Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1933)
- Date
- 1933-05-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 20 Der Israelit 18. Mar 1933 die Familie ebenfalls auf führende Männer zurück. Zusammen mit seinen Brüdern, und nicht zuletzt auch dank seiner Tatkraft, machte Nathan Sondheimer den Ausstieg des Hauses Beer, Sondheimer u. Cie. mit und blieb, auf sozialer Höhe, der einfache jüdische Mensch, dem alles Menschliche lieb und teuer, alles Jüdische hoch und heilig war, dessen Leben in nnin.n »arm und trat? nm» verlief und der auch persönliches Leid mit der Kraft des jüdischen G'ttvertrauens zu tragen wußte. Sein Arbeitstag war geweiht durch eine Lern stunde, die er tagtäglich. Morgen für Morgen, seit Jahrzehnten mit seinem Rebben pflegte. Und bei aller unermüdlicher Berufstätigkeit im Welthause fand er doch Zeit für die idealen jüdischen Dinge, die ihm am Herzen lagen, für die Anliegen der Gemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft", deren Vorstand er seit Jahren angehörte, für alle Institutionen und Wohlfahrtsaktionen, die er mit Herz und Hand, mit Rat und Tat unterstützte und förderte. Im Kuratorium der Thoralehranstalt Jeschiwah leistete er Hervorragendes. Die Fürsorgestellen wie Private fanden in ihrer Not in Nathan Sondheimer einen warmen Freund, der überall gern half, wo es zu helfen gab und großzügig und freigebig sich in den Dienst der Sache stellte, andere zur Nachahmung uneifernd. Es würde dem in sich geschlossenen Gesamtbilde dieser Persönlichkeit Abbruch tun, wollte man sich an Einzelzüge halten. Nathan Sondheimer war alles in allem einer unserer Besten, und sein plötzlicher Heimgang mitten aus der Arbeit heraus trifft nicht allein die engere und weitere Familie, der er in glühender Liebe zugetan ■ war, schwer, sondern bedeutet für uns alle einen schweren Schlag. Die Gattin hatte ihn auf die überseeische Geschäftsreise begleitet, als ahnte sie, daß es die letzte Fahrt sei. In ihren Armen konnte er auf fremdem Boden seine Seele aüshauchen. Die Kinder daheim, unter ihnen zwei, die noch zu jung sind, um das Unglück zu fassen, warten der Heimreise des Vaters, daß er hier die letzte Ruhestätte finde. Möge diese Kinder so herangeüeihen lassen, daß durch sie und in ihnen uns allen Trost erblüht. -Trrmn Skeuererhöhung in der Jüdischen Gemeinde. In einer nichtöffentlichen Gemeindevertretungssitzung wurde beschlossen, die Kultussteuer für das laufende Rechnungsjahr unter Vorbehalt der Abänderung auf 20 Proz. Zuschlag zur Reichseinkommensteuer (i. V. 15 Proz.) und auf 25 Prozent Zuschlag zur Vermögenssteuer festzusetzen. Die Vermögenssteuer ist nur von Dermögenssteuerpflichtigen, dje einkommensteuerfrei veranlagt sind, oder bei denen die' veranlagte Vermögenssteuer höher ist als die veranlagte Einkommensteuer, zu entrichten. Die Gemeindeverwaltung behält sich vor, ein Gemeindegeld bis zu einem Höchstbetrag von 40 Mk. zu erheben. Neu und einschneidend ist auch die Bestimmung, daß Steuererleichterungen irgendwelcher Art nur unter der „ausdrücklichen Bedingung" der weiteren Zugehörigkeit zur Gemeinde bewilligt werden. Bis zum Empfang der Veranlagungsbenachrichtigung haben die Kultussteuerpflichtigen Vorauszahlungen zu leisten, die für jeden vierteljährlichen Zahlungstermin ein Viertel der für das vorausgegangene Rechnungsjahr veranlagten Kultussteuer betragen. Von Gemeindeseite wird betont, daß die Gemeinde den Rückgang der Einnahmen aus den Kultussteuern nicht lediglich durch Kürzung der Etatkapitel auszugleichen vermochte und daß in einer ganzen Reihe von anderen Gemeinden diese oder sogar noch höhere Steuersätze bereits in den Vorjahren erhoben wurden. Die rote Marke in der Frankfurter Rolhschildbibliolhek. Der Direktor der Freiherrlich Carl von Rothschild'- schen Bibliothek, Dr. Kirchner, nimmt gegenwärtig mit einer Kommission, der u. a. auch Bibliothekar Dr. Beer angehört, die'. Entfernung von Büchern jüdischer , Autoren und Werken der marxistischen Literatur aus den städtischen Bibliotheken vor. Die aus den Ausleihbeständen ausgefchiedenen Werke werden in je einem Exemplar unter Verschluß als Archivbestand für Forschungszwecke zurückgestellt. Bei der Rothschild'schen Bibliothek, deren Bestände nicht für die breiten Volksmassen bestimmt sind, sollen die bei den Volksbüchereien gesperrten Werke in den allgemeinen Beständen verbleiben. Sie sind jedoch durch eine rote Marke gekennzeichnet und werden nur an solche Personen ausgegeben, die den Nachweis erbringen, daß sie sie für wissenschaftliche Zwecke benötigen. Hebräischer Sprachunterricht. Auf vielfache Anfragen, wo man am besten die hebräische Sprache, besonders das Hebräischsprechen erlernen kann, verweisen wir auf die in der Agudas Iisrvel ftattfindenden hebräischen Sprachkurse von Herrn Messerer, der auch Privatunterricht in seinem Hause (Baumweg 21) erteilt. Ferner erteilt Unterricht in Neuhebräisch und Hebräischsprechen Herr Samuel Steinb e r g, Grünestratze 19. der auch allerlei hebräische Schreibarbeiten mit Schreibmaschine anfertigt. Geschäftsjubiläum. Die Textilfirma Wilhelm Eding er, Bergerftr. 152, begeht in diesen Tagen ihr 2 5 j ä h r i g e s Geschäftsjubiläum. Herr Wilhelm Edinger, eine wohlbekannte Persönlichkeit in unserer Gemeinde, in Synagoge und Lernveremen oft und gern gesehen, erfreut sich als Mensch und frommer Jehuüi allgemeiner Achtung. Bei allen Schwierigkeiten im offenen Ladengeschäfte wußte er in dem Vierteljahrhundert seines Geschäftsbetriebes dem Sabbat und auch sonst der Iüdischkeit Opfer zu bringen, und ist zu hoffen, daß in dieser schweren Zeit ihm noch weiter das verdiente Vertrauen der Glaubens- und Gesinnungsgenossen zuteil wird. Schächtverbot und neue Wege zur Lebensreform. Ueber dieses in unseren Kreisen besonders aktuelle Thema -wird demnächst der bekannte Lebensreformer Friedrich P a l l m a n n, Frankfurt a. M., im Frauenheim, Langestraße 3, sprechen. Der Redner will mit seinen Ausführungen der jüdischen Hausfrau und Familie einen Weg zeigen, wie dem glaubensstolzen deutschen Juden aus Treue zu seiner Religion und Gemeinschaft trotz Schächtverbot die Lebenskraft vor Schwächung und Verfall bewahrt bleibt. Es handelt sich hierbei nicht nur um hygienische, sondern auch wirtschaftliche Profleme insofern, als eine Möglichkeit'gezeigt werden soll, wie die Familie billig reformerisch und fleischlos ernährt werden soll und kann. Die theoretischen Ausführungen werden vom Redner durch entsprechende praktische Vorführungen, Rezeptdiktate und Kostproben ergänzt. Allen Besuchern wird darum empfohlen, kleinen Teller, Löffel, Glas, Bleistift und Schreibpapier mitbringen. Zeitpunkt wird noch angegeben. Frankfurter Dereinskalender. Verein Akekor Chajim. Samstag morgen nach Schul im Hörsaal: Dinim, Herr R.A. Dr. E. Posen — nachmittags % Stunde vor Mknchü im Bereinslokal Mikro, Herr Julius Lewin. — 4 Uhr int Vereinslokal (ebenso Sonntag morg. 8 Uhr) Gemoro, Herr I. Soffer. Eine Stunde vor Nacht, Midrasch. Herr Leop. Oppenheimer. Sonntag 9 Uhr im Vereinslokal: anna« ja», Herr R. A. Dr. Schlesinger. Sonntag und Mittwoch, dik «n, Herr S. Schachnowitz. Montag morgen nach Schul (auch Donnerstag): Mischna- Mitgliederlernen, abends 7 Uhr im Vereinslokal (auch Mittwoch) Gemoro Herr Rabb. Dr. I. Breuer. Dienstag (auch Donnerstag) abends 6 Uhr Gemoro, Herr R.-A. Dr. E. Posen. Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mifchna. Herr R.-A. Dr. E. Posen. Sonntag, Dienstag und Mittwoch abends 8.15 Uhr, im Vereinslokal Schaßlernen. Herr Herz Holpern. Jahrzeitssiiftungen. Sonntag, den 21. Mai: Dr. Israel Roos-Stiftung. Montag, den 22. Mai: Abraham Fürth-Stiftung. Montag, den 22, Mai; Rosa Joseph geb. Mainz-Sttftung. Liwjath Chen. Samstag nach Mincho. 5^ Uhr, im Hörsaale Friedberger Anlage, Vortrag des Herrn S. Schachnowitz. „Die Zahlen des Perek V". Agudas Jisroel-Orksgruppe. Der Schiur des Herrn Rabbinatsaffeffors Dr. Schlesinger findet Samstag nachmittags von 3.15 — 4.15 Uhr und Donnerstag abends von 8.45—10 Uhr statt. — Es wird nna w» mm gelernt. Der wird in der Wohnung des Dozenten, Schwanenstr. 12 II, abgehalten. Schiurim des Herrn Herz Holpern: Täglich von 9—12 Uhr: Lernen jeglicher Art. 12—1 Uhr:Daf Iomi — Am nav anschließend an Das Jomi agadischer Vortrag. Agudas Jisroel-Wädchengruppe. Schiurim im Sommerhalbjahr: Schoftim: Dozent Herr Julius Lewin. Zeit: jeden Schabbos vormittags nach Schul im Heim (außer wenn Predigt). Pirke Aboth: Dozent Herr Konrektor A. Hirschberg im Heim, Zeit: Samstag. 4 Uhr. Jeschajo: Dozent Herr Studienrat Dr. M. Lange. Zeit: jeden Schabbos nachmittags 16 Uhr in der Wohnung Räderbergweg 36. Dinim: Dozent Herr Konrektor A. Hirschberg Zeit: jeden 2. Montag 6—7 Uhr. Agudistifche Frauenorksgruppe. Am Montag, den 22. Mar, abends 8.45 Uhr wird Herr Konrektor Hirschberg im Hause von Frau .Dr. G. Schnerb, Hölderlinstr. 2 einen Vortrag halten über: „Den zweiten Teil von Megillas Ruth". Gäste, Damen herzlich willkommen. Agudas Iisroel-Iugendgkuppe. Wie alljährlich veranstalten wir für unsere Mitglieder ein Schowuauslernen im Heim. Unkostenbeitrag Rm. —.65. Anmeldung an Max Eschwege, Thüringerstr. 23. Jüdischer Turnerbund E. V. Sommerprogramm 1933 Herren: Sonntag: 9—12 Uhr Sport und Spiel kleine Ostparkwiese. Dienstag: 6.30—9 Uhr Sport, Kleine Ostparkwiese. Donnerstag: 8.30—10 Uhr Turnen (Annaschule Rechneigrabenstr.). Jugend: (Zöglinge) Sonntag: 9—12 Uhr Sport und Spiel, kleine Ostparkwiese. Dienstag: 6.30—8 Uhr Sport kl. Ostparkwiese. Donnerstag: 6—8 Uhr Turnen (Annaschule). Knaben: Dienstag: 5—7 Uhr Sport und Spiel kleine Ostparkwiese. Damen: Mittwoch: 8.30—10 Uhr Turnen Gymnastik S. R. Hirschschule Am Tiergarten. , Frauen: Mittwoch : 7.30—8.30 Uhr Gesundheitsgymnastik S. R. Hirschschule Am Tiergarten. Mädchen: Mittwoch: Gymnastik und, Turnen (Annaschule.) Abteilung I (bis 8 Jahre 4—6 Uhr). Abteilung II (8—11 Jahre 5—6,15 Uhr). Abteilung III (über 11 Jahre 6.15—7.30 Uhr). Gebetzeiten. ’ripna ina nnw Freitag abend 7.35 Samstag nt&yn 6.30 Samstag morg. 7.45 Samstag nachm. 1.00 und 5.00 Samstag abend 9.05 Wochengottesdienst: Morgens 6.30; Nachmittags 7.15 Tefillinlegen am Morgen 315 Schiurim des Herrn Gemeinderabbiners. Der Psochim-Schiur beginnt wieder am Sonntag, den 14. Mai oormittggs 8 30 Uhr. — Der Ehauschen Mischpot-Schiur findet jeden Sonntag abend im Anschluß an Maariw bismanau statt Beide Schiurim in der Wohnung des Herrn Gemeinderabbiners. Ein streng rituelles Schülerheim ist für Wien und Oesterreich ein Novum. Herr I. E isenb er g) ein bewährter Pädagoge mit reichem jüdischem Wissen und von starker jüdischer Einstellung, ist mit dieser Gründung einem seit langem empfundenen Bdeürsnis entge- - gengekommen, wofür ihm die jüdische Oeffentlichkeit Dank wissen wird. In Wien selbst erfreut sich dieses modern eingerichtete S ch ü l e r h e i m für Knaben und Mädchen, in dem Kinder aller Schultypen Vorbereitung, Nachhilfe und religiöse Ertüchtigung erhalten, größter Beliebtheit. In der Ferienzeit wird der Betrieb ins eigene Semmering er Kinderheim verlegt, das, mit großem Park, Plantschbecken und Spielwiese versehen, den Kindern, die stetig unter ärztlicher Aufsicht und Leitung geschulter Kräfte stehen, ein wahres Paradies bedeutet. Die Preise sind stark reduziert und ermöglichen ganz besonders auch deutschen Eltern, ihren Kindern im Auslande, und dennoch in einem " deutschen und streng religiösen Milieu, den schönsten Ferienaufenthalt zu bieten. Anmeldungen erfolgen bei dem Leiter I. Eisenberg, Wien II., 'große Pfarrgasse 8. ~ Die Firma S. T h almann, Ostendstratze 12, welche den Export von koscheren Jennil-Suppenwürfel- Mars- Suppenwürze und Jsmark inne hat, bringt jetzt, nachdem durch das Schächtverbot das Eatosan nicht mehr hergestellt werden kann, „Kraftpuddinge" in den Verkehr. Die Kraftpuddinge werden in 5 verschiedenen Geschmackssorten: Citrone, Himbeer, Schokolade, Mandel und Vanille unter Aufsicht der Israelitischen Religionsgesellschaft Frankfurt a. M. hergestellt und bieten einen guten Ersatz für die fleischlose Küche, da dieselben sehr nahrhaft und im Wohlgeschmack unübertrefflich sind. Für Hotels, Krankenhäuser usw. werden Kilodosen (ca. 100 Portionen) sehr preiswert geliefert. (Siehe Inserat.) Die Ernährungsschwierigkeiten bei den gesetzestreuen Juden infolge des Schächtverbotes trifft am schwersten die Zuckerkranken, die, vie gemeiniglich angenommen, in erster Reihe auf Fleischkost angewiesen find. Man muß dem Diabetikerhaus „Stey er " . Spezialgeschäft für Diabetikerreformdiät, (Gr. Bockenheimerstraße 58) dankbar sein, bah es mit der ihm eigenen Sachkenntnis und feinem idealen Sinn für die Not der Mitmenschen auch dieser Kalamität im weitgehendsten Maße Rechnung trägt. Seine neuesten Präparate für Gesunde und speziell für Zuckerkranke, von allen Aerzten als voller schmackhafter Ersatz für Fleischkost empfohlen und unter strenger Aufsicht hergestellt, werden gerade jetzt von den jüdischen Haushaltungen mit Freude und Dank begrüßt werden. Die Generalvertretung hat Frau Friesländer, Ostendstraße 15, Telefon 45597, bei der auch die Preislisten gratis zu beziehen sind. Bei der Gelegenheit fei auch auf eine sehr instruktive Schrift von Friedrich P a l l m a n n unter dem Titel „Das Rätsel, der Zuckerkrankheit und seine Lösung" mit einem Vorwort von Dr. Gössel aufmerksam gemacht, die uns sozusagen über die wissenschaftliche Grundlage der von der genannten Firma hergestellten Diabetikerresormdiät in gemeinverständlicher Weise Auskunft gibt. Wochenkalender vom 20. — 27. Mai 1933 vom 24 Isar b. 2 Siwan 6693 '»N m pna ’npna nna Samstag 20 24 ivaa’ Mauled: Mittwoch nachm. 1 U. 38,7/i8 Min. na Sonnrag >21 25 na Montag Dienstag Mai 22 23 1"« 26 27 aa T3 Mittwoch 24 28 na Donnerstag 25 29 B3 pp maa bt» Freitag 26 ji'v 1 D snn srtn Samstag 27 2 rw "i pna nanaa