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Der Israelit · 1933-08-03 · Heft 31 (3.8.1933) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 31 (3.8.1933)
Date
1933-08-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 31 Der Israelit 3. August 1933 Israel ihr Zuhause ist — und denen man es jetzt erst gesagt hat. Eine flüstert mir zu: „Das ist gut, daß sie es jetzt wissen, schreib' ihnen doch gleich, wenn Sabbat aus ist, daß sie alle, alle hierherkommsn sollen!" 5. Ein paar von den amerikanischen Damen, die hie und da zur „Besichtigung" kommen (sie stellt sich nachher als mehr oder minder zwecklos heraus) — haben eine nette Idee. Sie stiften einen „Tijul" für alle Kinder. Einen Tijul in eine der nahen Kolonien. Alles strahlt von Röb David, dem Later des Dauses, der immer und ständig für feine Kinder arbeitet — bis zur kleinen Chanaith, von deren Erscheinen im Heim ich Euch erzählt habe. So ein Tijul kostet viel Geld, denn laufen können die Kinder bei der Hitze nicht so weit, und man muß teure Omnibusse knieten. Die amerikanischen Damen ziehen merkwürdigerweise mit, aber die Kinder beachten sie gar nicht. Wie nett sie alle aussehen, in den frischen Hellen Kleidchen, die für jedes Einzelne paffend ausgewählt und zurechtgemacht find, (wieviele sind noch aus Deutschland geschickt worden!) Auf der Fahrt sangen sie an zu singen, die Chauffeure natürlich kräftig mit Sie ahnen nicht, wie gut es tut, keinen „Risch'us" zu fürchten, wenn man laut unsere Lieder in unserer Sprache singt. Man hält in einer Moschawah und unterhält sich über die Form unserer jüdischen Siedlung und über die anderen Formen: Moschaw Owdim und Kwuzah. Die meisten finden den Moschaw am „richtigsten": „Alle haben doch ihre eigenen Häuschen und ihre Felder, aber Arbeiter halten sie keine und können ihnen auch dann nicht zu wenig Geld geben!" Das größte Interesse finden Kühe und Hühner. Das ist mal was anderes, als immer Kamele und Esel. Der Kindergarten der Moschawah interessiert einige der Großen zumeist, arbeiten sie doch abwechselnd bei den Kleinen des Heims. Sie geben genau acht, was es da Neues auf dem Gebiet der Kindergartenarbeit zu sehen und zu hören gibt, und sie nehmen die Anregungen auf, um sie daheim zu verwerten. Der Tijul hat. die Großen und Kleinen angeregt und ermuntert. Und doch — so wertvoll er war — fragen wir uns alle dann: war es richtig, so viel Geld auszugeben? Bares Geld, für das man Kleidung und Essen hätte kaufen können? Für das man die notwendigster! Reparaturen im Haus hätte vornehmen können? — Aber irgend etwas in uns regt sich sehr gegen diese Ueberlegung, Ihr versteht, warum, und Ihr denkt sicher, wie ich, daß hier geholfen werden m u ß. Daß alle, die die Stadt Jerusalem auch als ihre Mutter empfinden und sich aus der Ferne nach ihr sehnen, diesen ärmsten ihrer Kinder helfen möchten! Anmerk. d. Red. Alle Geld- und Warensendungen (Slossreste für Kleider, unmoderne, aber nicht zerlumpte Kleider, Äluminiumkeller, Gummischwämme. Wachstuch, Strümpfe usm.) werden an die Adresse: Weingarten'sches Waisenhaus. Jerusalem. P. O. V. 207, erbeten. Ainderecke. Eiijohll, Hanowi. Zu öcn populärsten biblischen Gestalten gehört gewiß der Prophet (5 l i j a h u. Doch ist diese Gestalt Nicht einheitlich, wir kennen Elijahu im biblischen Gewände des g r o st e n Eiferers für G'tt und das Gesetz. Wir kennen ihn auch im milden Lichte der talmudischcn Ueberlieferung, da er der jüdischen Gesamtheit oder auch Einzelnen als Retter in der Rot erscheint. Dann aber rufen wir ihn wie eine letzte Hoffnung an, der als Bruder und Schrittmacher von Ai oschiach, auf den Höhen Jerusalems die Stunde der Erlösung künden wird. l. Elijahu der Bibel kennt Ihr alle von der Schulbank her recht gut. Er ist Zeitgenosse von König A d) a d und der Königin I s c b c l, die wohl zu den schlimmsten unter den israelitischen Königen nach Teilung des Reiches gehörten. Elijahu steht ganz allein, verkannt, gehasst und gemieden, und ihm gegenüber sind an Tausend Propheten des Baal und der Aftartc. Er kündet das Unglück, Dürre und Hungersnot, als Strafe G'ttes an. Achab aber spottet: „Ist doch die Verwünschung Mosis nicht eingetroffen. Hatte er nicht vorausgesagt, dast zur Strafe für den Götzendienst G'tt den Himmel schließen werde, daß kein Regen komme und der Boden seinen Ertrag nicht mehr gebe? Run dienen wir Götzen und Regen des Himmels wie Ertrag des'Bodens bleiben nicht aus. Konnte uns somit Moses nichts anhaben, was sollten wir da den kleinen Elijahu fürchten?" Elijahu aber betete in sviner Einsamkeit, ibast ihm G'tt den Schlüssel zum Regen anvertraue, was ihm gewährt wurde. Es ist einer jener drei Schlüssel, die sonst G'tt nie aus der Hand gibt, (nämlich neben dem zur Regenkammec den Schlüssel zur Geburt des Menschen und zur Wiederbelebung der Toten.) Elijahu bekam den einen Schlüssel, den zum Regen, in die Hand, und der Hnnmek blieb verschlossen. Wie nun Hunger und Rot im Lande herrschten, richtete sich der Zorn des Königshauses und des Volkes gegen den Propheten in den Wäldern, als hätte er das Unglück verursacht. Er mußte noch weiter flüchten, von den Menschen verlassen, verbannt und geächtet, erbarmten sich die Geschöpfe seiner, und die schwarzen Raben, die den Menschen sonst nicht sonderlich lieben, waren es, die ihm Speis und Trank zutrugen. Rach einem kurzen Zusammentreffen mit Achab, bei dein er dem König unerschrocken fern ganzes Sündenregister vorhielt, versammelte er das Volk auf dem Berge Karmel (man steht den prachtvollen terrassenförmigen Berg heute noch, wenn man auf einer palästinareise in Haifa landet). Ihr kennt ja alle den Vorgang aus dem Karmel aus der biblischen Geschichte, oder, wie man hoffen möchte, aus der Bibel selbst, ganz genau, wie es den Baalpropheten bei all ihren Künsten nicht gelang, das Feuer vom Himmel herabzuholen, während Elijahu das Feuerzeichen von G'tt bekam. Wie die Verführer und falschen Propheten ihre wohlverdiente Strafe erhielten und das Volk einstimmig in den Ruf einfiel: „Der Ewige ist führt wird, stets unsichtbar mit dabei. Gab und gibt es doch in den alten Synagogen sogar noch kunstvolle Sessel, die man den Stuhl des Elijah nennt und eigens für die Bcishandlung bestimmt sind. Das mit der Teilnahme Elijahus am Bris hat seine eigene Bewandtnis. In feiner Verärgerung in der Einsamkeit hatte er einmal, wie im „Buche der Könige" erzählt wird, auch die Aeußerung getan '2 •jnnn m nT5' „denn sie haben deinen Bund (Bris Milch) aufgelöst." Das war übertrieben, und auch der Prophet soll nicht von Israel Dinge behaupten, die nicht ganz zutreffen. Jesajas verbrannte sich bei solcher Gelegenheit einmal den Iti un 6 (stehe Kap. 6). Auch Elijahu wurde seitdem dazu verurteilt, bet jedem Bris mit dabei zu sein, um sich zu überzeugen, daß er doch nicht ganz recht hatte. Er wird es wohl mehr als Genugtuung denn als Strafe empfunden haben. 5 Zuletzt erwarten wir Elijahu als v o r b o t e n des M o s chi a ch. Beachten wir seine Mahnungen in der Bibel und empfinden wir seine warme Rähe im täglichen Leben, wie sie unsere talmuöischen Lehrer empfunden haben, dann erleben wir Elijahu auch in seiner dritten Gestalt. Möge er bald kommen und Israel wie der Welt den so sehnlichst erwünschten Trost bringen. G'tt.' ..." Ihr wißt auch aus der Bibel, dast damit die Leidenszeit Elijahus noch nicht zu Ende war. Wie er wiederum vor Ifebel flüchten mußte. Wie ihm G'tt erschien, nicht im Sturm und Beben und in Feuerflannnen, sondern in einem stillen sanften Säuseln. Wie er schließlich auf feurigem Rost und Wagen der Erde entschwindet und zum Himmel hinaufsteigt. 2. Da er nicht nach Menschenart stirbt, so lobt er weiter. Unzählige Geschichten im Talmud und Midrasch berichten davon, wie Elijahu unter den Menschen wandelt und sich immer zur rechten Zeit einftellt, wo die Uot am größten ist, einmal als einfacher Wandersmann, einmal als Minister, der den König zugunsten der Juden berät, einmal als Sklave und Baumeister, um einem atmen frommen Mann, der in große Uot geraten war, auf die Beine zu helfen. Er erscheint des öfteren im Lehrhause von Rabbi Iehuda Hanasi. Als er einmal am Remnondsfeste zu spät kommt, entschuldigt er die Unpünktlichkeit damit, daß er heute, am Feste des Ueumondes, die Erzväter nacheinander aus dem Grabe wecken mußte, damit sie ihre Gebete verrichten. Mit Rabbi Srika .unternahm er einmal einen kleinen Studiengang durch den Markt. „Wer von diesen Menschen, die sich hier bewogen, kann auf einen Ehrenplatz in der künftigen Welt rechnen?" fragte der Rabbi. Elijahu, der Prophet, überging viele von den Reichen und Vornehmen und wies auf drei einfache Menschen hin. Einer von diesen sah nach Kleidung und Wesensart überhaupt nicht einem Juden ähnlich. Die zwei anderen kamen reichlich armselig und unscheinbar daher. Wer waren diese Männer, denen Ehrenplätze in der ewigen Welt des Lichtes beceitstanden? Der Rabbi, der ihnen nachging, erfuhr von dem einen, der nicht jüdisch aussah, daß er- Gefängniswächter sei und seine stille Ausgabe darin sehe, gefangene Juden oder sonst unschuldige Menschen vor Unbill zu schützen. Auch im Momente hatte er es sehr eilig, denn er war auf dem Wege zu den jüdischen Führern, um ihnen von einem den Indendrohenden Verhängnis Mitteilung zu machen. Die zwei anderen waren Spaßmacher von Beruf, Brüder Lustig, die ihre Freude daran hatten, niedergeschlagene Gemüter aufzurichten und aufzuheitern. Diesen unscheinbaren Menschen, sagte Elijah, der Prophet, wird -der Platz neben den Frömmsten und Besten im Gan Eden sicher sein. Das ist nur eine kleine Auslese von den unzähligen Geschichten, die von der Uähe Elijahus und seinem Fortleben in unserer Mitte zeugen. Und kommt er nicht auch zu UNS oft genug? Er ist Jahr für Jahr unser S e d e r g a st , dem wir den Ehrenbecher füllen. Er tritt, wenn der Sabbat zu Ende ist, in unser Fämilienheim, und wir begrüßen ihn mit einem schönen alten Liede. Wir denken seiner in Ehren und Liebe nach jeder Mahlzeit im Tischgebete, daß „er bald komme und uns künde gute und trostreiche Botschaften." Er ist, wenn ein jüdischer Knabe im Alter von acht Tagen in den Bund Abrahams einge- Armenhilfe in dieser Zeit. (Für die Größeren.) •*]T> m* nr.sr» nns '2 „Oeffnen sollst Du ihm Deine Hand." (5. B. M., Kap. 15, Vers 7.) Der Dubner Magid Vst. vergleicht die Armenhilfe in folgender Weise: Zwei Leute haben zusammen eine Zisterne. Hierüber ist ein Rad, worum ein Strick ist. An jedem Ende dieses Strickes ist.ein Eimer. Wenn ein Eimer nun im Wasser ist, kann man den anderen leeren. Aber damit man den anderen Eimer auch leeren kann, muß der andere seinen Eimer auch etwas herunterlassen.. So ist es auch mit der Armenunterstützung. Damit der Arme etwas hochkommen kann, muß der Reiche sein Vermögen etwas verkleinern. Aber er soll nicht denken, daß er mit dem Armen nichts zu tun hat. Sonst gibt ihm, wenn es umgekehrt wird, der Arme auch nichts. Wie wichtig diese npnx (Armenunterstützung) aber ist, beweist uns das Gebet von narn <?tn- Darin heißt es: •mran yn m rn’jyfc rtj?*T!rt »i*srn .isiDM Und Rückkehr, Gebet und Armenunterstützung wenden den bösen Beschluß ab. Aber nur diese drei Dinge können uns mit G'tt versöhnen. Nun gibt es acht verschiedene Stufen der npnx (vgl. Choreb, Hirsch): Die höchste Stufe ist, den Armen eine Möglichkeit zu geben, sich selbständig zu ernähren. Die zweite, daß der Geber nicht weiß, wem er gibt, und der Empfänger nicht weiß, woher er es bekommt, die dritte, daß nur der Empfänger nicht weiß, woher er es bekommt ufw. Nun haben in Köln vor zwei Jahren einige Jungens im Alter von 10—12 Jahren eine nxnx-Bewegung gegründet. Da wir aber weder Darlehen austeilen, noch irgend eine andere Möglichkeit bieten können, um zum selbständigen Erwerb zu verhelfen, mutzten wir uns mit der zweithöchsten Stufe zufrieden geben. Unsere Mitglieder zahlen die Beiträge. Diese betragen 0,05 RM. Der Kassierer übergibt diese dem Ehrenmitglied, der sie verteilt. Keiner weiß, von ^wem er das Geld bekommt. Unsere diesjährige Schowuaus-Aktion brachte fast RM. 40.— ein. Das Geld bekommen nur Kölner Arme, (vgl. Rafchi 5. B. M., Kap. 15, Vers 7). Vor einigen Monaten ist es Herrn Rabb. Bayer gelungen, in Euskirchen (Rheinl.) eine Zweigstelle unseres Vereins zu gründen. Gleichzeitig ist es dem Herrn Lehrer Wolf gelungen, in Siegburg (Rheinl.) eine Zweigstelle unseres Vereins zu gründen. Nun fei noch gesagt, daß unser Verein nana bniv heißt. Wir hoffen, daß wir bald Schule machen. Denkt daran, der Lohn für ist, daß sich G'tt, gelobt sei Er, unser erbarmt. (Jore dea, 247.) Auskunft erteilt: Philipp Jungermann, Köln, Brabanterstraße 11. Magische hebräische Quadrakräksel. I l U I I M n M 1 1. In die einzelnen Quadrate sind die hebräischen Wörter einzusetzen, die wagerecht und senkrecht gleichlautend sind. Sie bedeuten folgendes: 1) Braten 2) Lecken 3) Teuer. 2. In die einzelnen Quadrate sind die h e b r. Wörter einzusetzen, die wagerecht wie senkrecht gleichlautend sind. Sie bedeuten folgendes; 1) Suppe 2) Sehet k (Imperat) 3) Stimme. 3. In die einzelnen Quadrate sind die h e b r. Wörter einzusetzen, die wagerecht wie senkrecht gleichlautend sind. Sie bedeuten folgendes: 1) Stammutter (Herrin!) 2) Richterstätte (erhabene) 3) Der Berg.

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