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Der Israelit · 1933-05-18 · Heft 20 (18.5.1933) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 20 (18.5.1933)
Date
1933-05-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 20 Seite 5 18. Mai 1933 Der neue Glaubensbegriff als Grundlage der Bibelübersetzung von Bnber Rosenzweig. Äon Oberrabüiner Dr. 3of. Larlebach in Altona. (Fortsetzung.) Diese Bibelübersetzung will also Öde modernen Menschen „ansprechen". Sie sollen die Sprache einer andern Welt fühlen, und, gerade die Reüartigkeit der Form/ nämlich die Besonderheit der Bibelsprache, die ihnen im Echo des Deutschen wieder entgegentritt, soll ihnen eine Offenbarung werden. Die Erzählungen, die Botschaft, die Lehre, sollen dem Menschen ins Ohr tönen: „Ich bin G'tt, du sollst so und so tun." Dieses Ich, das, den Menschen anredet, hinter dem keine Polizei, keine Gewalt steht, das nur den Menschen anredet und ihn in seinem Angesprochensein sich selbst überläßt, ob er auf diese Stimme reagieren wird, dieses Ich G'ttes soll ihm begegnen, wir sollen-aus jedem Wort im gegebenen Moment unseres inneren Erlebens die Stimme eines Höheren vernehmen, die Stimme der Offenbarung. Darum machten die Uebersetzer es sich zur Pflicht, alle Feinheiten und Avancen des Textes zu belauschen, seine klangmalepische Wortbildung, seine Alliterationen und Reim- Lügungen nachzuahmen, den Tonfall der Regina als das Merkmal des gesprochenen, gehörten. Wortes auch in der Uebersetzung wiederzugeben, die Wörter in ihrer etymologischen Urbedeutung sestzuhalten, die Sprache gleichsam im statu nascendi, in ihrer Entstehung als Reflex g'ttlicher Erleuchtung sestzuhalten. Das Wort soll in seiner Einmaligkeit, in seiner' geschichtlichen Prägung verbleiben, dann wird es vielleicht, wie es zuerst der Rachhall offenbarender Menschenerweckung gewesen, von neuem die Seele aus ihrer Verschüttung, .aus ihrer Verstrickung in den Alltag, aus ihrer Verweltlichung heransreissen und ihr fühlbar machen, daß mit ewiger Liebe G'tt fein Menschenkind erweckt zur G'ttesebenbildlichkeit und zu erlösender Weltbeglückung. In der Tat ein gewaltiges und ungeheures Unternehmenl Richt den Zugang zum Urtext zu erleichtern, beabsichtigten die Verfasser, nicht dem Unkundigen ein.vorübergehendes Mittel, eine Brücke zu reichen, durch die er leichter in den Gehalt der heiligen Sprache selbst einöringt, sondern den modernen Menschen in seiner Glaubenslage die Stimme G'ttes selbst vernehmen zu lassen und das Wort als das ewig lönende Ausdrucksmlttel einer gegenwärtigen Offenbarung der Menschheit zu reichen, das war ihr Ziel. Cs erhebt .sich die Frage: ist der plan der Uebersetzer gelungen? Hat ihr Werk die Bedeutung, das die Verfasser ihm geben wollten? Für uns Gläubige, die wir in unserer geschichtlichen Kontinuität der Gewissheit unserer g'ttlichen Berufung nicht zweifelnd gegenüberstehen, die wir die Offenbarung vom Sinai als Sinn und Inhalt unseres Lebens demütig stets bewahrt haben, ist die Bibel viel weniger „Glaubenserwecker" als „ Glaube n s h e i m a t ". Für uns hat eine Uebersetzung nur eine nebensächliche Bedeutung. Im traditionellen Judentum wird kein Wert aus die Uebersetzung gelegt, sondern nur auf das Originals Die Uebersetzung ist „nur ein Gerüst, das abgebrochen wird, wenn der Bau fertig ist", wenn man im Urtext sich Heimatrecht erworben hat. Die Frage einer Uebersetzung wird uns niemals bis in unser Innerstes so erregen, wie es hier bei diesen beiden der Fall war. Sie haben die Bibel gelesen, wie „ein Schuljunge mit heissen Backen den Faust liest." Was ist die Bibel doch ein gewaltiges Buch! Am Ende all ihrer literarischen Erlebnisse greifen sie doch wieder zur Bibel als dem Höchsten und Letzten. Sie erkennen: die Bibel fei „das wichtigste Buch", sie wollen es der Zeit zurückgeben. Für sie stand nicht der alte, gläubige Jude, sondern der moderne Mensch vor Augen, der moderne Jude mit seinem Glauben und seinem Unglauben, und sie hofften, dass wer in neuer Sprache die Bibel hört, dass dem ein Besinnen ankommt, eine Besinnlichkeit, dass die Sprache der Offenbarung sich neu an ihm bewähre und er seine Antwort, die Antwort der Erlösung, auf den Ruf G'ttes gebe. Hat sich diese Hoffnung erfüllt? Buber und Rosenzweig haben sich hierin u. C: leider getäuscht. Eine Uebersetzung eines Juden wird Die Woche. . Berlin. Eine Verordnung des Bildungsministers Rust besagt, daß von den Bedürfnisausschüssen keine Bewilligungen an S r> nagogengemeinden zur Besoldung ihrer Beamten für 1932 und 1933-mehr erfolgen dürfen. — Nach einem Beschlüsse des Berliner Magistrats dürfen Schulgel de r - mäßigungen. für jüdische Schüler und Schülerinnen, auch wenn nur ein Großelternteil jüdisch ist, vom 1. Oktober 1933 ab vorerst n icht me hr b ew ill i gt w erden. — Der Vorstand des B ö r s e n v e r e i n s der deutsch en Buchh ändler hat sich mit der Reichsleitung des Kampfbunbes für deutsche Kultur und der Zentralstelle für deutsches Bibliothekswesen dahin geeinigt, die Werke von 12 Schriftstellern, u. i. Lion Feuchtwqnger, Alfred Kerr, Emil Ludwig, Heinrich Mann, Kurt Tucholsky, Arnold'Zweig aus dem Buchhandel auszuschalten. — lieber Kundgebungen im Ullstein-Hmüse macht der „Völkische Beobachter" Mitteilung. Die Kundgebungen der gesamten Belegschaft hatten zur Folge, daß die jüdsscheniRed a kteure der Ullstein- Blätter entlassen wurden. Dazu gehören, auch die der „Vossischen Zeitung" und des „Tempo". Infolge dieser plötzlichen Entlassungen sind die beiden genannten Blätter am ,Oonnershag mit wesentlicher Verspätung erschienen.- — Am Donnerstag brach Streik in den vierzehn Berliner Zweigstellen sowie in den Stettiner und Kieler Filialen der Einheitspreisgeschäfte „Epa" aus. Die Angestellten fordern die Entfernung der jüdischen Leitung. — Die. jüngsten S o nd er g er ichtsurteile am 11. Mai betreffen den 63jährigen Pferdemakler Isidor Klein, der in zweiter Instanz wegen Verbreitung falscher Gerüchte zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt wird. — Eine junge Frau streute ebenfalls Gerüchte über Mißhandlungen von Juden aus und gab auch die Absicht kund, ZU ihrem jüdischen Geliebten nach Polen zu fahren, um dort die Gerüchte weiter, zu verbreiten. Ihr Vergehen erklärte der Staatsanwalt als „eine Sünde wider das Blut". Sie wurde zu einem Jahre und neun Monaten Gefängnis verurteilt. — Der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" hat einen solch starken Zuwachs zu verzeichnen, daß zahlreiche Ortsgruppen neugegründet werden muhten. In einzelnen älteren Ortsgruppen erreicht der Mitgliederzuwachs 75 Proz. — Wie der „Berliner Beobachter" mitteilt, sind alle laufenden Verträge der Stadt Berlin mit jüdischen Aerzten und Zahnärzten gelöst und ihre Stellung mit nationalen Aerzten besetzt worden. Frankfurt a. IR. Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels ersucht den preußischen Kultusminister, die Singer-Nähmaschine bei Anschaffungen für öffentliche Schulen auszuschalten. Die „Frankfurter Zeitung" bemerkt dazu, daß die Firma Singer A. A. über zehntausend deutschen Arbeitern und Angestellten Vrot gebe und fragtwem mit jener Maßnahme gedient sein solle? München! In einem Gemeindehaus der. Jüdischen Gemeinde, in welchem verschiedene jüdische 'Organisationen und Vereine ihre Büroräume haben, wurden am vergangenen Freitag von Organen der Polizei Haussuchungen vorgenommen. Eine Reihe von Vereinen wurde für aufgelöst erklärt. Die Jüdische Gemeinde München bemüht sich, die Angelegen heit aufzuklären. Die Verhandlungen hierüber mit den zuständigen Behörden sind noch im Gange. Heidelberg. In Salzburg, wohin er sich begeben hatte, um den Ehrungen zu seinem 80. Geburtstag zu entgehen, ist. dieser Tage der bekannte Heidelberger Mineraloge. Dr, Victor G o l d s ch m i d t gestorben, der seit 45 Jahren in Heidelberg tätig war und das mineralogische und kristallographische Institut zu einer wichtigen wissenschaftlichen Zentralstelle ausgebaut hatte. Paris. In einer Versammlung des Internationalen Studentenwerkes wurde beschlossen, eine großzügige Hilfsaktion für die von den deutschen Hochschulen entfernten Professoren und Studenten, soweit sie sich nach dem Auslande begeben haben, einzuleiten. Warschau. Die polnische Aerztekammer bemüht sich bei den medizinischen Fakultäten, daß ausländische Arztdiplome nicht mehr anerkannt werden. Begründet wird diese Maßnahme mit der Ueberfüllung des polnischen Aerztestanöes, der durch die Einwanderung jüdischer Aerzte aus Deutschland noch weiter bedrängt werde. Zigarren ACk Wolf W Zeil Tel*Hama 27930 nie die Uebersetzung für die ausserjüdische Welt sein, weil diese sich immer scheuen und sträuben wird, anzuerkennen, dass die Reupcägung der Bibel durch Juden der heutigen weit die Offenbarung vermittelt habe. Bleibt nur der kreis der deutschen Juden, die bereits dem Original entfremdet sind. Wird diese, frage ich, jener grosse Ernst ankommen, der die Uebersetzer erfüllt hat? Selbstverständlich ist das Werk als literarisches Ereignis etwas Gewaltiges. Aber, wie schon gesagt, es wäre ein schlechter Lohn für beide, wenn durch sie nur dem Schöngeist eine neue Gabe ästhetischer Vollendung geschenkt worden wäre. Sie hofften und verlangten mehr; sie hofften, echte, neue Religiosität zu erwecken, Menschen aus dem Schlaf des Unglaubens, des Materialismus, zu neuem. Ci> greifen ihrer grossen jüdischen Lebensaufgabe, zur letzten Entscheidung über Gut und Böse aufzurütteln. Aber da sverm achten sie nicht. Ihr werk war und blieb F e i n s ch in e ck >e r k o st, nicht mehr. (Fortsetzung folgt). Korrespondenzen * nacbricbten. Deutsches Reich. Eintritt orthodoxer Vertreter in die Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände. Berlin, 9. Mai. Der Halberstädter Gemeinde verband, die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Frankfurt und öle Deutsche Landesorganisation der Agudas Jisroel in Berlin haben der Aufforderung, an der Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände teilzunehmen, Folge geleistet. Sie haben dabei erklärt, daß sie in dem gemeinschaftlichen Gremium eine aus den außergewöhnlichen Zeltverhältnissen geborene und durch sie vorübergehend gerechtfertigte Institution erblicken, und daß sie aus diesem Grunde die historisch begründeten Hemmungen gegen ein Zusammenwirken mit religiös andersgesinnten Organisationen zurückstellen. Es ist vereinbart worden, daß die Freiheit der Tendenzen und Prinzipien unberührt bleibt und daß,, bei Wahrung der Forderungen der Loyalität, die Selbständigkeit, zumal in der Wahrnehmung der religiös-kulturellen Belange, fortbestehen soll. Zu Vertretern der drei Organisationen wurden die Herren Dr. Pinchas K o h n und Dr. Salmnon E h r - mann ernannt, ersterer zum Mitglied des engeren Direktoriums. Die Benennung von Vertretern für die Ausschüsse bleibt Vorbehalten. Jüdische Anwälte in Preußen. Berlin, 15. Mai." , Das preußische Justizministerium hat die Zahl der endgültig in preußischen Oberlandesgerichts-Bezirken zugelassenen arischen und nichtarischen Anwälte bekanntgegeben. Insgesamt sind in Preußen 11 814 Anwälte bisher zugelassen gewesen, davon 8299 Arier und 3515 Juden. Von diesen Juden waren 735 Frontkämpfer und 1383 Alt-Anwälte. Gegen 923 Juden und 118 Kommunisten sind Vertretungsverbote erlassen worden. Insgesamt sind an jüdischen Anwälten künftig 2158 zugelassen. Die zugelassenen nichtarischen Rechstanwälte verleiten sich aus die einzelnen preußischen Oberlandesgenchtsbezirke laut einer bestimmten Ausstellung. Es ist zu berücksichtigen, daß die Zahl der „nichtarischen" Anwälte nicht nur die Jude n umfaßt, sondern auch getaufte und Judenstämmlinge. Vor dem Frankfurter Gerichtsgebäude fand eine Ansammlung mehrerer hundert Menschen statt, die gegen die Zulassung jüdischer Rechtsanwälte demonstrierte. Einige Gruppen drangen auch in das Anwaltszimmer ein, aus dem sie durch die SA-Wache entfernt wurden. Die Ruhe war bald wieder hergestellt.

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