Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1933)
- Date
- 1933-09-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 36 Der Israelit 7. September 1933 Csrog als Sinnbild dieser geistigen Befreiung. Wie und wann konnte es geschehen, daß die „hellenische Frucht", vorab der Korsu - Lsr o g , Eingang in die jüdische Synagoge fand und die „schöne Frucht'" des Heiligen Landes vom Markte verdrängte? Cs waren historische Gegebenheiten, die stärker waren, als das Gefühl und die Liebe zur alten Heimat. Wir waren in den düsteren Jahrhunderten des Mittelalters gar zu weit weg von Mutter Zion. Cs führten keine Wege zu jenen Gestaden am Mittelmeere, aus denen der Csrog, — es ist dies historisch nachgewiesen —, n i ch t a u f h ö r t e, zu blühen, aber nicht für uns blühte. Auch bei den ersten Niederlassungen unter Bachmanides, Bartcnora und später war nicht Plantagenboden genug im jüdischen Besitz, um die Golah mit Csrogim zu versorgen. Diese mußte sich, der Kot gehorchend, nur um die Mizwoh nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, mit .17 niTm begnügen. Da freilich sagte man sich: Wenn schon frenrde Frucht, dann wenigstens die schönste und beste, daß sic uns an die Frucht auf dem G'ttesboden erinnere. Und so gelangte man zu der Griecheninsel ß o r f u. 'Cs ist aber erstaunlich, wie oft und wie intensiv doch bald die Opposition gegen den fremden Cindringling einsetzte, wie viele vortreffliche Männer es schon vor hundert Jahren und noch früher, gleich nach der Erneuerung des alten Iischuw unter den Schülern des Gaon und des Raw, gab, die ihre ganze aufopfernde Kraft in Crez Iisroel für die Anpflanzung und den Vertrieb des keuschen Crez Iisroel- Csrog entsetzten! Uicht ans Geschäftsinteressen, die sie nicht kannten, einzig von der Liebe zu Crez Iisroel getrieben und vom Bestreben beseelt, dem Gebote des 11,1 fy '12 in der gesamten jüdischen Welt den ursprünglichen Sinn wiederzugeben. Das stieß auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten, denn inzwischen hatte sich eine große Industrie um den Korfu-Lsrog gebildet. Interessenten und kleinliche Geschäftemacher, für die Religion Konjunktur ist, Juden und Uichtjuöen, taten alles, um sich ihr Geschäft nicht verderben zu lassen. Die Schönheit der griechischen Frucht wurde in allen Tonarten gepriesen. Was verschlug es da, wenn große Männer, unter ihnen der C h a t a m S o f e r, sich wiederholt äußerten, man dürfe mindestens da, wo ein Crez Iisroel-Csrog zu haben ist, über einen griechischen nicht den Setz e n s s p r u ch sagen! Einer jener großen Männer geißelte den Hochmut derer, die die äußere Schönheit Hellas über die innere keusche Schönheit Crez Iisroels mit dem Csrog stellten, mit dem Hinweis: ttirw habe die Anfangsbuchstaben *?n 'nooin brr mx> (Hochmut findet keinen Platz vor dem Angesichte G'ttes.) Da schlugen 1891 kurz vor pessach die Creigniffe aus Korfu erschütternd in die jüdische Welt ein Ellul-Bekrachkungen. Bon Elle Weisfifch in ANr-hamburg. (Fortsetzung.) Hierauf antwortet der Vaz?: 'in i's '121 '21 n’pVsV -]mim imiaya inaia oiynn nnyinnc? na .nmann VisvVi naian Vy «poinV -pVi s?paa naia ana "jnaiai mia *|sam ns inanx am snnxn man ,nna '* ’as» km nnVnV sVi 'pVsn nnayV nyos 'yosn sVi ''Vk nic’nn -jisrnV Vaa 'Vinsms? ..^V 'naipn iaai misana aaynnV na inaiaiy sVs - - - aivn ib niprr mai nsin man p’mnV 'nVa' »Ich will dir verraten — sagt der Vas? — woran es liegt, daß du dich immer in der Rolle des Empfängers weißt und es noch keinmal feetigbrachtest, dem Schöpfer richtig zu dienen unb für seine Güte zu danken: — weil du nicht gewohnt bist, etwas was? as?V zu tun. Anstatt nach üer Forderung: v~vb vn’ -yiyya Va zu handeln, versuchst du dauernd — ''Vs nin’yan iwaV *jssm is7aa ns *]nnns an - aus ungeheurer Eigenliebe, das nin’ya. alles Angenehme und Süße an dich heranzuziehen. Wie kann La noch'n niiay, ausschließlich dem Schöpfer geweihter Dienst, möglich sein, wenn deine nana darauf gerichtet ist, möglichst oft in G e n ü s f e n v o n nm o*?iy z u schwelgen! Versuchst du aber, dich mit deinen gesamten Kräften dieser Schwäche zu widersetzen, dann bist Lu des Erfolges sicher. Dann erst wird es dir möglich fein, G'tt zu dienen." — Soweit: niaaVn nain-! und rissen ihr die Augen für das wahre wesen der damaligen Bewohner dieser von der jüdischen Religion lebenden Insel auf. Line sinnlose Ritualmordbeschuldigung führte zu einem blutigen Pogrome, der hunderte Todesopfer kostete. Tausende Juden flüchteten mit ihrem nackten Leben ins Clcnd. Cin Sturm ging durch die jüdische Welt, den die damalige Thowawe Zion-Bewegung mit gutem Rechte in ihre Segel einzufangen suchte, kein Geringerer als Rabbi Iizchok Clchonon Spektoc, der „kownoer Raw", trat an der Spitze aller Kapazitäten feiner Zeit mit einem generellen Verbot der k o r f u e r Csrogim hervor. Das Verbot wird bis auf den heutigen Tag im Osten Europas im Ganzen eingchatten. Der jüdische Westen hielt sich an jene Verordnung weniger gebunden. Die folgenden Jahrzehnte brachten die Vorgänge in Vergessenheit, und interessierte Händler zogen aus Unwissenheit und Gleichgültigkeit der Massen guten Gewinn. Der griechische Csrog behielt seinen Markt. Cr warja angeblich der schönere. Cin östlicher Rabbiner äußerte kurz nach dem Korfuer Pogrome bitter: „Cuch stört ein kleiner Blattflecken auf dem Crez Iisroel-Csrog und Ihr seht nicht den Blutflecken, der dem Korfu-Csrog anbafiet! ..." wir wollen heute nicht nachtragend jene Vorgänge auffrischen. Heute geht es gar nicht mehr um Korfu oder andere Inseln. Heute muß die Tatsache entscheidend sein, daß in Crez Iisroel eine g r o ß e A n z a h I u n f e r e r B r ü d e r Bit ch - st ä b l i ch ni i t dem Schweiße ihres Angesichtes Csrogim züchten, die 11,1 f y'is so züchten, daß sie auch in Bezug auf äußere Schönheit hinter der griechischen nicht zurückbleibt. Heute geht es darum, daß wir auf die fremden Csrogim nicht mehr angewiesen sind, folglich sie wohl auch pi S"y ausschaltcn müsse n. Mit oder ohne Lherem: es kann kein Zweifel fein, daß wir heute verpflichtet sind, mit dem Csrog, den wir am Feste der Freude in die Hand nehmen, unseren Tribut der Liebe an Crez Iisroel, auch den der Dankbarkeit an unsere Brüder, die für uns mit den heiligen Boden bearbeiten und ihn vielleicht für unsere Kinder urbar machen, zu zollen. Der Crez Iisroel-Csrog darf nicht mehr Gegenstand gelehrter Diskussion sein, er muß das sein, was er ursprünglich im Sinne der Thora und der mündlichen Lehre war: ein Symbol der Verbundenheit des Einzelnen und der Ge m ein de mit Israel und Crez Israel. Cr kann es nur sein, wenn er a u f d c m B o d c n v o n Crez Israel gewachsen und von jüdischen Händen gepflegt und gepflückt wird. Im Saron und im Galiläa, in petach Tikwah und in den Kolonien des Cmek brechen die Bäume unter der Last der goldenen „schönen Frucht", mit der Israel verglichen ist. Die jüdischen Pflanzer werden ihres Segens nicht froh, denn ein Großteil der Beute wird verfaulen oder zu Schleuderpreisen in die Konfltnrenfabrik wandern. Das jüdische Rußland mit seiner Millionenzahl, das seit jenem Issur treu zum Crez Iisroel-Csrog hielt, ist abgeschnitten. Cs war der Hauptabnehmer und scheidet leider ganz aus. Polen ist so verarmt, daß sich dort jede Synagoge fast mit eine m Csrog nur begnügt. Amerika, das gleich Rußland den Crez Iisroel-Csrog stets bevorzugte, hat infolge der Krise den Bezug stark reduziert. Auch wir in Deutschland werden bei unserer heutigen Lage leider den Markt nicht retten. Aber 1l»Ä^ «ivrr^A.l *]'B>y und wir werden das tun, was uns ein Gebot der Liebe, der Ehre und Selbstachtung zu tun eingibt, auch wenn es nicht entscheidend den Crfolg bringt. In einer Zeit, da alle Welt, in der Villa wie in der Hütte, von Crez Iisroel spricht, müßte ein fremder Csrog im jüdischen Hause und in der Synagoge eine Dissonanz zur Lage und zur wahren Stimmung im Judentum abgeben, die dem Feste der Freude und Harmonie schlecht anstehen würde. Man darf nach alldem annehmen, daß sich dieses Jahr weitere Mahnungen erübrigen und daß die Vertriebsstellen wie die Käufer sich darüber einig sind, daß es nurmehr noch eine Sorte von Csrog geben kann, den Crez Iisroel-Csrog. Vochenrundsehau. Die Nürnberger Kundgebungen. Ls ist nicht Sache eines jüdischen Blattes, die historische Bedeutung des nationalsozialistischen Parteitages zu würdigen, der sowohl vermöge des aufgebotenen technischen Apparates und der Bewältigung maffen-organisatorifcher Probleme als auch hinsichtlich des geistigen Gehaltes der Führer-Reden auf alle Fälle eine imponierende Leistung darstellt. Kur auf zwei Punkte, die uns deutsche Juden unmittelbar berühren, sei hier mit einer kurzen Bemerkung eingegangen: auf die Rede des Reichskanzlers zum Rassenproblem und diejenige des Reichsministers für Propaganda und Volksaufklärung über die Weltpropaganda gegen Deutschland. Aus diesen Worten ersehen wir also, welcher Läuterung niawnan nma und mühevoller Selbstarbeit es bedarf, bis wir ohne Gewissensbisse einmal sagen können: „Dieses habe ich ausschließlich 'ns? mr?V getan — ">w an? 'Va mns —, mit dieser Tat habe ich ein reines nnaa- Opser '70 auf dem geistigen Altäre der niiay dargebracht!" Denn s?-s?V "im i's?ya Va heißt doch: nurs?"vV— bei gänzlichem Ausschlüsse deines eigenen „Ich", — als ob du gar nicht existiertest! Dies ist — wie man nach verständnisvollem Vertiefen in diese Gedankengänge offenbar sieht — Sinn und Zweck der mamp (vgl. mV p-p!) und des sripan jra (vgl. "iai ’naas?i s?ipn 'V ivyi) daher ihre äußerst strengen Vorschriften (vgl. Entstehen von V«’d durch bloße unrichtige wiia!P daher die strengen riia-Strafen bei deren Uebertretung: — weil eben n"apn uns durch diese Mittel zu gewissen Zeiten Gelegenheit geben will, uns in der nimy in verstärktem Matze zu üben, damit es uns im täglichen Leben nicht allzu schwer falle, das D’as, dipV ständig im Auge zu halten. Nach nun sna.oor demVay.i san, als Iisroel in der nana vvb geübt und noch zielsicher war, erübrigte sich ein B>i?»nn->2 mit all den Einzelheiten und dieser ganzen Strenge: nsi lass ns -paV» nsi i’nVy ns i’Vy nnan 'V ns?yn nais nara lr-a 'a nn') •••Tipa Das war die ganze niiay, so einfach! — weil eben bei Iisroel das na nip'ai noch so ausgeprägt, das ganze Tun und Trachten so von m nn erfüllt war, daß im Schlußsatz des obigen pivo gesagt werden kann: •■pnaiai i’Vs sias 'ns? ns i'ais is?s Dtpan Van „An jedem Ort, wo nur ein Vsiw-p den Namen G'ttes erwähnte, dort ruhte na'as?* (nach Erklärung eines der n's?">Ba). Nach dem Vayn svn erst, welches die nana eines jeden VsiV'p in ihrer nvaV-Derdundenheit geschwächt und ge-. trübt hatte, erst dann war das c?ipan n'a mit den strengen Opfervorschriften nötig, um Iisroels nma zu läutern! Uns ist das snpan n'a genommen! Aber einen kostbaren Ersatz hat uns n~apn statt dessen gegeben — nnVs?ai la'nss? D-ns—: die 7-iVsn besitzt die läuternde Kraft der nittip — nach Ansicht mancher — sogar noch in erhöhterem Maße als letztere. Die nVsn ist "D'awV aVn nana« in konzentriertester Form, ohne jegliche konkrete ns?ya* Kann es daher etwas Geeigneteres als die nVsn geben für die Läuterung unserer nimar Mit Recht betrachteten daher ns?yn-'i2?3s aller Zeiten die dreimalige nVan als Zuflucht aus dsm Wirrwarr des von Gefahren umgebenen täglichen Tun und Treibens! Mit Recht ermahnt uns aber auch der p'ani, daß wir uns jahrelang üben müssen, bis wir einigermaßen im Stande sind, wenigstens die niaia nias der mipy-naias? mit gehöriger nana zu beten. So hat das eigene „Ich" während der nVsn in den Hintergrund zu treten, daß man überhaupt nicht daran denke, sich durch sie etwas zu erflehen! (Nur das kleine Schlußgebet 'iai ’iis?V 112a 'pVs erlaubt uns, die ' nana auf das eigene Wohl zu lenken.) Was wir bisher ausführlich über das Wesen der 'n niiay besprochen haben, sagt in kurzen klaren Worten der folgende pinn, den wir täglich in der i'»nn ns?is er» wähnen, — dessen Sinn wir uns aber «auch mehr bewußt fein sollten: 'aaip ns on’Vs masi Vsis?’ ’aa ns ir •nyiaa 'V a' i p n V nas?n ’nn'a n'i 's?sV 'anV Der Schöpfer befiehlt uns, ihm sein Opfer, sein Brot zur bestimmten Zeit darzubringen. So sehr ist also bei der Darbringung des Opfers unser eigenes „Ich" auszuschalten. daß deine nana nur darauf gerichtet sei, dem Schöpfer „das für ihn bestimmte Brot — nma miV - darzubringen," — als ob Er, Via'aa, gewissermaßen auf das von dir gespendete Brot angewiesen wäre! Wenn dein Herz ganz und gar von dem Gedanken v"e?V erfüllt ist, daß dort überhaupt kein Raum für na«» mehr