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Der Israelit · 1933-08-24 · Heft 34 (24.8.1933) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 34 (24.8.1933)
Date
1933-08-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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24. August 1SAZ 2. Mul 569? Nr. 34 Frankfurt a. M.» den Begründet von Dr. Lehmann in Main-- 99S SS Abonnenrent ab Juli 1828: Deutschland 1.80 Mart monatlich; Ausland: Vierteltahrpretse (en sprechend dem deutsche» Inlandspreis zuzüglich Koste» des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 8 sh.; ab 1 Juli Frankreich W Fr.; Belgien ab 1.7.37. Belga5. Holland 3fl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Ingo» slavien 85 Diu.; Litauen 7.50 Lit.;.Rumänien ab 1. 7. 87. 160 Lei; Polen 4 deutsche Gold, mark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 5 Fr.; Tfchecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1. Juli 1937; Dänemark, Norwegen und Schweden 8 Kronen ab 1. August 1933. Einzelnummer 30 Pfennige. ' Der Israeli! erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die fiebengesp alten« Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Famtlienanzetgen nur 10 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 2.— Ml., vorletzte Textsette 2.50 Mk.; Ehtffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufende« Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung tederz. Vorbehalt. Inseratenannahme durch de« Verla« des Israelit lS. m. b. H., Frankfurt a. M. Rechnetgrabenftraße 7, Tel. Sans» 81084 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnferatenann. für Franks. Eeschäftsanz.: Jul. Schmidt. Ostendstratze 83 Tel. 45888. Platzvorfchr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Verlag des Israelit und Hermon G.m.b.H., Frankfurt (Main) Nr. 18803.-Autzerdem an: Posilparkaffe Wien Nr./9665.-Postsparkassenamt Budapest Nr. 18434.—Poftscheckkonlo Warschau Nr. 19U757. - Postscheckamt Zürich Nr. Vl;l7254. — Postscheckamt Amsterdam Nr.34889 — Po,r>checkamt Prag Nr. 79.010 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ibre kämt!. Filiale« Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. ES Ernste Stimmen zur Judenfrage in Deutschland. l. Ls tut inmitten £es Sturmes der Tagespolitik in Deutschland und inmitten der Sorgen und Kümmernisse^ in die fast jedes jüdische Haus durch die Erlebnisse der Zeit versetzt wird, um so mchr not, die ernsten und verantwortungsbewußten Stimmen nicht zu überhören, die uns dem Lager der uns keineswegs freundlich gesinnten, aber subjektiv nach Gerechtigkeit strebenden deutschen Kreise sich vernehmen lassen. Wir rechnen zu diesen ernsten und insbesondere vom orthodoxen Judentum ernst z u n c h in e n -- d e u Stimmen eine an Umfang nicht sehr große, aber klar durchdachte Broschüre zur Iudensrage von Gerhard Kittel,*) dein bekannten Theologen der Universität Tübingen. Ts ist ihrer bereits in einzelnen jüdischen Zeitschriften Erwähnung getan worden, aber mau hat dort überall aus der nach allen Seiten hin abwägenden Arbeit nur das herausgegriffen, was dem eigenen Parteistandpunkt entspricht. Damit wird inan unseres Erachtens dem Buche Kittels nicht gerecht. Es ist in unseren Augen wirklich ein ehrlicher Versuch, dem offenbar in der eigenen Brust des Verfassers vorhandenen Konflikt zwischen ethisch-christlicher, Gesinnung, und deutschvölkischer Politik einen Ausweg zu suchen; was voraussetzt, das; dieser Konflikt von deüi Verfasser in der Tat als ein ernster und gewichtiger empfunden worden ist. . Kittel geht von der These aus, daß die Iuldenfrage, worin das überlieferte Judentum gewiß mit ihm übercinstimmcn wird, durchaus einzig in der ganzen Welt dasteht, daß auf dem ganzen Erdball keine g e f d) i d; 11 i ch e Gege b e nh eit e x i st i e r t, die sich m i t d i e s e m Volke r g e s ch i ch t l ,i ch e n Problem irgendwie in Vergleich st ell en l ä ß t. In der Tat: wir dürfen von unserem Standpunkte aus sagen und werden dabei Kittels Zustimmung finden: So wie G'tt einzig ist und sein Volk einzig auf Erden, so ist auch die geschichtliche Lage dieses Volkes allem sonstigen Sein und Werden der Geschichte unvergleichbar. Aus dieser einzigarKgen Lage des jüdischen Volkes mitten' unter den Nationen der Erde und nicht in irgend einem exotischen Winkel, sondern im Brenn- ' *) Dle-Iudenfrage. Von Gerhard'K tiie f. Stut tg a r t. 1933. K o h l h a m m e r. Punkt ouropäisch-amerikauischer kultucentwicklung entstehen naturgemäß Konflikte in dem 2lugenblick, in dem die Völker sowohl kraft ihres nationalen Kulturbewnßtseinö, als kraft ihrer nationalen Interessen ihrer völkischen Eigenart mit wachsender Stärke sich bewußt werden, sie in politischen Gestaltungen auswirken lassen wollen, ja sie schließlich zum Ersatz der schwindenden religiösen Lebenswerte erheben. Diese Konflikte, sobald sie sich in irgend einer geschichtlichen Situation zuspitzen, können nach Kittel theoretisch aus vierfache Weise gelöst werden. Wau kann die Juden totschlagen, kann den jüdischen Staat in Pa- Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat September Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M, lästina oder anderswo wieder Herstellen und dort die Juden der Welt zu sammeln versuchen, man kann die Iudenheit auf dem Wege der allmählichen Assimilation in den anderen Völkern aufgehen lassen — oder endlich inan kann entschlossen und bewußt den jüdischen Gruppen die Stellung einer „Ist'emdlingschaft",. also eines gesetzlich geregelten Gastverhältnisscs, verleihen. Kittel verwirft die drei ersten Möglichkeiten, wobei bei Erörterung der ersten etwas mehr menschliche Liebe wohl sympathischer berührt hätte, als die Behauptung, diese „Möglichkeit", die des Totschlageus nämlich, fei „undurchführbar" und; entbehre „des inneren Sinnes". Den Zionismus verwirft Kittel aus sechs — mehr oder minder öiskutabeln — Gründen, von denen der letzte für uns ein besonderes Interesse hat, wegen des Gegensatzes nämlich zwischen einer echt religöseu Endhoffunng und den Zielen eines säkularisierten und verweltlichten Judentums. Bei der Erörterung der dritten Möglichkeit, der Assi m i l a t i o n , geht Kittel nun von einer Voraussetzung aus, die, wenn man sie vorbchaltlos Zugabe, die Konsequenzen, die er daraus zieht, allerdings mit Notwendigkeit rechtfertigen würden, von der Voraussetzung nämlich, daß der sich assimilierende, seiner Religion, seinem G'tte wie seinem Volkstum entwurzelte Jude für das Volk, in dessen Mitte erlebt, ein direkt zersetzendes Element soi, ein Gift, das den Volkskörper letzten Endes von innen heraus auflösen und vernichten müsse. Die Argumentation Kittels zu Gunsten dieser Behauptung, gegen die wir nicht polemisieren möchten, obgleich sic mit Vorbehalten zu versehen ist, würde weit überzeugend er und innerlich wahrer sein, wenn er nicht Zwei so verschiedenartige Dinge, wie den Internationalismus der kapitalistischen G c l d - macht und den Internat,ionalismus des Men'schh e i t s g e d a n k e n s und der M e n s ch h e i t s - k u l t u r ohne weiteres als gleichwertig nebeneinander stellte und sich dadurch die Möglichkeit verrammelte. die ewige Geltung aller übernationalen Sittlichkeit und der dem G'tt d e r g a n z c n m c n s chh e i t zugewandten religiösen Inbrunst mit dem gebührenden Ernste zu betonen. Durch diesen IAiler der Darstellung — vielleicht ist es ein von der Politik verschuldetes Manko an menschheitlichem Fühlen — setzt sich Kittel eigentlich in schroffen Gegensatz z n der religiösen Lehre, die er selber vertritt. Denn es ist ja nicht wahr, daß die Vertreter des Menschheitsgedaukens, wie sie seit Jahrhunderten in der Kirche wie in K u n st ii n d Wissenschaft als Herolde der übernationalen Werte des G'ttesbewußtseins, dar Liebe und der Brüderlichkeit aufgetreten sind, darob etwa den ewigen D e l t u n g sw e r t d e r Ratio n völlig verkannt oder au ch nur bagatellisiert hätten. Und wo solche Einseitigkeit und Vlindheit herrschte, da wäre es zur Richtigstellung keineswegs nötig, ins entgegengesetzte Extrem zu verfallen und alle Bindungen zu zerreißen, die Völker und Rassen als Kindes G'ttes umschlingen. Doch das nur nebenbei. Auf Grund der erwähnten These kommt Kittel zu dem Ergebnis, daß der vom Nationalsozialismus unserer Tage in Deutschland beschrittene Weg, den Inden die staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu nehmen und sic als ^frcindvolk mit beschränkten Rechten im Gastverhältnis zu dulden, der einzig sittliche, logische und zweckmäßige Weg sei. Kittel ist sich der p s v ch i s di e n Konsequenzen des revolutionären Aktes, den er hier aus Gründen der höheren Staatsnotwendtgkeit befürwortet, in höherem Maße bewußt als der w i r tscha s t (i ch e n. Er spricht von den großen Parten, die durch diese

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