Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1933)
- Date
- 1933-06-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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i k cittni 1033 Frankfurt a. M., den -irrsiw&ras— Nr. 24 ffS]]] Ein Centralorgan fOr das orthodoxe Judentum [/[J0| m £®jü®iwill Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. /> . Ml Abonnement ab Juli 1939: Deutschland ILO Marl monatlich; Ausland: Bterteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Ssterreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 6 fh.; ab 1 Juli Frankreich 88 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 8. Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Iugo« flavien 65'Din.; Litauen 7.60 Sit.; Rumänien ab 1. 7. 27.150 Lei; Polen 4 deutsche Bold» mark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowakei 83 Kronen; Ungar» Pengö 5 ab 1. Juli 1827; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. .Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jede» Donnerstag. Inserate 8V lSoldvf. für die flebengefpaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuche« und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklameseile: letzte Textseite 3.— Mk., vorletzte Tertsette 2L0 Mk.r Thiflregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. d. H., Frankfurt a. M., Rechnetgrabenstraße 7, Tel. Hansa 31084 sow. durch sämtl. Annoneen-ErvÄ>. d.Jn» und Auslands. Alleinige Inseratenann. für Franks. Eeschäftsanz.: Jul. Schmidt, Wendstratze 83 Tel. 45888. Platzvorfchr. ohne Berbtndltchk. Zahlungen direkt an den Berlaa auf PoMchearonlo Verlag des Israelit und Hermon G.rn.b.H.. Frankfurt (Main) Nr. 19803.—Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.78605.—Postsparkaflen- " ~ -1. — Postscheckkonto Warschau Nr. 180757. — Postscheckamt Zürich Nr. VM 7351. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 84888 - Postscheckamt Prag Nr. 7S.OM — Rumänische r”IT,*r— rT'— ----.» *-- M. (jutt Budapest Nr. 18434. __, ___,.. ...u.^ ... .... .......... „.. Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inserate« stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Franlsuri a. Die deutsche Zudenheik in der Krise. Die in -einer „Roichsvertretung" zufanimengessaßten großen jüdischen Organisationen Deutschlands, vorwiegend liberale und zionistische, — der vor einigen Wochen unter starken Vorbehalten ftattgehabte Anschluß der drei orthodoxen Repräsentativ-Körperfchasten scheint aus dem Papier stehen geblieben zu sein — haben letzte Woche einen schon früher beschlossenen Appell und Protest veröffentlicht, der in eine Aufforderung ausklingt. Die Reichsregierung wird ersucht, auf dem Wege einer offenen Aussprache mit den jüdischen Organisationen eine Klärung der künftigen Rechtsstellung des deutschen Judentums herbeizuführen. Die Aufforderung ist prinzipiell gewiß berechtigt; daß sie auf dem Wege der. Öffentlichkeit) gewissermaßen durch „öffentliche Zustellung" erfolgt, beweist die schmerzliche Tatsache, daß es. der Reichsvertretung, obwohl sie es an pflichtgemäßen versuchen gewiß nicht hat fehlen lassen, bisher nicht gelungen ist, das Ohr der Regierung zu finden. Man kann das auf die Fülle der weltpolitischen und innerpolitischen Probleme drängendster Art zurückführen, die das Denken und Ginnen der führenden Männer Deutschlands zur Zeit beherrschen, und die vielleicht keinen rechten Spielraum lassen, um die Iudenfrage im nationalen Totalstaat prinzipiell so oder so zu lösen. Aber wenn man sich andrerseits die Tatsache vergegenwärtigt, welch gewaltiger Prozentsatz aller seit dem 5. März erlassenen Gesetze, Verordnungen und Verwaltungsmaßnahmen den Juden gewidmet ist, wenn man ferner erwägt, daß der chaotische Zustand des neuen deutschen Iudenrechts der Reichsregierung außenpolitisch mancherlei Schwierigkeiten bereitet und den Interessen des ganzen deutschen Staates wirtschaftlich schweren Schaden zusügt, so sollten stch die verantwortlichen Stetten doch davor hüten, die Iudenfrage als quantite negligeable zu betrachten. Zu diesen außenpolitischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist von unsrem Standpunkte aus ein offenes Wort zu sagen. Cs wäre unaufrichtig, zu verhehlen, daß die mannigfachen Worte der edelsten menschlichen Sympathie, die aus dem Munde nichtjüdischer und jüdischer Staatsmänner des Auslandes, ans dem Munde wissenschaftlicher und künstlerischer Koryphäen und hoher Geistlicher aller Konfessionen in den letzten Monaten aus der ganzen Welt an das Ohr der deutschen Juden klangen, diesen ein Ouell des Trostes und der Erhebung waren in ihrer schweren inneren und äußeren Rot. Und die tatkräftige Opferbercitschaft, mit der man den udpx 'v'bs überall in der Welt die Tore der Zuflucht öffnete, um sie zunächst einmal vor Hunger und Entbehrung zu schützen und ihnen den Weg in eine bessere Zukunft, zu erschließen — all das wird als ewiges Denkmal der Humanität und insbesondere der jüdischen Bruderliebe in schwerster Zeit dem Teil der Weltgeschichte angehären, der neben den blutigen Kriegslordecren des kämpferischen Rationalismus die stillen Ruhmestaten edler Menschlichkeit verzeichnet. Wenn aber darüber hinaus in einer etwas trüben Mischung wirtschaftspolitischer (keineswegs jüdischer) Interessen und irregehen der Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Juli Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. * Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg, Verlag des Israelit G. rn. b. H., Frankfurt a.M. jüdischer Solidarität ein Wirtschaftskrieg gegen Deutschland entfesselt und auf dem Wege des Boykotts deutscher Waren versucht worden ist, der antijüdischcn Strömung in Deutschland in den Arm zu fallen, so halten wir das für eine gewaltige Torheit, ja für eine letzten Endes lcbenbedrohende Schädigung auch der wahren jüdischen Interessen. Man wird mit solchen Mitteln ein Fünsundsechszigmillionen-volk nicht auf die Kniee zwingen, wohl aber die wohlmeinenden, vorurteilslosen nichtjüdischen kreise (die es auch in Deutschland: mm e r noch gib t) zwangsweise in eine natürliche Solidarität mit. den geschworenen Gegnern der Juden hineintreiben, genau so wie ja — anerkanntermaßen — der Sieg des Rationalsozialismus iu Deutschland die Folge des außenpolitischen Druckes seit Versailles gewesen ist. Was aber ist damit gewonnen, wenn auf diese Welse alle Wege der allmählichen inneren Entspannung in Deutschland verrammelt, Haß und Verhetzung gesteigert und schließlich Stimmungen heraufbeschworen werden, die auch international Deutschland in eine moralische Isolierung hineintreiben, die dann gar keine Rücksichten mehr kennen würde? Wir halten uns für verpflichtet, das mit allem Ernste auszusprechen in dem Augenblicke, da in London die Weltwirtschaftskonferenz Zusammentritt zu dem, man möchte fast schon sagen, verzweifelten letztew versuch, die Welt aus ihrer hoffnungslosen Verstrickung in gegenseitige Boykottierung und Wirtschaftsautarkie herauszuretten und die blutenden Wunden zu heilen, die ihr von der Raserei der sich übersteigernden nationalen Egoismen wahrlich lange genug geschlagen worden sind. Die Juden wenigstens sollten sich hüten, um trügerischer Scheinerfolge willen auf ein so falsches, abgewirtschaftetes Pferd zu setzen, wie es der internationale Wirtschaftsboykott mit all seinen den Weltfrieden gefährdenden Folgen ist. Daß die momentane Unsicherheit ln der ganzen rechtlichen, religiösen, kulturellen und wirtschaftlichen Lage der deutschen Iudenheit in naher Zukunft einer klaren Regelung Platz machen muß, das sehen auch innerhalb der führenden Kreise des neuen Deutschland immer mehr einzelne Persönlichkeiten ein. Symptomatisch dafür ist die Erklärung, die der Ministerialrat Dr. Conti von der Abteilung - für Rasten- und Bevölkcrungshygiene in einer Pressekonferenz abgegeben hat. Wenn die veröffentlichten Berichte zutreffend sind, hat Dr. Conti rundweg erklärt, die Diffamierung der jüdischen Raste müsse endlich aushören — nach Auffassung der nationalen Regierung seien die Juden eine andere, den deutschen Staatsbürgern germanischer Abstammung in deutlicher Abgrenzung gcgenüberstchcnde, aber keineswegs minderwertige Rasse, ein Volkstum für sich, dessen Mischung mit dein deutschen Volkstum für beide Teile nachteilig, ja „tragisch" sei. Zwischen Staatsbürgert u m und Volkstum fei zu scheiden, volle Rechte und Pflichten — und hier beginnt nun die politische Problematik — könnten nur den Volksgenossen gewährt und aufcrlcgt werden, nicht aber den Staatsbürgern fremder A b - st a m m u n g. Dr. Conti sprach von „Mindcrheitsrcchtcn", aber es scheint, daß man hierbei keineswegs an den Begriff in derjenigen völkerrechtlichen Prägung denkt, den er in den Fricdcnsverträgcn empfangen hat. Dort bedeutet Minderheitsrecht ein z u - sätzliches Recht, das den Individuen fremder Rationalität ihre volle bürgerliche Gleichberechtigung sichert und darüber hinaus ihnen Gmppeurechtc zum Ausbau eines kulturellen