Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1933)
- Date
- 1933-04-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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27. April 1933 Der Oberrabbiner überreichte Mussolini auch die untengenannte Resolution der Union. Wie amtlich mitgeteilt wird, war der Empfang ein recht herzlicher. Mussolini sprach dem Rabbiner sein tiefes Bedauern über die Vorgänge aus. Er habe das Vertrauen,/daß die beklagten Zustände bald normalen Verhältnissen weichen werden. Die Entschließung, die dem italienischen Ministerpräsidenten überreicht wurde, hat folgenden Wortlaut: „Die Union der jüdischen Gemeinden Italiens, in dieser traurigen Stunde den so sehr zurückgesetzten deutschen Juden aus vollem brüderlichen Herzen verbunden, bringt den innigen Wunsch zum Ausdruck, daß so rasch als möglich normale Lebensbedingungen für die deutschen Juden wiederhergestellt, ungerechte Beschränkungen gegen sie aufgehoben werden und daß sie sich wieder derselben Rechte wie alle übrigen Bürger erfreuen mögen. Die Union der jüdischen Gemeinden Italiens bringt den Wunsch zum Ausdruck, daß alle zivilisierten Nationen ein bindendes Uebereinkommen treffen, das die Wiederholung gewaltsamer Zurücksetzung der Juden unmöglich macht und sie vor Verfolgung schützt." paiüslma. Eine „Cräneninsel" in Palästina. Jerusalem, 20. April. Wer kennt nicht die „Träneninsel" von Newyork, wie E l l i s Island, der Jnselhafen für die Emigranten genannt wird. Cs scheinen sich bei den Landungsbehörden in Palästina ähnliche Methoden herauszubilden. Und das zu einer Zeit, da man glaubt, in London für eine Erleichterung der Einwanderung aus den Ländern der jüdischen Not ein geneigtes Ohr zu finden. Es ist bereits berichtet worden über die Verweigerung der Landung für rumänische Touristen, die die Peßachtage in Jerusalem verleben wollten. Erst nach laugen Inter-; ventionen und Erlegung von hohen Kautionen wurde ihnen gestattet, sich vier Tage in Haifa aufzuhallen, ohne Jerusalem und das Land besichtigen zu dürfen. Noch krasser ist der Fall der 23 jüdischen Touristen aus Polen, die bereits seit Wochen in dem Gefängnis zu Akka schmachten bis zu ihrer Ausweisung aus dem Lande. Diese Touristen sind aus legale Weise über Syrien ins Land gekommen. Das Einwanderungsamt aber griff sie auf und brachte sie in Gewahrsam. Nunmehr verklagten sie das Einwanderungsamt und ihre Klage kam am 6. April vor dem Kreisgericht in Jerusalem zum Austrag. Ihre Verteidigung führte Advokat Elias. Der Vertreter des Einwanderungsamtes machte geltend, daß nach den Einwanderungsgefetzen es dem Amte zustehe, Einwanderer auch wenn ihre Formalitäten in Ordnung sind, das Betreten des Landes zu verbieten. In diesem Falle hätten die Touristen, obwohl ihnen das Verbot rechtzeitig zugegangen war, diesem zuwidergehandelt. Man habe sie daher in Haft genommen mit der Absicht, sie zurück über die syrische Grenze zu bringen. Dort hätten sich aber die französischen Behörden geweigert, sie wieder aufzunehmen, so muhten sie ins Gefängnis verbracht werden und dort so lange.bleiben bs zum Erlaß des Ausweisebefehls. Rechtsanwalt Dr. Elias protestierte vom menschlichen und rechtlichen Standpunkte aus gegen die Einfperrung und Behandlung der Touristen. Sie hatten bereits mit Wissen der Behörden die Grenze überschritten, so daß der weitere Marsch nicht als ein Verstoß gegen die Gesetze betrachtet''werden könne, jedenfalls nicht in dem Maße, daß die langwierige Haft gerechtfertigt wäre. Es komme noch hinzu, daß sich die Haft auf ein Gesetz von 1926 stütze, das durch einen späteren Erlaß von 1928 ausgehoben ist. Die durch Dr., Elias geführte Klage der Touristen wird vom Gericht abgewiesen. Das Gericht sprach dem Cinwanderungsamt das Recht ab, die Touristen länger als vier Tage in Haft zu halten. In diesem Falle treffe aber die Schuld sie selbst und ihren Verteidiger, da durch die eingereichte Klage die beschleunigte Ausweisung und Abschiebung verhindert wurde. Es machte einen tief deprimierenden Eindruck, als die Touristen wie Schwerverbrecher gefesselt und unter starker Bewachung vom Gerichte wieder ins Gefängnis abtransportisrt wurden. In den jüdischen Kreisen Jerusalems macht sich eine starke Erregung wegen dieses Vorfalles bemerkbar. Es wird im Zusammenhänge mit jenen Landungsverweigerungen kategorisch gefordert, daß die verantwortlichen Leiter des Einwanderungsamtes sofort abgesetzt werden. ■_D er Israelit Amerika« Hilfe für die deutschen Juden. N e w y o r k. 25. April. Das American Jewish Joint Distribution Committee berief im Emanuel-Tempel zu Newyork eine Versammlung ein, zu der etwa 760 Delegierte aus allen Organisationen erschienen waren. Es wurde die Gründung einer neuen Hilfsaktion für die deutschen Juden beschlossen, mit deren Leitung das europäische Büro des Joint betraut wurde. Dem Beschlüsse ging eine Rede des Vorsitzenden James N. Rosenüerg voran. Er wolle sich nicht in politische Auseinandersetzungen über die Tragödie der deutschen Juden einlassen. In diesem Augenblicke gelte es lediglich zu helfen. Richter Löh m a n teilte mit, daß das Committee in den .18, Jahren seines Bestehens über 8 0 Millionen Dollar für feine Hilfstätigkeit ausgegeben hätte. Gerade jetzt, in der Zeit der dringendsten Not, fei Amerika infolge der Krisis nicht mehr imstande, in früherem Maße zu Helsen. Dennoch sei er überzeugt, daß trotz allem die Juden Amerikas ihre Pflicht der Bruderliebe nach Kräften erfüllen werden. ‘ VERLAG OESJSRAELII UND HERMON G.M.B.H. FRANKFURT A. M., RECHNEIGRABENSTRASSE 7. Soeben wurde ausgegeben: Kommentar zu den Werktags- und Sabbatgebeten, nebst Uebersetzung von Rabbiner Dr. Elie Munk in Ansbach. 374 Seiten Gtoß-Dktav. preis in gediegenem Leinwandband Rik. <3.50 Geschenkausgabe in schwarzem Kaliko mit Goldauföruck, Schulausgabe in braunem Kaliko mit Farbenaufdruck. Mit dieser bedeutsamen Neuerscheinung findet ein langjähriger Wunsch der jüdischen Oefsentlichkeit nach einer deutsch geschriebenen, leichtfaßlichen und doch gründlich wissenschaftlichen Erläuterung unseres Gebetbuches endlich seine glückliche Lösung. Das Buch gewährt ein erhabenes Bild von dem unerschöpflichen Ideenreichtum unseres Gebetbuches, aber auch von der Tiefe und der Innigkeit der in ihm verborgenen Gemütswerte. Zwei einführende Betrachtungen über: „Die Bedeutung der Gebetzeiten" und den „Aufbau der Gebete" tragen noch besonders zur Vervollständigung dieses Gesamtbildes bei. Das Werk sollte in keinem jüdischen Hause fehlen; es wird ganz besonders von allen Erziehern und Lehrern der Jugend begrüßt werden. In den Vereinsbibliotheken wie in den Arbeitsgemeinschaften und Jugendvereinen wird es bald als unentbehrlich betrachtet werden. Das Buch ist durch alle besseren Buchhandlungen zu beziehen. Der Verlag liefert direkt gegen Nachnahme oder Voreinzahlung des Betrages (zuzügl. 40 Pfg. Porto innerhalb Deutschlands) auf Postscheckkonto Franksurt-M. 18802. Auf Wunsch Wirt) Sibortttenr ten des „Israelit" im Einzelfall Zahlung in zwei Raten eingeräumt, wovon die erste mit Mk. 3.- zuzügl. Porto durch Nachnahme bei Lieferung eingezogen wild, die zweite nach 4 Wochen. Dr. Johan B. Wise vertritt die Auffassung, daß die Hilfeleistung für die deutschen Juden kein rein jüdisches, sondern ein allgemein m e n s ch l i ch e s Problem -darstelle. Die Menschheit könne es nicht zulassen, daß 600.000 Juden zugrunde gingen. Richter 'Pros kau er bittet über der Rot in Deutschland das zunehmende Elend in D st e u r 0 p a nicht zu vergessen. Auch der Vorsitzende des American Jewish , Committee, Drj Cyrus Adler, stellt fest, daß die Lage der Juden auch in Osteuropa heute schwieriger sei als im Weltkriege. Der Leiter der Newyorker Sammlungen des Joint, D. Sicher, teilt mit, daß sich Hunderte von jungen Leuten freiwillig und freudig in den Dienst -der Sammlungen gestellt hätten. Der Joint sei die Brücke zu den notleidenden Brüdern, über die ihnen Trost und Brot gebracht werden. Nach einer weiteren Rede.pon Dr. Walter Lyman Brown schloß der Vorsitzende die Versammlung, nachdem der obgenannte Beschluß einstimmige Annahme gefunden hatte. Nr. 17 Seite 7 Die Woche. Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft. Um einen weiteren Kreis von Gemeindemitgliedern zum öffentlichen Morgeng'ttesdienst an den Wochentagen heranzuziehen, ist in der Synagoge Friedbergeranlage die in Frankfurt bisher unbekannt gewesene Anordnung getroffen worden, daß regelmäßig nach Schluß des Frühg'ttesdienstes ein zweiter Morgeng'ttesdienst stattstndet. Der Frühg'ttesdienst beginnt 6.30 Uhr, der zweite G'ttesdienst um 7.15 Uhr, am Montag und-Donnerstag 7.30 Uhr. Zunächst während der Omerzeit findet im Hörsaal der Synagoge Friedbergeranlage ein von der Gemeinde angeordneter nsn a'->v»-G'ttesdienst statt. Eine halbe Stunde vor Beginn dieses Abendg'ttesd j e n st e s werden seitens des Rabbinats Mussar- und Agodo-Vorträge gehalten. Das neue Schuljahr in den Unlerrichksansiallen der Israelitischen Religionsgesellschaft. Die Unterrichtsanstalten der Syna'gogengemeinde Israelitische Religioiisgesellschaft Frankfurt a. M. beginnen, wie aus dem Inserat in dieser Nummer ersichtlich ist, ihr neues Schuljahr am Dienstag, den 2. Mai. 7.30 Uhr vorm. Anmeldungen können auch jetzt noch angenommen werden, und zwar für die Volksschule bei Herrn Rektor O ch s e n m a n n, Bärenstr. 1, für die Realschule und Lyzeum bei Herrn Direktor Dr. Elias. Am Tiergarten 8. Ignaz Aron Eine ungeheure und erschütternde Tragik waltete im Leben von Ignaz A r 0 n, der inmitten des Festesjubels fein irdisches Dasein beschloß. Ein' rascher Glücksaufstieg, der ihn souverän unabhängig von Menschen machte — und ein jäher Glücksabstieg, der schließlich die zusammenhaltende geistige Kraft lockerte und ihn sich willen- und hilflos an Menschen anlehnen hieß. Ein reichbefrachtetes Schiff, das stolz ins Meer segelte — und ein zerschelltes Wrack, das trüb ans Ufer stieß. — Er war eine Edelnatur, dieser Ignaz Aron, in deren Mittelpunkt die jüdische Güte — nein mehr als das: das jüdische Gemiluth Chesed stand. Mit einer grenzenlosen Freigebigkeit ließ er Arme, Kranke. Waisen an seinen Schätzen teilnehmen. Aus einem, warmen und mitleidenden Herzen heraus öffnete er Bedürftigen, Kranken, Vereinsamten die Tore seines gastlichen Hauses zu vorübergehendem und zu dauerndem Weilen. Aber dieser Freigebigkeit, diesem von Menschenliebe überquellenden Herzen gesellte sich eine kluge und bewußte Bedachtheit. Er wog ab, wie und wohin er gab; er wollte befruchtend und erzieherisch wirken. Thorastätten . wie das Beth Hamidrasch Ostendstraße 18 war seine Fürsorge zugewandt, heranblühende Jugend aller Altersstufen, aus unbemittelten und bemittelten Kreisen scharte er, der Kinderlose, allsabbatlich. scharte er am Chanukka und Purim um sich, ermahnte und ermunterte sie mit lockenden Versprechungen, die er stets getreulich hielt, sich jüdisch zu führen und das G'tteshaus regelmäßig aufzusuchen. In dieser verklärten Gestalt wird er in dem Gedenken einer großen Gemeinschaft fortleben. In dieser verklärten Gestalt wird er nach seinem langen Leidenszug hingetreten fein vor G'ttes Thron, wird dort den Lohn für sein Tun empfangen und Fürbitte eingelegt haben für die. die ihm nahestanüen, und für sein armes, gequältes Volk. Trasan Touristenreise nach Erez Iisroek. Zu der Touristenreise am 18. sRai 1933 mit dem 24 000 Tonnen schweren Luxusmvtorschiff „Vnlcania" sind noch Karten in allen Klassen zu habeu bei der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt a. M., Schwanenstraße 12. Agudas Iisroel-Iugendgruppe E. V. Wir haben für unsere Mitglieder bebräische Sprachkurse unter Leitung des Herrn B. Messerer eingerichtet. Da zu den Kursen im Interesse einer ersprießlichen Arbeit nur eine beschränkte Teilnehmerzahl zugelassen werden kann, erbitten wir sofortige Anmeldung an Max Eschwege. Die zugelassonen Teilnehmer werden benachrichtigt. Der Beitrag zu den Unkosten beträgt Mk. —.20 pro Stunde. Wir haben von ausländischen Freunden Unterstützung in E. J.-Angelegenheiten angeboten bekommen. Die Mitglieder der Agudistischen Jugendgruppen, die sich für Einwanderung nach Erez Jisroel interessieren, werden aufgefordert, sich sofort mit dem Erez Jisroel- Anit der Jugendgruppe ins Benehmen zu fotzen. Die B ib l i oth e k s v e rw a ltu n g der Jugendgruppe fordert hierdurch alle diejenigen, die noch irgendwelche Seforim, Broschüren oder sonstige Bücher ans der Bibliothek der Jugendgruppe in ihrem Besitz haben, auf. diese sofort zurückzugeben. Die Bücher können täglich von 9—13 Uhr und von 15—19 Uhr im Büro (Schwanenstr. 12) abgegeben werden. Cs wird erwartet, daß dieser Aufforderung unverzüglich Folge geleistet wird, da die Bibliothek einer Neuordnung unterzogen werden soll. Geschäfksjubiläum. Die Firma Ch. Rumpler. Baudekorationsgefchäft, Sternstraße 25, begeht am 8. Mai ihr 30jähriges Ge-