Schmerz sehen wir aber die bedauerliche Verarmung des jüdischen Innenlebens um sich greifen: die eigne Persönlichkeit, des Menschen höchster Stolz, geringgeschätzt — nur weil sie jüdische Persönlichkeit ist und der Anspruch auf Menschenadel und Menschenwürde, die elementarste Forderung jedes Menschen darf aus jüdischen Kreisen nicht erhoben werden und wenn diese Stimme vernommen wird, nur allzuschnell zum Schweigen gebracht werden würde. Nur Weihe der flüchtigen gehobenen Stunden des. jüdischen Daseins kann uns wieder mit stolzem Selbstbewußtsein erfüllen. Jetzt gilt es, daß wir öffentlich beweisen, daß wir Juden sind und Juden bleiben wollen! Haben bis jetzt Andere uns unsere Abstammung und Rasse gezeigt, und uns vor der großen Welt zum „Juden" stempeln wollen — dann sollen wir jetzt einmal recht deutlich und unverblümt unser Judentum der Außenwelt zeigen! Lassen wir in den kommenden hohen Feiertagen zu der großen Welt sprechen und ihr zeigen, daß wir auch bereit sind, unserem angefeindeten, mißachteten, verletzten und bis in die Tiefe der Volksseele gekränkten Judentum ein großes Opfer zu bringen. Die uns umgebende Mitwelt soll einmal in Wahrheit von der Solidarität des deutschen Judentums erfahren und diese Erkenntnisse lebendig vor die Seele geführt erhalten. Halten wir in den kommenden hohen Feiertagen alle jüdischen Geschäfte geschlossen. Bringe auch der dem jüdischen religiösen fast entfremdete Jude das — wir sagen es laut und deutlich — das offene Bekenntnis zu dem Glauben der Ahnen und ihrer Tradition. Beweisen wir der Weltjudenheit, daß in Deutschland noch nicht erloschen ist die Opferbereitwillgikeit und Glaubenstreue, für welche unsere Vorfahren gekämpft und gelitten haben. Eine solche gewaltige Demonstration, die nur den einen Programmpunkt hat: „Am 21. und 22. September und a m 3 0. September bleiben alle jüdischen Geschäfte in Deutschland der hohen Feiertage wegen geschlossen". An jedem Schaufenster und an jeder Labentiire hänge ein Schild gleichen Inhalts, das gesamte Personal erhält für diese Tage Urlaub. In keinem jüdischen Geschäft wird an diesen Tage Ware zu erhalten sein. Kein Jude an der Börse, kein Jude auf dem Markte, kein Jude in seinem Büro, kein Jude in den Cafes! Das geeinte deutsche Judentum schart sich um seine Fahne! Solch ein Protest kann auch in dem eingefleischtesten Judengegner seine Wirkung nicht verfehlen. Diese Tage der Weihe sollen der Anfang einer neuen religiösen Lebensgestaltung werden: aus ihnen soll neue Kraft für die Zukunft geschöpft werden. —on—. Bdie direkte REISEROUTE NACH PALÄSTINA mit den großen Sehnelidampfern „ IT A L I A“ 6500 To. und „Martha Washington“ ksooto. Via Triest-Brindisi durch den Kanal von Korinth ohne Schiffswechsel Fahrpreise ab Triest nach Jaffa o. Haifa I. Klasse RM. 403,70 li. Klasse RM. 306.60 III. Klasse RM. 121.— inkl. Bett und Verpflegung, auf Wunsch rituelle Beköstigung Abfahrten von Triest wöchentlich Mittwoch, 13 Uhr Ankunft in Jaffa: Am folgenden Montag 6 Uhr vorm. Reisedauer Frankfurt—Jerusalem: 6 Tage Nähere Einzelheiten, Platzbelegungen usw. durch die Agentur des LLOYD TRIESTINO I Frankfurt am Main ♦ Kaiserstraße 20 Telefon 23773 - Telegr.-Adr. 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