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Der Israelit · 1933-05-30 · Heft 22 (30.5.1933) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 22 (30.5.1933)
Date
1933-05-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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30. Mai 1933 Der Israelit Nr. 22 Seite 11 Der Rabbi und der Gouverneur. Rabbi Rlosche Isserles, genannt „Remo", der mit seinen Randglossen zum Sch u l ch a n A r u ch sich ein Denkmal unter den Größten unserer Geschichte gesetzt hat, wurde in ganz jungen Jahren als Oberrabbiner nach Krakau berufen. In Erwartung des neuen Rabbiners, planten die Gemeindevorsteher einen großen Empfang. Dazu war aber die Genehmigung des Gouverneurs nötig. Der Gouverneur willigte ein, sprach aber, nicht gerade zur Freude der Gemeindevorsteher, den Wunsch aus, selbst in eigener Person an den Empfangsfeierlichkeiten teilzunehmen. Ulan reservierte dem Gouverneur einen Ehrenplatz neben dem Rabbi. Aber schon gleich zu Anfang zeigte sich der hohe Herr sehr enttäuscht und ärgerlich. Der neue Rabbiner war damals erst achtzehn Jahre alt, dazu noch klein von Wuchs und schmächtig. „Das soll euer Oberrabbiner sein?" sprach er und verließ verächtlich den Platz. Später stellte ec die Vorsteher zur Rede, daß sie einen so unbedeutenden Menschen, fast Jüngling noch, zum ersten geistigen Führer gewählt hätten. Die Vorsteher aber suchten ihm zu beweisen, daß dieser junge Mensch schon ein Großer in Israel sei und alle Wissenschaften, nicht allein die des Talmuds, beherrsche wie kaum ein zweiter in diesem Zeitalter. „Gut," sagte der Gouverneur, „so will ich euern Weltweisen einmal prüfen, ob dem auch wirklich so sei." So lud der Gouverneur an einem Tage alle Professoren der Universität zu sich. Auch der Rabbiner mitsamt den Vorstehern hatten zu kommen. Dort sollte der junge Rabbi den gelahrten Herren Rede und Antwort stehen. Die Vorsteher, die in Angst und Bangen kaum wagten, dem Rabbiner den Befehl zu vermitteln, wurden aber von diesem beruhigt: „Macht euch keine Sorgen, ich werde mich zur Prüfung stellen." Der Empfang und die Disputation fanden in einem öffentlichen Saale der Residenz Krakau statt. Keine Antwort blieb der Rabbi den Professoren schuldig. Er löste mathematische Rätsel, gab Auskunft über Stand und Gang der Sterne, ging auf alle philosophischen Fragen ein und gab den Gelehrten stets in der Sprache Antwort, in der sie die Frage an ihn richteten. Mit einigen Gegenfragen setzte er die Gelehrten in Verlegenheit. Der Gouverneur entließ den Rabbi mit großer Huld und legte sich eine Sühne auf, indem er ein großes Geldgeschenk für die Krakauer Gemeinde spendete. Lalmudische Bemerkungen zur Gesetzgebung am Sinai. Die Dreizahl. Gelobt sei G'tt, der war, ist und sein wird, der ein dreifaches Licht (Thora. Newiim und Keffuwim) dem dreiteiligen Volke (Kohanim, Leviim und Jsraelim) gegeben hat, Lurch Vermittlung des dritten der Geschwister (Mirjam, Ahron und Moses), im dritten Monate (Siwan). nach dreitägiger Abwanderung. Thora und Welt. Als G'tt Israel die Thora anbot. erzitterte die ganze Erde, wie in den Psalmen 76 zu lesen ist. Warum erzitterte sie? Sie wußte wohl, daß wenn Israel die Thora nicht annimmt, sie, die Erde und die Schöpfung, sich wieder in ein Nichts verwandeln, müßten. Ohne Thora keine Welt und kein Erdenleben. Satan sucht. . . Als Moses mit der Thora vom Himmel herabstieg, kam Saran und fragte: „Herr der Welt, wo ist deine Thora?" „Ich habe sie der Erde geschenkt," sprach G'tt. Da stieg Satan zur Erde herab und suchte die Thora. Er suchte sie auf dem Erdball und fand sie nicht. Er wandte sich an das Meer, das Meer hatte sie nicht. Tief in den Abgrund tauchte der hinab und fand sie nicht. Da kehrte er zu^G'tt zurück und sprach: „Ich habe deine Thora auf Erden nicht gefunden." „Gehe zu Moses, er hat sie, Moses, der Mensch, der Mann, der demütiger ist als alle Menschen auf der Erde." Diesem aber konnte sie Satan nicht mehr entreißen. Man kann den Sinn der Erzählung vielleicht so verstehen. Satan sucht die Thora aus öem weiten Erdenball, jenseits des Meeres oder im tiefen Abgrund und ist damit auf falschem Wege., Satan will uns einredeir. daß die Thora gar schwer zu finden und zu halten sei, daß sie den Menschen in den Abgrund stürze. In Wahrheit aber ist sie uns so nahe, „uns ins Herz und in den Mund gelegt." Wir haben sie und' sie hat uns. Je demütiger der Mensch, um so näher ist er der Thora, ist die Thoraihm. ' Vermischtes. Berlin. 17. Mai. Das Gesamtarchiv der deutschen Inden bittet uns, darauf aufmerksam zu machen, daß seine Bestände in großem Umsange die urkundliche Grundlage für die Aufklärung samiliengeschichtlicher Zusammenhänge abgeben. Das Gesamtarchiv ist zur Auskunftserteilung und zur Beschaffung erforderlicher Urkunden in allen die Familiengeschichte betreffenden Fragen jeder Zeit gern bereit. Anschrift: Berlin N. 24, Oranienburgerstr. 29 (Jüdische Gemeinde). Fernruf: D 2 Weidendamm 5921. Das Archiv ist geöffnet Montag bis Freitag von 10—3 Uhr. Sonntags von 10—1 Uhr. Telefonische Voranmeldung erbeten. Berlin, 15. Mai. Aus der Erkenntnis heraus, daß in der heutigen Zeit uns nur der jüdische Geist Mut und Kraft für unser Leben geben kann, hat es sich die Lernvereinigung der Synagoge Passauerstraße nicht nehmen lassen, trotz des bevorstehenden Schervuaus-Nacht-Lernens,. ein Sijumfeft auf Makkoth am myarii m feierlicher, herkömmlicher Weife abzuhalten. — Dem Rufe ihres Raws, des Herrn Rabbiner Dr. Alexander Altmann, war die Gemeinde zahlreich gefolgt. Nach dem fesselnden, inhaltsvollen Hadron ihres Rabbiners, ergriff als erster Vorstand der Synagoge Passauerstraße Herr Isaak Nußbaum, auch diese Gelegenheit, ihrem verehrten Herrn Rabbiner den Dank für seine erfolgreiche Tätigkeit in der Gemeinde auszusprechen und knüpfte daran die Mahnung an die Allgemeinheit, doch die heutige Zeit richtig zu erfassen, daß uns Juden nur geholfen werden könne, wenn wir selbst den Weg zu unserem Judentum zurückfinden. Hieraus fanden noch treffliche Worte Herr Dr. Willy Auerbach und Herr Jakob Ginsberger, die über die Bedeutung des Thoralernens und die praktischen Wege seiner Entfaltung im Rahmen der Gemeinschaft sprachen. Als Ausklang der Feier trug Herr Kantor 51 r o l l einen hebräischen, selbstverfaßten Mischeberach auf den Herrn Rabbiner vor. Familiennachrichken. Geburten: Eine Tochter, StudienratDr.I. Sohn und Frau Lina geb. Schüler. Nürnberg. - Einen Sohn, Martin Hirsch und Frau Sophie geb. Tachauer. Fürth in Bayern. Beriobte: Else Levi, Frankfurt a. M.-Höchst, Leverkusenstraße 9, mit Salo Frank, Lehrer, Treuchtlingen, Bayern. Briefkasten. Lehrer ß. ß. in ß. Wir mußten Ihren Bericht an den zuständigen Leiter der Lehrerbeilage schicken. Er kam für di? letzte Nummer ohnehin zu spät. W. A. in ß. und Andere. Da vorige Woche des bürgerlichen Feierrags wegen das Blatt schon Mittwoch fertiggestellt werden mußte, kamen ihre Berichte zu spä'. M. (&♦ in L, (Rumänien). „Volkstümlich" kommt von Volkstum und hat mit Stimme nichts zu tun. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Lhajim. niviav. Program: 1. Tag Dienstag abends 11 Uhr im Vereinslokal: nixiZv-Lernen. Mittwoch abend 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal, Friedberger Anlage: „Die Offenbarung und ihre Begleiterscheinungen". Herr B. Rachelsohn. 2. Tag Donnerstag abend 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal, Friedberger Anlage : „Randbemerkungen zu Megillas Ruth". Herr Dr. S. Ehrmann. In der Woche nach Schewuaus: Samstag morgen nach Schul im Hörsaal: Dinim, Herr R.A. Dr. E. Posen — nachmittags % Stunde vor Mincho im Vereinslokal Mikro, Herr Julius Lewin. — 4 Uhr im Vereinslokal (ebenso Sonntag morg. 8 Uhr) Gemoro, Herr I. Soffer. Eine Stunde vor Nacht, Midrasch. Herr V. Rachelsohn. Sonntag 9 Uhr im Vereinslokal: Dmax pv, Herr R. A. Dr. Schlesinger. Sonntag und Mittwoch, mk "n, Herr S. Schachnowitz. Montag morgen nach Schul (auch Donnerstag): Mifchna- Mitgliederlernen, abends 7 Uhr im Bereinslokal (auch Mittwoch) Gemoro Herr Rabb. Dr. I. Breuer. Dienstag (auch Donnerstag) abends 6 Uhr Gmoro, Herr R.-A. Dr. E. Posen. Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mifchna. Herr R.-A. Dr. E. Posen. Sonntag, Dienstag und Mittwoch abends 8.13 Uhr, im Vereinslokal Schaßlernen. Herr Herz Holpern. Iahrzeilsfkifiungen. Schabbos. 3. Juni: Salomon Sender-Stiftung. Sonntag. 4. Juni: Carl Mayer-Stiftung. Mittwoch, 7. Juni: Jacob Löwenstein-Stiftung. Freitag, 9. Juni: Nonette Isaak geb. Prager-Stiftung. Liwjalh Chen. Samstag nach Mincho. 51/4 Uhr, im Hörsaale Friedberger Anlage, Vortrag des Herrn S. Schachnowitz „Simson, der Held und Nasir." Agudas Jisroel-Orksgruppe. Der Schiur des Herrn Rabbinatsaffeffors Dr. Schlesinger findet Samstag nachmittags von 3.15 — 4.15 Uhr und Donnerstag abends von 8.45—10 Uhr statt. — Es wird ma 'oa R-im gelernt. Der iw’» wird in der Wohnung des Dozenten, Schwanenstr. 12 II, abgehalten. Schimim des Herrn Herz Holpern: Täglich von 9—12 Uhr: Lernen jeglicher Art. 12—1 Uhr: Das Jomi — Am anschließend an Das Jomi agadischer Bortrag. Am ersten und am zweiten Tag Schewuaus 4 Uhr nachmittags hält Herr H. Holpern im Vereinslokale, Schwanenstraße 12, halachischen und agadischen Vortrag. Agudlstifche Schülergemeinschasi (A. S. G.j. Am ersten Tag Schewuaus spricht im Heim, Schwanenstraße 12, part.l Rabbiner Mosche Blau, Iernsalem, über „Aktuelles aus Erez Jisroel". Zeit: 6 Uhr. Jugendliche Gäste willkommen. Agudas Jisroel-Alädchengruppe. Schiurim im Sommerhalbjahr: Schoftim: Dozent Herr Julius Lewin. Zeit: jeden Schabbos vormittags nach Schul im Heim (außer wenn Predigt). Pirke Aboth: Dozent Herr Konrektor A. Hirschberg im Heim, Zeit: Samstag. 4 Uhr. Jeschajo: Dozent Herr Studienrat Dr. M. Lange. Zeit: jeden Schabbos nachmittags 16 Uhr in der Wohnung Röderbergweg 36. Dinim: Dozent Herr Konrektor A. Hirfchberg Zeit: jeden 2. Montag 6—7 Uhr. Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge, Langestr. 3. Sprechstunden nur nachmitags von 3-6 Uhr. Telefon 23463. Ortsgruppe Frankfurt a. W. des Jüdischen Frauenbundes. Donnerstag, den 8. Juni, 20.30 Uhr: Arbeitssitzung Langestraße 3. Jüdischer Turnerbund <£. V. Sommerprogramm 1933 Infolge Maßnahmen von höherer Seite mußten wir unser Sommerprogramm wie folgt ändern: Herren: Sonntag vormittag: 9 —12 Uhr Sport, kleine Ostparkwiese. Dienstag: 6.30—9 Uhr Sport und Spiel, kleine Ostparkwiese. Donnerstag: 8.30—10 Uhr Turnen (S. R. Hirsch-Schule) Damen: Mittwoch: 8.30—10 Uhr Turnen u. Gymnastik S. R. Hirschschule Am Tiergarten. Frauen: Mittwoch 7.30—8.30 Uhr Gesundheitsgymnastik S. R. Htrschschule Am Tiergarten. Knaben und Zöglinge: Montag : 6—8 Uhr Turnen S. R. Hirsch-Schule. Dienstag: 5—7 Uhr Sport, kleine Ostparkwiess. Mittwoch (bei Regenwetter am Dienstag): Sport und Spiel, S. R Hirsch-Schule. Mädchen: 1. Abteilung: Mittwoch, 2—3 Uhr, S. R. Hirsch-Schule; 2. und 3. Abteilung: Mittwoch, 6—8 Uhr, Jsr. Volksschule, Bärenstraße. Gebetzeiten. nW2V7 Dienstag abend 8.05 naswji 6.25 Morgens 7.30, 2. Tag Predigt Nachmittags 1.05 und 5.00 Abends 1. und 2. Tag 9.25 Wochengottesdienst: Morgens 6'30 Nachmittags 7.15 Tefillinlegen am Morgen 3.00 xvn row Freitag abend 7.45 Samstag nnD&n 6.30 Samstag morg. 7.45 Samstag nachm. 1.00 und 5.00 Samstag abend 9.30 Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Nachmittags 7.15 Tefillinlegen am Morgen 2.55 Schiurim des Herrn Gemeinderabbiners. Der Psochim-Schiur begann wieder am Sonntag, den 14. Mai vormittags 8 30 Uhr. — Der Chauschen Mischpot-Schiur findet jeden Sonntag abend im Anschluß an Maariw bismanau statt. Beide Schiurim in der Wohnung des Herrn Gemeinderabbiners.

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