Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1933)
- Date
- 1933-08-24
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 8 f Personen, öie als Einwanderer nach Gruppe B. zu betrachten sind, müssen Gesuche durch die in <fmge kommenden Institutionen, oder Personen einreichen, die bereit sind, die Verantwortung für den Unterhalt zu übernehmen. Die Gebühr für die Registrierung neuer ■ Einwanderer beträgt Lst. I.— pro Person über 16 Jahren und 200 Milliemes (ca. RR1. 5.—) für Rinder bis zu 16 Jahren. Die Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel ist bereit, Personen, die unter die Kategorien 21—D fallen, zu beraten. 2Ulcn Anfragen ist Rückporto beizufügen, bei Anfragen, die einer besonderen Bearbeitung bedürfen, ist RR'l. I.— beizulegen. ll Welche Berufe s i n ö i it Lrez Iis - roel aussichtsreich? J'. Landwirtschaf t. Für Kapitalisten, die nicht in der Lage sind, selbst landwirtschaftlich mitzuarbeiten, empfiehlt sich in erster Linie Beteiligung an Eytrus (Drangen und Grapefruit-Pflanzungen), wobei zu empfehlen ist, auch dann wenn man vorläufig sich nicht mit der Absicht trägt, im Lande zu wohnen, einen Reserveboden zur Anlage von Milchwirtschaft, Geflügelzucht und Gemüsebau sich zu sichern. Detaillierte Vorschläge hierüber können bei der Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel eingeholt werden. Für Richtkapitalisten, die eine physische Eignung zur landwirtschaftlichen Arbeit besitzen, ebenso zu jeglicher Arbeit im Bauhandwerk ist reichlich Gelegenheit gegeben; ebenso bestehen günstige Aussichten für jegliche Art von Bauarbeiten, Weber, Stricker, Drucker, Rlechaniker, Polsterer und elektrotechnischer Installateure, ferner für g u t ausgebildetes Hotelpersonal wie Röche (Köchinnen) und Kellner. Gelernte Arbeiter verdienen in Kolonien in der Regel Sh. 4.—, ist Rik. 5.— pro Tag, städtische, ungelernte Arbeiter etwa Sh. 6.— bis 7.— täglich, gelernte 'Arbeiter verdienen in der Regel Sb. 9.— bis höchstens Sh. 12.— pro Tag, Bausangestellte erhalten Lst. 2.— bis Lst. 3.— pro üloiicit und freie Kost. Richt aussichtsreich ist die Unterbringung von Büropersonal und kaufmännischen Angestellten. Diejenigen Bewerber, welche über ausreichende Kenntnis des Hebräischen und des Englischen sowie Arabischen verfügen, haben wesentlich mehr Aussicht auf Anstellung wie andere. von weiblichen Berufen kommen in erster Linie in Betracht: Hausgehilfinnen, Wäscherinnen, Plätterinnen, Friseurinnen, Schneiderinnen und Konfektionssckmciderinnen 2. I n d u st r i e : Für Kapitalisten, welche sich an industriellen Unternehmungen beteiligen wollen, seien einige besonders aussichtsreiche Untcrnehurungcn genannt, die bei genügender Kapitalinvestierung heute lohnend sein dürften (vergl. hierzu die Zeitschrift: „Palästina" Rr. 7i9> Seite 314: 1. Errichtung einer Fabrik für Sperrholzplatten. 2. Errichtung einer Fabrik für Zinn- und Bleituben. 5. Errichtung einer Werkstatt für Rieten. 4. Verwertung von Pyriten aus Zypern zum Schnrelzen von Eisen und Kupfer, Erzeugung von Schwefelsäuren und ev. Superphosphaten. 5. Verwertung von Bitumen, die im Lande gefunden werden. 6. Auswertung von Riarmorbrüchen in der Umgebung von Jerusalem. 7. Errichtung einer Streichgarnspinnerei und -Weberei mit Appreturanstalt. 8. Erzeugung von Gumnri-'Artikeln. 0. Gerberei für alle Ledersorten. 10. Fabrik für Elektromotoren, elektrotechnische Artikel und isolierten elektrischen Draht. 11. Fabrik für Emaillewaren. 12. Spielzeugfabrik.!3. Scidenpapierfabrik zur Herstellung von Seidenpapier zur Umhüllung der Orangen (wird bisher vom Ausland importiert.) Interessenten werden gebeten, sich mit der Palästina-Zentrale ins Benehmen zu setzen. Das Pwblein der kollektivistischen Rl-ittelstandssiedlung, speziell für deutsche Juden, beschäftigt heute Der Israelit Blätter alle in Frage kommenden Kreise, ohne eine befriedigende Lösung bis jetzt gefunden zu haben. Sie kann nur gefunden werden, wenn zunächst aitgekaufter Loden von hierzu geeigneten jungen Kräften bebaut wird und später dann von den für Landwirtschaft nicht geeigneten Siedlern bezogen wird. Bis zur Fertigstellung des Lodens, einerlei ob pardefflm oder gemischte Wirtschaft müssten die betreffenden Siedler entweder im Ausland, oder in Crez Israel auf andere Erwerbsmöglichkeiten bedacht fein. Rur bei Zurverfügungstchung von ganz hohen Kapitalien können bereits fertige fruchttragende pardefsim Pflanzungen (von denen ungefähr 20 Dunam zur Existenz einer Familie ausreichen) gekauft werden. Für Familien, die sich selber landwirtschaftlich betätigen wollen, ist ein Siedlungsplan der l e st i it c I e w i f h E o l o n i a l 2l f f o c i a t i o it von Interesse. Diese Organisation will 50 jüdischen Familien aus Deutschland eine Siedlung auf einem ihrer Böden ermöglichen, wobei die Ansiedlung einer Familie Lst. l600.— kostet, von diesen Lst. 1600 sollen von dem Siedler selbst Lst. 1000.— beigesicucrk werden, Lst. 600.— werden von der Gesellschaft als Darlehen gewährt und sollen im Laufe von 15 Jahren mit 4 proz. jährlichen Zinsen amortisiert werden. Jede Familie erhält 55 Dunam und zwar 5 Dunam für Haus und Hof, 10 Dunam für gemischte Landwirtschaft und 20 Dunam für Pardesim. Die Zahl der Siedler ist noch nicht komplett. Für Ri ittelstandssi edler. die zunächst pardcssim- Boden und Reserveboden für gemischte Wirtschaft erwerben wollen, diesen aber erst nach frühestens 5jäbriger Bearbeitung durch poale Agudas Iisroel beziehen wollen, liegen bereits ausgearbeitete Pläne bei der Palästina-Zentrale vor. Ein Kapital von m i n d e st e n s Lst. 1000.— ist hierfür erforderlich. Weitere Informationen folgen. Ein Tag in der Hachschara Neustadl. Das Interesse, welches unser jüngster Bericht aus der agudistischen Hachschara- Stätte in Neustadl allseitig hervorriest ver- Lnlaßte uns, einen zweiten Bericht folgen zu lassen. Ueber andere Hachschara-Stätten werden wir weiterhin berichten. Als Nachtrag zu den bisher aufgezählten Hachschara- Stätten möchten wir noch bemerken, daß neuerdings auch in Lettland in der Nähe von Riga eine weitere Hachschara- Stätte durch unsere lettischen Gesinnungsgenossen gegründet worden ist. Dieser Bericht soll im Gegensatz zum letzten versuchen, dem Außenstehenden einen Einblick in das Leben einer agmioan zu geben und dabei besonders die geistige Haltung und die Stimmung der a'21-n sowie die geistige mwan zu beleuchten. Erntezeit! Die mühselige Arbeit eines Jahres wird in ein paar Wochen angestrengter Arbeit den ersehnten Erfolg bringen. Auch wir stehen unter diesem gewaltigen Eindruck. Der mi-an — für die sich aus ein Leben wirtschaftlicher und geistiger Kämpfe in vorbereiten ein Losungswort — ist da! Früh um 4 Uhr gehts mit weithallenden Schritten durch die stillen Gassen des Städtchens zur Arbeit. Auf unserm Gute werden die Sensen geschultert und mit Gesang gehts aufs Feld. Mähen ist wohl die schwerste Arbeit in der Landwirtschaft, aber nachdem man sich ein paar Reihen hindurch eingeübt hat, spürt man mit Freude den Schnitt der Sense, die rauschend durchs Getreide fährt. Frühstückspause! Schweißtriefend legen wir unsere Sensen weg und nehmen dafür andere Sachen wie Butter, Brot und Kaffee aus unseren Rucksäcken hervor, um unserem Hunger — er ist genau so heiß wie bas Wetter! — zu stillen. Während wir essen, entspinnt sich langsam ein Gespräch. Josef — der goldige, gewissenhafte Frankfurter Junge — meint, wir hätten noch fleißiger arbeiten können, denn auch in '"s wenn wir unfern eigenen pwp haben, müssen wir unsere letzte Kraft hergeben. Große Entrüstung bei uns allen ob dieser Bemerkung. „Wir haben doch wirklich gut gearbeitet! Sollen wir uns etwa schon in den ersten Stunden kaputt machen?" Und schon lenkt Joses ein, er meine das so und so, als Hermann die richtige Antwort findet: „Laßt uns erst mal auf unserem eigenen pmp in sein, da sollst bu mal, sehen, was wir da schaffen werden!" Und unsere Wunschgedanken gehen weiter, jeder macht schon einen besonderen Vorschlag über die Organisierung und Einrichtung unseres künftigen L^p- Gustav — ein besonderer Pferdesreund — verlangt unbedingt mindestens zwei Pferde und Maische fügt hinzu: „aber auch Hühner und Gänse sind sehr wichtig." Manfred und Max — zwei frische Breslauer Jungen — 24. August 1933 schauen schon weiter und glauben, baß es wohl am vorteilhaftesten sei, zunächst aus unserem Boden in '"k Gemüse zu pflanzen, da man dies mehrmals jährlich machen tonne. „Und Orangen?", fährt EU sichtbar erregt dazwischen. „Ja," klärt ihn Manfred auf, die pflanzen wir, wenn wir große ma'xp sind, wenn wir nicht mehr darauf angewiesen sind, täglich was zu verdienen. Hermann will gerade noch einiges über die geistigen Erfordernisse sagen, aber Rudi fährt dazwischen: „Schluß onani benschen und auf zur Arbeit!" Nur unwillig unterbrechen wir unsere Gedanken, die uns schon mitten in '"rr gesehen haben. Wir denken viel an 12'2-ix 'pn das wir n',n bald betreten werden. Die Arbeit bis zu Mittag vergeht uns unter Gesang sehr schnell. Wir marschieren nach Hause. Unser langer Richard — mindestens zwei Meter groß! — sorgt den Zug anführend, für das nötige Tempo. Die Mittagspause ist für uns immer eine große Freuds, nicht nur weil es was tüchtiges zu essen gibt — nach schwerer Arbeit sehr wichtig —, sondern auch weil genugerck>Zeit da ist — zwei Stunden — zu anan nw und manchmal auch zum w-ias-Lernen. Ein ian — jeden Tag hat ein anderer den Küchen- und Hausdienst wie z. V. die Stuben ausfegen, Betten machen und die nötigen Einkäufe zu besorgen — serviert das Essen. Heute ist Besuch da. Zwei' amn der nicht weit entfernt liegenden agud. miran Sikemitz sind da. Man schmust sich mit ihnen über alle möglichen Probleme aus. Bejonders eifrig wird darüber diskutiert, inwieweit die Jiden in Polen und Deutschland sich unterscheiden. Wir arbeiten da so manchen scharfen Unterschied heraus, aber wir erkennen auch klar das uns auf ewig verbuchende Gemeinsame: Wir sind ein in« -i2 mit einer nriK mim Das Wort „Assimilation" kommt in unseren Gesprächen nicht nur einmal vor und oft müssen wir unfern a'ian zugeben, daß wir in dieser Beziehung viel vernachlässigt haben. Wo gibts bei uns die besondere jidische Kleidung, die man hier überall findet? Wo die kleinen Jungen mit ihren schönen nitro? Unter solchen Gesprächen vergeht uns im Nn die Mittagspause, schon ist es wieder Zeit, zur Arbeit zu gehen. Ein kurzer, herzlicher Abschied von unseren anan, ein pin — unser Gruß — und schon gehts wieder aufs Feld. Es wird gedroschen! Gustav spannt die Pferde an und schon geht die Maschine mit ohrenbetäubendem Krach tos. Es ist anstrengende Arbeit! Die Spreu fliegt durch die Lust und der, Strohhaufen wird großer und größer. Schweißtriefend steht jeder an seinem Platz, verschmutzt von der herumfliegenden Spreu, aber gewissenhaft seine Arbeit ausführend. Stunde um Stunde vergeht so! Da: Jakob, der die Maschine bedient, ruft es freudig aus: onah! die letzte Garbe!" Knarrend fährt sie durch die Maschine. Feierabend! Schnell gehts nach Hause, denn unsere geistige Arbeit, unser Lernen, das uns ag. a’xiPn erst unsere '"bv, wie überhaupt unsere gesamte Arbeit sinnvoll macht, wartet auf uns. Ein Erlebnis ist es uns immer wieder! Mit frischem Geist, beseelt von der großen Bedeutung des Lernens — 5 von uns find der Frankfurter na’iz», die andern haben von zu Hanse gute Bortenntnisse — machen wir uns ans nvaa-Lernen heran. Jedesmal bereitet sich einer besonders zum wj vor. Diesmal lernt Eli vor. Erfrischend klingt aus seinem Munde der uns so wohl vertraute P2'a 'm. Im Nu befinden wir uns tief in der aim- Eine Frage kreuzt die andere, und immer weiter dringen wir in den ein, jede '"«m und jedes maoin genau, lernend. Im Unterbewußtsein steigt uns das Bild einer na'v' auf — die Frankfurter wvnbri benten an ihre me» — wir hören den Singsang der xim, den lauten Siobis der B’mna und fühlen uns im Geiste mit diesen Hauptzentren des Judennms, mit der nun und denen, die sie lehren und lernen, innigst verbunden. Wir ag. caps-ön wollen ja ein produktives jüdisches Leben, basierend ans dem naivi-Lernen, auf der genauen Kenntnis der vmn führen und dafür auch in ’~k kämpfen. Als wir nach einer Stunde den rriaa-Schiur schließen müssen, um auf ein anderes pay überzugehen, verstehen wir so richtig den Ausdruck: „ninbnn ai", wirklich tief und groß wie ein Meer! Wir haben quantitativ wenig gelernt, aber dafür gründlich mit i>"enn» ,8"v-inv,nivain ein bleibender Wert! Nun wird abwechselnd an den verschiedenen Tagen der Woche p"tx ’nyt? /rrx» r'ivn gelernt. Hier wird etwas schneller vorgegangen, wir wollen das Pensum, das wir uns gestellt haben, ma ob?» b’s-,i die wichtigsten pax mnaaa, ganz durch und ausgewühlte b->b’$?d auch durchführen. Wir lernen abwechselnd vor. Immer vorwärts! Keine Ermüdung! mv» um rue>» ,-ppv um *pya wird beendet. Wir müssen unser Pensum schaffen, wir mrii-n die sich vorbereiten, Agudismns in '"X zu leben. Der hjte? ist zu Ende. Wir dawnen any» und essen Abendbrot. Es folgt noch eine kurze theoretische landwirtschaftliche Lektion, die wir täglich abhalten und unser Tag ist beendet. Wir denken wieder an '"X- Wann werden wir es betreten? Wann werden wir unsere junge Kraft ernstlich für nsmpn «mm einsetzen? Wir wissen es nicht! Doch eins wissen wir, wenn wir ehrliche ag. a’xiVn sind, wenn wir danach streben und dies durch unsere' freie, von Herzen kommende Tat zeigen, die nmn in ihrer Totalität zu halten, wird rv'apn uns den Weg nach p'2 führen! JE?» xi>i air xV nw R. .H. p a-