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Der Israelit · 1933-04-27 · Heft 17 (27.4.1933) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 17 (27.4.1933)
Date
1933-04-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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27. April 1933 Nr. Jä- Frankfurt a. M., den 1. Jjar 569; IfDer Israelit Begründet vön Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1839: Deutschland ISO Mark monatlich; Ausland: Vterteltahrpreise (en sprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Koste» des Streifband-Versandes) Deutsch-Lfterretch: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 6 sh.; ab 1 Juli Frankreich23Fr.; Belgien ab 1.7.37. BelgaS. Houano 3fl.; Italien ab 1.1.38.18Lire; Ingo». slavten W Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 160 Lei; Polen 4 deutsche Gold« mark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowaket W Kronen; Ungarn Pengo 5 ab 1. Juli 1837; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. ■ Einzelnummer vierzig Toldpsennige. Thtffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt na st ebengespaltene nur 40 Pf. 350 Mk.; Tarif. Bet laufenden Geschäfts»«,.: Jul. Schmidt, VktenditraSe 83 Tel. 46866. Platzvorfchr. ohne Berbindlichk.' Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt tMarn) Nr. 18803. — Aatzecoem an: Postsparkasse Wien Nr.78603.— Postsparkassenant Budape t Nr. 18434.—Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VIII7851. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 84899 — Postscheckamt Prag Nr. 79.090 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten fich ergebende« Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. fl». Neuer Aufbruch. Don 3. Raphael in Beckum. hinter uns liegen die Tage des pestachfestes mit ihren ungewöhnlich zeitnahen Wahnrufen, mit einer Fülle von Betrachtungen, vor «lim Dingen mit den eindringlichen Aufforderungen und Aufrufen sämtlicher tradillonell-gesetzestreum kreise. Die Ausrufe sind verlesen worden, man hat sie in den Wittelpunkt der predigten gestellt, man hat sie wiederholt den Gemeinden bekannt gegeben. Run ist die stille Zeit des Diner da, und in diesen sieben Wochen — bis zum Tage der Erinnerung an die Geburt des jüdischen Gesetzes — hat in allen jüdischen Teilen der erste zähe versuch eines neuen Aufbruchs zu erfolgen. Wie in keinem Jahre sonst must diesmal das Schowuaus- Fest ein gewaltiges Wieder-Crleben der Gesetzesoffenbarung werden. Die jüdischen Aktionskreise richten überall planmästiges und systematisches Lernen ein. Wo die Organisierung von Lerngruppen nicht oder noch nicht „ermöglicht" werden kann, da wird einzeln bezw. in kleinsten Gremien gelernt. Jüdische Parteigrenzen sind dabei zu sprengen. Den Liberalismus, der mit seinen Irreführungen und Rebelgebilden weiter nichts als Bequemlichkeit und jüdische Unwissenheit emporgezüchtet hat, darf man überhaupt nicht mehr als „Partei" oder gar als „Weltanschauung" ansehen. Er ist eine große Fata morgana gewesen. Seine verführten Anhänger stehen heute vor dem seelischen Uichts und vor dem jüdischen Fiasko. Die jüdische Aktion must hier offensiv eingreifen, und sie wird den Geist von vorgestern glatt überwinden. Der neue Aufbruch bedingt den harten, unerhörten Willen zur jüdischen Erziehung. Erziehung bei der Jugend, die heute den Stolz des wahren Sinai-Judentums braucht, — Erziehung bei der alten Generation, die in äußerst weiten Kreisen, mehr als man überhaupt zu denken wagt, jetzt zunächst ein uneingeschränktes Bekenntnis zur Anerkennung der Autorität des Sinai-Judentums anzulegen hat. Endlich must aus allen jüdischen Stuben und Gedankenwinkeln der letzte liberalistische Spuk fortgetrieben werden, die Auffassung, das jüdische Gesetz und dessen Unwandelbarkeit und Ewigkeit zum Gegenstand latenter Reformen und Anpassungsexpecimente zu machen, es einer „Entwicklungspsvchose" unterzuordnen, es einem unwürdigen „freien Spiel" auflöserrfcher Kräfte hinzugeben. Der neue Aufbruch des Judentums liegt einzig und allein auf der Linie der Tradition, und auf sonst keiner. Aus den Weckrufen der Führer must die Tat erstehen,— jetzt und sofort und in den sieben Wochen der Sephirah. In allen Gemeinden, in allen Orten, wo eine Art jüdischer Gemeinschaft existiert, überall, wo Juden wohnen, sind jüdische Aktionskreise zu bilden, Zusammenfassungen und Konzentrationen von jüdischen Kämpfern, die durchaus und ohne Zaudern und Bedenken vom Geist der jüdischen Tradition erfüllt sind. Sie müssen restlos Juden -fein. Gefetzcstreue Führer haben die Pflicht, sich hinter diese Gruppen zu stellen, von ihnen insgesamt ist letzte Hingabe, höchste Opferbereitschaft und die Entfaltung stärkster Willensenergien zu verlangen. Ihre Aufgabe ist es, dm neuen Aufbruch des zufammmgefunkenen Judentums führend und maßgebend zu übernehmen. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat Mai Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet _ die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag desIsraelitG.m.b.H., Frankfurt a.M. » planmäßige Aktionen sind einzuleiten für den Kampf um Sabbat und Feiertage. Die Sabbat-Idee ist der zeitgemäße st e Ausgangspunkt für den Aufbruch des Idealist i scheu Indent u m s , im Kontrast zu der liberalistifchen Auffassung, die der Wirtschaft und ihren sogenannten Ligengesetzlichkeiten grostmütigst den vortritt gelassen hat. Alan hat von „Fortschritt" geredet und hat das Portemonnaie gemeint. THit dem ganzen Feuer jüdischer Begeisterungsfähigkeit ist gerade hier das Lügengewebe der Afstmilanten zu zerreißen und der Kampf für das idealistische Judentum aufzunehmen. Dasselbe gilt für die restlose Stabilisierung der Heiligkeit der Hohen Feiertage. Unvergessen sind noch die Manipulationen, mit deren Hilfe man vielerorts versucht hat, im letzten Jahre an den Hohen Feiertagen, ja sogar am Iaum Kippur, den Geschäftsbetrieb offen zu halten. Jüdischen Angestellten war es schwer gemacht worden, von ihren jüdischen Arbeitgebern au diesen Tagen beurlaubt zu werden. Ueber allem Idealismus und über allem Gesetz stand die Sorge um den „Produktionsprozeß". Das darf nie mehr Vorkommen. Aber hier must die jüdische Aktion bereits jetzt eiusetzeu, erzieherisch, eindrucksvoll, kompromißlos, eifernd und eindeutig. Die Erziehung zum k o n s c q u c n t j ü d i s ch e u Haushalt wird ausgenommen. Das Schächtverbot konnte nur aus dem Grunde so außergewöhnlich geruhsam, jamit einer gewissen „Selbstverständlichkeit" hingenominen werden, well es in der jüdischen Praxis schon längst „durchgefübrt" und widerspruchslos biugeuommeu worden war. Klan rechne nur aus, wieviel Prozent des deutschen Judentums überhaupt auf die Durchführung des jüdischen Haushalts Wert legte! Und mau überlege ferner, mit welcher sträflichen Indolenz überhaupt in den „guten" Jahren dieser Selbstpreisgabe des jüdischen Haushalts zugesehcn wurde! Rirgends tritt der geistige verfall so kraß zutage. 2lngesichls des offiziellen Schächtvcrbots riskieren liberalistische Kreise noch die Feststellung: . . . wenn bloß sonst nichts geschähe! . . . Eine jüdische Solidarität zur Durchführung einer vegetarischen Lebensweise und zum grundsätzlichen Verzicht auf dm Fleischgmust wird nicht zu erreichen sein. Selbst Gesahrmzeitm sind nicht imstande, religiöse Disziplin und Unterordnung unter das G'ttesgefetz zu schaffen. Die hundertjährige Epoche der jüdischen Auflösung hat jede spontane jüdische Waiiifestation ins Reich illusionärer Unmöglichkeiten verwiesen. Was aber zu dokumentieren ist: überall must es eine kleine Gruppe unbedingt konsequenter Juden Vorleben, aufzeigcn, beweisen: auch den Haushalt trotz aller Schwierigkeiten in den Dienst der Verwirklichung des Religionsgesetzes zu stellen. Jüdische Aktionskreise müssen sich der grundsätzlichen jüdischen Propaganda widmen, eines Werbung von Haus zu Haus, der Durchdringung mit jüdischem Wort und jüdischer Wirklichkeit. Richt genug ist dabei die gegenwärtige Bedeutung der jüdischen Zeitung hervorzuheben. Aber diese Presse must sich nunmehr ausschließlich der innerjüdischen Erziehung und Zusammenfassung, der Wegräumung von Schutt und Zersetzung zur Verfügung stellen. Sic must aus dem Idvll, aus dem Feuilleton und der gemütvollen Unterhaltung endlich heraus und ins Lager des jüdischen Kampfes schreiten. (Wir sind der Klei nun g, daß auch das Idvll, das Feuilleton, das schöne Wittel zu diesem Zwecke sein kann, wenn es echt jüdischen Geist atmet. Red.). Zugleich auch aus allen

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