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Der Israelit · 1933-06-29 · Heft 26 (29.6.1933) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 26 (29.6.1933)
Date
1933-06-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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rziei^uncj (ind Ce^re PäJa^o^giscije fieiiacje zumjllsraelif’ E.D-CX, Organ -es Kun-es grseheskeuer jii-rscher Kehrer Deutschlan-s Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprenvltngen (Kreis Offenbach) rr-m n 8. Lhija b. Adda.«) R. Chija b. Adda war Elementarlehrer der Kinder des R. Simon b. Lakisch. Einmal traf es sich, daß er drei Tage ausblieb. Als er wiederkam und von R. Simon b. Lakisch wegen seines Fernbleibens zur Rede gestellt wurde, entschuldigte er seine Abwesenheit mit seiner Weinlese, die so reichlich aussiel, daß sie ihn drei Tage lang in Anspruch nahm. „Einen einzigen Weinstock. der eine ganze Laube bildet, hinterließ mir mein Vater. Dieser Weinstock war so ergiebig, daß ich an jedem der drei Tage dreihundert Stränge abschnitt, von welchen die des ersten Tages dreihundert, die des zweiten Tages hundertundfünszig und die des dritten Tages hundert Krüge Wein ergaben, dabei habe ich mich noch über die Hälfte des Eigentumsrechtes begeben und diese als freies Gemeingut erklärt." Mit einem leichten Tadel meinte R. Simon b. Lakisch: „Wärest du nicht ausgeblieben, so wäre der Ertrag deiner Weinlese noch besser ausgefallen.Dies ist die einzige Reminiszenz gn die Wirksamkeit des R. Chija b. Adda als Kinderlehrer. Ueber seine Persönlichkeit und seine anderweitigen Beziehungen geben uns einige wenige Daten Nachricht. Chija b. Adda war von Geburt Palästinenser und entstammte einer Gelehrtenfamilie, er war der Schwestersohn des Bar Kappara, jenes bekannten, durch Geist und Witz hervorragenden Schülers des Patriarchen R. Jehuda l. Sein Wohnort, vielleicht auch sein Geburtsort, war Tiberias, der Sitz der Akademie der beiden Schulhäupter R. Jochanan und R. Simon b. Lakisch, deren Lehrvorträge er besuchte. Doch fühlte sich Chija b. Addy mehr zu dem scharfsinnigen R. Simon b. Lakisch hingezogen und blieb nach und nach den Vorträgen des R. Jochanan ganz fern. Auch N. Simon b. Lakisch gewann diesen hochbegabten Schüler lieb wie einen Sohn und betraute ihn, wie bereits erwähnt, mit dem Unterrichte seiner kleinen Kinder. Neben hervorragenden Geistesgaben besaß Chija b. Abba eine - angenehme Stimme. Sein Onkel Bar Kappara ermunterte ihn, beim öffentlichen G'ttesdienste vorzubeten und durch seine herrliche Gabe den G'ttesdienst zu verschönern, denn es heißt: Ehre den Ewigen durch deinen Schatz 'stivs (Spr. III, 9), das will sagen, mit dem. womit er dich begnadet hat -pnn- ') Mit diesem seinen Onkel finden wir einmal Chija b. Adda in einer Kontroverse über die Auffassung des Wortes 12'vn (Deuter. V, 25)?) Wenn man, nach ^) Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers, Herrn L. Wicona, Wien, dessen Buche „Die Jugendlehrer der talmudischen Zeit" (Verlag R. Lörvit, Wien) entnommen. D. Schriftl. - l) Kethuboth llib. Gegen die Annahme Bachers (Agada d. pal. Amor. I. 341 Anm. 1 und 353 Anm. 4), daß hier, wie Kethuboth 8b für «i« zu lesen ist, spricht, wiewohl diese Annahme durch Cod. München Ed. Strack gestützt ersechint, der Umstand, daß Chija b. Abba in Babylon geboren wurde und daher in Palästina keinen Weinstock als väterliches Erbe besessen haben könnte. Daß sein Vater mit ihm nach Palästina gekommen sein und hier ein Grundstück erworben haben soll, wäre erst zu beweisen. Vergl. Jawitz, Toldoth Israel VII. 84. Anm. 7. -) Pefikta B. 97a, Tanchuma B. Reeh 9. "') Koheleth r. zu X. 20 — Frankels Behauptung Mebo 82b, daß Chija b. Adda jung gestorben ist, dürste in Anbetracht des Umstandes, daß er noch mit Bar Kappara eine Kotroverse hat und später noch Hörer des R. S. b. L. war, nicht zutreffen. Rab, aus der Trauerrede über den Heimgegangenen auf dessen Verdienste schließen barf,4) so ist R. Chija b. Adda den bedeutendsten Männern seiner Zeit zuzuzählen. Kein Geringerer als R. Simon b. Lakisch hielt ihm die Leichenrede. R. Jochanan übertrug diese Aufgabe seinem jüngeren Kollegen, weil dieser, als Lehrer des Verstorbenen, dessen Bedeutung besser zu würdigen vermöge. Diese Leichenrede ist uns erhalten geblieben und wirkt schon durch die Wahl des Textes (Schir. Vl, 2) ergreifend. „Mein Geliebter stieg hinab in seinen Garten zu den würzigen Beeten, zu weilen in den Gärten und Lilien zu pflücken." „Mein Geliebter, das ist G'tt, stieg hinab in seinen Garten, das ist die Welt, zu den würzigen Beeten, das ich Israel, zu weilen in den Gärten, das sind die Völker' der Welten, und die Lilien abzupflücken, das sind die Frommen, die er durch den Tod abberuft. G'tt kennt die Verdienste des Chija b. Adda und hat ihn darum aus der Welt abberufen."''') -'PTV7 an» Mirjam, die Kindererzieherin. Da der Lehrberuf in talmudischer Zeit dem weiblichen Geschlechts verschlossen war/) so blieb diesem zur Entfaltung erziehlicher Tätigkeit auf beruflichem Wege nur das Gebiet der Kinderpflege in Privathäustrn übrig. Vornehme Familien nahmen zur Wartung und Beaufsichtigung ihrer Kinder eine Erzieherin (^x-) in Haus. Diese, gewöhnlich eine Person von Bildung und Intelligenz, war zugleich Stütze und Gesellschafterin, nicht selten auch die Vertraute der Hausfrau?) In Fürstenhäusern spielten diese Erzieherinnen in politischen Angelegenheiten pst eine ganz bedeutende Rolle. Man bediente sich ihres Einflusses auf die Fürstin, um bei dem Fürsten die Gewährung einer Gunst oder die Zurücknahme strenger Maßregeln zu bewirken/') Von den gewiß nicht wenigen Frauen, die sich als Erzieherinnen und Kinderwärterinnen betätigten, ist nur eine einzige mit Namen bekannt geworden, die man nach ihrem Berufe Mirjam, die Kindererzieherin, nannte. Sie lebte um die Mitte des vierten Jahrhunderts in Babylon, wahrscheinlich in der Stadt Pum-Beditha, wo sie sich allgemeiner Wertschätzung erfreute. In derselben Stadt wohnte noch eine zweite Frau gleichen Namens, Mirjam, die Frauenhaarflechterin, die in weniger gutem Rufe stand?) Als Mirjam, die Kindererzieherin, starb, gab sich das Bedauern des Volksmundes über ihren Tod in der etwas witzigen Weife kund, daß man diesen als die Folge einer verhängnisvollen Verwechslung bezeichnet^. Der Todesengel, so sagte man, hätte seinem Gehilfen den Auftrag gegeben, ihm die rr'vr rri--u» on» zu holen, er habe aber irrtümlicherweise die 'pm d’-iö geholt?) 4) Sabbat 153a. 5) Jer. Berachoth II, 8, Schir. r. zu VI. 2, Koheleth r. zu V. 11. H M. Kidd. IV. 13. -) Kidd. 49a, Jer. Kidd. II. 2. st Gen. r. 100. 4. Lev. r. l9 Ende. 4) Siehe trrn vuiion Krakau zu Sabbat 104b. •"') Chagiga 4b. Die Zusammenarbeit der gesamten jüdischen Lehrerschaft Frankfurts lautete die Tagesordnung der letzten Monatsversammlung der Vereinigung Israelitischer Lehrer und Lehrerinnen, Rabbiner, Religionslehrer. Philologen, Damen und Herren von den städtischen und den höheren Lehranstalten beider Gemeinden, Volksschullehrer, Lehrerinnen der öffentlichen und Gemeindefchuken. Kollegen und Kolleginnen aller Schulgattungen. Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen. etwa 80 Damen und Herren waren der Einladung gefolgt. Es sprachen je ein Vertreter der Religionslehrerschast, der Simultanschullehrer und der Philologen über das genannte Thema und schilderten die neu entstandene Lage und die Aufgaben der neuen Zeit. Der Vertreter des Religionslehrerstandes streifte ganz kurz die seitherige Arbeit der Vereinigung in den verflossenen 30 Jahren, ging dann zur Gegenwart mit ihren zahlreichen Problemen über, erwähnte u. a. die teilweise Ausschaltung des jüdischen Kindes und der jüdischen Lehrkräfte aus den öffentlichen Schulen, die Neu- und Umgestaltung des Religionsunterrichts und der Religionsfchulen, die Ausbildung jüdischer Lehrkräfte, dis Existenzfrage aller jüdischen' Pädagogen, ihre Beschäftigung u. a. m. Der Vertreter der Simultanschullehrerschaft gab einen Ueberblick über die neuentstandene Lage nach den letzten Aussührungsbestimmungen vom 6. Mai 1933 zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Nach diesem Reichsgesetz sind auch die jüdischen Lehrkräfte an Simultanschulen, wenn die bekannten Ausnahmefälle für sie in Betracht kommen, im Dienst zu belassen. Weiterhin wurde die Lage der jüdischen Lehrerschaft an öffentlichen, jüdischen Volksschulen, die infolge geringer Kinderzahl der Auslösung verfallen, geschildert, ebenso die Situation der Kollegen an solchen Schulen, soweit sie noch keine 10 Dienstjahre haben und infolgedessen auch keinen Pensionsanspruch geltend machen können. Die Möglichkeit der Neugründung jüdischer Schulen wurde gestreift. Die neuentstandene Lage der jüdischen Beamtenschaft als Mitglieder der verschiedenen Berufsorganisationen und ihrer sozialen Einrichtungen und der Ausschluß der jüdischen Mitglieder infolge des neu ausgenommenen Reinigungsparagraphen in die bestehenden Statuten wurden klargelegt. Der Vertreter der Philologenschaft betonte die Notwendigkeit einer umfassenden Aufbauarbeit. Er wünschte, wie seine Vorredners den Zusammenschluß aller jüdischen Pädagogen. Alle Unterschiede ( müßten jetzt sortsallen, eine pädagogische Arbeitsgemeinschaft solle den Mittelpunkt für deutsch-jüdische Bildung schaffen. Die Gründung jüdischer Landerziehungsheime muß in Erwägung gezogen werden, sowie die Schaffung neuer Arbeits- Möglichkeiten. In der sehr regen Diskussion wurde die Not des jüdischen Kindes, der jüdischen Schule und der jüdischen Lehrerschaft aller Kategorien hervorgehoben, die Umwandlung der Religionsschulen f?t hebräische Unterrichtsanstalten und Fortbildungsunterricht für die schulentlassene Jugend wurden gefordert. Es wurde schließlich ein Arbeitsausschuß, der alle dringlichen Standesfragen vorbereiten soll, um in der nächsten Monatsversammlung den Kollegen genaue Vorschläge unterbreiten zu können, ernannt. In der bereits stattgefundenen ersten Ausschußsitzung kam zunächst eine Vereinbarung zwischen der Vereinigung und den hiesigen Vorstandsmitgliedern des Bundes gesehestreuer Lehrer zustande, daß unbeschadet der gesonderten Arbeit beider Verbände, gemeinsam standesrechtliche und Wirtschaftssragen behandelt werden sotten. Den Mitgliedern des Bundes wird anheim gestellt, sich der „Vereinigung" als ordentliche oder außerordentliche Mitglieder anzuschliehen. Es sei betont, daß die Vereinigung Wert darauf legt, recht viele Kollegen als ordentliche oder außerordentliche Mitglieder in ihren Reihen als - Mitarbeiter zu gewinnen. Kollegen und Kolleginnen, deren Adressen uns unbekannt sind, werden gebeten, soweit sie sich unseren Bestrebungen anschließen wollen, sich an den Vorstand zu wenden, damit sie zu unseren nächsten Versammlungen ein geladen werd en können. F.

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