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Der Israelit · 1933-04-27 · Heft 17 (27.4.1933) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 17 (27.4.1933)
Date
1933-04-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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/ wzicl?üng und E»el? zum E.D-CX, Organ -es Knn-es gesehestrener Mscher Kehrer Drutschlan-s. Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach) Skoffanfammlung für den Zeder. Durch npinn yn am „Erscheinen" zu pvrcn noa verhindert, wollen folgende Materialien der »rv nva nun dienen. Der Chomezteig ist hohl, innerlich leer, aufgeblasen; es eilt ihm nicht mit dem Fertigwerden; er ist unruhig, gärend, säuerlich; er laust über die Schüssel, wird ungenießbar, verdirbt von innen heraus, entwickelt Giftstoffe, zersetzt sich, zerstört sich selbst; gibt ein Brot, das nicht innen ist wie außen, mit glänzender Kruste und schlammigem Innern, dasleicht vertrocknet und nicht lange hält. Der ihm gleichende Mensch ist ausgeblasen, eingebildet, mit seiner Größe prahlend, stolz sich überhebend; er arbeitet nicht an seiner Besserung, ist durch Müßiggang von innen heraus verlästert, folgt nur seinen Begierden, ist ungehorsam, ungezügelt, aufrührerisch, unaufrichtig, zersetzt sich, bis zum Untergang. Der Mazzohteig arbeitet rastlos an sich, damit er nicht verderbe; er kennt kein Ausruhen, er beeilt sich, um fertig zu werden, läßt sich kneten und drücken und stechen, begnügt sich mit wenig, dazu abgestandenem Wasser, verzichtet auf Salz und Hefe, auf Behaglichkeit und Wärme, er bläst sich nicht aus und geht nicht durch, ist folgsam; er gibt ein einfaches, anspruchloses, durch und durch gleichmäßiges Brot von unbegrenzter Haltbarkeit. Der ihm gleichende Mensch ist genügsam, einfach, bescheiden,- gehorsam, strebsam, fleißig, ehrlich, wahrhaftig, sein Inneres ist wie sein Aeußeres, er dauert aus, hat Ewigkeitswert. Mazzoh war ein Jahrhundert lang das kärgliche Brot des ruhelos tätigen Sklaven und somit ein Zeichen der Unfreiheit und des Leibeigentums. Am Tage des Auszugs war sie dazu noch ein glänzendes Zeugnis für die Disziplin eines versklavten Volkes, das, von der Angst seiner bisherigen Peiniger Herausgetrieben, seine Wohnstätten zwar in Eile, aber nicht in kopfloser Panik verlassen hat, sondern in beherrschter Ruhe und mit vornehmer, edler Gesinnung. Trugen doch die Männer nicht Gold und Silber, sondern das zunächst Allerwichtigste, den Teig zum Frühbrot für Frau und Kind auf der Schulter. Mazzohgenuß ist ein Zeichen der G'tteshörigkeit, der G'ttesdienerfchaft, des Sichbereitstellens für G'ttes Willen, ist der Verzicht auf Eigenwilligkeit, ist das Vertrauen in G'ttes Führung, das Aufgehen in seine Lehre. > Bewußter, protestierender Genuß von Chomez ist Leugnung dieser G'tteshörigkeit, ist Ueberhebung des eignen Willens, ein Sichlossagen von G'ttes Herrschaft, ist Leugnung seiner Thora, ist Verbrechen an der eignen Seele. . (Diese symbolische Bedeutung und das Verbot des Chomezgenusses haben bekanntlich nur für die Dauer des Festes Gültigkeit. Das Jahr hindurch gestattet G'ttes Güte den uneingeschränkten Genuß jeglichen Brotes.) Moraur muß uns alljährlich das bittere Unrecht, das die Aegypter uns antaten, erst wieder ins Gedächtnis zurückrufen. In unsrem Herzen sitzt nämlich nicht die Spur eines Hasses, einer Verbitterung, eines Rachegedankens gegen unsre früheren Bedrücker. Die Erinnerung an die maßlose Herzlosigkeit gegen entrechtete Menschen muß "aber erhalten bleiben nicht zur Auspeitschung einer Menschen- und Völkerverachtung, sondern zur Erklärung für die Bitternis der zehn Plagen und des nationalen Untergangs am Meere und all die schrecklichen Folgen, die.über Aegypten.kamen. Die Strafen waren selbstverschuldete, dienten einer sühnenden Gerechtigkeit, naw m» mn/ und sind eine Warnung an die Menschheit. Das Moraurefsen stellt unser felsenfestes Vertrauen dar, daß selbst ausgesuchte Bitterkeit in ihrem reinsten, beizenden Extrakt (Meerrettich) durch den Beistand einer höchsten Gerechtigkeit überwunden werden kann durch Energie (Schlucken. Selbstüberwindung) und Charauses. Eharauses wird als lehmartige Knetmasse hauptsächlich aus den Früchten solcher Bäume hergestellt, unter denen unsre Väter in Aegypten (nach dem o-r,») ihr ärmliches Mahl einnahmen, das aber versüßt wurde durch die Gegenwart von Frau und Kindern, die dem Manne, dem Vater das Essen brachten, zeugt also von deren innigem Familienleben, der Gattenliebe und der Elternverehrung auch unter den ungünstigsten Lebensbedingungen. Der durch uralten anm geheiligte Genuß des norm fordert uns auf, uns und andern das Leben und dessen Bitterkeiten zu versüßen durch die Tugenden eines jüdischen Familienlebens, vorbildlicher Nächstenliebe und Wohltätigkeit. Sollten, rn» Zeiten kommen, welche diese Tugenden gefährden, wäre der nviin -Genuß als eine den finaitifchen Geboten gleichstehende mit Segensspruch zu heitigende Pflicht zu lehren. Das nva-Opfer in Aegypten war eine Tat des Gehorsams auch unter Lebensgefahr. Leicht hätten fanatisterte Menschen die töten können, die ihre Götter schlachteten. Das wehr- und schutzlose, sich aufopfernde, fast freischwebende, von Feuersqualen durchdrungene noa pnp war das echte Bild des land-, macht- und rechtlosen Sklavenvolkes. Wie lustig hüpften die Böcklein und Lämmlein! So hüpfte G'tt über die Häuser der ihm bis zum Tode ergebenen Menschen mit unfaßbarer Schnelligkeit und doch mit unfehlbarer Allwissenheit jeden einzelnen Menschen, jedes einzelne Tier beachtend, jedem ins Herz schauend und ihn abwägend zum Tode oder zur Erlösung, lmvio nn,v-r)- Das noa p-ip im Tempel war ein Ausrichten an der Tat der Väter, ein Gelöbnis zu gleicher Treue, eine Huldigung und ein Hochziel der Familie als Grundlage des Staates, ein Treuschwur des Volkes, eine symbolische Hingabe an das Feuer des G'ttesgesetzes. Durch den Genuß des nvr-Fleisches sollten alle guten Gedanken, die Lehren, Satzungen und Rechte der Thora völlig aufgehen in die Straft des Menschen, wenngleich das innere Wesen der Gebote <03») uns, wie alles Erschaffene, für immer verschlossen, unantastbar bleiben muß. ("an« rnnp -vidn.) Wo ehemals das ganze Böcklein oder Lämmlein auf der Sederschüssel lag, vertröstet uns jetzt ein Ei auf die Zeit, da dje Trauer, um Jerusalem hinwegrollen wird so leicht, wie das Ei sich dreht, und mahnt ein ärmlicher Bratknochen an längst vergangene Tage und erweckt Sehnsucht für die Zukunft. ' Zur Zeit des Tempels wandte sich die Hauptausmerksamkeit des Volkes naturgemäß dem Peßachopfer zu. Die Jnsti erschienen im Vergleich zu ihm als Nebensache. Da unterstrich der biblische Name msan an die Bedeutung der Mazzvhpflicht. Jetzt nehmen die r-nsa allein unsre Sorgfalt, unser Interesse in Anspruch. Die Gefahr, daß r.oa p-,p nnn vergessen werden könnte, lag nahe. Da formte der Sprachgebrauch die Benennung in "noa„ um und erhielt dadurch die unverminderte, ewige Bedeutung der Peßachlehren und -gedanken lebendig mitsamt dem sehnsuchtsvollen Wunsche aPvi-va nsnn moP- Berlinger, Buttenhausen. Line jüdische Religionslehrer- Akademie in Köln. Das Kuratorium des Jüdischen Lehrerseminars in Köln teilt uns mit: Unabhängig von der künftigen endgültigen Gestaltung der Bolksschullehrer-Ausbildung in Preußen hat das Kuratorium des Jüdischen Lehrerseminars in Köln sich entschlossen, einem in weiten Kreisen der preußischen Judenheit seit langem gehegten Wunsche zu entsprechen, dessen Durchführung auch schon dem Heimgegangenen Studiendirektor Dr. Emanuel Carlebach s. A. vorfchwebte, nämlich in Zukunft die in Köln vorhandenen Einrichtungen und Erfahrungen in den Dienst der sachgemäßen Heranbildung von Religionslehrern, Kantoren und sonstigen Kultusbeamten nach modernen Grundsätzen zu stellen. Einzelheiten über die Dauer des Bildungsganges, über die an die aufzunehmenden Kandidaten zu stellenden Anforderungen hinsichtlich ihrer jüdischen und profanen Vorbildung sowie über den der Ausbildung zugrunde zu legenden Lehrplan werden demnächst bekannt gegeben. Bereits heute ist aber daraus hinzuweisen, daß zum I. April 1933 nur eine ganz beschränkte Anzahl von Bewerbern Aufnahmennden kann. Das „JüdischeßMhrerseminar im Rheinland" ist am II. Juli 1867 in Düsseldorf eröffnet worden. Im Jahre 1874 wurde die Anstalt nach Ehrenfeld verlegt. Seit 1876 befindet sie sich in Köln und unter der Leitung hervorragender Rabbiner und Pädagogen wie Rabbiner Dr. Feilchenfeld, Rabbiner Dr. Plato und Studiendirektor Rabbiner Dr. Emanuel Carlebach hat das „Kölner Seminar" als einzige thoratreue' Lehrerbildungsanstalt in Preußen immer größere Bedeutung für die ganze deutsche Judenheit gewonnen. Als nach dem allzufrühen Heimgang des letzten Direktors die Zukunft des Seininars angesichts der Akademisierung der allgemeinen Volksschullehrerbildung in Frage gestellt schien, sah das Kuratorium davon ab, einen' neuen hauptamtlichen Seminardirektor zu berufen, und betraute den feit vielen Jahren mit großem Erfolg am Seminar wirkenden Seminarstudienrat E. G u t mit der Leitung. Viele Hunderte von jüdischen Lehrern verdanken ihre Ausbildung dem Kölner Seminar. Seitdem die Anstalt unter Direktor Dr. Carlebach s. A. die staatliche Anerkennung und Prüfungsbefugnis erhalten hat, untersteht sie dem Provinzialschulkollegium Koblenz, und immer wieder bis in die allerjüngste Zeit ist ihr seitens der Aufsichtsbehörde die vollste Anerkennung mit den erzielten Leistlingen ausgesprochen worden. Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß das Seminar seit seiner Gründung niemals aus staatlichen Mitteln unterstützt morden ist; vielmehr war es immer auf private Gönner und Freunde angewiesen, doch haben auch die jüdischen Gemeinden und ^Landesverbände fast ausnahmslos es stets für ihre Ehrenpflicht ' gehalten, nach Maßgabe ihrer Kräfte zum Unterhalt der 'Anstalt beizutragen. Wer es wie wir gerade in den letzten Jahren miterlebt hat, wie unbeirrt durch die Angriffe des Lehrerverbandes das Seminar dank der hohen Berufsauffassung seiner Lehrkräfte und der eingehenden- Mühewaltung seiner Kuratoren, trotz schwerer wirtschaftlicher Nöte seine Arbeit nicht nur unentwegt fortgesetzt, sondern von Jahr zu Jahr immer mehr vervollkommnet und modernisiert hat. der kann das Kuratorium zu seinem oben mitgeteilten Beschluß nur aufrichtigst beglückwünschen. Denn auf diese Weise wird das wertvolle pädagogische Erbgut unserer Kölner Tradition nicht nur in erheblichem Umfang erhalten, sondern auch im bisherigen Geiste in neuer, zeitgemäßer Umgestaltung einer hoffentlich schöneren Zukunft überliefert. Der Bedarf unserer Klein- und Mittelgeineinden, aber auch mancher Großgemeinde an modern vorgebildeten jüdischen Religionslehrern ist naturgemäß wesentlich größer als der an Volksschullehrern. Der Lehrerverband, dessen Zahlen vermutlich nicht übertreiben, sprach kürzlich davon, daß es 630 Religionsiehrer und 160 jüdische Volksschullehrer in Preußen gäbe. Inzwischen hat man weitere 70 Volksschullehrer nachgewiesen; vielleicht verhält es sich mit den Kultusbeamten und Religionslehrern nicht anders. Auf jeden Fall stehen wir heute schon vor der überaus beklagenswerten Tatsache, Uber die fast jede Nummer des Lehrerverbandsorgans sich mit Recht entrüstet, daß viele Kleingememden aus Mangel an geeigneten Bewerbern mit geordneter Vorbildung Perfön-

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