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Der Israelit · 1933-08-24 · Heft 34 (24.8.1933) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 34 (24.8.1933)
Date
1933-08-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Der Israelit Nr. 34 Seite 13 . 24. August 1933 MmpoEme« » Nachrichten. i.Sv- Palüfttna. Brief aus Lrez Israel. „Anklagen zur Iahrzeil". — Tel-Awiwer Messe. — Eine Jefchiwah in ihrem Eigenheime. Jerusalem, 20. August Zur vierten Jahrzeit der blutigen Geschehnisse im Jahre 1929 veröffentlicht der frühere Jerusalemer Polizerkommlssar, Mister Douglas Deal, in führenden Zeitschriften Artikel, die hier und in England größte Beachtung fanden. Er gibt einen Ueberblick über die Entwicklung seit dem Balfourmandat und über die hemmungslose arabische Hetze, die zu jenen traurigen Ereignissen geführt hat. Ein Beispiel: In Afuleh standen ein paar armselige arabische Lehmhütten, die die Juden für gutes Geld ankauften, sie abreißen und ganz mit Erde verschütten muhten, um uuf reinem Grund die jüdische Stadt im Emek zu errichten. Die Effendis aber veranstalteten Pilgerfahrten nach Afuleh und schilderten in Hetzreden, wie die Juden hier eine blühende arabische Niederlassung zerstört hätten und so sich anschickten, das ganze Arabertum zu vernichten. Die Regierung verhielt sich zu all diesen Machenschaften passiv. Auch beim Ausbruch der Unruhen hatte er, Herr D„ dem nur schwache Kräfte zur Hilfe standen, das Gefühl, daß ein starkes Zupacken die Unruhen im Keime ersticken könnte. Aber die Verwaltung blieb schwach. Mit sechs Polizisten hätte man die sechzig jüdischen Seelen in Hebron retten können .Das schwache Verhalten des damaligen Hochkommissars mußte die Araber ermutigen und bei ihnen das Gefühl aufkommen lassen, daß die Regierung auf ihrer Seite stehe. Auch jetzt hält der Schreiber den Schutz der Kolonien noch nicht für ausreichend, obwohl zugegeben werden muß, daß z. Zt. die Sicherheit in Palästina im Ganzen gewährleistet ist. Tel-Awiw rüstet zur großen L e v a n t i n i s ch e n Messe. Das Ausstellungsgebiet wird 100.000 Quadratmeter umfassen. Viele Länder, die zu dem Zwecke spezielle Handelskammern in Palästina geschaffen haben, werden sich an der Messe beteiligen. Diese größte aller bisherigen Messen in Palästina, deren Vorbereitung, obwohl sie erst im April 1934 eröffnet wird, jetzt schon in vollem Gange ist, wird zugleich den Auftakt zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum der Stadt Tel-Awiw bilden. Als vor 25 Jahren einige jüdische Bewohner Jaffas auf den Gedanken kamen, ein kleines jüdisches Stadtviertel unter dem Namen Tel- Awiw zu errichten, konnte keiner ahnen, daß schon nach einem. Vierteljahrhundert dieses Viertel mit über 70.000 Einwohnern beinahe die größte und modernste Stadt Palästinas sein wird. Die Jefchiwah „ S e f a t h E m e t h " in Jerusalem bezog unter entsprechenden Feierlichkeiten ihr neues eigenes imposantes Heim. Der schöne Bau ist durch eine hochherzige Spende eines amerikanischen Juden, Rabbi Hirsch Leb B i n n e n f e l d, zustandegekommen. Neben den großen luftigen Lehrräumen hat. das Haus eigene Wohnstätten für Lehrer und Schüler. Die Einweihung gestaltete sich zu einem Feste des religiösen Judentums der Stadt, an dem sich auch viele Rabbinen und angesehene Gäste aus anderen Städten und Kolonien beteiligten. Reden hielten der Rofch Jefchiwah, Rabbi S i e nk o w i tz, der Verwaltungsleiter, Rabbi Ch. C. Alter u. v. a. Die Eigentümlichkeit dieser Jefchiwah, so betonte der Redner, liegt darin, daß sie sich mehr dem Geist und dem Geschmack der polnischen Bachurim anpaßt. Als erster hatte den Mangel einer solchen „polnischen Jefchiwah" in Erez Israel der G e rer Rebbe erkannt und ausgesprochen. Insofern erhielt das Begrüßungsschreiben von Ger seine besondere Bedeutung. Anklage gegen Acht Mir wegen Mitschuld an der Ermordung Dr. Arlosoroffs. Jerusalem, 19. August Gegen den revisionistischen Jugenüführer A ch i M e i r, der vor einigen Tagen aus Jaffa in das Gefängnis von Jerusalem überführt worden ist, wurde neuerdings eine Untersuchung wegen Mitschuld an der Ermordung Dr. Arlosoroffs eingeleitet. Die Beschuldigung gegen Achi Meir, der noch nicht vernommen wurde, wird auf Grund von Dokumenten, die bei im Juli durchgeführten Haussuchungen beschlagnahmt wurden, erhoben. Die Polizei hat in dieser Sache den Führer der Revisionisten von Tel-Awiw, Dr. Jacob Weinschal, vernommen. (ITA.) Einwanderung und Budgetüberschuß. Jerusalem, 17. August Im Monat Juni sind nach Palästina 1364 Personen, unter ihnen 1263 Juden, eingewandert. 227 Einwanderer gehörten der sogenannten Kapitalistenklasse an. Im Vormonat betrug die Zahl der nach Palästina eingewanderten Juden 1854 von einer Gesamteinwandereczahl von 1958. 242 jüdische Einwanderer sielen unter die Kategorie A 1 mit einem Eigenkapital von mindestens 1000 Pfund, Einwanderer der Kategorie A 2 (Mindestkapital 500 Pfund) wurden im Monat Mai nicht verzeichnet: dagegen sind einige Angehörige der Handwerker-Kategorie, für die ein Mindestkapital von 250 Pfund vorgeschrieben ist, eingewandert. Wie aus dem soeben veröffentlichten Bericht des Schatzamtes der Palästinaregierung hervorgeht, betrug der Verwaltungsüberschuß der Palästinaregierung Ende März 1230.296 Pfund. In den inländischen Banken befanden sich Depositen in der Höhe von 7 Millionen, außerdem waren in ausländischen Banken 3 Millionen zugunsten Palästinas deponiert. Die außerordentlich hohen Einkünfte der Palästinaregierung, insbesondere aus Zöllen, spiegeln die günstige Wirtschaftslage wider: Anzeichen für eine Verschlechterung dieses Zustandes sind nicht vorhanden. Im Bericht des Schatzamtes erfolgt keinerlei Hinweis auf die Rolle der jüdischen Wirtschaft bei der Erzielung dieses hohen Ueberschusses der Landesverwaltung. Im Vormonat wurde berichtet, daß der Verwaltungs- Überschuß seit dem 31. März 1933 um eine weitere halbe Million Pfund sich erhöht hat, wie aus der Gegenüberstellung der in der „Palestine Gazette" vom 13. Juli veröffentlichten Einnahmen von 3.015.917 Pfund und der Ausgaben in der Höhe von 2.516.394 Pfund zu ersehen war. Es erweist sich, daß die „Palestine Post" den gegenwärtigen Verwaltungsüberschuß, den sie vor kurzem mit 1.170.000 Pfund bezifferte, wesentlich zu niedrig geschätzt hat. Die „Palestine Post" knüpfte an ihre Schätzung die Bemerkung, ein so hoher Verwaltungs- Überschuß sei vermutlich heute einzig dastehend in der Welt und bilde einen 'unwiderleglichen Beweis für die Stabilität der öffentlichen Finanzwirtschaft Palästinas. Grundsteinlegung zu den Ausstellungsgebäuden der Levante-Mffe in Tel-Awiw. Tel-Awiw, 18. August Am 16. August nahm der High Commissioner von Paläüina die Grundsteinlegung zu den Ausstellungsgebäuden der Levante-Messe in Tel-Awiw vor. Der Zeremonie wohnten zahlreiche hohe Regierungsbeamte, ausländische Konsuln und andere hervorragende Persönlichkeiten der wirtschaftlichen und politischen Kreise bei. An die Feier der Grundsteinlegung schloß sich ein Tee im Ritz-Hotel. Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Meir D i z e n g o f f, hielt eine Ansprache, in der er erklärte, die Levante-Messe werde sich jetzt, .da sie ein dauerndes Heim erhalte, zum Handelszentrum des gesamten Mittleren Ostens entwickeln. Der Sabbat in Palästina. Tel-Awiw, 18. August Die Mi schwer eth Sabbat-Vereine Palästinas haben an den Zionrstenkongrsß sin ausführliches Memorandum, das die öffentliche Entweihung des Sabbat im heiligen Lande beleuchtet, abgesandt. Das Memorandum stellt auch die Verantwortung des Ziomstenkongresfes für diese tief beschämende Tatsache fest, denn gerade aus den vom Keren Kajemeth hergegebenen Böden unterscheidet sich der Sabbat kaum vom Wochentag. Amerika. Der Ioint?Drive in Amerika zugunsten deutscher Juden. — Bereits 1 Million Dollar aufgebracht. R e w y o r k, 8. August Wie der Leiter des vom American Joint Distribution Committee organisierten Drives zur Aufbringung eines Hllfsfonds von 2 Millionen Dollar für notleidende Juden in Deutschland mitteilt, ist die Hälfte des in Aussicht genommenen Betrages bereits gesammelt worden. Es bestehe kein Grund zur Befürchtung, daß auch nur ein Penny der gesammelten Gelder seinem Zweck nicht ZUgeführt werde. Die Tätigkeit des Joint Distribution Committee in Deutschland und die Fonds, die ihm dort für feine Arbeit zur Verfügung stehen, seien keineswegs gefährdet. Wohl aber werde das Einsetzen der Hilfsaktion von Tag zu Tag dringender,' täglich liefen bei den zentralen Hilfsstellen in Deutschland Berichte jüdischer Provinzgemeinden ein, in denen mitgeteilt wird, daß die zur Bestreitung der Ausgaben für die Gemeindeinstitutionen bestimmten Eingänge rapid zurückgehen, daß sich dis Defizite infolgedessen häufen und daß in naher Zukunft bereits mit einer Katastrophe zu rechnen sei. Deutsch-Amerikaner lehnen das Rassenprinzip ab. N e w y o r k, 14. August Anläßlich des „Deutschen Tages" fand in Detroit eine Massenversammlung von Deutsch-Amerikanern stach die sich einmütig gegen Unterscheidungen nach Rasse oder Bekenntnis innerhalb des amerikanischen Deutschtums aussprach. Die Versammlung nahm eine in diesem Sinne gehaltene Resolution an, die vom Präsidenten des „Unabhängigen Bürgerbundes", John M. Bischofs eingebracht worden war, und in der es u. a. heißt: Welche politischen Strömungen immer unser teures Vaterland jenseits des Ozeans beherrschen mögen, wir Detroiter deutscher Herkunft stehen politisch geschlossen hinter Präsident Roosevelt und bekennen uns zu den allgemeinen Grundsätzen der Demokratie. Wir Amerikaner deutscher Abstammung wünschen die religiösen und Rassenkonflikte der alten Heimat in keiner Weise widerzuspiegeln. Wir wollen in keinem Augenblick unsere deutschen Ideale vergessen. Die deutschen Gesellschaften von Detroit werden heute ebenso wie früher ihre Mitgliedschaft ohne Unterschied Protestanten, Katholiken und Juden, Slawen, Semiten und Magyaren gewähren. Bulgarien. Aettdetung -er UntcrrichtsgcsctzgebunN in Bulgarien. Sofia, 9. August Der oberste Unterrichtsrat Bulgariens hat gegen den Protest der Vertreter der Minderheitenschulen einen Gesetzentwurf zur Vorlage an das bulgarische Parlament ausgearbeitet, der die Privatschulen und unter ihnen die Schulen der Minderheiten, also auch der jüdischen Minderheit, in einen Plan zur Reform des Volksschulunterrichts einbezieht, demzufolge diese Schulen ihre Autonomie hinsichtlich der Bestellung von Lehrern und der Festsetzung des Schulbudgets verlieren^ Der Vertreter der jüdischen Minderheit im obersten Unterrichtsrat, Samuel Navon, hat gegen diesen Schritt energisch, aber erfolglos Einspruch erhoben. Nach dem bestehenden Gesetz haben die jüdischen Schulkomitees das Recht, alle Lehrer an den jüdischen Schulen zu ernennen, sowohl jene, die jüdische und allgemeine Fächer in hebräischer Sprache, als auch diejenigen, die allgemeine Fächer in bulgarischer Sprache unterrichten, (bulgarische Unterrichtssprache ist vorgeschrieben für den Unterricht in bulgarischer Sprache, bulgarischer Geschichte und bulgarischer Geographie). Die Bezahlung der Lehrer erfolgt durch die jüdischen Schulkomitees. Nach dem neuen Gesetz dürfen nur bulgarische Bürger zu Lehrern ernannt werden. Die Ernennung soll durch den Unterrtchtsminister erfolgen, obwohl die Lehrer auch weiterhin von den jüdischen Schulen selbst bezahlt werden sollen. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. D.: S. S ch ach « nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag oes Israelit und Hermon ®. m. b. H., Frankfurt a. M. — Druck Hermon Druckerei. Frankfurt a. M.

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