Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1933)
- Date
- 1933-05-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450756-2450777--79635-2537416- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
VXJcff uni Lein llllusfrierte Beil Osraefif aje zum Der heilige Fels in Jerusalem •(iTflttpK) Mit 6 Bildern. Aus Her Mifchna -Ln Ioma, den 2lusführungen -des babylonischen jerusalemischen Talmuds dazu und Vielen Stellen der Midraschim ist die uralte «jüdische -Ueberlieferung bekannt, daß, der Hohepriester, wenn er zu den Zeiten des zweiten Tempels am Verföh- Vungstag ins Allerheiligste schritt, die Räucherpfanne auf einem Steine bezw. einem Fels niedersetzte, der im Allerhoiligsten über die Erde hervorragte und sich an jener Stelle befand, den im ersten Tempel die mosaische Lade mit den Bundesdafeln einnabm. Im jüdischen Schrifttum besteht nirgends ein Zweifel darüber, daß dieser Fels, der N'NV prrder nach alten jüdischen Ueberlleferungcn der Grundstein der Welt ist, in der Tat den Untergrund des Allerheiligsten mit der Lade «bildete. Erst die moderne Wissenschaft ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts auf die absonderliche Idee gekommen, daß jene alte Ueberlieferung unrichtig sei und daß der. rr»rw p» nicht unter dem Allerheiligsten sich befand, sondern daß der Brandopferaltar, also der Vorhof sich über ihm befunden habe. Der erste, der 1849 diese Ansicht aussprach, war Georg Williams und ihm folgten nach und nach alle christlichen Gelehrten, die sich mit dieser Frage beschäftigten.*) Cs bedeutet nun eine interessante Bestätigung der Zuverlässigkeit der talmudischen Ueberlieferung, daß jetzt einer der hervorragendsten Sachkenner, .Pros. Dr. Hans Schmidt in Halle, in einer unter dem Titel: „Der heilige Fels in Ier u s a l e m " bei I. T. M o h r in Tübingen erschienenen archäologischen und religionsgeschichtlichen Untersuchung mit schlagenden Argumenten die Unmöglichkeit der neuen wissenschaftlichen Hypothese und die Richtigkeit der alten Ueberlieferung mit zwingenden Gründen beweist. Der Verfasser, der im übrigen durchaus auf bibelkmtrschem Standpunkt steht und daher mancherlei sagt, was die religiösen Empfindungen eines glaubenstreuen Juden durchaus nicht angenehm berührt, leitet seine Schrift durch eine historische Betrachtung ein, aus der wir folgendes Wiedersehen: „Der „heilige Fels", d. h. bie Felskuppe auf dem nördlichen Teil des Osihügels von Jerusalem, über der sich die herrliche kubbet es-sahra, „der Felsendom", wölbt, verdient es, baß man bei ihm verweilt. Vor drei Jahrtausenden hat er die Tempelweihe des Königs Salomo mitangesehen. Als der jüdische Rebell Barkochba in Bittir sein Blut vergossen hatte, errichtete der römische Kaiser Hadrian das Wahrzeichen seines Sieges, fein Reiterstandbild, angesichts dieses Felsens. Untre Konstantin mit dem ganzen römischen Reich zu einem Stück christlichen Landes geworden, sah er unter Julian Apostata noch einmal jüdische Arbeiter am Bau eines jüdischen Tempels. Dann schmückte ihn oder den 'Platz in seiner Nähe eine christliche Kapelle, bis die Perser kamen und ihn wieder unter Schutt begruben. *) Siehe auch „Geschichte des Schessijasteines" von Rabb. I. Horowicz, Jerusalem, hergestellt im Hermont Verlag, Frankfurt a. M. Im Jahre 638 eroberten die Araber unter dem Kalifen Omar Jerusalem. Von ihm berichtet die Tradition, daß er, auf dem Kehrichthaufen über dem Felsen stehend, „den Zipfel seines Gewandes aufgerafft und ihn mit Schutt gefüllt habe". Seinem Beispiel folgten seine Krieger. „Keiner zögerte, den Schutt in seinem Busen, in seinen Kleidern, in Schlden, Körben und Krügen wegzutragen, bis sie den Platz rein und blank gemacht hatten und der Fels sichtbar geworden war." Nun begann für den Felsen eine Zeit neuen Glanzes. Der Kalif Abd-el-Malik erbaute über ihm 691 den wunderbaren Dom, dessen über einem Achteck errichtete Wände mit ihren später darauf gesetzten blauen Kacheln noch heute auf der weißen Fläche des Tempelplatzes in der Sonne leuchten, und dessen einzigartig schöne Kuppel noch heute das an Türmen reiche Jerusalem beherrscht. Die Kreuzfahrer vernichteten auf dem heiligen Felsen den letzten Widerstand der Ungläubigen. „Bis an de Knie und bis an die Zügel der Pferde" Der Fels im Grundritz. a—b Die WinleMnie ver unteren Weststufe, c—b Die Wtnkellinie der oberen Weststufe, e Der Einschnitt, der von den Stufen nach Osten in den Felsen gehauen Ist. f Die Vertiefungen an der Westkante. g, h, i Der Südwesteinschnitt in den Felsen, g Der Reliquienschrein. k Die beiden kleinen Marmorsäulen an der Südseite der großen Weststufe, l, m, n, o Die Höhle, p Höhlennische, r Höhlentrepve. s Das runde Loch in der Delle der Höhle, t Die Marmorplatte am Boden der Höhle, u—w Die nördliche Wand des Felsens, x Nordostelle des Felsens, y Die höchste Stelle des nördlichen Aufgangs zum Felsen, z Verschlußplatten über dem nach Norden führenden unterirdischen Gang. a—ß Die - natürliche Kluft im Felsen, y Die Fußspur des Ädris. -I Spuren von Abtragungen und Einschnitten, e Schalenvertiefung. reichte ihnen das Blut, das auf der heiligen Stätte floß. Dann legten sie weiße Marmorplatten über den alten Stein und erbauten einen christlichen Altar auf ihm. Das alles verschwand, als Saladin 1187 Jerusalem erobert hatte. Er ließ den „Unrat" der Christen beseitigen und den Felsen mit Rosenwasser waschen. Seitdem liegt er nun im Halbdunkel, das die bunten Fenster des Felsendomes «über ihn breiten, durch ein hohes Holzgitter vor der Berührung geschützt, bis vor einem Menschenalter von einem rotseidenen Baldachin überdeckt. 'Ungezählte Scharen mohammedanischer Pilger nahen ihm mit abergläubiger Verehrung. Soll doch ihr Prophet ihn als „den ersten der Felsen", als einen „Felsen des Paradieses" bezeichnet und von ihm gesagt haben, daß ein einziges Gebet, angesichts dieses Felsens gesprochen, prehr wirke als tausend Gebete an einer anderen Stelle. Noch im Tode erweist der gläubige Muselman dieser Felsenkuppe seine Verehrung: Jeder Leichenzug, der in Jerusalem zu einem Mohammedanerfriedhof führt, such tzuerst den Felsendom auf. An der Nordseite des Felsens setzt man die Leiche einen Augenblick nieder. Am Donnerstag, dem 4. Juni 1931, sah ich den Sarg des Königs Hussein vom Hodschas vor seiner Bestattung am Kettentor durch die nördliche Tür des Domes hinein und vor den Felsen getragen werden." Lr nimmt dann das Lrgebnis seiner eindringlichen wissenschaftlichen Untersuchungen, die einen bewunderungswürdigen Scharfsinn verraten, durch den Satz voraus, daß es unmöglich fei, >i n dem Felsen die Stätte des Brandoperaltars zu sehen, daß vielmehr die alte Ueberlieferung, die in ih m ö en Ort des Allerbe iligsten sieht, den Vorzug verdient. Was die nun folgenden Kapitel der Schrift auch für jüdische Kreise besonders interessant macht, sind die zahlreichen beigegebenen Photographien, zum Teil einer Monographie D a l m a n n s entnommen, zum Teil von der amerikanischen Kolonie in Jerusalem ausgenommen. Wir geben eine Anzahl dieser Photographien mit den dazu gehörigen Erläuterungen wieder und verweisen diejenigen unserer Leser, die den Gegenstand einer näheren Betrachtung widmen wollen, auf die Schrift selber, die in flüssiger Dichor geschrieben ist und sich angenehm liest. Bethlehem, die Skadk van Boas, Ruth und David, heute. Aus den Aufzeichnungeil eines Hausierers. I. In jenen Tagen, da die Altstadt Jerusalem noch jüdisch war, hatte ich c,in ansehnliches Warenlager «in der „neuen Stadt", aus dem ich mich redlich und bequem ernährte. Heute, nachdem die Juden fluchtartig die Altstadt verlassen haben, sank ich, wie viele andere meiner Leidensgenossin, zu einem fahrenden Händler hinab. Heute hönnt ihr mich beobachten, wie '«ich, mein Warenlager auf der rechten Schulter, den Stecken in der Rechten und das Ellenmaß in der Linken, zunl Iaffator hinauswanöere. Der besseren Sicherheit wegen b.inde ich einen Turban um den Kopf. Mein weg geht nach den arabischen Dörfern südlich von Jerusalem. Auf dem einsamen Wege bin ich stets in Gedanken versunken. Ich versenke mich in die schöne vergangenhei und denke an die trübe Gegenwart. Unstet und flüchtig bin «ich auf dem Boden der Heimat. Einmal übernachte, ich in «einen: ismaelitischen Dorfe, ein anderes Mal wanöere ich im Lichte des vollen Mondes am nachtblauen Himmel Erez Israels. Frau und K>inder sind allein zu Haufe, warten auf den Vater, der Verdienst und Brot ins Haus bringt. Sie müssen oft lange warten . . . In finieren Rächten sinne ich auch viel über die Geschicke Israels und Erez Israels nach. Beginnt die rechte Schulter unter der Last zu schmerzen, dann nehme ich den packen auf die linke i*