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Der Israelit · 1933-08-10 · Heft 32 (10.8.1933) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 32 (10.8.1933)
Date
1933-08-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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10. August 1933 Normpsnäenren * Nachrichten. Palästina. Die gerichtliche Untersuchung des Arlosoroff-Mordes. Jaffa, 3. August Anläßlich der Wiederaufnahme der Vernehmungen im Untersuchungsverfahren gegen Abraham Stavsky kündigte der Staatsanwalt zur allgemeinen Ueberrafchung an, daß er das Verfahren auchauf Rosenblatt und Minz aus de h n e, die er ebenso wie Stavsky und andere noch Unbekannte der Verschwörung zur Ermordung Dr. Arlosoroffs beschuldigte. Stavsky, R o f e n b l a t t und Minz wurden gemeinsam vor Gericht gebracht. Es wurden bloß zwei Zeugen, nämlich der Leiter des Ermittlungsamtes der Kriminalpolizei, Hauptmann Rice, und der Kassier der Einwanderungsabteilung, Jsaac Joseph Chaluz, einvernommen. Hierauf wurden die Verhandlungen auf den 9. August vertagt. Hauptmann Rice legte in einer dreistündigen Aussage die Einzelheiten des Falles auf Grund der von der Witwe des Ermordeten und anderen Personen gemachten Angaben dar. Am Sonntag nach dem Mord, erklärte er, wurden der Witwe 10 Photographien vorgelegt. Sie bezeichnete die Photographie Stavskys als diejenige des Mannes, der dem größeren der beiden Attentäter gleiche. Auf Grund dieser Aussage, aber auch auf Grund anderer Indizien wurde Stavsky am Montag verhaftet. Anläßlich einer am Montag abend vorgenommenen Jdentifizierungsoorführung wurde Stavsky von Frau Arloforoff unter 16 anderen Personen erkannt. Als sie näher an ihn herantrat, fiel sie in Ohnmacht. Einige Minuten später schritt sie wieder die Reihe entlang und bezeichnet? abermals Stavsky. Hierauf verlangte sie, daß die Leute Vorbeigehen, was geschah. Nunmehr bezeichnete sie vier von ihnen als dem größeren der beiden Attentäter ähnlich. Sodann verlangte Frau Arlosoroff, daß jeder der von ihr bezeichneten Männer die Worte „Kama ha'Schaah" (wie spät ist es?) spreche, die von den Mördern gebraucht worden waren, als sie sich an Dr. Arlosoroff wandten. Nachdem Stavsky die Worte gesprochen hatte, erklärte Frau Arlosoroff, er versuche, mit verstellter Stimme, aus der Kehle, zu sprechen. Hauptmann Rice erklärte weiter, er habe am Sonnabend abend mit zwei Polizeibeamten an der Mordstelle einen Lokalaugenschein vorgenommen, Experimente angestellt und die Ueberzugung gewonnen, daß Frau Arlosoroff die Täter im Widerschein der Lichter von Jaffa und im Sternenlicht erkennen und somit eine Beschreibung von ihnen geben konnte. Bezüglich Rosenblatts erklärte er, er habe feine Verhaftung auf Grund einer geheimen Information angeordnet. In diesem Beschuldigten habe Frau Arlosoroff in der am 29. Juli v o r g e n o m - menen Jdentifizierungsvorführung den zweiten Komplizen erkannt. Am folgenden Tage wünschte sie, Rosenblatt unrasiert zu sehen. Hierauf erklärte sie Hauptmann Rice, sie sei überzeugt,, Rosenblatt am Strande gesehen zu haben, als Dr. Arlosoroff ermordet wurde. Die neue Pächterschutzversrdnung für Palästina. Ierusalem, 3. August Die vor kurzem veröffentlichte neue Pächterschutzverordnung für Palästina sieht die Einführung des Begriffes eines „gesetzmäßigen Pächters" (statutory tenant) vor. Unter diesen Begriff fallen jene Pächter, die ihre Pachtung zumindestens ein Jahr lang innehaben und bearbeiten. Die Entfernung solcher Pächter von ihrem Boden soll mit Ausnahme gewisser Fälle nicht möglich sein. Gegen solche Pächter kann ein Räumungsbesehl nicht erlassen werden, wenn sie den Pachtschilling entrichtet, das Pachtgut nicht vernachlässigt und kein vom High Commissioner als solches anerkanntes zur Bestreitung des üblichen Lebensunterhaltes ausreichendes Landstück (subsistance area) zugewiesen, erhalten haben. Dieses Landstück soll „soweit die Umstände es zulassen", in der Der Israelit__ Nähe jenes Grundstücks liegen, das vom Pächter geräumt werden soll. Gegenüber der noch in Kraft stehenden Verordnung bringt die vorgeschlagene Bill insofern eine Modisizierung, als Weiderechte nur dann anerkannt werden, wenn ihre tatsächliche Ausübung durch die auf sie Anspruch erhebenden Personen oder deren Beauftragte zum letzten Mal vor nicht mehr als 7 Jahren vor der Klageerhebung und ununterbrochen durch mindestens 5 Jahre hindurch gewohnheitsmäßig erfolgte. . Das Pachtverhältnis kann nur schriftlich aufgekündigt werden, und nicht früher als ein Jahr nach dem auf die Kündigung folgenden 1. Oktober enden. Eine Abschrift der Kündigung muß vom Grundherrn dem Distriktkommissar vorgelegt werden. Irak und Palästina. Jerusalem, 26. Juli Wie dem hefigen „Doar Hajom" aus zuverlässiger Quelle von London gemeldet wird, ist zwischen König Feisal während seines Aufenthaltes in London und der englischen Regierung ein Vertrag wegen des Baues einer Eisenbahnlinie Haifa — Bagdad zustande gekommen. Die englische Regierung werde das für den Bau der Bahn erforderliche Kapital von 8 Millionen Pfund zur Verfügung stellen. Diese erfreuliche Nachricht trifft leider mit einer ganz merkwürdigen neuen Hetze der arabischen Presse im Irak und in Palästina gegen die Juden zusammen. Die arabischen Zeitungen in Bagdad veröffentlichen fortgesetzt Artikel, die sich gegen die Balfour-Erklärung richten und die Irak-Bevölkerung in eine feindselige Stimmung gegen die jüdische Einwanderung wegen ihrer angeblich politischen Gefahren hineintreiben. Auch die palästinensische Presse in Palästina enthält einen Niederschlag dieser Hetzbewegung in Form von Korrespondenzen aus dem Irak und von eigenen 'Aufsätzen. Demgegenüber sind von jüdischer Seite in der Vagdader Presse Stimmen laut geworden, die auf die absolute Loyalität der Bagdader Juden Hinweisen und darauf aufmerksam machen, daß es auch vom arabischen Standpunkt aus völlig verkehrt ist, die in Palästina vorhandene Gegnerschaft gegen die Balfour-Erklärung äUsden Irak zu übertragen, wo die Juden ja unter allen Umständen immer nur unangefochten als nationale und religiöse Minderheit leben wollen und noch niemals von jüdischer Seite das Streben zur Erlangung einer Mehrheit zutage getreten ist. Sabbatentweihung im Hafen von Haifa. Jerusalem, 27. Juli. Aus einem Berichte, den der Leiter der Bauarbeiten im Hafen von Haifa vor Pressevertretern erstattete, und in dem er genau die Einzelheiten der Arüeitsverteilung nach Wochentagen und Stunden angab, ergibt sich, daß 2 7 0 jüdische Arbeiter regelmäßig am Sabbat arbeiten. Bekanntlich hatte bei Beginn der Dauarbeit, als es sich um die Steinlieferung aus dem Steinbruch von Athlit handelte, eine Intervention der „Agudas Jisroel" und anderer jüdischer Organisationen dazu geführt, daß die jüdischen Arbeiter im Steinbruch am Sabbat befreit wurden. Es ist schwer einzusehen, warum man jetzt nicht mit der gleichen Energie vorgeht, da es sich um nicht weniger als 270 Juden handelt und de technischen Schwierigkeiten, diesen Juden ihren freien Sabbat zu verschaffen, wesentlich geringer sind, als es nach den Angaben der englischen Ingenieure damals in Athlit der Fall war. Es müßte hier von Seiten der jüdischen Instanzen energisch zugegriffen werden, damit man sich nicht allmählich an den Chillul Schabbos so gewöhnt, wie es leider in der Diaspora der Fall ist. Aber nur wenn die jüdische Presse unausgesetzt protestiert und mahnt und sich als das Gewissendes I i s ch u w bewährt, wird die Katastrophe vermieden werden können, daß man auch im heiligen Lande die Sabbatentweihung als eine Selbstverständlichkeit betrachtet. Hier ist eine gewaltige publizistische Aufgabe zu lösen. Wirtschaftliches aus dem heiligen Land. Tel-Awiw, 23. Juli. Die nächste Levante-Messe soll 1934 in Tel-Awiw stattfinden. Ein riesiges Ausstellungsgelände ist bereits gesichert und das neue Unternehmen wird Hunderten von Leuten Arbeit gewähren. Es ist interessant, festzustellen, daß an der Messe 1932 bereits 24 Länder und mehr als Nr. 32 Seite 11 800 Firmen teilnahmen, während es 1929 nur 14 Länder und 121 Firmen waren. Die offizielle Eröffnungsfeier soll aus dem Ausstellungsgelände schon im nächsten Monat stattfinden und es wird erwartet, daß das erste Gebäude der britische Pavillon sein wird. Diese nächstjährige Levante-Messe soll zugleich das Jubiläum des 23jährigen Bestehens der Stadt Tel-Awiw feiern, die sich in diesem Zeitraum aus einer kleinen Vorstadt Jaffas zu einer Stadt von über 70 000 Einwohnern entwickelt hat. Das gegenwärtige hauptsächlichste ökonomische Problem für Palästina ist der hier herrschende Ueberfluh an flüssigem Bankkapitol, für das die notwendige nutzbringende und zugleich unbedingt sichere Anlage nicht zu finden ist. Eine arabische Messe findet zur Zeit in Jerusalem statt. Sie gibt ein Bild der traditionellen arabischen Industrien, die aber nicht einmal alle vollständig vertreten sind. Weder die Regierung, noch jüdische Rotabeln, noch jüdische Journalisten sind zur Eröffnung eingeladen worden. In Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, fand eine arabische ökonomische Konferenz statt, an der 200 Delegierte teilnahmen. Dort wurde ganz offen ausgesprochen, daß jüdisches Kapital und jüdischer Unternehmungsgeist notwendig seien, um Transjordanien aus seiner wirtschaftlichen Erstarrung zu lösen und es einer gedeihlichen Zukunft entgegen zu führen. Lebensbedingungen in Erez Jisrscl. Tel-Awiw, 25. Juli. Vielfache Anfragen zeigen, daß man im Auslande noch vielfach im unklaren darüber ist, wie hoch sich das heutige Existenzminimum in Erez Jisroel beläuft. Es sei daher folgendes festgestellt-. Der einzelne Mensch kann in Erez Israel, wenn er sich selber verköstigt oder in einer billigen Speisewirtschaft ißt, mit ca. 5 Lst. monatlich Logis und Kost bestreiten. Für Familien ist der Mietpreis ausschlaggebend. In Tel-Awiw kostet heute eine Zweizimmerwohnung mit dem üblichen Zubehör durchschnittlich 5 Lst. monatlich, während solche Wohnungen z. V. in Jerusalem Uttd Potach-Tikwah schon für 3 Lst. zu haben sind. Für 1 Shilling erhält man 1 Pfd. Fleisch mit Knochen oder je nach der Jahreszeit 10 bis 20 Eier oder 2 Liter Milch oder ]4 Pfd. Butter. Man ißt viel Gemüse und Obst, beide sind, soweit sie einheimisch sind, billig. Das Gemüse ist sehr zart, das Obst in der Regel ohne Würmer. Eine Familie von drei Personen kann bequem mit 4 Shilling täglich für Lebensrnittel auskoinmen, wenn sie sich mit einheimischen Produkten behilft und nur am Sabbat Fleisch ißt. Das wären 6 Lst. im Monat fürs Essen bei weiser Beschränkung und Verzicht auf jegliches Ueberflüssige. S. G. Ein neues Gemeinderabbinat für Jerusalem. Jerusalem, 25. Juli. Die Bemühungen des „Waad hair lijehude Jerufcholajim", ein Jerusalemer Lokalrabbinat zustande zu bringen, haben nun endlich nach monatelangen erfolglosen Beinllhungen zu einem Ergebnis geführt, .das allerdings für die Initiatoren der ganzen Bewegung wenig rühmlich ist. Man hatte die Mitglieder des aschkenasischen Oberrabbinats, die Herren Rabbinen Frank und B e r n st e i n , wie es der Natur der Sache entsprach, zu Mitgliedern dieses lokalen Gemeinderabbinates machen wollen. Von diesen beiden Rabbinen, die der Kneses Israel aus religiösen Gründen ferngeblieben waren, entschloß sich Rabbiner Frank zuerst, dem Drucke des Waad hair nachzugeben und der Kneses Israel beizutreten, während Rabbiner Bernstein dies rundweg ablehnte. Allein auch Rabbi Pesach Zwi Frank stellte religiöse Bedingungen, die die Gemeinde nicht genehmigen wollte. Man hat sich also gezwungen gesehen, auf beide Herren zu verzichten und schließlich einen Bruder von Oberrabbiner Kuk, Rabbiner Dow Kuk, sowie einen erst vor wenigen Monaten ins Land gekommenen Rabbiner Schapiro, der zuletzt in Moskau wohnte, in das Rabbinat zu berufen. Die religiöse Festigkeit der Rabbinen Frank und Bernstein, die durch ihre Weigerung sich selber gewiß fühlbare materielle Nachteile zugefügt haben, bedeutet auf alle Fälle einen Kiddusch haschem. Oberrabbiner Kuk lehnte es ab, in der Angelegenheit Stellung zu nehmen.

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