Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1933)
- Date
- 1933-07-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Hfäfler der £andesorganifalion der Ngudar-Iisroel in Veutfokland. Berlin, 2V, Jul! 1S33 / 28. Tammus 8893 Nummer s Schriftleitung: Wolf S. Jacobson in Berlin.Verlagspost an st alt Frankfurt a. M. l 9. Jahrganc Seren Hajischuw. » «Drei Wochen"-Aktion. Die paläM.a-CetttxaK -er Aguöas Jisroel spielte in den letzten Jahren bei allen rühmlich hervorzuhebenden Ausnahmen, doch eine ge wisse aschenbrd'dlerische Rolle. Man glaubte mit gelegentlichen Spenden hie und da, mit kleinen Beiträgen, wie man sie irgend einem Verein gibt, das Seinige getan zu haben. Die steten und immer wiederkehrenden Forderungen der Palästina-Centrale wurden nicht überall mit Wohlwollen ausgenommen. Man sprach von der Not der Diaspora, man wies auf die mannigfachen anderen Verpflichtungen hin und verschloß sich mehr oder minder der Tatsache, daß hier in Crez Jisroel der gigantische Rampf zweier Weltanschauungen innerhalb der Judenheit ausgekämpft wird, daß von hier aus das Signal für die ganze Gola gegeben wird, ob im Zentrum des Judentums die Thora stehe, oder ein Nationalismus, in dem gütrstigenfallr Religion Privatsache ist. Es haben fich unsere Freunde mit beispiellosem Opfermut freiwillig zu einer Isolierung entschlossen, die mit einem Verzicht auf wirtschaftliche Möglichkeiten, aus Ehre, Ansehen verknüpft war. wir haben ihnen in ihrem Kampfe nicht allzuviele Hilfe geleistet, wir haben uns darin von dem Idealismus religionsentfremdeter Juden bei weitem übertreffen lassen, die für ihre Ideale Opfer zu. bringen verstanden. Nun steht auf einmal Crez Jisroel im Mittelpunkt des jüdischen Denkens, Harter wirtschaftlicher Zwang treibt unsere Jugend ins Heilige Land und wird — soweit Menschen zu sehen vermögen — auch die Blüte und den Kern der gesetzestreuen Juden Deutschlands immer mehr und mehr veranlassen, sich mit Erez Jisroel als sehr realer Tatsache zu befassen. — wenn es irgendwo gilt, Teschuwo zu tun, und schleunigst das versäumte nachzuholen und den Boden, der die jüdischen Menschen aufnchmen soll, so vorzubereiten, daß diese jüdischen Menschen nicht in der Flut des unreligiösen Lebens untergehen, dann gilt dieses in Bezug auf die agudrstifche Erez Jisroel-Arbeit. — Jetzt in den „drei Wochen", der trüben Grinnerungszeit an den Untergang unserer nationalen Selbständigkeit und des G'ttesheiligtums auf Morias höhen, muß Agudas Jisroel durch die Tat beweisen, daß sie nicht erlahmt, um mitten aus den Trümmern der Gegenwart den Bau der Zukunft zu schaffen. — Darum hat die Leitung der Agudas Jisroel gemeinsam mit der Palästina-Centrale einen Aufruf erlassen, der zur Tätigkeit für den Keren hajischuw und öctt Acren Alijah aufsordert. Es bedarf der Worte wahrlich nicht, um jedem Leser dieses Aufrufes nahe zu legen, daß wenn einstens Geschichte unserer Zeit geschrieben wird, man auf ihn Hinschauen wird, ob er in dieser Stunde seine Pflicht getan, um materiell und ideell dazu zu Helsen: daß mittellose Emigranten nach Erez Jisroel kommen können, daß den Menschen, die hinkommen, eine Heimstätte zur Verfügung gestellt werden kann, daß die unten geschilderten hachscharahstätten die materielle Möglichkeit haben, junge Menschen auszubilden, daß der der Aguda gehörige Boden in Erez Jisroel kolonisiert werden kann, daß die Ideale der deutschen Orthodoxie auf kulturellem Gebiete in Erez Jisroel verwirklicht werden können, daß die Jugend, die jetzt dorthin kommt, die mitgebrachte Tradition des Elternhauses in Treue zu bewahren vermag, mit einem Worte, daß Crez Jisroel im Geiste der Thora aufgebaut wird. Mögen diese „drei Wochen" und die anschließende Tcschuwozcit das große Werk der Agudas Jisroel in Erez Jisroel in dem Maße fördern, daß alle daran Beteiligten die Uebcrzeugung haben dürfen, daß das S'chus dieser Mizwa ihnen beistehe zu einem frohen jüdischen Hellen Dasein, das aus dem Dunkel und der Not geboren wird: .nnawbi pw1? r>«Y> '121 •wann V121 oixi Paläflina-Eenkrale öet Agudas Jisroel. Die Stunde der Tat ist gekommen. von den Aufgaben und dem wirken des Keren Alijah. I. Cs erübrigt sich, nach den Ursachen für die Zunahme der Alijah nach C. I. in letzterer Zeit zu suchen. Sie sind verschiedenen Ursprungs und haben ihre Duelle teils in der politischen Lage, teils in der ökouonüscheu Krisis, die große Teile der Iudenheit in Europa und Amerika ersaßt hat. Cö ist aber nicht zu leugnen, daß in der großen Mehrheit die Olim getrieben sind vom Idealismus und vom willen, dem gequälten Volke ein nationales heim zu errichten. Freilich mußte der Anstoß von außen kommen, um jene Erkenntnis zu einem willen zur Tat ausreifeu zu lassen. Sind aber einmal jene Erkenntnisse und jener Wille erwacht, so werden sie nicht mehr zum Schweigen kommen, auch wenn die äußeren Ursachen gegenstandslos werden sollten. Dem neuen Crez Israel wohnt die Kraft inne,j daß es «die Olim, sind sie einmal gekoinmen, mit den j Banden der Liebe an sich fesselt, die nicht mehr reißen. Das gilt ganz besonders und in hohem waße für die gesetzestreuen (Dlim, denen von Kindheit auf Zion zum Traume für die Wiederauferstehung des jüdischen Volkes in Crez Israel, zur Erfüllung der prophetischen Verheißung geworden war. Ulrich von: allgemein jüdischen Standpunkte muß der gesetzestrene. Alijah erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Das gesetzestreue Element wird, hat es sich einmal auf dem Boden Palästinas festgesetzt, sich auch durchweinen Rückschlag und keine Enttäuschung von ihm abdrängen lassen. Schon deswegen allein wäre es Pflicht der Gesamtjudenheit, insbesondere die g e s e tz e s t r c u e Alijah nach wöglichkeit zu unterstützen. Die ökonomische Stärkung der Gesetzestreuen im Lande bedeutet eine Stärkung Palästinas schlechthin. In erster Reihe hat aber das grs-etzestreuc Judentum selbst für seine Dlim zu sorgen. Cs hat angesichts der neuen Entwicklungen die orthodoxe 2lli- ::jab in die Hand zu nehmen und sie so zu organisiejrcn, daß sic nicht wie die früheren Bewegungen einfach im Sande verrinnt, sondern zur Schaffung eines Zentrums mit gcsetzestrenem Eigenleben führt. iDie letzten Alijoth haben gezeigt,, daß es keineswegs genügt, wenn einzelne Gesetzestreuen ins Land einwandeen, die, auch wenn es noch so viele sind, einzeln im Strome verschwinden. Die orthodoxe Alisah muß von Anfang an nach einem einheitlichen plane so zusammengefaßt werden, daß'daraus keine webrzahl von Orthodoxen, sondern eine orthodoxe wehrheit als Trägerin des gesetzcstreuen Judentums entsteht. 'Agudas Jisroel hat die Aufgabe, alle Fragen im jüdischen Leben im Geiste der Thora und Tradition zu lösen. Die gesetzestreue Alijah steht aber beute im Zentrum der jüdischen Fragen, ergo bat die Agudas Jisroel ihre ganze Kraft auf die Lösung dieser Frage zu konzentrieren. Dazu ist eine Zusammenfassung aller gesetzestreuen Kräfte 'in der Golah und in Erez Israel nötig. Die Stunde der Tat ist gekoinmen! II. Bei der gesteigerten Alijah der Gesetzestreuen hat nun die 'Agudas Jisroel die beste Gelegenheit ihre Stellung im Aufbauwerk zu befestigen und das woment der Thoratreue in die Bauarbeit hineinzntragcn. Dies allein ist die Aufgabe der Agudas Iisroel in diesem entscheidenden womente mitten in der Begriffsverwirrung über das Wesen des Judentums und die Aufgaben der Iudenhcit, wie sie vornehmlich auch in Crez Israel herrscht. Als ein Gebot der Stunde erscheint die Gründung des K e r e n H o a I i j a h innerhalb der Agudas Iisroel, mit dem Ziele, die gesetzestreue 2llijah großzügig in materieller wie geistiger Beziehung zu leiten. Die Aufgaben des Keren poalijah sind mannigfach und mit der Vermehrung feiner Einnahmen wird ihm.die Kraft erwachsen, Olim aus Erez Israel-Boden ansässig zu machen. Anfängen muß der Keren Hoalijah mit einer H a ch s ch a r a h für die cinwanderndc Jugend, so daß sie gleich bei der Ankunft ein 2lrbeitöfeld findet, um sich zum Segen für sich und für das Land zu betätigen. Der Keren Hoalijah muß! in der Lage sein, den gesetzcstreuen Olim, die nicht aus cigencu wittelu nach C. I. kommen können, um sich dort ansässig zu machen, mit .den dazu nötigen Geldmitteln zu unterstützen. Im Einvernehmen mit dem Keren Hajischuw obliegt es dem Keren tjoalijab, die Voraussetzungen für die Niederlassung der Olim im Lande selbst zu schaffen, sei es durch Errichtung von Arbeiterkwuzoth in Städten und Dörfern, fei es durch Bildung von Gesellschaften für verschiedene Gewerbe oder durch Ansicdlung der Olim auf Agndaboden. Rur auf diese weise ließe sich das gcsetzestrene Element in C. I. zu einem gesellschaftlichen Faktor von allgemeinem Einfluß aus das Leben in Palästina zusammenfügen. Zu den weiteren Aufgaben des Keren Hoalijah gehören: Die Gründung von A r b e i t e r k ü ch e n in den Städten, wo sich gesetzestreue 2lrbeiter befinden, in denen die 2lrbe!ter neben einer billigen Verpflegung auch einen gesellschaftlichen und religiösen Sammelpunkt finden, ebenso die Gründung von Bote O l i m. von großer Notwendigkeit ist die Gründung von Arbeitsver m i t t l u n g s st e l l e n, nach Art, wie sie die anderen Kreise mit bestem Erfolg unterhallen. Solche Vermittlungsstellen sind z. Zt. nötig in Jerusalem, Tel-Awiw, petach Tikwab und im Scharon, nickt inindcr aber auch für den Emok und im Galiläa. Für diese Posten müssen bewährte Sekretäre gewonnen werden, vonnöten ist auch ein Auskunftsbüro zur Beratung der Gesetzestveuen, die sich in E. I. als Industrielle, als Handwerker oder wittelstäudler ansässig machen wollen. 2luch diese Beratungen fallen in den Wirkungskreis des Keren Hoalijah.