Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1933)
- Date
- 1933-09-07
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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7. September 1933 Der Israelit Nr. 36 Seite 15 Korrespondenzen » ßaebriebten. Palästina. n__v ^feierliche Amtseinführung des Gberrabbiners der Agudas Jisroel in Jerusalem. Jerusalem, 1. Sept. Am 31. August wurde Rabbi D u s ch i n s k i, der neue Oberrabbiner der Agudas Jisroel in Palästina, feierlich in sein Amt eingeführt. Der Zeremonie wohnten Vertreter der Palästina-Regierung und die ausländischen Konsuln, unter ihnen auch der deutsche Konsul, bei. Ansprachen hielten der sephardische Oberrabbiner Jacob Meir, Rabbi Blau im Namen der palästinensischen Agudoh, der tschechoslowakische Konsul, Vertreter des Distriktskommissars und der Bürgermeister von Jerusalem. Rabbi Duschinski erklärte in seiner Antwort aus die Begrüßungsreden, er werde sich bestreben, das Werk seines Vorgängers Rabbi Sonnenfeld fortzufetzen' sein Ziel sei der Aufbau einer starken jüdischen Orthodoxie in Palästina und die Herstellung friedlicher Beziehungen zwischen dieser und den übrigen jüdischen Gemeinschaften sowie der nichtjüdischen Bevölkerung. (ITA.). Die deutsche Einwanderung nach Palästina. Jerusalem, 3. Sept. Nach neuen Feststellungen haben sich in den letzten fünf Monaten 20 000 Juden aus Deutschland um die Einwanderungserlaubnis nach Palästina bemüht. Ueber 6000 Ostjuden haben in dieser Zeit Deutschland verlassen, um in ihre Heimatländer zurückzukehren. Im Ganzen sind im letzten halben Jahre bis zum 1. Juli 1933 nach den Feststellungen 11038 Juden in Palästina gelandet, davon etwa 2000 Touristen, die nachträglich Aufenthaltserlaubnis erhielten. Unter den Eingewanderten, die zum größten Teil aus Deutschland kamen, befanden sich nur 708 Sephardim, 31 persische und 5 jemenitische Juden. Die Einwanderungsbehörden walten ihres Amtes immer noch mit größter Strenge. In der Hauptsache erstreckt sich in letzterer Zeit die hochnotpeinliche Untersuchung aus Touristen, die im Verdachte stehen, hinterher doch im Lande bleiben zu wollen. Unter diesem Verdachte sind vorige Woche s r e b e n I u d e n a u s Bagdad wieder heimgeschickt worden. von der jüdischen Industrie in Palästina. Tel-Awiw, 35. Aug. Feststellungen über die jüdische Arbeit und Industrie in Palästina ergaben, daß zur Zeit 17.000 jüdische Arbeiter in der jüdischen Industrie Palästinas tätig sind. Das in den Industrien investierte jüdische Gesamtkapital beläuft sich auf über viereinhalb Millionen Pfund. Die Produktion erreichte im letzten Jahre annähernd vier Millionen Pfund. Im Vergleich zu 1930 hat sich die Zahl der Arbeiter um 6000 vermehrt, während das Kapital sich um das Doppelte vermehrt hat. Die Produktion ist seitdem um eine runde Million Pfund gestiegen. Eine 350.000 Pfund-Anleihe für Tel-Awiw. Tel-Awiw, 1. Sept.' Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, sind die Verhandlungen betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Tel-Awiw mit positivem Erfolg abgeschlossen wurden. Die offizielle Ankündigung der Anleihe durch die Palästina-Regierung, deren Genehmigung bei jeder städtischen Anleihe eingeholt werden muß, auch wenn die Regierung keine Verantwortung für die Anleihe übernimmt, wird im Verlauf der kommenden Woche erwartet. Voraussichtlich wird die Anleihe nicht öffentlich aufgelegt, sondern durch einige Banken und Versicherungsanstalten gezeichnet werden. Die Verzinsung soll 4 Proz. betragen. Die Stadtverwaltung von Tel-Awiw hat sich zur Aufnahme der Anleihe entschlossen, nachdem die Verhandlungen um Zuteilung eines entsprechenden Betrages aus der zwei Millionen-Pfund-Anleihe der Palästina-Regierung endgültig gescheitert. waren. Das Ansuchen von Tel-Awiw wurde ungeachtet der Tatsache, daß andere Städte, wie Jerusalem und Jaffa, Mittel aus der Anleihe zur Anlage von Wasserleitungen und zur Durchführung anderer öffentlicher Arbeiten erhalten, abgewiesen. Die Stadt Tel-Awiw hatte vergeblich geltend gemacht, daß eine besondere Anleihe höher verzinst werden müsse und daß die jüdischen Bürger die doppelte Last des Zim'endienstes für die allgemeine und für die städtische Anleihe würden tragen müssen. Andererseits wird Tel-Awiw mit Hilfe des hohen Betrages seiner selbständigen Anleihe ein umfangreiches Ausbauprogramm durchführen können. Damit wird gleichzeitig Beschäftigung für ein große Zahl von Arbeitern gesichert. Es sollen neue Straßen angelegt und neue Gebäude errichtet werden. Vor allem soll an der Peripherie der Stadt ein neues Industrieviertel, in das alle noch im Zentrum von Tel-Awiw befindlichen Fabriken verlegt werden sollen, gebaut werden. Diese Verlegung wird es ermöglichen, eine großzügige Stadtregulierung im Zentrum von Tel-Awiw durchzuführeu. Zur Organisierung der Gesetzestreuen in Tel-Awiw. Tel-Awiw, 24. Aug. Am letzten Sonntag fanden sich mehrere hundert gesetzestreue Juden zu einer Versammlung im Heime der Gesetzestreuen-Organisation unter Leitung der Rabbis von Amschinoh und Wirschow zusammen. Nach Bildung eines Präsidiums ergriffen beide Rabbis das Wort, um die nächsten Aufgaben der Vereinigten Gesetzestreuen zu präzisieren, die sich auf die Sabbatheiligung, Erziehung und Reinhaltung der Familie erstrecken. In einer Stadt wie Tel-Awiw, die 70 000 jüdische Menschen zählt, sagte der Rabbi, müßten sich noch dem Din mindestens sieben r-nsipa befinden. In Wirklichkeit aber besteht nur eine einzige, deren Gebühren die mittleren und ärmeren Klassen nicht aufbringen können. Es wird ein Komitee zur Errichtung moderner hygienischer Tauchbäder gegründet. Diese werden sich unter der beständigen Aufsicht einer einzusetzenden Frauenkommission befinden. In die Erziehungskommission werden 9 neue Mitglieder hineingewählt, deren Aufgabe es sein soll, die bereits bestehende Talmud Thora auszubauen und neue zu gründen. Sämtliche Anwesende tragen sich als Mitglieder in die Organisation ermn nnx ein und verpflichten sich, noch weitere Mitglieder zu werben und mit aller Kraft für den Sabbat einzutreten. Andere Kommissionen werden gewählt und erhalten ihre Arbeitsgebiete zugeteilt. In einem Referate über das Thema „Was will die gesetzestreue Organisation?" erläutert Rabbi Sienkew i tz die Notwendigkeit und die Möglichkeit der gesetzestreuen Arbeit in Tel-Awiw. Die zahlreichen Thoratreuen in Tel-Awiw müssen gesammelt werden, um mit gemeinsamer Kraft für ihre Interessen einzutreten. Es wurde beschlossen, demnächst noch eine große Versammlung einzuderusen. Wie wichtig diese gesetzestreue Arbeit ist, beweisen wieder einmal Presseäußerungen aus der linken Seite. Mosche SmilanZkd der Vorsitzende des Landwirtevereins in Erez Israel, ein Mann, der im allgemeinen andere Sorgen hat, schreibt im „Doar Hajom" Nr. 265: „Jungen oder Mädchen im Alter von 8 bis 12 Jahren sehen dich verständnislos an, wenn du sie fragst, ob 'k Thora fernen. Die Begriffe Aboth, Mosche Rabdenu, Bar Mizwoh sind ihnen so fremd wie der Inhalt des Sabbat und der jüdischen Feste. Auf die Frage, welches das kostbarste Buch des jüdischen Volkes sei, erhält man die prompte Antwort: „Hamesilah" (ein modernes Schullesebuch). Was weiß diese Jugend von einer nationalen Erziehung?" Damit bestätigt sich ja, was wir schon immer betonten: Die areligiöse nationale Erziehung wird in ihrer Fortentwicklung so wenig national sein wie sie religiös ist. Die gesetzestreue Organisation in Tel-Awiw wird Arbeit bekommen. Wir wünschen ihr viel Glück.. Und wieder der Sabbat. Tel-Awiw, 19. Aug. Vor einigen Tagen veröffentlichte Bürgermeister Dizengoff einen Ausruf an die Bevölkerung, am Sabbat in den Straßen der Stadt den jüdischen Charakter der Stadt zu wahren. Hierdurch ermutigt, hielten Besucher der großen Synagoge heute den Fährverkehr an diesem Gebäude vorbei auf. In zahlreichen Ländern ist es selbstverständlich, daß am Sonntag an den Kirchen während des G'ttesdienstes der Fährverkehr abgesperrt ist, hier in Tel- Awiw ist nicht einmal solche Kleinigkeit bisher berücksichtigt worden. Der Versuch, den Fährverkehr an der Synagoge zu einem Umweg zu zwingen, wurde von der Polizei mit Gewalt verhindert, es wurden Verhaftungen vorgenommen ufw. * iie Infolge der Ereignisse vom letzten Sabbat hatte der „Mischmereth-Sabbat-Verein" auf gestern eine große öffentliche Versammlung der Tel-Awiwer religiösen Judenheit einberufen. Es sprachen Stodtrat Adolf P i n - k a s , Schulrat Rabbiner B e r m a n n und Abraham A z u l a i, der Vorsitzende des Mischmereth-Sabbat-Vereins. In einer Resolution wird gefordert, daß die Regierung endlich ein Gesetz zum Schutz des Sabbat gebe und daß die Zionistische Organisation endlich in ihrer Einflußsphäre — wie aus den Nationalsondsböden — mit der öffentlichen Sabbatentweihung ausräume. Auch wird an die Tel-Awiwer Judenheit appelliert, Tel-Awiw den Charakter einer jüdischen Stadt zu wahren. Heute wird eine Deputation, bestehend ans je einem Vertreter des Oberrabbinats von Jerusalem und von Tel-Awiw, des Magistrats Tel-Awiw und des Waad- Leumi beim High Commissioner von Palästina vorsprechen. Die Talmud Thora der Charedim in Tel-Awiw. Tel-Awiw, 25. Aug. Ueber die Talmud-Thora-Schule der Charedimorganisation in Tel-Awiw, die aus Initiative von I. M. L ew i n, Warschau geschaffen wurde, und von einem Komitee mit Herrn Fetter an der Spitze verwaltet wird, werden folgende Einzelheiten bekanntgegeben: Die Talmud Thora führt die Kinder in vier Abteilungen von Olef Beth bis zu Gemoroh mit Kommentaren hinauf. In einigen Abteilungen muhten Parallelklassen geschaffen werden. Der Unterricht wird geleitet von fünf Melamdim und drei Lehrern. Im Ganzen zählt die Schule zur Zeit 103 Kinder, was in einer Stadt von 70 000 Seelen gewiß keine grandiose Zahl ist. Das Budget beträgt 65 Pfund im Monat. Das Schulgeld ist sehr niedrig gehalten und Unbemittelten ganz erlassen. Die Schule wird in der Hauptsache erhalten von den Beiträgen der Tel-Awiwer Gesetzestreuen. In der Hauptsache wird die Talmud Thora-Schule von Kindern chassidischer Familien bevölkert. Ein 2lusflug der „poalc Agudas Jisroel". Jerusalem, 24. Aug. In lebhaften Farben schildert der Spezialberichterstatter des Warschauer „Jüdischen Togblattes" in Palästina, Benjamin M i n z , den Ausflug der P o a l e A g u - das Jisroel am 15. Aw. Man berührte in fröhlichem Marsch unter Gesang und Gebet die wschtigsten Niederlassungen von Judäa. Rischon L e z i o n emping die Gäste mit einem kleinen Volksfest. Die Kolonie „Beth C h a n a n " , umgeben von Plantagen und bevölkert von bulgarischen Juden, wasserreich und produktiv, stellte sich den Gästen als kleines Paradies dar. Die Niederlassung „Neß Zionah" zwischen Rischon und Rechoboth, früher „Waadi Chanim", genannt, leidet ein wenig unter der arabischen Nachbarschaft. Rechoboth müden die Ausflügler als dis reichste und größte Kolonie nach Petach Tikwah. Cs wird auch der aufopfernde Idealismus der kleinen Misrachikibbuzim geschildert, die bei der Organisation wenig Verständnis und Unterstützung finden. Der Bericht schließt mit einer Schilderung des regen jüdischen. Lebens in Petach Tikwah. Solche Ausflüge sind wohl dazu angetan, die Liebe der Arbeiter zur Scholle und zu den Brüdern in den anderen Niederlassungen zu steigern. Ein neuer Stützpunkt im Sarou. Tel-Awiw, 1. Sept. Unter dem Namen „©an Schlomoh " wurde eine neue jüdische Niederlassung im Saron eingeweiht. Der Bodenkumplex umfaßt etwa tausend Dunam und wurde an die Sredler zu je 30 Dunam verteilt. 150 Dunam sind bereits angepflanzt. „Hapoel Hamisrachi", der daran am meisten interessiert ist, trifft Vorkehrungen, die Malariaherde auszutrocknen. Die hier tätigen zehn Arbeiter haben auch eine Thorarolle bei sich. Zu den Feierlichkeiten waren auch viele arabische Gäste aus der Umgegend erschienen.