Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1933)
- Date
- 1933-06-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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;0 JUS13-’ 29. Juni 1933 Nr. 26 d» bCtl 5. Tamrnus 5693 Der Israeli Eil Cenfralorgan für das orthodoxe Judentum (ifjkNt k * m i ff Dearündek von 5>r. Prtmmm In Malnr. eil m Gegründet von Dr. Lehmarm in Mainz. Abonnement ab Juli 1929: Deutschland ILO Mark monatlich; Ausland: Vierteljahr;) reise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Berfandes) Deutsch-Sfterreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 6 sh.; ab 1 Juli Frankreich 28 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belgab. Holland 3fl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Iugoslavien 88 Din.; Litauen 7L0 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 130 Lei; Polen 4 deutsche Gold» mark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 8 ab 1. Juli 1837; Dänemark 3.80 Krön.; Norwegen 3.80 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Eoldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 60 Toldpf. für die stebengesp alten« Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeiaen nur 40 Pf. Die 75 nun breite Reklamezeile: letzte Textseite 3.— Mk., vorletzte Tertserte 380 Mk.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inseratenannahme durch de» Verlag des Israelit T. m. v. Z., Frankfurt a. M.. Rechneiarabenstraße 7, Tel. Hansa 31084 sow. durch siimtl« Annoncen-Eikped, d. In« und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Befchäftsanz.: Jul. Schmidt. OftenvNratze 83 Tel. 18888. Platzvorfchr. ohne Berbindtichk, Zahlungen direkt an den Berlag auf Postscheckkonto Verlag des Israelit und Hormon G.m.b.H., Frankfurt (Main) Nr. 19803.—Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79606.—Pcstsparlassenamt Budapest Nr. 18434.—Postscheckkonto Vorschau Nr. 19u757. — Postscheckamt Zürich Nr. VM 7384. — Postscheckamt Amsterdam Nr.34869 — Postscheckamt Prag Nr. 79.060 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. ss Die Bluttat in Tel-Awiw. In einer Zeit, da hunderttausende jüdischer Augen nach Palästina als dem Ziele ihrer letzten Hoffnung gerichtet sind, knallt an einem schönen Freitagabend am nachtblauen Strande von Tel-Awiw ein Schuf;, der die jüdische Welt von Pol zu Pol erschüttert. Das (Opfer ist einer der begabtesten Wänner des neuen Iischuw, Dr. Ehajim Ar lo so ross. Und um das Unglück ganz voll zu machen, erfährt man nach wenigen Tagen, das; der Word von j ü d i s ch e r Hand begangen wurde, von der Hand eines jungen Thaluz aus Polen, der erst vor einigen Wonaten ins Land gekommen war. Wer denkt da nicht an Wendel Glast rin letzten Zwoig'schen Ho^ mane, der einer langjährigen Petze mit dem Revolver den Unalleffekt gibt'? Zweig erzählte den Word an Israel de Haan, wie er ihn in seiner dichterischen .Intuition, gestützt auf Kenntnis der Psyche einer neuen jüdischen Jugend, gesehen hatte, und man nahm es ihm in zionistischen Kreisen sehr iibel. Die jüngste Tragödie, vom Leben im neuen Palästina gedichtet, wird inan mit literarischer Kritik nicht aus der Welt schaffen. „Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit aus der Crde." (Ob wir, und diejenigen, die es am meisten angeht,.endlich diese Stimme verstehen werden? Cs ist der zweite politische Word auf dem heiligen Boden Lrez Israels in einem Zeiträume von kaum sieben Jahren. Dazwischen liegt aber so mancherlei, das der Tragödie zweitem Teile seine eigene Bote gibt. Dazwischen liegen die blutigen Ereignisse von August l 929, es liegt dazwischen die Umwertung hoher kultureller und politischer Werte in Europa, die Zuspitzung der jüdischen Lage fast bis zur Unerträglichkeit, das Anwachsen des jüdischen Interesses an Palästina durch die große Zahl der „plötzlich zu Juden Ernannten".' Ganz unabhängig von diesen umwälzenden Erscheinungen in der Golah . ging der Prozeß d e r A n p a s s u n g an d i e W e l t und die Völker im Zi o nis mu s , die nationale Assimilation, weiter; bis zur letzten Konsequenz, bis zum wilden Bruderkamps in den Straßen der mitteleuropäischen Großstädte, für den in Palästina weder der wirtschaftliche noch politische Boden naturgegeben ist. Sagen wir es ganz frei und offen heraus: Vielleicht nicht im Kern des Zionismus, aber aus ihm und organisch mit ihm verbunden, an der Peripherie seiner Anschauungs¬ und Tätigkeitsbezirke rechts und links bildeten sich zwei Extreme heraus, die man, in Anlehnung an das politische Parteivokabularium Europas, nicht anders bezeichnen kann als mit Faschismus und K o mm u n i s nt u s. Die da unter den Fahnen Iabotinskis den imaginären Kampf mit dem Holzsäbcl führen und unter Außerachtlassung der Faktoren, die immerhin ein Wort nritzureden haben, wie England, die Araber, die finanziellen Wögllchkeiten, Palästina im Sturm für die Juden erobern wollen, haben eine solche frappante Aehnlichkeit -mit den ultranationalen Kriegsstürmern allenthalben, daß man ihre Auslassungen oft als hebräisch e U e b e r t r a g u n g e n von uns wohlbekannten Proklamationen in anderen.Sprachen und Ländern empfindet. Diesen gegenüber steht im heftigsten Lruderkampf der l i n k e F I ü g e l d e r H i st a d r u t h (der palästinensischen Arbeiterorganisation) mit seinen blutroten Fahnen, die, wo sie aufgezogen werden und den Davidsstern auf blauweißem Felde zu verdrängen suchen, auf die andere Seite so wirken wie das bekannte rote Tuch auf das bekannte Tier und sie ebenso wild machen. Wit tiefem Bangen und innerlichem Entsetzen verfolgen wir schon seit geraumer Zeit die Plänkeleien und oft blutigen Zusammenstöße zwischen der Rechten und Linken (rechts nur politisch gemeint) in Palästina, ohne daß wir uns dazu entschließen konnten, die Crez Iisrael-Liebe, die heute in vielen jungen jüdischen Herzen so hohe Flammen schlägt, durch genaue Schilderungen der betrüblichen Vorgänge einzudämmen. Am letzten pessachfeste waren Tausende von Touristen und Reuankömmlingen in den Straßen von Tel-Awiw Zeugen von blutigen Szenen, die sie gewiß an Vorgänge in Berlin und Hamburg vor Beginn des neuen Regimentes erinnerten. Am Schwuausfcste wiederholten sich die gleichen Vorgänge in verstärktem Waße in H a i f a , anläßlich des sogenannten „Likurimfestes", eines Festes, das man sich in angeblicher Anlehnung an die Tradition, in Wahrheit aber unter perhorreszierung derselben,, ausdachte. Das Programm ist schon so gut wie gegeben: Die eine Partei zieht mit Fahnen und Bannern und Wusikkapellen auf, die andere kommt von der anderen Seite, überfällt einzelne Festzügler, Polizei dazwischen mit Gummiknüppeln, und eine lustige Schlägerei ist im schönsten Gange. In Tel-Awiw (auch in pethach Tikwah und anderswo) wurde ein Festzug des sogenannten „Bethar" (des revisionistischen „Brüh Trumpeldor") von den Roten der "Histadruth,, überfallen, in Haifa hatten zmn Ausgleich die Roten den Festzug und die Revisionisten den Ueberfall arrangiert. Blut floß da wie dort, und Araber machten auch mit; vielleicht nur aus Freude an der Keilerei, vielleicht auch aus wirklicher Verbundenheit mit den extremen jüdischen Arbeitern, die, wie neulich im „Bescher", aus Solidarität sogar ihre Streiks mitinachlen. Wer ist schuld? Schwer zu sagen. (Oder: „Sage mir, wem du die Schuld gibst, und ich sage dir, welche palästinensische Zeitung du liest." Glaubt nian dem „Doar Hajoin", so liegt die ganze Schwere der Schuld und Verantwortung auf der roten Seite der Histadruth, Revisionisten und Trumpeidorjugend sind stets die Angegriffenen, die Wärtx'rer, die (Opfer ihrer großen unverstandenen Idee. Liest man dagegen den „Dawar", das (Organ der Arbeiterpartei, dann weiß man, daß die Revisionisten der Ausbund aller Schlechtigkeit, aller Ro- Mt und Verwerflichkeit seien. Und das rote Kind der Histadruth? Kein Engel ist so rein! . . . Um Irrtümer zu vermeiden und gerecht zu sein, sei gleich betont, daß es s o w o h l i n d e r H i st ad r. u t h , wie u n t e r d e n R e v i s o n 1 st e n s c h r v i e l e v c r n ü n f t i g c u n d b c s o n n e n c Köpfe g i b t (in der ersleren gehörte Arlosorosf selbst zu diesen), die dieses Treiben nicht nur nicht mitmachen, sondern auch nicht mögen. Die letzte Weltkonferenz der Revisionisten hat den Riß zwischen der radikal-nationalistischen Achi Weir-Gruppe, der Iabotinski nicht scharf genug ist, und den anderen in seiner ganzen Unüberbrückbarkeit ansgedeckt. Aber bei allem und allein: Der ü o m in u n i s m u s in seiner moskowitischen (Observanz bleibt doch ein legales Kind d e r H i st a d r u t h , und „ B r 1 thT t u mpeIdor " ist und bleibt der ungezogene Sohn der revisionistischen Wusen, und beide zusammen haben ihre Arena i in zionistische n R a n m e. Darurri tragen sie alle ein gerütteltes Waß der Witschuld an dein Schuß von Dei-Awnv, mit dem die blutigen Kämpfe von vielen Wonaten gekrönt wurden. Ja, die z i o n i st i s ch e Organisation als solche kann, bei allen Anstrengungen, die die „Jüdische Rundschau" macht, um die Tat zu vcrdainincn und einer verworrenen und irregeleiteten Jugend Woral zu predigen, nicht frei von Schuld und Tadel gesprochen werden. Richt, daß sie solche Zustände gewollt oder direkt gefördert hätte! Aber sie hat sie nicht verhindert, ungewollt sogar gefördert. Klan hat zur gleichen Zeit, da man der um ihr natürliches Lebensrecht schwer ringenden (Orthodoxie jeden Schimmer von Selbständigkeit und Gewissensfreiheit vorzuenthalten bemüht ist, da man der eigenen Partei- Orthodoxie, dem Wisrachi, kaum Raum zum Atmen gönnt (man braucht nur die wenigen letzten Wisrachiniederlassu-ngen zu besichtigen), Keren Hajessod-Boden und Rationalsondmittei für z w e 1 selhafte Experimente in En Eharod und an anderen Punkten des Emek gern und in verschwenderischer Weise bereitgcstellt; man hat bei allen Budgelbeschneidungen für wichtige Angelegenheiten, besonders wenn sie die