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Der Israelit · 1933-05-18 · Heft 20 (18.5.1933) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 20 (18.5.1933)
Date
1933-05-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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\. j.. •i.: Seite 6. Nr. 20 Der Israelit 18. Mai 1933 Zeder Bauer muß deutschen Blutes sein. B e r l i n, 12. Mai. Wie die „Nachtausgabe" meldet, wird im preußischen Justizministerium ein Gesetzentwurf über die Ausdehnung des Erbhofrechts auf ganz Preußen ausgearbeitet. Das Gesetz bestimmt u. a., daß jeder Bauer deutscher Staatsbürger und deutschen Blutes sein muß. Es ist anzunehmen, daß durch ein solches Gesetz die auf jüdische Jnnenkolonisation in Deutschland gerichteten Bestrebungen schwer beeinträchtigt werden würden. Kriegsbeschädigte dürfen von jüdischen Aerzten nicht behandelt werden. Berlin, 12. Mai. Der Reichsarbeilsminister hat durch die Verordnung vom 22. April 1933 für die kassenärztliche Behandlung der Sozialversicherten, darunter der zurückgekehrten Kriegsbeschädigten, bestimmt, daß nur arische Aerzte zugelassen sind. In Auswirkung der genannten Verordnung hat der Reichsarbeitsminister nunmehr in einem Erlaß an.die Hauptversorgungsämter vorgeschrieben, daß die gleichen Vorschriften auch aus die Behandlung nichtversicherter Kriegsbeschädigter anzuwenden sind. Landesverbandstagung des R. Z. F. Berlin, 12. Mai. In Frankfurt a. O." fand unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt Kann, Ländsberg a. W. ein zahlreich beschickter Delegiertentag des Landesverbandes Brandenburg des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten statt, an dem Vertreter aller Ortsgruppen Ostdeutschlands^ teilnahmen. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Vortrag des Bundesgeschäftsführers Dr.'Ludwig Freund über das Thema „Der Werrdepunkt jüdischen. Schicksals in Deutschland". Dr. Freund erklärte u. a., die Revolution .fei noch im Flusse,,, die verantwortlichen Führer der Regierung seien bemüht, den Weg der Mäßigung und Ordnung zu bahnen, denn nur diese könnten den Wiederaufbau und die Kräftigung des Vaterlandes herbeiführen. In persönlichen Aussprachen und, schriftlichen Anträgen sei . der R. j. F. bei der Reichsregierung mit Kraft und Würde für die Rechte der deutschen Juden eingetreten. Die Stimme des jüdischen Frontsoldaten, der auf Grund seiner nationalen Verdienste zur Wahrung der Rechte der deutschen Juden berufen sei, werde nicht überhört. Der Bundesleitung und insbesondere dem ersten Vorsitzenden Dr. Lörvenstein wurde Dank und die Versicherung unverbrüchlicher Treue einmütig ausgesprochen. Die Versammlung sprach sich für Propagierung des Führergedankens aus und verurteilte die von gewisser jüdischer Seite gegen die Bundesleitung gerichteten Angriffe. Berufsumschichtung und jüdisches Handwerkertum. Berlin, 12. Mai. Unter dem Vorsitz von Louis Wolfs fand in Berlin eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Verj eins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens statt,. ' in der Referate über eine Reihe augenblicklich'besonders dringlicher Wirtschaftsprobleme gehalten wurden. Der ^Direktor des Kreüitvereins für Handel und Gewerbe, Alfred Jaulus, entwarf ein Bild der Entwicklung des Genossenschaftswesens im allgemeinen und wies die dringende Notwendigkeit von Kredltgneoffenschaften für den gewerblichen Mittelstand nach. Dr. Manfred Meyer beschäftigte sich eingehend mit der Frage der handwerklichen uriö akademischen Berufe und mit dem Problem, wie den jungen Menschen, deren Ausbildung in dem von 'ihnen geplanten- Berufe .unterbrochen wurde, Arbetts- ' Möglichkeiten in neuen produktiven Berufen gegeben werden könnten. Der geschästssührende Vorstand berichtete über praktische Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung und betonte die Notwendigkeit, daß alle in Betracht kommenden Haushaltungen in den Besitz der durch den Verein zusammengestellten Bezugsquellenverzeichnisse gelangen. Herr Wilhelm Marcus skizzierte die Aufgaben von Gemeinde, Landesverband und Hirlschaftskorporationsn in der heutigen Zeit. Er gab einen Ueberblick über die Existenzaussichten im Auslande und warnte vor übereilten Entschlüssen. Auch abgesehen von wirtschaftlichen Erwägungen müßten die ihrem Vaterlande eng verbundenen deutschen Juden alles daran setzen, um nicht entwurzelt zu werden. Nach einer Aussprache, in der der Wille Aller zu tätiger Mitarbeit zum Ausdruck kam, wurde der geschäftsführende Vorstand ermächtigt, alle im Standesinteresse erforderlichen Maßnahmen von sich aus zu treffen. .Schwerz. Eine Kundgebung ’ des Israelitischen Gemeindebundes der Schweiz. Basel, 14. Mai.. Die Ereignisse der jüngsten Zeit haben die Leitung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, die Vertretung der Juden in der Schweiz, veranlaßt, auf den 3. Mai eine außerordentliche Tagung der Delegierten nach Bafel einzuberufen, an der sämtliche jüdischen Gemeinden der Schweiz und -auch''zahlreiche Gäste anwesend waren. Die eindrucksvolle Tagung fand im Stadt- Casino statt und wurde eröffnet durch ein markantes Votum des Präsidenten, Herrn I. Dreyfus- Brodsky, der die Anwesenden begrüßte. Nach ausführlichen Referaten der Herren Dr. Charles B o l l a g und Mr. Ch. Picard (letzterer französisch) wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Der außerordentliche Delegiertentag des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, als Vertretung der schweizerischen jüdischen Gemeinden und damit des gesamten schweizerischen Judentums, hat mit tiefem Bedauern Kenntnis' genommen von den verhetzenden Angriffen gegen das schweizerische Judentum, die insbesondere in letzter Zeit in öffentlichen Versammlungen, Vorträgen und teilweise in der Presse zutage treten. Die Vertreter des schweizerischen Judentums legen hierdurch feierliche Verwahrung ein gegen, die 'Angriffe auf die staatsbürgerlichen Rechte der Schweizer Juden. Oberstes, verfassungsmäßiges Recht ist die Gleichheit des Bürgers vor. dem Gesetz. Dieses Grundrecht ist der Inbegriff der Demokratie. Die antisemitische Bewegung ist unschweizerisch und undemokratisch. Die Schweizerjuden lehnen es ab, für die derzeitige Wirtschaftskrise verantwortlich gemacht zu werden. Als Bestandteil des schweizerischen Volkskörpers leiden sie in gleicher Weife unter der wirtschaftlichen Depression wie alle andern Mitbürger. Der außerordentliche Delegiertentag appelliert an den gesunden Sinn des Schweizervolkes und hofft zuversichtlich, daß, wie bis anhin, der Friede und dis öffenth liche Ordnung nicht mit Schlagworten und Verhetzungen in unserem Vaterlande gestört werden können." In Kreisen des Vundesrates wird verlautbart: „Im Bundesrat besteht nur eine Meinung darüber, daß die Gleichberechtigung der Juden als S ch w s r z e r b ü r g s r, dis seit 1864 verfassungsrechtlich geordnet ist, nicht angetastet werden darf. Der Bundesrat betrachtet es als selbstverständlich, daß er gemäß der Verfassung seine Staatsbürger ohne Unterschied von Konfession und Rasse behandle." Pole«. Asylrecht in Polen. > i Warschau, 10. Mai. Eine Abordnung des polnischen Zie.rstralchilfsko mite es'für Juden aus P,eütschlanch - hat unter Führung des Abgeordneten'W i S.z l i'ck i.-im Innenministerium vör'gesprochen und mit > den - führenden Beamten der zuständigen 'Abteilungen längere Besprechungen betreffend die Lage der Flüchtlinge aus Deutschland abgehalten. In diesen Besprechungen wurde vereinbart, daß das Innenministerium demnächst ein Rundchreiben an die Organe der Verwaltungsbehörden im ganzen Land ergehen lassen wird, in dem diese aufgefordert werden, deutschen Juden, die nach Polen kommen, keine Schwierigkeiten beim Grenzübertritt und bei Erteilung der Aufenthaltsbewilligung zu machen. Ebenso oll in der Frage der 3 u e r te n nu ng der polnichen S t a a t s a n g e, h ö .r i g k e i t an solche Personen verfahren werden, tzie die Voraussetzungen für das polnische Staatsbürgerrecht besitzen, aber infolge ihres bisherigen dauernden Aufenthalts in Deutschland als Staatenlose geführt werden. (ITA.). Griechenland. Znländer-Arbe'itsschutzgesetz in Griechenland. .. Athen, 12. Mai. Ein soeben angenommenes Gesetz verbietet den in Griechenland ansässigen Ausländern die Ausübung von handwerklichen und einigen anderen Berufen. Die Parlamentskommission der regierenden Volkspartei hat beschlossen, dieses Gesetz vom 15. Juni an schrittweise in! Kraft zu setzen, so dsiß, es nach zwei Jahren zur vollen Auswirkung gelaitgt.'Infolge dieses Gesetzes werden mehrere Hundert in . Athen und Saloniki ansässige ausländische Juden in einiger Zeit genötigt sein, Griechenland zu verlassen. ’ ' ■ ■ Amerika. Vertreter aller christlichen Kirchen gegen den Antisemitismus. N ew y o rk, 10. Mai. Die „National Conference, os Jews and Christians", eine zur Förderung von Freundschaft und Zusammenarbeitunter den Bekennern der verschiedenen Religionen in den Bereinigten Staaten gegründete Organisation, hat Gruppen führender Geistlicher der verschiedenen christlichen Bekenntnisse und bekannter Hochschullehrer gebildet, die die Aufgabe übernommen haben, Kundgebungen von Führern aller christlichen Kirchen und Vertreter aller amerikanischen Universitäten gegen die antisemitische Strömung in Europa zu veranlassen. In der letzten Zeit haben bereits einige der hervorragendsten Vertreter der christlichen Geistlichkeit Amerikas, unter ihnen Kardinal H ay e s und der anglikanische Bischof M a n n i n g, ferner der Sekretär des kirchlichen Friedensbundes und der Weltvereinigung für internationale Freundschaft, Henry A. A t k i n s o n, sowie Rev. Theodor I. Greene als Vertreter der Kommission für internationale Beziehungen beim Generalrat der christlichen Kirchen, der 6670 Kirchengemeinden in den Vereinigten Staaten repräsentiert, öffentlich ihre Stimme gegen den Antisemitismus erhoben. Judenfeindliche Ausschreitungen in Marokko. . . : Tanger, 14. Mai. In Rabat, der Residenz des Sultans von Marokko und Hauptstadt der französischen Interessensphäre, ist es am Abend des 10. Mai zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen. Im Verlauf eines Streites hatte ein jüdischer Einwohner seinen arabischen Gegner in Notwehr niedergestochen und dieser erlag im Hospital seiner Verletzung. Obwohl dieser Zwischenfall keinerlei politischen Charakter trug, wurde er von antisemitischen Agitatoren dazu ausgenutzt, die arabische Bevölkerung gegen die jüdischen Einwohner aufzuwiegeln. Es kam zu Gewalttaten gegen friedliche Bürger und zur Plünderung von Läden. Die Behörden haben sofort alle Maßnahmen zum Schutz jüdischen Lebens und Eigentums ergriffen. Zur Unterstützung der Polizei wurden Truppen herangezogen, alle , Zugänge zum jüdischen Mertel Mellah sind militärisch bewacht. Rabat gleicht einer belagerten Stadt. Ueber 100 Verhaftungen wurden vorgenommen. (ITA.). (Wettere Korrespondenzen siehe Sette 11.) Briefkasten. Interessenten. Nächsten Schabbos, 2,4. Ijar, ist die erste Jahrzeit für den verdienstvollen Vorsitzenden der Stuttgarter Religionsgesellschaft Siegfried Kahn, dessen ‘""i.psn brtt»V-rv',p sv -rst. ' ■ 1 Z3r. Der Fall ist höchst bedauerlich, doch eignet er sich gerade in der heutigen Zeit nicht zur öffentlichen Erörterung.; Lehrer K. in S Die Knaben lesen folg. Sidrph: 1) geb.;£mt I. Okrob. 1920, nnwna w. 2) geb. am 22.' Nov. 1920, 2. 3) geb. am 26. November 1920, av'i 's* Sprechsaal. . . iV.waa ■von'7 Ritueller Gebrauch von Glaswaren. Es herrscht vielfach die Ansicht,.(auch in unter Aufsicht stehenden Betrieben), daß Glaswaren, die man für dis fteischigs Küche benutzt, auch für milchig benutzt werden dürsten. Dem ist aber nicht so. Glaswaren dürfen nur dann in dieser Weise gebraucht werden, wenn sie zu kalten Speisen oder Getränken benutzt werden und diese Speisen oder Getränke keine Fettreste zurückließen, die nur auf heißem Wege entfernt werden können. Es ist daher verboten, ein Glas, in das man kochende Milch geschüttet hatte, nach dessen Reinigung noch zu heißer Fleischbrühe zu benutzen; und eben so wenig darf man einen Glasteller, auf dem sich kalte Butter befand, deren Reste man heiß abspülte, noch zu kaltem Gänseschmalz benutzen und dessen Reste dann heiß abspülen. Daraus ergibt sich die weitere Folge, daß man auch nicht in demselben Spülgefäß milchigfette Glaswaren und fleisch-fette Glaswaren, wenn auch nicht gleichzeitig, abwaschen darf. In solch verbotener Weise benutzte Glaswaren sind durchaus vviv. D..

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