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Der Israelit · 1933-05-11 · Heft 19 (11.5.1933) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 19 (11.5.1933)
Date
1933-05-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 19 •ivj» ’) wt.?;#S M H*'; 1 l'!' V!-" ,’’y ■ Der Israelit 11. Mai 1933 der dem Bedauern über judenfeindliche Aeußerungen in einer Reihe in letzter Zeit in der Schweiz abgehaltener Versammlungen Ausdruck gegeben wird. Der Bundesrat hat daraufhin eine Erklärung veröffentlicht, in der er es als selbstverständlich bezeichnet, daß die Schweizer Staatsbürger der Verfassung gemäß in gleicher Weise ohne Berücksichtigung des Unterschiedes von Konfession oder Rasse behandelt werden. Nansen-Institut und Staatenlosenfrage. Gens, 8. Mai Die internationale Quäker-Zentrale in Genf hat dem Völkerbund ein Denkschreiben überreicht, in dem der Völ kerbundsrat aufgefordert wird, die Tätigkeit des Nan sen-Jnstituts auf alle Staatenlosen auszudehnen. In dem Schreiben der Quäker-Zentrale wird daraus hingewie sen, daß es außer den dem Nansenamt unterstellten russischen und armenischen Staatenlosen noch viele Zehn tausende andere Staatenlose gibt, und daß das Staaten losenproblem sich durch die jüngsten politischen Ereignisse besonders verschärft habe. Der Völkerbundsrat wird auf gefordert, in seiner am 22. Mai beginnenden neuen Ses sion ein spezielles Komitee zur Ausarbeitung eines ge uauen Arbeitsplanes einzusetzen, demzufolge alle Staa tonlosen unter den Schutz des Völkerbundes gestellt und mit einem Nansenpaß versehen werden sollen. Ferner soll das internationale Nansenamt ermächtigt werden verschiedene Aktionen zwecks Erleichterung der Wände rung der Staatenlosen und der Arbeitsbeschaffung für sie einzuleiten. (ITA.). Holland. Hilfe für jüdische Flüchtlinge. Amsterdam, 7. Mai. Zn der zu Amsterdam abgehaltenen Versammlung der verschiedenen Flüchtlingskomitees Hollands, unter deiü Vorsitz des Leiters des Amsterdamer Komitees Andre Hertzberger, waren eine größere Anzahl Plätze mit insgesamt 74 Abgeordneten vertreten. Es wurde beschlossen: 1. Jeder einzelne Platz soll die Flüchtlinge, die be reits da sind oder noch kommen, selbst unterhalten, oder wenn sie es für angebrachter halten, solche nach Amsterdam schicken. 2. Den Flüchtlingen soll keine Gelegenheit gegeben werden, Arbeiten zu verrichten oder Handel zu treiben, um die Arbeitslosigkeit im Lande nicht noch zu vergrößern. 3. Alle Gelder, die eingehen, sollen, soweit sie nicht mehr auf den einzelnen Plätzen Verwendung finden, an das Zentralbüro in Amsterdam geschickt werden. 4. Jedem einzelnen Platz sei überlassen, Propaganda zur Sammlung von Beträgen selbst zu führen, in Hinsicht darauf, daß noch enorme Beträge benötigt werden, ganz besonders in Hinblick auf Punkt 2. 5. Möglichst überall sollen Redner auftreten, die das Publikum über die Arbeten der Komitees instruieren und auseinanderfetzen, weshalb größere Beträge notwendig sind. 6. Es sollen internationale Beratungen gepflegt werden, um einen Plan aufzustellen, wie den Flüchtlingen in anderen Ländern Arbeit verschafft werden kann. Polen Ern Fasttag in polen. Wilna, 9. Mai. Für Montag, den 8. Mai Ov’n 2—) war in ganz Polen ein allgemeiner Fasttag proklamiert, an dem außer den vorgeschriebenen Slichoth noch andere, der Lage entsprechende gebetet wurden. In allen Gemeinden wurde bis zum Abend gefastet, die Synagogen waren überfüllt und große Geldsammlungen wurden veranstaltet. Es war zu beobachten, daß sich dieser stillen Kundgebung auch die sonst der Orthodoxie fernstehenden Elemente nicht entzogen. Der Aufruf zum Fasttage war unterschrieben von Rabbi Israel Meier Hakohen in Radin (Chofez Chajim) und Rabbi Chajim Oser Grodzenski, Wilna, im Namen des Waad Harabanim. Es wird im Aufruf u. a. auch aus die Hungersnot und die Behinderung des religiösen Lebens in Rußland hingewiesen. Hachscharah in polen. Warschau, 9. Mai. Die Hachscharahkurse für Palästina sind in verschiedenen Teilen des Landes in voller Tätigkeit, so daß zu hoffen ist, daß vielen jungen Menschen volle Möglichkeit verschafft wird, sich eine Existenz in Erez Jisroel zu gründen. Mit der körperlichen Arbeit geht auch die geistige Fortbildung Hand in Hand. In letzterer Zeit sind auch mehrere religiöse junge Leute aus Deutschland in die Hachschärahinstitute eingetreten. Um dem großen Andrang gerecht zu werden, wird die Schaffung weiterer Kurse unumgänglich sein. Der Sonntag, Lag beomer, wurde vom Keren Hajischuw zu einem großen Sammeltag für die Hachscharahzwecke bestimmt. Eine Abteilung der Keren Hajischuw-Zentrale für das Wilnaer Gebiet wurde in P i n f k geschaffen, da gerade im litauischen Polen sich ein gewaltiges Interesse für die Palästinaarbeit der Agudas Jisroel bemerkbar macht. An unsere Abonnenten! Um Irrtümer zu vermeiden, geben wir zur Kenntnis, dass Zahlungen auf unser Postscheckkonto nur unter folgender Bezeichnung geleistet werden können: Nr. 19802 Verlag des Israelit und Hermon G. m. b. H. Frankfurt am Main. Tschechoslowakei. Allgemeiner Bet- und Fasttag des orthodoxen Judentumin der Slovakei. Preßburg, 7. Mai. Mit Hinblick auf die trostlose Lage der Juden in vielen Ländern bestimmte das Orthodoxe Rabbinerkomitee, den diesjährigen (5. Jjar) zum allgemeinen Bet- und Fasttag für alle orthodoxen Gemeinden der Slovakei laut den Anordnungen, wie sie im einzelnen von den Ortsrabbinern getroffen wurden. Das Bratislavaer Rabbinat brachte den Gemeindemitgliedern die Festsetzung des Bet- und Fasttages in einer Bekanntmachung zur Kenntnis. An diesem Tage fastete in Bratislava fast die gesamte Judenheit. Aehnliche Anordnungen wurden in allen Gemeinden des Landes getroffen und überall gab sich eine wunderbare religiöse Solidarität der Judenheit mit den leidenden Brüdern kund. Anglo Jewish Association zur Lage der Juden in Deutschland. London, 9. Mai. Die soeben abgehaltene Jahresversammlung, der A. I. A. stand ganz im Zeichen der Ereignisse in Deutschland. Gleich zu Anfang der Verhandlungen ergriffen Chiefrabbi Dr. Hertz und Chacham Dr. Gast er das Wort, um die Aufgaben der Vereinigung mit Hinblick auf die Lage der deutschen Juden zu schildern. Dgr Vorsitzende Leonard de Montefiore erklärte, es müsse alles daran gesetzt werden, für die Auswanderer neue Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Für die halbe Million Juden, die immer noch in Deutschland bleiben, leisten die deutschen Organisationen fast Uebermenschliches, es sei aber Pflicht der Juden im Auslande, sie nach Kräften zu unterstützen. Die A. I. A. dürfe jetzt an andere Aufgaben, wie die Erweiterung ihres Schulwerkes, gar nicht denken und alle Mittel für die Hilfsaktion bereitstellen. Die Vereinigung sei für die neue Aufgabe gerüstet, wie sie in 62 Jahren für die Hilfsarbeit in Osteuropa gerüstet war. Palästina. Brief aus Palästina. Wohnungsnot. — Zertifikate. — Arbeiterexzesse. Jerus alem, 5. Mai. Infolge der starken Einwanderung stiegen die ohnehin schon sehr hohen Mietspreise für Wohnungen in T e l - A w i w ins Unermeßliche. Es hat sich daher ein M i e t e r o e r b a n ü gebildet, der im Einvernehmen mit der Jrija eifrig bemüht ist, Wohnungen den Einwanderern bereit zu stellen und die Wohnungsvermittlung auf eine Basis zu stellen, die der privaten Spekulation entzogen ist. Die günstige Wirkung ist jetzt schon zu merken. Man wurde bei der Regierung vorstellig, daß der sogenannte „Mucharam", dcr Umzugstermin, der sonst auf den ersten Jjar fällt, um drei Monate verschoben würde. In diesen drei Monaten werden Dutzende von großen Gebäuden und Massenquartieren entstehen, die, schon an sich eine große Entspannung auf dem Wohnungsmarkt bringen würden. Selbstverständlich fehlte es, wie hier einmal üblich, auch nicht an einigen Demonstrationen. Der „Mucharam" wurde zwar nicht auf drei, aber auf einen Monat, also bis zum 1. Juni verschoben. Auch damit ist schon viel erreicht, denn viele Neubauten stehen vor ihrer Vollendung. Dieser Beschluß kommt von der Zentralregierung in Jerusalem. Damit erhält aber die Tel-Awiwer Jrija das Recht, Wohnungsverträge zu verlängern und Normalsätze für Hausmieten zu bestimmen. Willkürlichen Aufschlägen von Seiten der Hausbesitzer kann die Jrija entgegentreten und gewaltsame Ausmietungen verhindern. Mit diesen Vollmachten tritt nun die Jrija kräftig in den Kampf gegen eine gewissenlose Wohnungsspekulation. Das Gesetz hat größte Befriedigung ausgelöst. Die Bewilligung von nur 5500 Einwanderüngszerti- England Orts-Ausbau in Europa. London, 9. Mai. Auf der Sitzung der vereinigten Organisationen Ort- O s e in London teilten die Vorsitzenden Reville L a s k i und Lord M a r l a y einiges über die Pläne und Arbeiten der Organisation mit. Die Aufbauarbeiten des Ort, die sich bislang auf Osteuropa beschränkten, sollen sich nun s sikaten, einschließlich der vorausbewilligten tausend Zertiauch auf Deutschland erstrecken. Darüber berichtete sfikate für Deutschland für das kommende Halbjahr, hat Dr. A. S i n g a l o w s k y ausführlich. Er brachte seine; größte Enttäuschung in allen jüdischen Kreisen hervor- Ueberzeugung zum Ausdruck, daß das jüdische Volk auch'gerufen/ Nach Lage der Dinge, nach dem Schrei nach den jetzigen Zusammenbruch überleben und sich den ver-! arbeitenden Händen, in Berücksichtigung der Tatsache, änderten Verhältnissen anpassen werde. Die Umschichtung i daß in diesem Jahre 40.000 Dunam Plantagenlanü ander jüdischen Bevölkerung wird unvermeidlich sein und j gepflanzt werden sollen, hätte man zumindest für dieses dem Ort entstehen nach der Richtung Aufgaben, für die! halbe Jahr 15.000 Zertifikate erwarten müssen.. Ein er relativ gut gerüstet ist. Zurücksetzung der Juden ein Unglück für die Welt. London, 1. Mai. Auf einer Tagung der britischen und ausländischen Bibelgesellschaft hielt der ehemalige englische Ministerpräsident Lloyd George .eine Ansprache, in der er an alle Länder der Christenheir den Appell richtete, der großen Leistungen des Judentums für die allgemeine Kultur eingedenk zu sein. Fünftel wurde bewilligt, und man weiß, daß diese geübte Beschränkung wieder einmal als eine Vorbeugung gegen die Araber aufzusassen ist. Die Araber hatten bekanntlich ein furchtbares Zetergeschrei in Verbindung mit der Frage von Ostjordanland erhoben, und man kann den zionistischen Kreisen nicht den Vorwurf ersparen, daß sie durch die überlaute Ostjordanienaktion die Araber auf den Plan gerufen haben. Der Traram, der uns schon gleich nach der Balfour-Deklaration vieles kostete,!hat sich nun wieder einmal gerächt. Wenn in Regierungskreisen die Einwanderungsein- „Jch wünschte," sagte Lloyd George u. a., „jedes Land der Christenheit wäre eingedenk eines Satzes aus der j fchrtinkungen zum Teile auch mit dem Wohnungs Bibel, in dem es heißt, das Heil käme von den Juden, j nt a n g e l begründet werden, so ist dem entgegenzuhalten, Die Bibel ist nicht der einzige Beitrag der Juden zur j daß gerade durch den Mangel an Arbeitern der Häuserallgemeinen Kultur, aber sie ist ihr größter Beitrag; und! bau in Jerusalem und Tel-Awiw im gewünschten Maße sie ist gleichzeitig der größte Beitrag, den irgendeine! ntö)t vor sich gehen konnte. Eine großzügigere Politik Rasse jemals zur Zivilisation beigesteuert hat." Die Zurücksetzung der Juden hält Lloyd George in allen Fällen für ein Unglück für das Land und die Welt. Das Land gewinne nichts durch sie, niemand werde durch sie etwas gewinnen. bei der Bewilligung von Arbeiterzertifikaten hätte am besten dazu beigetragen, der Wohnungsmisere abzuhelfen.. Hoffentlich ist darin das letzte Wort noch nicht gesprochen. Freilich sind Vorgänge der letzten Tage nicht dazu angetan, ungeteilte Freude am Arbeiterkontmgent aufkommen zu lassen. Seit langem gibt es hier Plänke-

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