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Der Israelit · 1933-04-21 · Heft 16 (21.4.1933) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 16 (21.4.1933)
Date
1933-04-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Nr. 16 Der Israeli Zigarren - Q Zeil Wolf Tel. Hansa 27930 Blitf bis auf den letzten Grund zu erfassen, sagte Rabbi Mosche: „Und ich, Armer an Geist, entdecke, wenn ich zum hundertsten Male die Gmorostclle durchlerne, das; ich sie n e u n u n d n e u n z i g m a l falsch gelernt habe . . . Und auch mein Rebbe, Rabbi Rosson," fügte er hinzu, „der an eiserner Gedächtniskraft kaum seinesgleichen hinterlassen hat, hielt es mit der gewissenhaften Vorbereitung so . . ." Wenn er später in zwei vollen Stunden die reise Frucht dieser mühsamen Vorarbeit vor den zweihundert Schülern, zu denen sich auch ältere Mitglieder hinzugcsellten, unter Dach brachte, sah man glänzende 2lugen, und Helle Stimmen brachten zum Ausdruck, was in Hellen jungen Köpfen vorging; zweihundert Satten eines Instrumentes kamen, wie vom Winde gestreichelt. in Bewegung» die Harfe Davids erklang in wunderlicher Harmonie zweihundertstimmig. Und der Meister dieses Instrumentes stand, selber jung, trotz der einzelnen Silbersäden im Barte, strahlend, und sagte: „Meine Kinder! . . ." Manchesmal tadelte er scherzhaft: „Ja, dort in Frankfurt, in e i n Rebbe Rabbi Rosson, er hatte ganz andere Schüler wie ich sie hier habe. — Kein Wunder," fügte er hinzu, bevor noch die Iungens Zeit fanden, beschämt den Kops zu senken, „wir i hatten dort in Frankfurt auch einen ganz anderen Lehrer, als ihr ihn leider hier habt ..." Und der Tadel klang in Lachen aus, das erlösend wirkte nach anstrengender Geistesarbeit von vielen Stunden. Inzwischen häufte sich die Post im Wohnzimmer des Rabbi an. Anfragen, Ansuchen, Botschaften aus weiter Ferne, Bittschreiben, Responsen, ganze Berge. Rabbi Mosche las sie alle, beim einfachen Mittagsinahle, das ec Wochentags für sich allein einnahrn, und nachher. Mit dem Gedanken an den In-> halt der Schreiben legte er sich zur kurzen Ruhe. Und j wenn er sich darauf an den Schreibtisch setzte, waren die Antworten alle schon gründlich durchdacht, ja im Geiste formuliert, bedurften nur noch der Rieöecschrist. Alles halachisch Grundlegende und Entscheidende aus dieser Korrespondenz wurde auch in die großen Hefte eingetragen, die aus dem Schreibtisch auflagen und die, in Abschnitten mit einleitenden Gebeten und Gedichten geordnet, auch die wöchentlichen Errungenschaften beim Lernen aus der Ieschiwah ausnahmen. Diese Hefte, Responsen, die das jüdische Sein in seiner Totalität umfaßten, aus dem Leben für das Leben geboren, trugen Ruhm und Ruf Rabbi Mosche Sofers aus preßburg in die weite Welt hinaus, machten aus dem preßburger Rabbiner den „ C h a - tarn Soser ". (Fortsetzung folgt.) Auch Fischfleisch ist Fleisch. Unter den gegenwärtigen Umständen, die von der deutschen Judenheit eine Umstellung ihrer Ernährungsmethode fordern, dürfte der nachfolgende, durch die hochangesehene wissenschaftliche Position des Verfassers legitimierte Aufsatz aus der Feder von Prof. Dr. von Drigalski in Berlin besonders aktuell sein, der in der letzten Nummer des „Deutschen Aerzteb l a t t e s " erschienen ist. Der Verfasser schreibt: 21. April 1933 „Zu einer vollkommenen Nahrung im Sinne des Ernährungsphysiologen gehört ein Gemisch von Kohlehydraten (mehl- und stärkehaltigen Stoffen), Eiweiß, Fett, Wasser und Salzen, dem bestimmte, sehr seine fermentartige Stoffe (z. B. Vitamine) nicht fehlen dürfen. Zu den wertvollsten Nährstoffen gehören die E i - weiße, insbesondere die „hochwertigen" Eiweiße tierischer Herkunft, die vorzüglich in Milch, Käse, Eiern, Fleisch und Fisch von der Hausfrau eingekauft werden. Unter den in ihrem Werte nicht erheblich voneinander abweichenden Fleischsorten wird das Fi sch fleisch von vielen Menschen nicht als vollwertig angesehen, da es „kein festes Fleisch" sei, nicht so sättige wie andere Fleischarten und vermutlich auch nicht dieselbe Kraft gäbe. Diese Anschauung ist durchaus irrig. Der Nährwert von Fischfleisch, nach dem groben Brennwert berechnet, steht dem festen anderen Fleisches nur etwa V.', bis tU nach. Wenn man sich hinterher nicht in übermäßiger Weise gesättigt, man kann auch sagen: vollgegesien suhlt, so ist das nicht ohne weiteres ein Nachteil, sondern eher ein Vorteil und ein Zeichen dafür, daß Fi sch fleisch leicht verdaulich ist. Als Kraftquelle steht die entsprechende Fisch -fleischmenge sonstigen Sorten, wenn man ein wenig mehr nimmt (s. o.). keineswegs nach. Da Fischfleisch ferner vielfach (besonders in dem billigen Hering und Bücking) wichtige Vitamine enthält, ferner kleine Mengen des für den Stoffwechsel ausgezeichnet wirksamen Jods und andere wertvolle Stoffe, da es andererseits außerordentlich bekömmlich ist und z. B. weniger zür Gicht disponiert, verdient es durchaus die zunehmende Wertschätzung, die nicht nur der Feinschmecker, sondern auch breitere Volksmassen ihm endlich zuteil werden lassen. Es war eine durchaus weise rituelle Regel, die mindestens einmal in der Woche (am Fasttage) den Genuß von Fisch nahelegte. Es ist auch kein Zufall, wenn das Diner des Schlemmers das Fischgericht nie vermissen läßt. — Es fragt sich nur, ob für die breite Volksernährung die Verwendung von Seefisch nicht nur im Interesse der Gesundheit wünschenswert — das ist bestimmt der Fall —, sondern auch rationell, d. h. billig ist. — Die Preiswürdigkeit geht daraus hervor, daß z. B. „Fischfilet", d. h. grätenfreies, schieres Fischfleifch für etwa 45 bis 48 Pfg. je Pfund im Jahresdurchschnitt gerechnet, zu haben ist, was etwa der doppelten Menge des unzerteilten Fisches mit Kopf und Gräten entsprechen würde. Man kann berechnen, daß bei der nötigen Zugabe von Fett und 2 Pfd. Kartoffeln je Person für ein hinreichendes Essen 25 Pfg. auszugeben sind, wenn außer der Kartoffelbeilage 125 Gramm schieren Fischfleisches in Fett gebraten verabreicht werden sollen. Diese Mahlzeit enthält schon ziemlich viel hochwertiges Eiweiß und darf gerade in dieser Beziehung als „gut" angesprochen werden — für 1/t RM.l Die Beilage von Kartoffeln (2 Pfd.) und Fett bewirkt zudem ein stärkeres Sättigungsgefühl. Bei Großeinkauf stellen sich die Verhältnisse wohl noch günstiger. Wir sind — z. T. gerade mit Rücksicht aus die Bekömmlichkeit des Fifchfleifches — in Krankenanstalten ufw. dazu übergegangen, den Genuß von Seefisch nach Möglichkeit zu fördern. Dabei haben wir eine ganz merkwürdige Beobachtung gemacht: Solange wir in dem größten Krankenhaus von Deutschland, dem Ru- Üolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin, mit 2400 Betten, nur eine Mittagsmahlzeit verabfolgten, galt Fisch nicht als besonders beliebt. Eine geschickte und umsichtige Verwaltung führte dann ein Auswahlessen ein, d. h. der Patient kann unter 3 verschiedenen Mittagessen die ihm am meisten zusagende Mahlzeit bestellen, und es zeigte sich nun. daß unsere Patienten viel stärker als früher das Fischgericht begehren. Für „magenschwache" Personen ist der leichtbekömmliche Seefisch naturgemäß besonders empfehlenswert. Aber auch für Masssnspeifungen, Volksküchen ufw. findet Seefisch heute schon und sehr mit Recht weitgehend Verwendung, und er könnte noch viel ausgiebiger verbraucht werden. Fischfleisch ist Vollfleisch und so wenig wie etwa Kalbfleisch „Halbfleisch". — Die Voraussetzung für die Sicherheit, mit der wir Seefisch als gesundes Fleisch und Volksnahrungsmittel empfehlen dürfen, ist heute in hohem Maße dadurch gegeben, daß in Deutschland Fischfang, Fischtransport und Fischhandel ganz ausgezeichnet organisiert sind. Mir sind die Zeiten noch in Erinnerung, in denen man sich schaudernd abwandte, wenn in den bescheideneren Lokalen Fisch serviert wurde. Das ist ganz anders geworden, heute ist das fvifcheste und einwandfreieste Fleisch, das verabfolgt wird, vielfach tatsächlich der Seefisch. Mit außerordentlicher Schnelligkeit, hygienisch einwandfrei und in besonderen Kühlwagen wird die aus den reinen Tiefen der See stammende Ware völlig frisch bis tief ins Inland gebracht. Was als „Fischvergiftung" zuweilen gemeldet wird, ist fast niemals eine Vergiftung durch Seefisch, der etwa durch Zersetzung schädlich geworden ist. Der Inländer kann vielmehr sicher sein, daß er den Seefisch so frisch erhält wie der Küstenbewohner. Hochseefischerei, Reichsbahn und Handel arbeiten mustergültig Hand in Hand. Ein Wort noch für den Hering, den schon mein verehrter alter Lehrer, der berühmte Physiologe E. du Bois-Reymond. als ein besonders billiges, fett- und eiweißreiches Nahrungsmittel empfahl. Der Hering ist nicht nur besonders nahrhaft, er enthält auch in jeder Zubereitung wertvolle Vitamine. Er vermag daher in mehr als einer Beziehung über schlechte Zetten hinwegzuhelfen. Wir haben also im Hering wie auch in anderen Seefischen billige und wertvolle Vitaminträger, und gerade in der Jahreszeit, in der Gemüse und Früchte wenig oder verhältnismäßig teuer zu haben sind. „Gut leben" heißt nicht üppig leben, sondern heißt zweckmäßig, auskömmlich und ohne unnütze Belastung leben. Gerade Fischfleifch und insbesondere Seefisch stellen ein wertvolles Nahrungsmittel dar, das verhältnismäßig wenig belastet." Wir möchten wünschen, daß dieses wissenschaftliche Votum, dessen Richtigkeit — soweit es sich nicht um besonders schwache Individuen oder um Kranke handelt — wohl von keiner Seite angefochten werden wird, in allen Kreisen der deutschen Judenheit ernste Beachtung fände. Insbesondere bei denjenigen, die sich etwa berechtigt glauben sollten, aus angeblichen Gesundheitsrücksichten'die g'ttlichen Lebensordnungen preiszugeben, mit denen uns der Schöpfer geheiligt hat. und in denen für ewige Zeiten unser sittliches Wohl nicht nur, sondern auch unser physisches am besten geborgen ist. Sprechsaal. Sehr geehrte Redaktion! Heute möchte ich mit 3 Anregungen kommen: 1. Alle jüdischen Krankenhäuser, Altersheime usw. sollen veranlaßt werden, aus dem Ausland Dosen Fleischextrakt zu beziehen. Bekanntlich ist in Baden jetzt auch die Fleischeinfuhr verboten. 2. Alle deutschen Juden sollen Mitglieder einer jüdischen. freiwilligen Krankenversicherung werden, die nur jüdische Aerzte beschäftigt. 3. Alle deutschen follen die unfreiwillige Muße dazu benützen, sich nwnv mvbn und np'ia m gründlichst anzueignen. Nach dem Prinzip nrrvn n-nna pviVv bs m’-ipn wird dieses mar dazu beitragen, daß die Ausübung der ntrmp wieder möglich wird. Nebenbeibemerkt haben deutsche mums' vielfach durch die geringschätzige Auffassung, die sie von denv'nv hatten, gesündigt. .Sie waren Kantoren. Lehrer, erst in letzter Linie „Schächter".. Gailingen. Dr. Bohrer. Vermischtes. Fürth, 9. April. Schüler und Verehrer von Rabbiner M. L. Faust Fürth, werden daran erinnert, daß Dienstag, den 23. April sv'i wra, die erste Fahrzeit für den Stm ist. Der v-np 'v lautet: p iVun «■■■HHnnnHBnBnBHaanMnDBa Familiennachrichken. Barmizwoh: Manfred, Sohn des Herrn David Perel, Ffm. Jahnstr. 12. Synagoge Börneplatz. — Walter, Sohn des Herrn Meier Goldschmidt, Am Tiergarten 42, '3 'p nac?, Synagoge Friedberger Anlage. mm Billige Mittelmeer-Reise mit dem Motorschiff VÖLCANiÄ (24000to) vom 18. bis 30 Mai ab Neapel über Messina - Piräus 11 ^|| _ Port Said-Patras~FaSernio zurück Neapel Üll 3 Teilstrecken presse auf Verlangen Auskünfte, Buchungen durch C S U L I C H i— I iP* Agentur: Frankfurt am Main, Kaiserstrasse 20, Telefon 23773

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