Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1933)
- Date
- 1933-05-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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18. Mai 1933 Korrespondenzen « ßacbricbten. England Der englische Faschistenführer Nlosley verurteilt den Antisemitismus. London, 10. Mai. Anläßlich der Gründungsfeier der faschiftichen Der-, einigung an der Universität Oxford hielt der Führer der1 englischen Faschisten, Sir Oswald Mosley, eine Ansprache, in der er sich scharf gegen Antisemitismus und Judenverfolgung -wandte. Sir Oswald erklärte, er lehne die Verantwortung für die vor einiger Zeit in London von einZelnen Schwarzhemüen verübten Ausschreitungen ab. Das Niveau, auf dem die britische Faschistenunion stehe, gestatte es nicht, daß ihre Mitglieder sich an antisemitischen Grausamkeiten beteiligen. Jüdisches Zentralhilfskomitee in England organisiert die Aktion zugunsten der deutschen Juden. London, 15. Mai. Das unter Leitung des Präsidenten der United Synagogue Lionel de Rothschild und Anthonys de Rothschild stehende Zentralhilfskomitee für deutsche Juden kündigt die Erlassung eines Aufrufs zur Durchführung einer großen Sammelaktion in England an. Wie die ITA. erfährt, besteht die Möglichkeit, daß in England die Sammlungen für den zur Ansiedlung deutscher Juden bestimmten Palästina-Notfonds gemeinsam mit der Aktion des Zentralhilfskomitees in der Weise durchgesührt werden, daß ein bestimmter Teil der Sammlung dem Palästina-Notfonüs zufällt. Aehnliche Abkommen sollen auch in anderen Ländern zwecks Vermeidung einer Kräftezersplitterung getroffen werden. Dem Zentralhilfskomitee sind neuerdings Viscount Erleigh, der konservative Abgeordnete und Vizepräsident des Board of Deputres, Sir Isidore Salmon, und der Präsident der Anglo Jewish Association, Leonard G. Moniefiore, beigetreten. Palästina-Visa für Auswanderer mit Eigenkapital aus Deutschland. London, 15. Mai. Im Unterhaus richtete der Abgeordnete Jänner an den Minister für die Kolonien Sir Philfp Cunliffe- Liste die Frage, wievielen Juden aus Deutschland entsprechend der vom Außenminister Sir John Simon im Vormonate dem Unterhause gemachten Mitteilung, es seien dem britischen Paßamt in Berlin 200 Einwanderungszertifikate für Juden mit einem Eigenkapital von. mindestens 1000 Pfund zur Verfügung gestellt worden, bisher Palästina-Visa ohne Einholung der Genehmigung durch die Jerusalemer Einwanderungsbehörüen erteilt worden seien. Weiter fragte Abgeordneter Jänner, ob auch nach erfolgter Ausgabe der bewilligten 200 Zertifikate die Praxis unmittelbarer Visa-Erteilung in Berlin an Juden dieser Kategorie beibehalten werden würde. Kolonienminister Sir Philip C u n l i f s e - L i st e r erwiderte, in Bezug auf den ersten Teil der Anfrage des Abgeordneten Jänner stünden, wie ihm seitens des Außenamtes mitgeteilt werde, bisher keine detaillierten Aufstellungen zur Vrefügung. Indessen werde das Außen-, amt diesbezüglich Erkundigungen einziehen und ihr Ergebnis dem Abgeordneten Jänner bekannt geben. Was den zweiten Teil der Anfrage betreffe, so sei dies eine Angelegenheit, die dem Ermessen des High Commissioner für Palästina anheimgestellt sei. Auf die Frage des Abgeordneten Jänner, ob es möglich sein werde,' Auskünfte betreffend den ersten Teil seiner Anfrage binnen kurzer Zeit zu erhalten, erklärte Sir Philip: Ich weiß es nicht bestimmt. Dies ist eine in den Bereich des Außenamtes fallende Angelegenheit. Dieses wird sich hierüber mit der Botschaft in Berlin ins Benehmen zu setzen haben. Ich nehme an, daß der angeforderte Bericht im Laufe einiger Tage eintreffen wird. Anschließend fragte der Abgeordnete Viscount Lymington den Innenminister, ob er die Zahl jüdischer Ausländer bekannt geben könne, die feit dem 30. Januar 1933 nach England gekommen seien. Der Jnnen- Der Israeli t_ minister verwies auf seine am 13. April dem Abgeordneten Daran gemachte Mitteilung, daß den Statistiken über die nach England kommenden Fremden die Staatsangehörigkeit zugrunde gelegt werde, und daß besondere Aufstellungen betreffend jüdische Einwanderer nicht vorlägen. Palästina. Appell an den Völkerbund. Jerusalem, 14. Mai. Der W a a d L e u m i hat einen Aufruf an alle Völker erlassen, in dem diese unter Hinweis auf die jüdische Lage aufgefordert werden, mitzuhelfen, daß die Errichtung des jüdischen Nationälheims verwirklicht werde. An den Völkerbund wird appelliert, eine internationale Anleihe zwecks Durchführung einer großzügigen Kolonisation deutscher Juden in Palästina auszulegen. Wie die ITA. erfährt, hat die Palästina-Regierung beschlossen, die Zuschüsse für die jüdischen Jnstituttonen in Palästina, einschließlich des hebräischen Schulwerks, im Finanzjahre 1933/34 um 16.000 Pfund zu erhöhen. Von diesem Betrag sind 6000 Pfund zur Subventionierung des jüdischen Schulwesens bestimmt. Protestversammlungen in Palästina gegen die Beschränkung der Arbeitereinwanderung. Jerusalem, 7. Mai. In ganz Palästina haben öffentliche und Vereinsversammlungen stattgefunden, in denen gegen die Verkleinerung der Arbeiterschedule durch die Palästinaregierung Protest erhoben wurde. Eine in Jerusalem abgehaltene Massenversammlung, die vom Jerusalemer jüdischen Arbeiterrat einberufen worden war, faßte eine Entschließung, in der gesagt wird, die Versammlung protestiere gegen die Ungerechtigkeit der Regierung gegenüber der jüdischen Arbeitereinwanderung. Das Land im allgemeinen und die füdischen Unternehmungen im besonderen benötigten dringend einen großen Arbeiterzustrom. Massen von Juden in der Diaspora, die unter wirtschaftlicher Not und antisemitischer Bedrückung leiden, dringen auf ihr Recht, nach Palästina einzuwandern, und grade in dieser Zeit habe die Regierung die Einwanderung beschränkt, sie enthalte so deutschen Juden eine Zufluchtsstätte vor, lege der jüdischen Entwicklung in Palästina ein schweres Hindernis in den Weg und gefährde die Stellung der jüdischen Arbeit. Die Versammlung richte an die jüdischen Massen die Aufforderung, sich in einem mächtigen Ruf nach Oeffnung der Tore des Landes zu vereinigen. In der L a e m e l - S ch u l e zu Jerusalem fand ein großes revisionistisches Protestmeeting statt. Eine Versammlung der Allgemeinen Zionisten wurde in Tel- Awiw abgehalten. In Haifa wurde eine Massenversammlung im Amphitheater abgehalten. Die hebräische Presse weist darauf hin, daß sogar das als sehr rigoros bekannte Einwanderungsamt der Regierugn diesmal die Erteilung von 7000 Zertifikaten oorgefchlagen hat. Die Blätter geben auch ihrem Erstaunen darüber Ausdruck, daß die Regierung die Herabsetzung der Zahl angeforderter Zertifikate gerade zu einer Zeit vorgenommen hat, da der Minister für die Kolonien, der als Freund des jüdischen Aufbauwerkes gilt, in Palästina weilte. von der Jerusalemer Agudas Iisroel. Jerusalem, 5. Mai. In Erwartung einer gesteigerten orthodoxen Einwanderung und infolge der vielfachen Anfragen an das Agudabüro über die Möglichkeit von Einwanderung und Ansiedlung, wurde innerhalb der Agudazentrale ein Komitee gebildet, das sich aus angesehenen und fachmännischen Kaufleuten zusammensetzt. Einmal in der Woche kommen die Herren zusammen, um die Anfragen zu prüfen und sachdienlich zu beantworten. Es wurde auch ein Plan zur Reorganisierung der Aguda in Jerusalem und in Crez Jisroel ausgearbeitet. Eine jüdische Delegation sprach beim Hochkommissar vor und überreichte die Forderung der palästinensischen Judenheit nach angemessener Vertretung in den palästinensischen Gemeindeverwaltungen, ebenso Berücksichtigung jüdischer Arbeiter bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten. Zuletzt wurde gebeten, den Ausbau der Wasserleitung Nr. 20 Seite 11 für Jerusalem zu beschleunigen. Der Hochkommissar versprach, den Wünschen volle Aufmerksamkeit zu schenken. Das Gericht in Nablus hat endgültig entschieden, daß die Araber kein Weiderecht in Nahalal haben. Arbeitszuteilungskommrssien für das Baugewerbe m Tel-Awiw. Tel-Awiw, 9. Mai. Der Stadtrat von Tel-Awirv hat ein am 2. Mai von der Exekutive des Siadtrats mit der Vereinigung der Bauunternehmer, der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation, der revisionistischen Arbeiterorganisation, der Handwerkervereinigung, dem Hapoel Hamisrachi und der Vereinigung der yemenitischen Arbeiter getroffenes Abkommen über die Aufteilung aller in Tel-Awiw auszuführenden Bauarbeiten ratifiziert. Das Abkommen sieht die Einsetzung eines ständigen vereinigten Komitees vor, das die Arbeiten unter den bestehenden Arbeiterorganisationen und den Nichtorganisierten Arbeitern austeilen soll. Arbeitsbedingungen und Lohnsätze sind in dem Vertrag genau festgelegt. 66 Proz. der Arbeiter sind von der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation, 11 Proz. vom Hapoel Hamisrachi, 11 Proz. von den Revisionisten und 11 Proz. von den Jemeniten beizustellen. Streitfälle sind zunächst der ständigen Kommission und, falls diese zu keiner Entscheidung gelangt, einem von den beteiligten Parteien zu wählenden Schiedsgericht vorzulegen. Dem Abkommen wird große Bedeutung für die Erhaltung des Arbeitsfriedens in Tel-Awiw beigemessen. Neue Terrorakte der Histadruth. Haifa, 12. Mai. Wohin das Treiben der radikalen Arbeiterorganisation führt, zeigt der letzte Streik, den sie — allerdings unter schämiger Verschweigung der „Histadruth" und unter Abwälzung der Verantwortung auf eine andere ihr untergeordnete Stelle — im größten jüdischen Industrieunternehmen im Galiläa, „Nescher", verhängt hat, die ungefähr 300 Arbeitern Brot und Verdienst gibt. Der Grund zu dem Streik liegt nicht etwa in Differenzen zwischen den Arbeitern und Arbeitgebern des „Nescher". sondern stellt sich als ein Akt der Solidarität mit arabischen Arbeitern einer benachbarten arabischen Fabrik dar. Von jener arabischen Fabrik wird auch „Nescher" mit einigen Artikeln beliefert. In der arabischen Fabrik kam es zu Unstimmigkeiten, in deren Gefolge arabische Arbeiter ausgesperrt und andere, arbeitswillige Araber, an deren Stelle eingesetzt wurden. Nun verlangte die Nebenstelle der jüdischen „Histadruth", daß die Ncscher-Fabrik alle Beziehungen zu dem Araber einstelle. Da die Unternehmer des ..Nescher" sich weigerten, diesem Wunsche nachzukvmmen, — weil sie die ganze Sache nichts angehe und von jenem Betriebe gut beliefert werde, zudem auch noch Verträge laufen —, so werden die jüdischen Arbeiter des „Nescher" zum Streike aufgefordert. Eine Schädigung dieses Unternehmens würde die Lahmlegung der größten jüdischen Jndusttie in Palästina bedeuten. Es muß konstatiert werden, daß die gesamte öffentliche Meinung und die Presse ungeteilt dieses ganz und gar unberechtigte Vorgehen der „Histadruth" oerp.rteilen. Was haben wir uns in Streitigkeiten zwischen Arabern und Arabern zu mischen? Der Dank dafür ist nicht von der Art, daß man darob jüdische Industrien vernichten und jüdischen Arbeitern den Existenzboden entziehen soll. Wiederum ein drastischer Beweis, wie bitter nötig dem Lande Arbeiter von echter jüdischer Einstellung tüten! Amerika. Sabbatruhegesetz kn Newport. Newyork, 10. Mai. Der Senat von Newyork hat ein Gesetz beschlossen, demzufolge denjenigen, die die Sabbatruhe beobachten, die Ausübung ihrer Beschäftigung an Sonntagen gestattet wird. Dasselbe Gesetz wurde auch vom Stadtrat von Albany angenommen. Die Erlassung eines Sabbatruhegesetzes in Newyork ist auf die Initiative und die Bemühungen des amerikanischen Schomre Schabbos-Verbandes zurückzuführen.